Zurück zu den Wurzeln? Wieder entdeckte, weibliche Muster als Chance für einen emanzipatorischen Lebensentwurf von Frauen?


Examensarbeit, 2003
42 Seiten, Note: Bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Verlorenes, feministisches Bewußtsein von Frauen
2.1 Christliche Religion als Zeichen patriarchaler Machtstruktur?
2.2 Soziale patriarchale Muster - Gründe für die Fremdbestimmung von Frauen
2.3 Frauen (über) leben im Patriarchat und passen sich an

3. Archetypische Muster / Erinnerungen an das Matriarchat 11
3.1 Erfahrungen von Mystikerinnen
3.2 Matriarchale Strukturen bei den Naturvölkern

4. Wiederentdeckte, alte Lebensformen als Chance für einen emanzipa- torischen feminsitischen Lebensentwurf
4.1 Wicca - die alte Religion im neuen Zeitalter
4.2 Meine Suche nach meiner spirituellen Heimat
4.3 Ein exemplarisches Gespräch mit einer„Neuen Hexe“
4.4 Matriarchatsforschung—Vermittlung neuer Werte einer feministischen Denkweise?
4.5 Die Suche nach einem neuen Selbstverständnis weiblicher und männlicher Strukturen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Vorwort

Mein Anliegen ist es, hier an dieser Stelle zuerst einmal mein Selbstverständnis über matriarchale, archaische Muster zu definieren. In der Vorrecherche zu meiner Abschlussarbeit bin ich oft auf Unverständnis gestoßen, wenn es um diese Begrifflichkeit ging. Seit Anbeginn der Menschheit werden männliche und weibliche Urmuster von Generation zu Generation weiter gegeben. Diese Strukturen sind die in uns gespeicherten Erfahrungen unserer Vorfahren, die sehr hilfreich waren, ein Überleben in der Natur zu gewährleisten, als es noch keine Zivilisation gab. Heute, in der zivilisierten Welt voller Hightech und Hilfsmittel die zu einen normalen Lebensstandard dazugehören, entfernen sich die Menschen immer mehr von der Natur und den beschriebenen Mustern.

Intuition, Achtsamkeit, Mütterlichkeit, Respekt im Umgang mit der Natur, dass Schützen naturbedingter Ressourcen, im Einklang der Natur leben und ihren Zyklus verstehen ( Werden, Vergehen, Neubeginn), gelebte Sexualität auch als einen Beitrag zur Lebensfreude zu verstehen und nicht ausschließlich zur Produktion der Nachkommen. Die Fähigkeit, andere Menschen zu achten und zu lieben, die Energien des Kosmos zu kennen und sie zu nutzen, das alles sind für mich gespeicherte, feministische Informationen, zu denen Frauen wieder ihren Zugang finden können, wenn sie es wollen. Ich erhebe keinen Anspruch auf die Vollständigkeit der aufgezählten Muster, es gibt sicherlich noch unendlich viele, die dorthin gehören. Jedoch zur Klärung der Verständnisfrage, was ich unter dieser Thematik verstehe, ist es meiner Meinung nach ausreichend.

C.G Jung hat sich ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt, und ein Buch mit dem Titel „ Die Archetypen und das kollektive Unbewusste“ darüber geschrieben. Erschienen im Walter-Verlag, (Sonderausgabe 1995)

In alten Mythen und Märchen sind archaische Muster enthalten, die entschlüsselt werden können und eine Botschaft für die heutige Zeit enthalten. Es gibt alte Höhlenzeichnungen, die auf matriarchale Muster in der Vergangenheit hinweisen und von Archäologen/innen zum Teil entschlüsselt wurden. Die litauisch-amerikanische Prähistorikerin Marija Gimbutas erforschte viele Jahre die Bedeutung einzelner Symbole und schrieb über ihre Forschungsergebnisse in ihrem Buch: „ Die Sprache der Göttin“, das zum ersten Mal 1989 in englischer Sprache erschienen ist.

Eine hilfreiche Möglichkeit ist es auch, über Märchen, Mythen, Zeichnungen und Bilder einen Zugang zu unseren Urmustern zu bekommen so dass die Chance besteht, zu ihnen zurückzufinden.. Jedoch haben sich viele Menschen weit davon entfernt, so das vor das zurück „Finden“ erst einmal das „Suchen“ gestellt werden muss.

