Analyse des Kurzfilms "Place des fêtes". Ein Unterrichtsentwurf für die 12. Klasse (Gymnasium)


Unterrichtsentwurf, 2009
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thematik

2. Beschreibung der Lerngruppe

3. Legitimierung und thematische Einbettung in die Unterrichtsreihe

4. Methodisch-didaktischer Kommentar

5. Kompetenzen

6. Lernziele
Stundenziel
Teilziele

7. Verlaufsplan

8. Literatur

9. Anhang
Arbeitsblatt 1 Place des fêtes
Arbeitsblatt 2 Place des fêtes
Arbeitsblatt 3 Place des fêtes
Folie Sicherung
Hausaufgabenblatt
Antizipation der Schülerergebnisse

1. Thematik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Beschreibung der Lerngruppe

Der Grundkurs besteht aus elf SchülerInnen des F-Gymnasiums und sieben Kooperationsschülerinnen. Aufgrund dieser neuen Konstellation sind einige SchülerInnen noch zögerlich hinsichtlich der mündlichen Mitarbeit. Um die Mündlichkeit zu fördern, ist der Unterricht kommunikativ und schülerorientiert angelegt. Im Bereich der Filmanalyse verfügen die SchülerInnen bereits über ein geringes Vorwissen, das weiter ausgebaut werden soll. Eine Schülerin befindet sich momentan in stationärer therapeutischer Behandlung und besucht daher den Unterricht nur unregelmäßig.

3. Legitimierung und thematische Einbettung in die Unterrichtsreihe

Das Thema der Unterrichtsreihe Réalité et fiction: Paris wird durch die Vorgaben zum Zentralabitur 2011 in NRW legitimiert. Zudem sollen sechs Episoden des Films Paris je t´aime, der 18 Kurzfilme (u.a. Place des fêtes) über Paris beinhaltet, behandelt werden.[1] Audiovisuelle Medien bieten die Möglichkeit, außersprachliche Wirklichkeit darzustellen[2] und sowohl rezeptive als auch produktive Fertigkeiten zu fördern.[3] Darüber hinaus wirken sie wegen ihrer Authentizität besonders motivierend.[4] Aufgrund des landeskundlichen Themas Paris wird das interkulturelle Lernen gefördert, das laut Lehrplan u.a. durch das Medium Film ermöglicht werden soll.[5] Da die Einheitlichen Prüfungsanforderungen sowohl „Entschlüsselungstechniken für Ton, Bild und Text“[6] als auch ein medienkritisches Urteilsvermögen der SchülerInnen fordern[7], soll in der heutigen Stunde der Film anhand eines analytischen Zugangs erschlossen werden.

Zur Einbettung der heutigen Stunde in den thematischen Kontext soll der folgende Überblick über die Unterrichtsreihe dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Methodisch-didaktischer Kommentar

Zur inhaltlichen sowie sprachlichen Vorentlastung und Einstimmung auf die Hauptcharaktere haben die SchülerInnen die Parkhausszene der Binnenhandlung bereits in der vorherigen Stunde gesehen. Diese Voranstellung ist sinnvoll, da es in der heutigen Stunde u.a. um die Frage gehen soll, warum der Regisseur Oliver Schmitz die Szenen nicht der Chronologie nach ordnet, sondern die Handlung mittels eines Rückblicks unterbricht. Die SchülerInnen sollen neben der inhaltlichen Bedeutung der Szene durch die Voranstellung der Parkhausszene leichter die Funktion der Retrospektive und den künstlerischen Aufbau des Films herausstellen können. Mit Hilfe der Filmanalyse lernen die SchülerInnen die Mittel der Filmsprache kennen und untersuchen ihre Wirkung auf den Rezipienten.[8]

Die heutige Stunde folgt einer Trias, bestehend aus Activités avant - pendant und après le visionnement.[9] Die Activité avant und pendant le visionnement sind Teil der Stunde und die Hausaufgabe stellt eine Activité après le visionnement dar.

In der Einstiegsphase fungiert das Standbild der Protagonistin Sophie als stummer Impuls, zu dem sich die SchülerInnen spontan äußern. Sie führen an, was sie bereits über Sophie wissen (implizite Hausaufgabenüberprüfung), sodass sich auch leistungsschwächere SchülerInnen beteiligen können. Darüber hinaus beschreiben sie Sophies Gesichtsausdruck und die liebevolle Geste, wobei sie Hypothesen aufstellen können, wessen Hand dies sein könnte. Der sorgenvolle Blick von Sophie steht im Kontrast zur lächelnden Sophie, die der Kurs aus der Parkhausszene kennt. Dadurch wird eine Spannung aufgebaut, die Fragen aufwirft und Neugier auf den Gesamtfilm weckt.

