Freiarbeit - Eine Chance für die Sekundarstufe?


Zwischenprüfungsarbeit, 2002
32 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung
0.1 Arbeitsplan
1. Zur Freiarbeit
Historische Ansätze - grundlegende Prinzipien / Reformkonzepte für weiterführende Lösungsmodelle - Zum Begriff - Übersicht verschiedener Reformpädagogen

2. Warum Freiarbeit?
Überlegungen zur Lebenswirklichkeit der Schüler - Das Gymnasium/ Kritikansätze

3. Potenzen – Lernziele der Freiarbeit
Bildungs- und Erziehungsziele des Gymnasiums unter freiarbeitsrelevantem Aspekt - Sekundarstufe konkret: Sekundarstufe I und II

4. Anforderungen
Vorüberlegungen - Rahmenbedingungen: Das Material (20) - Das Raumangebot (21) - Die Zeit (22) - Die Regeln (24) - Überlegungen zur Umsetzung von Freiarbeit in der gängigen Schulpraxis (25)

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

0. Einleitung

Nachdem ich mit der Problematik der Methodenvielfalt in dem Seminar „Methodenvielfalt im Unterricht“ vertraut gemacht wurde, möchte ich in dieser Arbeit den Begriff der Freiarbeit, als eine Möglichkeit des Offenen Unterrichts genauer betrachten. Wie bereits der Titel verrät, sollen im Zentrum meiner Überlegungen die Möglichkeiten und Potenzen der Realisierung von Freiarbeit in der Sekundarstufe, insbesondere am Gymnasium[1], stehen.

Aus der zahlreichen Literatur, die sich mit der Freiarbeit auseinandersetzt, wurde mir deutlich, dass der Begriff des Freien Arbeitens bis vor einigen Jahren hauptsächlich im Zusammenhang mit der Grundschule verbunden wurde, wo es mittlerweile als Methode durchaus akzeptiert ist und verhältnismäßig häufig angewendet wird. Betrachtet man aber den Sekundarstufenbereich, muss man feststellen, dass dieser kaum Beachtung fand oder dass offenere Unterrichtsformen wie Freiarbeit hier weitaus weniger anerkannt waren. Offener Unterricht fand, wenn überhaupt, meist außerhalb des schulinternen Unterrichts statt, wie z.B. in Projektwochen oder Studienfahrten.[2] Daran hat sich bis heute nicht wirklich viel geändert. Doch zeigt die neuere Literatur, dass es im Zuge der Reformbewegung immer wieder Bestrebungen gab und gibt, Freiarbeit auch in den Sekundarstufenbereich zu integrieren. Dazu sollen „Brückenschläge von der Grundschule her zu den weiterführenden Schulen hin“ (Groß 1992: 41) gezogen werden[3], denn hier herrscht eine Kluft.

Anfangs wurde oft versucht, Methoden der Grundschule auch in den Sekundarstufenbereich zu übernehmen. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Literatur mit speziellen Handlungsanweisungen und -hilfen zum erfolgreichen Umgang mit Freiarbeit in der Sekundarstufe.

Einer der Autoren, der sich speziell mit diesem Thema beschäftigt hat, ist Claus C. Krieger. Er vertritt die Meinung, dass Freiarbeit sowohl in der Grundschule als auch in der Sekundarstufe absolut sinnvoll sei. Sie könne die bis heute „bestehende Kluft zwischen Schulwirklichkeit und schülerorientierten Intentionen der Bildungspläne“ schließen und sei ein wesentlicher Beitrag zur „Humanisierung der Schule“ (Krieger 1994: IX). Animiert durch erste Erfolgsmeldungen der schulpraktischen Anwendung von Freiarbeit in den Sekundarstufen, hat Krieger versucht, in seinem Buch eine sich von der primarstufenspezifischen Freiarbeit abgrenzende neue Form von Freiarbeit zu präsentieren, die sich den sekundarstufentypischen Bedingungen anpasst. „Warum sollte es nicht möglich sein, Aktivitäten, wie sie in den außerunterrichtlichen Angeboten üblich sind, in den „normalen“ Unterricht einzubinden?“ (Krieger 1994 : IX)

An diese Frage möchte ich anknüpfen und versuchen, mithilfe der verschiedenen Literatur aufzuzeigen, was Freiarbeit für die Sekundarstufe leisen kann, und welchen Anforderungen die Schule für eine erfolgreiche Durchführung gerecht werden sollte.