1. EINLEITUNG

Das Leben in unserer Gesellschaft ist seit jahrtausenden von Jahren androzentrisch geprägt, das ist ein Grund dafür, dass Frauen viele Hindernisse bewältigen müssen, wenn sie ihren Lebensentwurf selbstbestimmt gestalten wollen. Die Autorin Christa Mulack weist in ihrem Buch: Die Wurzeln weiblicher Macht, Hrsg. Kösel, München 1996, auf die verschiedenen Problematiken hin, die zur Fremdbestimmung von Frauen führen, dabei bietet sie als eine Lösungsmöglichkeit an, in uns gespeicherte, weibliche, archaische Muster für einen emanzipatorischen Lebensentwurf zu nutzen. Jenseits von männlichen Machtstrukturen und politischen Aktivitäten hat jede Frau die Möglichkeit, ihre Wurzeln weiblicher Macht neu zu entdecken. Hierbei stellt sich für mich die Frage, in wie weit eine matriarchal orientierte Denkweise Frauen helfen kann, einen Weg aus dem patriarchalen System zu finden, um sich von alten Strukturen zu befreien und eine andere, zukunftsweisende Form des Zusammenlebens von Frauen und Männern zu finden.

Zunächst einmal mache ich sichtbar, welche Faktoren dazu führten, dass das feministische Bewusstsein von Frauen verloren ging. Ich orientiere mich dabei an den Büchern der Autorinnen Christa Mulack ( siehe 1. Absatz) und Gerda Lerner:

Die Entstehung des feministischen Bewusstseins, Hrsg. Deutscher

Taschenbuchverlag, 1998 München. Als weitere Literatur habe ich das Buch von der Autorin Mary Daly: Jenseits von Gottvater Sohn & Co, Verlag Frauenoffensive, 1. Auflage 1980, München, zu dieser Thematik (K.2./1) hinzugezogen. Hier geht es um die Entmachtung von Frauen durch die christliche Religion. Obwohl dieses Buch vor 22 Jahren geschrieben wurde, sind für mich die Inhalte immer noch aktuell, und ich habe durch sie eine andere Sichtweise auf das Christentums bekommen. Die Bearbeitung dieses Buches vor zwei Jahren hatte für mich die Konsequenz, dass ich von der christlichen Religion entwurzelt wurde und inzwischen zu meiner eigenen feministischen Spiritualität gefunden habe.

Der Inhalt des Kapitels 2.2 beschreibt soziale, patriarchale Gründe für die Fremdbestimmung von Frauen. Hier werden einzelne Faktoren innerhalb der Familie sichtbar gemacht, die Frauen daran hindern, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Zum Vergleich sind dort auch matriarchale Familienstrukturen aufgeführt, die Frauen Möglichkeiten gaben, sich nach ihrem eigenen Lebensplan auszurichten. Weiter geht es im Kapitel 2.3 um die Anpassung und Überlebensmöglichkeiten von Frauen aus einer vergangenen, patriarchalen Zeitepoche. Einzelne Frauen, die sich gegen das Patriarchat wehrten, hatten Repressalien zu befürchten und fanden keinerlei gesellschaftliche Hilfe, um ihre Wünsche durch zu setzen. Deshalb ist es für mich verständlich, das sich viele Frauen an das vorgegebene Gesellschaftssystem anpassten.

Im 3. Teil der Arbeit geht es um weibliche Muster, die in der Vergangenheit von Frauen gelebt – oder durch das Patriarchat unterdrückt wurden.

Gerda Lerner zeigt in ihrem Buch die Lebenswege einiger Mystikerinnen auf, denen es gelungen ist, mit Hilfe ihrer Spiritualität die Strukturen des Patriarchats zu verlassen. Deshalb weise ich in Kapitel 3.1 auf Lebensumstände von Frauen hin, die große Barrieren überwinden mussten, um ihre feministisch religiösen Bedürfnisse leben zu können. Im folgendem Kapitel 3.2, geht es um die Darstellung eines umfassenden Bildes der matriarchalen Lebensweise, deshalb habe ich das Buch „Das Matriarchat II,2.“ von der Matriarchatsforscherin Heide Göttner Abendroth ( Hrsg. W. Kohlhammer, Stuttgart 2000) ausgewählt. Die Autorin stellt in ihrem Werk Stammesgesellschaften aus Amerika, Indien und Afrika vor, die sich bis heute an matriarchalen Wertvorstellungen orientieren. Mit diesem Kapitel will ich auf alte Lebensinhalte hinweisen, die Frauen einen feministischen Blick vermitteln können. Die Vergangenheit soll Vergangenheit bleiben, jedoch wertvolle Informationen unserer Ahninnen können uns einen neuen Weg in ein androgynes Zeitalter weisen.