Die Filmanalyse orientiert sich an Mattes, der folgendermaßen vorgeht: erstes Sehen, Spontanreaktionen, zweites Sehen unter arbeitsteiligen Beobachtungsaufträgen, Auswertung.[10]

In der Hinführungsphase schauen die SchülerInnen den Film im Blockverfahren, damit seine Dramaturgie nachvollzogen und der Film als Kunstwerk gewürdigt werden kann.[11] Aufgrund der Komplexität und des sprachlichen Anspruchs - der Film hat keine Untertitel - sehen die SchülerInnen den Film insgesamt zweimal, wodurch das Hör-Sehverständnis vereinfacht wird. Zudem können sie den Film zunächst auf sich wirken lassen. Nach der Primärrezeption haben die SchülerInnen die Gelegenheit, ihren persönlichen Eindruck zu formulieren und ihr Globalverständnis unter Beweis zu stellen. Diese Phase ist bewusst offen gehalten, um die SchülerInnen als autonome Zuschauer zu respektieren. Aufgrund der Emotionalität des Films ist es auch möglich, dass zunächst ein betroffenes Schweigen herrscht, das möglicherweise im Fortgang der Stunde aufgenommen werden kann (> Phase der Vertiefung). Die Formulierung der Eindrücke ist erforderlich, um einer möglichen inneren Befangenheit der Zuschauer vorzubeugen, die den weiteren Erschließungsprozess behindern kann.[12]

Um die SchülerInnen am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen und ihre filmanalytische Kompetenz zu schulen, werden sie aufgefordert, mögliche Beobachtungspunkte vorzuschlagen, die sie beim erneuten Schauen als sinnvoll erachten.

In der Erarbeitungsphase sehen die SchülerInnen den Film unter drei verschiedenen Beobachtungsaufträgen (Atmosphäre, Musik, Kamera), die dazu dienen, neben der künstlerischen Umsetzung die emotionale Entwicklung der Protagonistin herauszustellen. Die SchülerInnen sollen nicht nur die filmischen Mittel, sondern auch deren Funktion herausarbeiten. Dies erfolgt in Partnerarbeit, um die kommunikative Kompetenz zu fördern und den Lernenden Sicherheit für die Ergebnispräsentation zu geben. Im Sinne einer neigungsorientierten Binnendifferenzierung wählen die SchülerInnen selbst ihren Beobachtungsschwerpunkt. Die SchülerInnen, die sich mit der Kameraführung auseinander-setzen, dürfen wegen des Schwierigkeitsgrades ein zuvor erarbeitetes Arbeitsblatt zur Kamera und deren Wirkung zu Hilfe nehmen. Außerdem haben alle Lerner die Möglichkeit mit einem zweisprachigen Wörterbuch zu arbeiten, was regelmäßig geübt werden soll.[13]

Zur Sicherung tragen die SchülerInnen ihre Ergebnisse vor, die die Referendarin auf Folie schreibt. Alternativ könnten die Lernenden auch selbst ihre Ergebnisse auf Folienstreifen notieren, wovon jedoch in dieser Stunde aus zeitökonomischen Gründen (Fehlerkorrektur etc.) abgesehen wird.

In der Vertiefungsphase reflektieren die SchülerInnen ausgehend von der durch Szenenbilder dargestellten Struktur des Films und in Anknüpfung an die Ergebnisse der vorherigen Stunde (mittlerer Folienstreifen) das Vorgehen im Unterricht und das des Regisseurs, um anhand dieses Vergleichs die Wirkung des Films und die emotionale Entwicklung der Protagonistin herauszustellen.

Während der Eventualphase kommentieren die SchülerInnen das Ende des Films (mögliche Fragen: Stirbt Hassan? Was möchte der Regisseur mit dem letzten Bild, den zwei Kaffeetassen, zum Ausdruck bringen?).

Als Hausaufgabe verfassen die SchülerInnen einen inneren Monolog von Sophie, der ihre Gedanken und Gefühle nicht nur hinsichtlich der Beziehung zu Hassan, sondern auch die berufliche Herausforderung und gesellschaftlichen Gegebenheiten (Kriminalität) thematisieren kann. Dadurch setzen sich die KursteilnehmerInnen in einem produktionsorientierten Verfahren erneut intensiv mit Sophie auseinander, beziehen die Ergebnisse der Filmanalyse ein und verschriftlichen ihre Rollenempathie.

