Analyse von Friedrich Schillers "Die Räuber"

Das Scheitern von Karl und Franz Moor auf Grund moralischer Grenzüberschreitung


Hausarbeit, 2009
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Franz Moor- ein Betrüger aus Verstand?
2.1 Der intellektuelle Kämpfer gegen die natürliche Ordnung
2.2 Überwindung von moralischen Werten wie Ehrlichkeit, Gewissen und Liebe
2.3 Franz Moor und die Aufklärung

3. Karl Moor- ein Verbrecher aus Empfindung?
3.1 Karl Moor- das fehlgeleitete Genie?
3.2 Karl Moor und der Sturm und Drang

4. Die moralische Grenzüberschreitung der Moor- Brüder in einer Gegenüberstellung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon bei der Uraufführung des Dramas „Die Räuber“ in Mannheim 1782 galt das Drama als eine Sensation. „ Himmel und Hölle kamen hier zusammen, hier drückte sich das Lebensgefühl einer jungen Generation aus.“[1] Und noch heute gehören Schiller´s Räuber zu festen Literaturkanon. Dies liegt nicht zuletzt an zwei faszinierenden Charakteren des Stückes: Franz und Karl Moor, die ungleichen Brüder, die beide unterschiedlich, aber letzten Endes dramatisch scheitern. „ Die Helden seiner Jugenddramen sind Monstren an Tugend oder Laster, von einer ungeheuren Einmaligkeit und Eindrücklichkeit.“[2]

Ich möchte in dieser Hausarbeit herausfinden, was dieses Scheitern der beiden Brüder hervorgerufen hat und stelle zu Beginn meiner Erläuterungen die These auf, dass beide Brüder aufgrund derselben Tatsache scheitern: Sie überschreiten moralische Grenzen und gesellschaftlich verankerte Normen und können deshalb nicht in der Gesellschaft überstehen.

Alle Schritte dieser Hausarbeit haben das Ziel, das persönliche Scheitern der Figuren im Zusammenhang mit moralischer Grenzüberschreitung zu analysieren. Zunächst einmal werde ich mich dem jüngeren Bruder Franz, seinem Handeln und seiner Philosophie widmen. Ich werde herausstellen, inwiefern er versucht, die Natur zu fesseln und moralische Werte zu überwinden. Des Weiteren werde ich ihn mit der Aufklärung in Verbindung setzen. In einem zweiten Schritt untersuche ich seinen Bruder Karl. Ich beschäftige mit der Frage, ob der Charakter Karl, der Räuber und Mörder, nun als „böse“ oder doch eher „fehlgeleitet“ interpretiert werden muss. Des Weiteren werde ich auch hier den Grund seines verbrecherischen Handelns analysieren. Danach setze ich Figur Karl in Beziehung zum Sturm und Drang, da oft behauptet wird, dass dort eine Verbindung besteht.

Zum Schluss setze ich das Scheitern der beiden Brüder gegenüber und versuche, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden sowie ein Fazit über meine obige These zu ziehen.

2. Franz Moor- ein Betrüger aus Verstand?

2.1 Der intellektuelle Kämpfer gegen die natürliche Ordnung

Franz Moor verkörpert die die aufklärerische Vernunft, indem er versucht, die Natur beherrschen zu wollen. Dieses Wagnis eines einzelnen Menschen zeigt deutlich seine anfängliche Hybris, die ihn im Nachhinein scheitern lässt. In seiner Argumentation steht die Willkür der Natur im völligen Gegensatz zu seinen extrem rationalen Denkmustern, die größten Probleme bereiten ihm dabei seine Hässlichkeit und seine Stellung als Zweitgeborener: „ Warum bin ich nicht der erste aus Mutterleib gekrochen?[…]Wirklich, ich glaube sie [die Natur] hat von allen Menschensorten das Scheußliche auf einen Haufen geworfen und mich daraus gebacken. Mord und Tod! Wer hat ihr die Vollmacht gegeben, jenem dieses zu verleihen und mir vorzuenthalten?“[3]

Er empfindet die von ihm vorgefundenen natürlichen Gegebenheiten nicht als Teil von ihm selbst, sondern als etwas Fremdartiges und Feindliches, dem er in einem Kampf gegenübertreten muss. Durch rationales Denken will er den vermeintlich schlechten Platz, dem die Natur ihm zugewiesen hat, korrigieren, und dabei ist es irrerelevant, zu welchen Mitteln er dabei greift, solange sie seinen Zwecken dienen. Franz Moor bedient sich keiner Moral, um seine Taten zu überdenken, es existieren keine feste Bahnen. Alles ist so lange „gut“, wie es ihm hilft, seinen Kampf zu gewinnen, alles, was ihn daran hindert, ist „schlecht“ und muss gewaltsam vernichtet werden.