Im 4. Teil der Arbeit weise ich auf wieder entdeckte, alte Lebensmuster hin, die in der heutigen Zeit präsent sind und von einzelnen Menschen, beziehungsweise Gruppen, gelebt werden. Ich beginne mit einer Einführung zum Thema „Wicca“, um einen Einblick in die Wiccakultur und das Heidentum zu vermitteln. Die weiteren Inhalte geben einen Hinweis auf feministische Denkweisen durch die gelebte Religion des Heidentums. (4.1) Weiter geht es im nächsten Kapitel, 4.2, um meine Suche nach meiner spirituellen Heimat. Nach meiner Ablösung vom Christentum fehlte mir ein spiritueller Halt. Deshalb war dieser Lebensabschnitt für mich eine Zeit der Neuorientierung, der von der Fragestellung begleitet wurde: welche Religion kann für mich meine spirituelle Heimat werden? Mein Bezug zur Natur war schon immer sehr groß, deshalb begab ich mich auf den Pfad der großen Göttin. Obwohl meine Suche von einigen Hindernissen erschwert war, habe ich einen Weg zu meiner Spiritualität gefunden.

Im Kapitel 4.3 führe ich ein exemplarisches Gespräch mit einer mystisch orientierten Frau, die ihre Spiritualität nach der Religion der großen Göttin ausrichtet. Damit will ich einen Hinweis auf die Rückerinnerung an das Matriarchat in der heutigen Zeit geben. Frauen nutzen diese Informationen, um nach ihren eigenen Regeln zu leben. „ Tu, was du willst, solange du niemandem schadest“ und „Erkenne dich selbst“ das sind die Maxime dieses Lebensentwurfes. Weiter stelle ich in Punkt 4.4 die Frage, in wie weit die Matriarchatsforschung Frauen neue Werte einer feministischen Denkweise vermitteln kann, denn auf der Wegstrecke einer weiblichen Bewusstseinsbildung sind Orientierungsmöglichkeiten wichtig. Im letzten Bereich des 4. Teils, Kapitel 4.5, soll nach einem neuen Selbstverständnis der Geschlechterfrage gesucht werden, dabei stehen der Mensch und die Geschlechtergerechtigkeit im Mittelpunkt des Geschehens. Diese neue Form der Lebensgestaltung bietet Frauen eine Chance, innerhalb des Patriarchates zu weiblichen Denkmustern zurück zu kehren und so ihre eigenen emanzipatorischen Lebensziele zu finden. Meine Hypothese ist, das dadurch festgefahrene, männliche Strukturen in unserer Gesellschaft aufgelockert werden können und dadurch die matriarchale Lebensform wieder einen höheren Stellenwert erhält. Meine zukunftsorientierte Vision ist: ein neues Gesellschaftsbild, worin matriarchale und patriarchale Strukturen gleichberechtigt neben- und als Symbiose miteinander bestehen können.

2. VERLORENES; FEMINISTISCHES BEWUSSTSEIN VON FRAUEN

2.1 Christliche Religion als Zeichen patriarchaler Machtstruktur?

Patriarchale Strukturen in der christlichen Religionslehre waren und sind ein wirksamer Faktor zur Entmachtung von Frauen. Alte Dogmen und Lehrinhalte innerhalb des Christentums unterstützen die konstruierten, patriarchalen Denkgebäude und hindern Frauen daran, ihre Weiblichkeit bewusst zu leben. Ich zitiere: (Gerda Lerner, Die Entstehung des feministischen Bewußtseins, S.26, Deutscher Taschenbuch Verlag, München1998):

