The Blair Witch Project - Eine Filmanalyse


Seminararbeit, 2010

18 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Der klassische Dokumentarfilm
1.1 Die Mockumentary
1.2 Viral Marketing bei „The Blair Witch Project“

2. Analyse: „The Blair Witch Project“

Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Filmverzeichnis

Einleitung

Gegenstand der Filmanalyse ist der 1999 erschienene Film „The Blair Witch Project“ von Dan Myrick und Ed Sanchez. In dem Film geht es um drei Studenten, die in einem Wald, in dem laut einer Legende die Hexe von Blair leben soll, verschwinden. Dies geschah, weil sie versuchten im Wald eine Dokumentation über die Hexe zu drehen. Ein Jahr später werden die Filmrollen der Studenten gefunden. Diese enthalten stundenlanges Material, das dokumentiert, was in den vermutlich letzten Lebenstagen mit den Studenten geschehen sein soll.

Da es sich bei diesem Film um eine vermeintliche Dokumentation handeln soll, wird zu Beginn der Arbeit ein kurzer Überblick über die Entwicklung des klassischen Dokumentarfilms gegeben. Wie bereits erwähnt, ist „The Blair Witch Project“ nur eine vermeintliche Dokumentation und kann dem Genre der Mockumentary zugeordnet werden. Was genau Mockumentary´s sind und inwiefern „The Blair Witch Project“ dazu gehört wird in einem gesonderten Punkt geklärt. Bemerkenswert ist die bereits zwei Jahre vor Kinostart beginnende Marketingkampagne zum Film. Als Viral Marketing wird die speziell für diesen Film verwendete Marketingstrategie bezeichnet und ist im Grunde nichts anderes als Mundpropaganda, allerdings angewendet im modernen Medienzeitalter. Wie dies genau zu verstehen ist, wird in Punkt 1.2. näher erläutert.

Im zweiten Teil der Arbeit werden die konkreten Gestaltungsmittel analysiert, mit welchen die Regisseure versuchen „The Blair Witch Project“ als real beziehungsweise dokumentarisch wirken zu lassen. Desweiteren soll beobachtet werden, inwiefern sie die Authentizität des Filmes beeinflussen.

1. Der klassische Dokumentarfilm

Dokumentarfilme gibt es schon seit Anbeginn der Filmtradition. Die ersten Filme, die der Dokumentarfilmtradition zugordnet werden, sind die Kurzfilme der Brüder Lumiere, welche zugleich die ersten Filme überhaupt waren. Gemeinsam filmten die Brüder das alltägliche Leben. Bekannte Beispiele sind „L´arriveé d´un train en gare“ (1895) oder „Repas de bébé“ (1895). Doch schnell wurden diese anfänglichen Filme für das Publikum zu einfach und sie wollten mehr sehen. So entstanden die ersten, kleineren Filme mit gespielter Handlung. Ein Beispiel hierfür stellt der Kurzfilm „Der begossene Gärtner“ aus dem Jahre 1895 dar. Es wurde nicht von Anfang an zwischen fiktiven und non-fiktiven Filmen unterschieden, jedoch entwickelten sich schnell Tendenzen dementsprechend. Zum Beispiel sind große Unterschiede in den Filmen der Brüder Lumiere und denen George Méliés erkennbar. Méliés war von Anbeginn am Fantastischen im Film interessiert und arbeitete verschiedene Filmtricks in seine Filme ein, während die Brüder Lumiere von Anfang an eher realistische Filme gedreht haben und somit schon dem heutigen Dokumentarfilmgenre zugeordnet werden können.