0.1 Arbeitsplan

Zu Beginn soll ein Einblick in die Ursprünge sowie einige Konzepte, Auffassungen bzw. Vorstellungen von Freiarbeit gegeben werden, um schließlich eine Definition des Begriffs zu finden, die den anschließenden Ausführungen zur Freiarbeit der Sekundarstufe als Grundlage dienen kann. Denn das weit auseinander gehende Verständnis von Freiarbeit ist nach Silke Traub (2000: 27) eine Ursache dafür, dass diese sich in der Sekundarstufe nur schwer durchsetzt und auch häufig als Spielerei für die Grundschule abqualifiziert wird. Um folglich die Chancen und Grenzen von Freiarbeit in den verschiedenen Schularten zu erkennen, ist es wichtig, ein sowohl für die Primär- als auch die Sekundarstufe gültiges Verständnis von Freiarbeit zu entwickeln.

Der Folgeteil II setzt sich mit der grundlegenden Frage Warum Freiarbeit? auseinander.

Dazu möchte ich verschiedene Ansätze betrachten. Zuerst werden verschiedene Bereiche der heutigen Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen erörtert, denen die Lehrer und Lehrerinnen bei der Gestaltung ihres Unterrichts Beachtung schenken sollten. In diesem Zusammenhang wird auf die Diskussion aktueller Probleme der gymnasialen Bildung eingegangen und die Möglichkeiten der Freien Arbeit in den Sekundarstufen - insbesondere am Gymnasium - thematisiert. Welche Ansätze der Freiarbeit könnten zur Verbesserung der Bildungssituation in den Sekundarstufen beitragen? Grundlegende Hypothese sei nach Krieger (1994: 4) folgende: Der Mensch gelangt nur durch Selbsttätigkeit zur Selbständigkeit, wobei Erziehung nur als Aufforderung zur freien Selbsttätigkeit verstanden werden kann.

Es folgt eine Darstellung der allgemeinen Bildungsziele im Hinblick auf konkrete Bildungsziele von Freiarbeit. Es sollen ihre Potenzen in Bezug auf die Sekundarstufe herausgearbeitet werden, wobei die Potenzen von Freiarbeit in Sekundarstufe I und II unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden.

Im vierten Teil werden folgend die Anforderungen und förderlichen Rahmenbedingungen besprochen, die für die Einführung und dauerhaft erfolgreiche Durchführung von Freiarbeit in der Sekundarstufe erfüllt werden sollten. Letzte Überlegungen dazu gehen in Richtung der Probleme, die sich für den Sekundarstufenbereich ergeben. Welche organisatorischen Schranken erschweren bzw. behindern die Durchführung?

1. Zur Freiarbeit

Um den Begriff und die Inhalte von Freiarbeit besser zu verstehen, ist es von Nutzen ihre historischen bzw. reformpädagogischen Ansätze etwas näher zu betrachten. Denn Freiarbeit ist eine „traditionelle Form der schulischen Tätigkeit, die sich aus den Erfahrungen der Reformpädagogik ergeben hat“ (Sehrbrock 1993: 10).

Die Inhalte des „Freien Arbeitens“ sind durchaus keine pädagogische Neuheit. Ihre Wurzeln gehen zurück bis in die Zeit der Aufklärung. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Thesen Jean Jacques Rousseaus, der in seinem Werk Émile ou de l’Éducation (1762) erstmals „der Kindheit ihre eigene, von der Erwachsenenexistenz qualitativ sich unterscheidende Wesensart zubilligt und in der Selbsttätigkeit den Weg zur Selbständigkeit sieht“ (Krieger 1994: 141). Hierin begründet sich ein klassisches Leitprinzip freier Arbeit, das Prinzip der Selbsttätigkeit, dem sich das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe anschließt. Die grundlegende Forderung nach Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und persönlicher Emanzipation, wirkt in den heutigen Konzeptionen der Pädagogik weiter.