„Weit wichtiger noch war, daß Frauen jahrtausendelang sich selbst und anderen ihre Befähigung zum vollen Menschsein und ihre Fähigkeit zu abstrakten Denken immer wieder neu beweisen mußten. Das hat die intellektuelle Entwicklung der Frauen als Gruppe einseitig ausgerichtet, denn sie mußten viele Jahrhunderte lang ihre intellektuellen Bemühungen vor allem darauf konzentrieren, die alles durchdringenden patriarchalen Behauptungen über ihre Minderwertigkeit und Unvollkommenheit als menschliche Wesen zu widerlegen. Diese Tatsache ist von fundamentaler Bedeutung und erklärt, warum Frauen fast tausend Jahre lang ihre Intelligenz darauf verwendeten, die religiösen Auffassungen so zu verändern, daß Frauen in dem Drama von Sündenfall und Erlösung eine gleichwertige und zentrale Rolle zugestanden würde. So wurden die Ziele der Frauenemanzipation, lange bevor Frauen sich politische Lösungen zur Erreichung dieser Ziele vorstellen konnten, im Bereich der Theologie und des kirchlich-religiösen Lebens zum Gegenstand der Auseinandersetzung“.

Diese Aussage verdeutlicht den Stellenwert, den die Religion in der Vergangenheit einnahm und als einengender Raum für die Entwicklung des feministischen Bewusstseins diente. Als sich das Christentum etablierte, wurde den Frauen ihr wichtigstes, stärkstes Orientierungsbild genommen, ihre Urgöttin, die große Mutter. Ihre Stelle nahm Maria ein, die mit ihren Eigenschaften die patriarchale Denkstruktur in der Religion unterstütze. Feministische Stärke, schöpferische Kraft, Sexualität, Lebensfreude, all das wurde umgewandelt in Demut und Gehorsam. Christa Mulack, bestätigt dieses treffend mit der Formulierung, ich zitiere: (C. Mulack, Die Wurzeln weiblicher Macht, S.44 Verlag Kösel , München 1996)

„Maria ist nur ein schwacher Ersatz für die den Frauen geraubte Göttin. Wenn sie auch deren Titel und Symbolik, Mythen und heilige Plätze geerbt hat, so wurde sie doch von männlichen Theologen zu einer keuschen „Magd des Herrn erniedrigt, die ohne eigenen Willen ihm lediglich „Mir geschehe“ entgegen- haucht“.

Im folgenden Text orientiere ich mich an den Gedanken von Mary Daly und führe weitere Aspekte an, die auf männliche Machtstrukturen in der Religion hinweisen.

Die Autorin beschreibt in einer radikalen, analytischen aber auch mystischen Sprache die Auswirkungen patriarchaler Strukturen innerhalb des Christentums. In dem Kapitel „ Die Beseitigung der Nebenwirkungen der Erbsünde“ stellt sie die Frage, ob die Erbsünde mit dem Mythos des Bösen gleichzusetzen sei. Daly beschreibt vier Auswirkungen der Erbsünde wie folgt, ich zitiere: ( Mary Daly, Jenseits von Gottvater Sohn & Co, Verlag Frauenoffensive, 1. Auflage 1980, München)

„1. Die psychologische Lähmung der Frauen nach der Erkenntnis der
patriarchalen Machtverhältnisse.
2. Der weibliche Antifeminismus, der das männlich ausgerichtete System
unterstützt.
3. Die falsche Demut von Frauen.
4. Die emotionale Abhängigkeit von Frauen innerhalb patriarchaler

Strukturen.“

Diese Faktoren hindern Frauen daran, zu ihrem eigenen Selbstbild zu finden. Durch die Orientierung im männlich konstruierten Denkschema entfernen sie sich immer mehr von ihrer eigenen Weiblichkeit. Anerkennung innerhalb der Religion bekommen Frauen nur, wenn sie sich in das System einfügen, Kritik oder andere Denkstrukturen sind hier unerwünscht.

Daly bietet eine Problemlösung an und fordert Frauen auf, sich gegen die bestehenden Rahmenbedingungen innerhalb des Christentums gemeinsam zu wehren und für sich ein eigenes feministisches Bewusstsein zu schaffen. Dabei weist sie immer wieder auf das gemeinsame, sich gegenseitig unterstützende Verhalten von Frauen hin, das nötig ist, um eine neue Beziehung zwischen den Geschlechtern herzustellen. Die Autorin macht Frauen Mut, sich unabhängig von bestehenden männlichen Regeln, auf sich selbst zu zentrieren um dadurch ihre Mittäterschaft im Patriarchat zu beenden und so zu einem neuen Bewusstsein und Lebensgefühl zu finden.