Als erster, langer amerikanischer Dokumentarfilm wird „Nanook of the North“ angesehen, der 1922 von Robert Flaherty produziert wurde. Der Film stellt einen Meilenstein in der Entwicklung des Dokumentarfilmes dar, da er der erste Dokumentarfilm in Spielfilmlänge war. Der Film „Moana“, ebenfalls von Flaherty, wurde als erster Film als dokumentarisch bezeichnet. Grierson schrieb dies in der New York Sun 1926[1]: “Of course, Moana, being a visual account of events in the daily life of a Polynesian youth and his family, has documentary value“. John Grierson und Dziga Vertov veröffentlichten erste Begriffsbestimmungen zum Dokumentarfilm. Für Vertov ist der Dokumentarfilm eine „revolutionäre, faktographische Filmkunst“, die in die revolutionäre Gegenwart eingreift und diese motiviert, organisiert und ihr ein Bild von sich selbst liefert.[2] Hierbei soll auf narrative Elemente verzichtet werden und einzig die Montage soll zur Gestaltung erlaubt sein. Grierson hingegen definiert den Dokumentarfilm als „kreative Behandlung, der kreative Umgang mit der aktuellen Wirklichkeit“[3].

Der Dokumentarfilm besitzt verschiedene Funktionen. Er soll die gegenwärtige oder die historische Welt thematisieren und versuchen diese dem Rezipienten näher zu bringen. Dies soll möglichst ohne Wertung geschehen, dennoch muss sich der Zuschauer von vornerein bewusst machen, dass die Bilder die ihm gezeigt werden vorher genau ausgesucht und zusammenmontiert wurden. Somit ist nie eine wirklich rein objektive Darstellung möglich. Laut Grierson ist die vorrangige Funktion des Dokumentarfilms, der Bevölkerung zu ermöglichen bedeutsam am sozialen Prozess teilzunehmen[4] und diese mit Informationen zu beliefern.

Eine genaue Definition des Dokumentarfilmes zu finden erweist sich nicht als eine einfache Arbeit. Eine Definition ist zudem fast unmöglich, da „im Alltagsdiskurs und in der Alltagserfahrung der Zuschauer die Grenzen des Dokumentarfilms verschwommen und variabel sind“[5]. Viele Autoren von Fachliteratur stützen sich auf verschiedene Aussagen von Kollegen, die jeweils versuchen eine Definition zu formulieren.[6] Um grob den Dokumentarfilm von anderen Filmen zu unterscheiden eignet sich die Aussage von Siegfried Kracauer: „Die zwei allgemeinsten Filmtypen sind der Spielfilm und der Film ohne Spielhandlung“[7]. Das bedeutet, dass der Dokumentarfilm aus Nonfiction besteht. Hickethier definiert Dokumentation wie folgt:

Eine dokumentarische Darstellung wird dadurch „dokumentarisch“ dass sie ein direktes Referenzverhältnis zur vormedialen Wirklichkeit behauptet und diese als solche im kommunikativen Gebrauch von den Rezipienten akzeptiert wird. Der dokumentarische Anspruch eines Produkts kann im Diskurs der gesellschaftlichen Kommunikation über Medien bestritten werden, in dem dieser direkte Referenzbezug bezweifelt wird. Ob er tatsächlich besteht, kann nur durch einen direkten Vergleich der medialen Darstellung mit der vormedialen Realität erfolgen, was in der Regel Mediennutzern nur in den seltensten Fällen möglich ist.[8]

Grob gesagt besteht Fiktion aus konstruierten Bildern und gegebenenfalls aus einer komplett konstruierten Geschichte, wohingegen Nonfiction auf realen Bildern beruht, welche einen direkten Bezug zur aktuellen oder historischen Realität besitzen. Eine strikte Trennung des Dokumentarfilms vom Spielfilm ist nicht komplett möglich, da es zahlreiche Mischformen auf beiden Seiten gibt. Dies soll im Rahmen dieser Arbeit zur Definition des Dokumentarfilmes genügen, da es die kollektive Meinung über den Dokumentarfilm vollkommen abdeckt. Der Film Blair Witch Project ist eine dieser Mischformen, welche auch Mockumentary genannt wird. Im folgenden Punkt soll versucht werden, die Mockumentary genauer zu definieren.

1.1. Die Mockumentary

Der Begriff Mockumentary setzt sich aus den beiden englischen Wörtern ‚mock‘ und ‚documentary‘ zusammen. Das Wort ‚mock‘ bezeichnet eine Attrappe, eine Nachahmung oder eine Täuschung und ‚documentary‘ bedeutet dokumentarisch beziehungsweise durch Dokumente belegt. Eine Mockumentary bezeichnet demnach eine nachgeahmte Dokumentation beziehungsweise einen fiktionalen Dokumentarfilm. Es handelt sich um einen Film, der lediglich den Anschein einer realen Dokumentation wecken soll, jedoch auf falschen oder erfundenen Fakten beruht.[9] Der Begriff Mockumentary umfasst ein Subgenre der Dokumentation.