Ein wichtiger Grundgedanke Rousseaus ist, dass jedes Kind von Natur aus gut sei. Doch brauche es Erziehung, um nicht den „schädlichen Einflüssen der Gesellschaft“ (Gervé 1998: 35) ausgeliefert zu sein. An diesen Gedanken knüpfen Pestalozzi und Fröbel in ihren Überlegungen zur Humanisierung des Schullebens[4] an. Sie setzen auf die kindliche Einsicht in das sittlich Gute und suchen die in der „kindlichen Natur liegenden positiven Kräfte“ durch Anschauung und unter Beachtung der äußeren Rahmenbedingungen und Einflussmöglichkeiten zu fördern. Die Schule darf das Kind dabei nicht behindern sondern soll es bei seiner Entwicklung unterstützen. Angestrebt wird eine ganzheitliche Förderung von „Kopf, Herz und Hand“ (Harenberg Lexikon: 2333), wobei das Kind möglichst viel Freiheit zur eigenen Entfaltung erhalten soll.[5] Um besagten „Freiheitsbegriff“ oder auch das Prinzip der Freiheit reihen sich weitere Theorien wie z.B. von Kant, Humboldt, Schiller oder Herder.

Die genannten Erkenntnisse verweisen auf die Ziele der Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Reformbewegung, die starke Kritik an der bestehenden Schule nimmt und versucht deren „erzwungene Passivität“ (Koch 1996: 19) radikal abzuschaffen. Vielmehr sollen jetzt die Interessen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes - und nicht mehr nur der Unterrichtsstoff - im Mittelpunkt der schulischen Arbeit stehen. Das Buch der schwedischen Feministin und Pädagogin Ellen Key, Das Jahrhundert des Kindes (1900), regt dabei die Reformpädagogen stark an. Es gibt verschiedene Strömungen und Umsetzungsversuche einer „neuen“ Schule, die die Idee einer „Erziehung vom Kinde aus“ (Gervé 1998:40) verfolgt. Sie wird nunmehr als Lebensgemeinschaft gesehen, die selbst frei von staatlicher oder kirchlicher Bevormundung sein und dem Schüler die Freiheit zu selbständiger Entfaltung bieten soll. Dabei wird die „selbstbestimmte Aktivität der Schüler zu einer zentralen Kategorie“ gemacht und versucht, das unmittelbare Leben mit einzubeziehen. Schule wird zu einem „Ort der Menschenbildung“ (nach Koch 1996: 21ff.).

Seither wurden die oben genannten klassischen Prinzipien der Reformpädagogik, die die kinder- bzw. schülerorientierte „neue“ Schule kennzeichnen, immer weiter ergänzt und bilden in unterschiedlicher Schwerpunktsetzung eine Grundlage für verschiedene Reformkonzepte. Sie können nach Claus G. Krieger (1994: 17 ff.) vier Bereichen der grundlegenden Prinzipien untergeordnet werden.[6] Dies sind die anthropologische, psychologische, erzieherisch-pädagogische und methodische Grundlegung.

Der anthropologischen Grundlegung unterliegen das Prinzip der Anerkennung der Individualität eines jeden Schülers, das Prinzip des gemeinsamen Lernens, das besonders die Sozialnatur des Menschen beachtet sowie das Prinzip der ganzheitlichen Sicht des Menschen. Der psychologischen Grundlegung werden das Prinzip der Aktualisierung bzw. Lebensnähe, das Prinzip der Entwicklungs- und Interessengemäßheit und das Prinzip der Passung des Unterrichts zur Lebenswelt des Schülers zugeordnet. Die Prinzipien der sozialisierenden Erziehung und der zurückhaltenden Hilfe zur Selbsthilfe gehören der erzieherisch- pädagogischen Grundlegung an. Schließlich ordnen sich der methodischen Grundlegung noch folgende Prinzipien unter: das Prinzip der Aktivierung, d.h. die zentrale Aufgabe des Unterrichtes, die Aktivität des Schülers freizusetzen, die Prinzipien der Spontaneität, der Selbsttätigkeit sowie das Prinzip der Individualisierung durch Differenzierung - zur Berücksichtigung unterschiedlicher Lernvorrausetzungen der Schüler. Diese Prinzipen formen ein grundlegendes Prinzipienraster der „Freiarbeits-Pädagogik“ (Krieger 1994 : 17), eine Art Kanon der zentralen Merkmale verschiedener Modelle der Reformpädagogik, dem je nach Art des Modells weitere Prinzipien hinzugefügt werden können, die dieses von den anderen abgrenzen. Man kann also sagen, dass alle klassischen Formen freier Arbeit in den grundlegenden Prinzipien einer schülerorientierten Pädagogik übereinstimmen, sich aber durchaus auch voneinander abgrenzen. Es gibt nicht das Modell von Freiarbeit. Doch sind sich alle Reformer einig, dass aktives Lernen nur dann stattfinden kann, wenn der Schüler die Möglichkeit erhält selbstbestimmt zu arbeiten, wobei ihm jedoch angemessene Rahmenbedingungen gesetzt werden müssen. Die Vorrausetzung ist eine pädagogische Grenzsetzung, die dem Schüler Entscheidungsmöglichkeiten und Orientierung bietet. Dabei wird der Gestaltung der Lernumwelt große Bedeutung zugemessen. Der Lehrer ist für diese Gestaltung verantwortlich. Er wird zum Beobachter, der helfend eingreifen kann und damit eine indirekte Führung im Unterrichtsgeschehen übernimmt.