Beim Vergleich der Literatur der drei erwähnten Autorinnen ( Einleitung S.1) stelle ich fest, dass alle zu einem einheitlichen Ergebnis kommen, zu der Erkenntnis, dass die christliche Religionslehre aus patriarchalen Denkmustern zusammengefügt wurde. Im katholischen System steht immer noch die Position des Papstes an erster Stelle, die nur von männlichen Personen besetzt werden darf. Das ist auch für die heutige Zeit noch einmal eine Bestätigung für mich, dass Frauen in der katholischen Religionshierarchie nicht beachtet werden. Mary Daly begann 1959 ein Theologiestudium an der Universität in Fribourg (Schweiz), das ihr zuvor in den USA verweigert wurde. Als Frau hatte sie kein Recht, katholische Theologie zu studieren. Daly war also beruflich in das Thema involviert und musste innerhalb der Rahmenbedingungen des Christentums feststellen, dass sie als Wissenschaftlerin und in ihrer Funktion als Frau innerhalb der katholischen Kirche von Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen wurde. Sie stieß immer wieder an diese Grenzen, was schließlich ein Grund war, dass sie sich in der Zeit von 1971 - 1974 vom Christentum löste und gnadenlose Kritik an diesem frauenfeindlichen System übte. Durch die Literatur von Mary Daly habe ich die patriarchalen Strukturen innerhalb des Christentums erkannt und für mich durch diesen Ablösungsprozess zu einem neuen, weiblich ausgerichteten spirituellen Selbstverständnis gefunden. Allerdings finden Dalys radikale Aufrufe zu matriarchalen Denkweisen nicht immer meine Zustimmung. Ich plädiere für eine gleichwertige Anerkennung weiblicher und männlicher Strukturen, und sehe es als eine Chance, dass sich ein neues Frauen - und Männerbild bei gegenseitiger Respektierung der Geschlechter in unserer Gesellschaft entwickeln kann, wobei ich die große Hoffnung habe, dass der Faktor „Macht“ einen weniger bedeutenden Stellenwert erhält.

2.2 Soziale patriarchale Muster - Gründe für die Fremdbestimmung von Frauen.

Im vorhergehenden Kapitel waren es christliche, patriarchale Denkweisen der Gesellschaft, die als ein erkennbares Hindernis auf dem Weg zur weiblichen Macht sichtbar gemacht wurden. Hier geht es um patriarchale – und matriarchale Muster innerhalb der Familie, die sich als Barriere oder Chance in weiblichen Lebensentwürfen darstellen. Christa Mulack führt Gründe an, die zu weiblicher Machtlosigkeit innerhalb der Familie führen. Dabei vergleicht sie matriarchale und patriarchale Familienstrukturen miteinander, um die Ursachen der Fremdbestimmung von Frauen durchschaubar zu machen. Zunächst einmal weist sie darauf hin, das Frauen seit Beginn der Männerherrschaft ständig die patriarchale Familie als bestehendes und unabänderliches Familienbild vor Augen haben.

Im matriarchalen Familienverbund gibt es 4 Merkmale, die ein weibliches Bewusstsein unterstützen. Ich zitiere: (Christa Mulack, Die Wurzeln weiblicher Macht, S.22, Verlag Kösel, München 1996)

„1. Die selbstverständliche Zugehörigkeit der Kinder zur mütterlichen Linie.
2. Die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen
3. Die Höherbewertung weiblicher Familienarbeit
4. Die Sakralisierung und Transzendierung weiblicher Kräfte und Macht. “

Das patriarchale Familiensystem basiert auf die Eheschließung, gleichzeitig ist damit auch die männliche Erfolge geregelt. Den Frauen wird dadurch der Bezug zu ihren Ahnen und Ahninnen genommen, sie gelten mit ihren Kindern als Besitz des Mannes. Mulack ist der Auffassung, das die Folgen solcher Denkweise noch bis heute anhält.