Die Darstellungen einer Mockumentary nehmen Bezug auf wahre Gegebenheiten oder beziehen sich auf Gerüchte, die dem Zuschauer bereits bekannt sind. Auch wenn die Mockumentary nicht auf wahren Begebenheiten beruht, kann sie dennoch keine erkennbaren Widersprüche enthalten, sondern muss eine schlüssige Geschichte darstellen. Desweiteren müssen Mockumentarys einfach und verständlich weitererzählt werden können. Um der Mockumentary mehr Glaubwürdigkeit zu schenken, werden unterschiedliche Stilmittel eingesetzt, die an eine Reportage erinnern. Meist wird versucht eine schlechte und improvisiert wirkende Beleuchtung zu erzeugen, um dem Zuschauer zu suggerieren, dass es zur Zeit der Dreharbeiten beispielsweise keine Zeit für eine gute Ausleuchtung verblieben ist. Auch die Nutzung von Handkameras für den Dreh ist sehr häufig, um den Eindruck eines spontanen Drehs der Wirklichkeit vorzutäuschen. Die Qualität wird ebenfalls bewusst minimiert, indem eine grobe Auflösung benutzt wird, um die Verwendung von billigem Filmmaterial vorzutäuschen. Hier entsteht der Eindruck, dass die schlechten Aufnahmen genügen müssen, da es keine besseren Originalaufnahmen vom Geschehen gibt. Da in Dokumentarfilmen viel auf den Originalton geachtet wird, wird auch in der Mockumentary versucht keinen perfekten Ton zu erhalten, welcher eigentlich technisch möglich wäre. Auch gibt es meist kein komplett vorgefertigtes Drehbuch, sondern die Schauspieler werden dazu ermuntert, selbst spontan auf Situationen zu reagieren und Dialoge zu improvisieren.

[...]


[1] Heller, Heinz-B., Zimmermann, Peter: Bilderwelten, Weltilder: Dokumentarfilm und Fernsehen, Dr. Wolfram Hitzeroth Verlag, Marburg 1990, S. 19.

[2] Hohenberger, Eva: Texte zum Dokumentarfilm 3, Vorwerk 8, Berlin 1998, S. 11.

[3] Hohenberger, Eva: Texte zum Dokumentarfilm 3, Vorwerk 8, Berlin 1998, S. 14.

[4] Izod, John; Kilborn, Richard: An Introduction to Television Documentary, Confronting Reality, Manchester University Press, Manchester 1997, S. 6.

[5] Eitzen Dirk: Wann ist ein Dokumentarfilm? In: Montage a/v 07/2/1998, S. 15.

[6] Vgl. Schadt, Thomas: Das Gefühl des Augenblicks – Zur Dramaturgie des Dokumentarfilms, Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach, 2002, S. 16. Oder Izod, John; Kilborn, Richard: An Introduction to Television Documentary, Confronting Reality, Manchester University Press, Manchester 1997, S. 3 f.

[7] Kracauer, Siegfried, 1973 In: Hickethier, Knut: Film und Fernsehanalyse, vierte Auflage, J.B. Metzler, Weimar, 2007, S. 181.

[8] Hickethier, Knut: Film und Fernsehanalyse, vierte Auflage, J.B. Metzler, Weimar, 2007, S. 181.

[9] http://www.thefreedictionary.com/mockumentary.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
The Blair Witch Project - Eine Filmanalyse
Veranstaltung
Medienwisseschaft
Note
1,6
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V156166
ISBN (eBook)
9783640688043
ISBN (Buch)
9783640687978
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Blair, Witch, Project, Filmanalyse, Mockumentary, Low Budget
Arbeit zitieren
Anina Müller (Autor), 2010, The Blair Witch Project - Eine Filmanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156166

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