5. Kompetenzen

In dieser Stunde möchte ich folgende Kompetenzen schwerpunktmäßig fördern:

- Hör-Sehkompetenz (Filmrezeption)
- Methodenkompetenz (Filmanalyse)

6. Lernziele

Stundenziel

Die SchülerInnen sollen ausgehend von der problemorientierten bildlichen Darstellungen der weiblichen Hauptfigur Sophie auf Grundlage des Kurzfilms Place des fêtes zu einem vertieften Verständnis der Protagonistin gelangen, indem sie die filmischen Mittel analysieren, den Aufbau des Films erläutern und die Entwicklung der weiblichen Hauptfigur herausstellen, die der anfänglichen zufälligen Begegnung mit Hassan keine Bedeutung beimisst und schließlich zu einer an dessen Schicksal emotional betroffenen Gestalt wird.

Teilziele

Die Schüler und Schülerinnen sollen:

a) Sprache

- ihre mündliche Ausdrucksfähigkeit schulen, indem sie sich spontan zum bildlichen Impuls äußern. (T1)
- Hör-Sehverständnis unter Beweis stellen (compréhension globale), indem sie den Inhalt des Films mündlich wiedergeben. (T2)
- ihre Schreibkompetenz weiter ausbauen, indem sie arbeitsteilig die Merkmale des Films stichpunktartig festhalten. (T3)
- ihren Wortschatz erweitern [z.B. être expressif/-ve, être soucieux/-euse de qn, se soucier de qn, le souci, caresser qc/qn, la caresse, la joue, le leitmotiv, le flash-back]. (T4)

b) Interkulturelles Lernen, soziokulturelle Themen und Inhalte

- Menschen unter kulturell-gesellschaftlichen Aspekten verstehen lernen, indem sie Sophies Verhalten analysieren. (T5)
- weitere Facetten der Großstadt Paris kennen lernen, indem sie sich wahrscheinlich von der im Film dargestellten Brutalität betroffen zeigen und dies im Anschluss an die Primärrezeption verbalisieren. (T6)

c) Methoden des selbstständigen und kooperativen Arbeitens

- mittels Partnerarbeit ihre Kooperationsfähigkeit weiter ausbauen. (T7)
- sich als autonome Zuschauer wahrnehmen lernen, indem sie die Möglichkeit haben, nach der Primärrezeption Gefallen oder Missfallen zu äußern, in der Phase der Vertiefung die Funktion des Rückblicks erklären und das Ende des Films in der Eventualphase kommentieren. (T8)
- sich als autonome Lerner wahrnehmen, indem sie in unterrichtliche Entscheidungsprozesse einbezogen werden und Aspekte der Filmanalyse anführen. (T9)

d) Umgang mit Texten und Medien

- ihre analytische Kompetenz im Umgang mit Filmen schulen, indem sie dem Film gezielt Informationen entnehmen und diese schriftlich fixieren. (T10)
- lernen, einen Zusammenhang zwischen Form und Inhalt des Films zu erkennen, indem sie die Entwicklung Sophies anhand der filmischen Mittel erläutern. (T11)
- ihre Empathiefähigkeit stärken, indem sie in der Hausaufgabe aus Sophies Perspektive einen inneren Monolog verfassen. (T12)

[...]


[1] Vgl. http://www.standardsicherung.nrw.de/abitur-gost/fach.php?fach=5 (Zugriff am: 22.10.09)

[2] Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.), Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II – Französisch, Gymnasium/ Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen, Frechen 1999, 34.

[3] Vgl. ebd. 69.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. ebd.

[6] http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1989/1989_12_01-EPA-Franzoesisch.pdf (Zugriff am: 21.10.09)

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. Mattes, Wolfgang, Methoden für den Unterricht. 75 kompakte Übersichten für Lehrende und Lernende, Braunschweig/ Paderborn/Darmstadt 112007, S. 66.

[9] Vgl. MSWWF, Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II – Französisch (1999) 70.

[10] Vgl. Mattes, Methoden für den Unterricht (112007) S. 67.

[11] Vgl. Grünewald, Andreas/ Lusar, Ricarda, „Spielfilme und Videos“, in: Nieweler, Andreas (Hg.), Fachdidaktik Französisch. Tradition – Innovation – Praxis, Stuttgart 2006, S. 224-231, hier: 226.

[12] Vgl. Schmid, Hans, Die Kunst des Unterrichtens. Ein praktischer Leitfaden für den Religionsunterricht. München 32003, 191.

[13] Vgl. Krechel, Hans-Ludwig (Hg.), Französisch-Methodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin 2007, S. 32f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Analyse des Kurzfilms "Place des fêtes". Ein Unterrichtsentwurf für die 12. Klasse (Gymnasium)
Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen - Vettweiß
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V156260
ISBN (eBook)
9783668204492
ISBN (Buch)
9783668204508
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
analyse, kurzfilms, place, unterrichtsentwurf, klasse, gymnasium
Arbeit zitieren
Christine Schaffrath (Autor), 2009, Analyse des Kurzfilms "Place des fêtes". Ein Unterrichtsentwurf für die 12. Klasse (Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156260

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