In der Literatur werden verschiedene Konzeptionen der Reformpädagogik genannt, die für die Entwicklung von Freiarbeit bis in die heutige Zeit richtungweisend sind und Grundlagen für unterrichtliche Verfahrensweisen bieten. Die Namen Montessori, Freinet oder Petersen gehören dabei zum festen Kern. Sie haben den Begriff von Freier Arbeit, jeder auf seine Weise, besonders geprägt.

Maria Montessori entwickelte beispielsweise ein pädagogisches Konzept zu selbsttätigem, differenziertem Lernen, bei dem die Kinder aus einer breiten Palette von Materialien ihre Beschäftigung frei auswählen dürfen. Sie ging von der Entwicklung des Kindes als Reifungsprozess aus, für dessen einzelne Entwicklungsphasen sie spezielle Arbeitsmaterialien konstruierte (nach Jürgens 1998: 104). Ihre Ideen und Materialien bieten eine Grundlage für die heutige Freiarbeit.

Der Schlüssel zum Verständnis der Pädagogik Maria Montessoris liegt in ihrer Vorstellung von der Entwicklung des Menschen, die sie als einen von Beginn an produktiven Akt der Selbstentfaltung ansieht. (Gervé 1998: 49)

Célestin Freinet verstand freie Arbeit als eine „freie handlungsorientierte Auseinandersetzung des Lernenden mit seiner unmittelbaren Lebens- und Erfahrungswelt (Jürgens 1998: 105). Außerdem maß er dem natürlichen Kommunikationsbedürfnis der Kinder große Bedeutung bei. Zentrales Arbeitsmittel seines Modells ist die Schuldruckerei.

Die Erfahrung hat gezeigt: die Schüler sind es schnell leid, Texte zu drucken, die sie nicht innerlich berühren. (...) Die Druckerei in der Schule hat ein sicheres und dauerhaftes psychologisches und pädagogisches Fundament: Den Ausdruck und das Leben der Kinder. ... Bei uns schreibt das Kind, um vom Erzieher und von seinen Kameraden gelesen und um schließlich gedruckt zu werden, damit sein Text, so verewigt, von den nahen und weiten Korrespondenten wahrgenommen wird. (Freinet nach Gervé 1998: 61)

Und Peter Petersen, der Begründer der Jena-Plan-Schule, griff zentrale Elemente sowohl der Montessori-Pädagogik als auch der Freinet-Pädagogik auf (nach Jürgens 1998: 105). Zusätzlich brachte er als zentralen Begriff die „Gemeinschaft“ ein (nach Gervé 1998: 44), d.h., das Lernen in der Gruppe wird bei ihm zum „zentralen Erfordernis einer humanen Schule“ (Jürgens 1998: 105). Ein wichtiges Element seiner Schulkonzeption ist der den Wochenplan[7], der sich jedoch bereits von Freier Arbeit abgrenzt. Hier wird ein Pensum von Aufgaben vorgegeben, das in einem bestimmten Zeitraum (meist eine Woche) zu erledigen ist. Die Fachgrenzen sind bei Petersen weitgehend aufgehoben, und statt dem„Klassenzimmer“ ist bei ihm die Rede von einer „Schulwohnstube“ (Gervé 1998: 46).

Die Freiarbeit ist folglich ein Modell, das auf verschiedenen reformpädagogischen Konzepten begründet ist, von denen jedes seine eigenen Vorstellungen zu den Rahmenbedingungen und zur Realisierung hat.[8] Doch sind ihnen bestimmte Merkmale gemein.