Franz Moor begeht genau genommen keine moralische Grenzüberschreitung, sondern etwas viel Weitreichenderes, denn er will sie vollkommen überwinden!

2.2 Überwindung von moralischen Werten wie Ehrlichkeit, Gewissen und Liebe

Die personale Vertrautheit, die sich aus dem Verhältnis Vater und Sohn heraus entwickelt, glaubt Franz aufgrund seiner Hässlichkeit niemals zu erreichen. In Wahrheit jedoch scheint es sein Ressentiment über sein Schicksal zu sein, welche ihm den Weg zu einer liebevollen Beziehung zu seiner Familie versperrt.[4]

Da er die Vorstellung einer Moral überwunden hat, sind ihm keine weiteren Grenzen gesetzt, was ihn umso gefährlicher macht. Es ist daher nur konsequent, dass moralische Werte wie Ehrlichkeit, Gewissen oder die Liebe keinen Platz im Leben eines Franz Moor haben.

Er schlüpft geschmeidig und schnell in Rollen, die sein Ziel vorantreiben. Heuchelei ist sein gekonntes Handwerk. Bei seinem Vater mimt er den Gottesfürchtigen, obwohl er jegliche Formen der Transzendenz negiert, bei Amalia schwärmt er von Liebe, obwohl er an ihre Existenz nicht glaubt. Er kriecht, wo er zu bitten hat, er ist Tyrann, wo er befehlen kann und erkennt und verachtet das Böse in anderen Menschen, genießt die Freiheit des „Bösen“ aber bei sich selbst.[5]

Auch haben in seiner Philosophie demnach Gott und Religion keinen Platz. In einer religiös geprägten Welt ist Gott das geistig vollkommenste Wesen (im Sinne einer res cogitans), die ganze Welt ist durchdrungen von seinem göttlichen Geist, vor allen Dingen sind die Menschen als „Splitter Gottes“ zu verstehen. Auch Schiller vertritt diesen Gedanken, ebenso den der „Unsterblichkeit der Seele“. Der menschliche Geist unterzieht sich so einer unendlichen und unabschließbaren Vervollkommnung, die den physischen Tod überdauert.[6] Aus dieser religiösen Sicht heraus betrachtet scheint die Figur des Franz noch unheimlicher, noch monströser als ohnehin schon. Franz erscheint als moralischer und religiöser Nihilist, der sich kaltblütig dem Aufklärungsgedanken bedient, um sämtliche Normen und Werte, die sich zum Schutze vor Verbrechen wie den seinigen etabliert haben, zu annullieren. „Wer es erst einmal so weit gebracht hat… seinen Verstand auf Unkosten seines Herzens zu verfeinern, dem ist das Heiligste nicht heilig mehr- dem ist die Menschheit, die Gottheit nichts- Beide Welten sind nichts in seinen Augen.“[7]

[...]


[1] (Koopmann, 1988), S.11

[2] (Frey, 1966), S. 83

[3] Schiller, 1969: S. 19

[4] vgl. Hofmann, 2003: S.44

[5] vgl. Schiller, 1782: S.165

[6] vgl. Riedel, 1993: S.201f

[7] Schiller, 1969: S.4

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Analyse von Friedrich Schillers "Die Räuber"
Untertitel
Das Scheitern von Karl und Franz Moor auf Grund moralischer Grenzüberschreitung
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V156271
ISBN (eBook)
9783640685325
ISBN (Buch)
9783640685493
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franz Moor;, Karl Moor;, Friedrich Schiller, Aufklärung, Sturm und Drang
Arbeit zitieren
Sarah Weihrauch (Autor), 2009, Analyse von Friedrich Schillers "Die Räuber", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156271

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