Die heutige Schule muss nun versuchen, ihre „eigene Didaktik“ (Jürgens 1998: 105) aus den ihr vorgegebenen Möglichkeiten zu entwickeln. Jedes Modell bietet Weiterführungsmöglichkeiten, wobei gewisse Unterschiede zwischen der Grundschul- und der Sekundarstufenspezifik einzelner Modelle gemacht werden können. Claus G. Krieger bezieht sich beispielsweise bei seinen Untersuchungen vorrangig auf Reformmodelle, die seiner Meinung nach für den deutschsprachigen Raum von Bedeutung und für die Konzeption von Freiarbeit auch in der Sekundarstufe richtungweisend sein könnten. Dies wären seinen Ausführungen zufolge das Modell der „freien sprachgebundenen Arbeit“ nach Berthold Otto (1994: 149 ff.), die „freie manuelle Arbeit“ bzw. „Selbsttätigkeit“ nach Georg Kerschensteiner (1994: 156 ff.) , die „freie geistige Arbeit“ im Sinne Hugo Gaudig s (1994: 163 ff.) und vor allem die „freie Arbeit“ im Sinne Maria Montessori s, die „freie Gruppenarbeit“ im Sinne Peter Petersen s (1994: 178 ff.) und schließlich „freies Arbeiten“ im Sinne Célestin Freinet s (1994: 187 ff.).

Interessant ist hierbei die Gegenüberstellung und vergleichende Analyse der verschiedenen Reformkonzepte mithilfe der im oberen Teil genannten Prinzipien und die anschließende Auswertung Kriegers, aus der er eine Charakterisierung von Freier Arbeit als Tätigkeit ableitet, die den „gemeinsamen Nenner“ aller Merkmale der Reformkonzepten erfasst:

Freie Arbeit ist eine Tätigkeit, die aus eigenem Antrieb und aus eigener Zielvorstellung erfolgt. Sie ist als Arbeit im Sinne von spontaner und selbstgewählter manueller, intellektueller und schöpferischer Aktivität zu verstehen, die unter pädagogisch vertretbaren Rahmenbedingungen sich zwangs frei, d.h. frei von direkter Beeinflussung durch den Lehrer, entfalten kann. Sie macht den Lernenden frei zu eigeninitiativem Handeln und Denken und zu individueller Entwicklung. Freie Arbeit ist identisch mit Selbsttätigkeit. (Krieger 1994: 197)

[...]


[1] Das Gymnasium findet in meinen Untersuchungen besondere Beachtung, da dieses über die Sek. I hinaus noch über einen zweiten Sekundarstufenbereich verfügt.

[2] Siehe hierzu auch die Ausführungen von C.G. Krieger (1994 : IX)

[3] „Von der Grundschule lernen“ heißt es bei Werner G. Mayer (1992: 14).

[4] Unter Humanisierung des Schullebens versteht man eine „der Eigenart des Menschen, seiner spezifischen Konstitution, den Prozessen seiner Entwicklung, seiner Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung entsprechende und sowohl der Vervollkommnung seiner geistig-seelischen Fähigkeiten als auch seinen Begrenzungen, Abhängigkeiten und Gefährdungen Rechnung tragende Gestaltung der Schulwirklichkeit (...)“ (Aurin nach Krieger 1994 : XIII)

[5] Daran anknüpfend entwickelten sich später die stark musisch orientierte Waldorf-Pädagogik und die Theorien der italienischen Ärztin Maria Montessori.

[6] Ich stütze mich hierbei auf Claus G. Krieger (1994 : 17 ff.), der die Systematik von Ferdinand Kopp übernommen hat à („Koppsche Systematik“)

[7] Der „Wochenplan“ wird oft als sinnvolle Methode für die Sekundarstufe I angebracht.

[8] Oft wird dem verallgemeinernden Begriff „Freiarbeit“ durch den Zusatz „im Sinne Montessoris“ oder “im Sinne Petersens“ etc. die jeweilige anthropologische Identität verliehen. (siehe Krieger 1994: 205)

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Freiarbeit - Eine Chance für die Sekundarstufe?
Hochschule
Universität Potsdam  (Institür für Pädagogik)
Veranstaltung
Methodenvielfalt im Unterricht
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
32
Katalognummer
V15617
ISBN (eBook)
9783638206778
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freiarbeit, Eine, Chance, Sekundarstufe, Methodenvielfalt, Unterricht
Arbeit zitieren
Katharina Brehmer (Autor), 2002, Freiarbeit - Eine Chance für die Sekundarstufe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15617

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