Meine Meinung dazu ist, das patriarchale Denkmuster innerhalb der Familie auch in der heutigen Zeit den Vorrang haben, schließlich dauert diese Lebensform schon jahrtausende von Jahren an und es braucht noch eine Zeit der Entwicklung und Erkenntnisse, bis matriarchale - und patriarchale Strukturen friedlich neben - und miteinander bestehen können. Jedoch sehe ich auch Fortschritte, z. B. die Namenswahl bei der Eheschließung, dabei können Frauen wählen , in wie weit sie ein Stück ihrer eigenen Identität behalten wollen. Schwierigkeiten sehe ich darin, das Frauen ihre Chancen nicht nutzen, weil ihnen ein feministisches Bewusstsein fehlt und sie fest in patriarchalen Denkstrukturen eingebunden sind. Wie sollen sie gedanklich dieses System verlassen um zu ihrer eigenen Persönlichkeits- entwicklung zu gelangen? Ich wünsche mir, dass mehr Kommunikation unter Frauen statt findet, die thematisch weit über Hausarbeit und Kindererziehung hinaus geht. Deshalb versuche ich, mit Frauen aus meinem Umfeld über diese Thematik zu sprechen und andere Denkweisen aufzuzeichnen. Sobald ich dabei auf Widerstand und Unverständnis stoße, sind mir deutliche Grenzen gesetzt, da ich auch in dieser wichtigen feministischen Frage nicht missionieren will.

Ich folge weiter den Gedanken von C. Mulack, S. 25 - 34 und zeige hier weitere patriarchale Muster auf, die zur Entmachtung von Frauen führen.

Frauen lernen schon früh, sich selbst nicht wichtig zu nehmen und ihr Handeln abzuwerten, weil sie als Mädchen so erzogen wurden, sich männlichen Wertvorstellungen anzupassen. Diesen Wertvorstellungen nach wird der Familienarbeit von Frauen keine große Bedeutung beigemessen, während die Erwerbstätigkeit von Männern dazu dient, den Unterhalt der Familie zu sichern. Die Ursachen für die Abwertung weiblicher Familien - und Versorgungsarbeit sieht Mulack in der Geringschätzung alles Weiblichen. Da der Mann als der Versorger der Familie gilt, geraten Frauen mit ihren Kindern in eine finanzielle Abhängigkeit, die vom patriarchalen System genutzt wird, um eine Machtstruktur des Vaters in der Familie herzustellen. Die Bedürfnisse nach Versorgung des Mannes stehen an erster Stelle und werden von den Familienfrauen abgedeckt. Wobei sie diese als Verpflichtung ansehen, für die psychischen, physischen und sozialen Bedürfnisse ihrer Ehemänner zu sorgen. Daraus folgt, dass die Basis der patriarchalen Familie aus der Versorgungsbedürftigkeit und Machtanspruches des Mannes besteht, selbst wenn Liebe ein Grund für die Eheschließung ist.

Die genannten männlichen Machtverhältnisse innerhalb der Familie hindern Frauen daran, sich weiblich ausgerichtet zu orientieren und ihren eigenen Lebensentwurf zu gestalten. Viele Frauen bleiben bei ihren Männern, obwohl sie körperlicher Gewalt, Vergewaltigungen und der Nichtachtung ausgesetzt sind. Warum ist es so schwierig für sie, sich auf ihre eigene Stärken zu besinnen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen? Weibliche machtvolle Instanzen und der Zusammenhalt von Frauen fehlen, so dass sie oftmals keine andere Perspektive für sich sehen, was besonders problematisch ist es, wenn noch kleinere Kinder versorgt werden müssen. Durch das Ausharren in einer solchen Lebenssituation, die den eigenen Bedürfnissen keinen Raum gibt und die Persönlichkeits-

entwicklung behindern, wird das Gefühl von Ohnmacht und Resignation hervorgerufen. In unserer androzentrierten Gesellschaftsform werden die Bedürfnissen von Frauen nicht ernst genommen. Sie sollen sich in einem männlich orientierten Wissenschafts- – Rechts - und Wertesystem zurechtfinden, wobei sie zusätzlich in ihrer spirituellen Entwicklung durch das patriarchale Religionsverständnis behindert werden.

Als einen weiteren Entmachtungsfaktor sieht Mulack die Mutter-Tochter-Beziehung. Diese wird durch das patriarchale Familienbild gestört. Die Mutter folgt dieser vorgegebenen Gesellschaftsform und entzieht damit der Tochter weibliche Denkweisen und Chancen, sich weiblich auszurichten. Dem heranwachsenden Mädchen fehlt schon in ihrer Jugendzeit ein feministisches Vorbild, das sich nicht androzentrisch ausrichtet. Die allgemeine weibliche Abwertung in der Gesellschaft nimmt in der Mutter-Tochter-Beziehung eine große Rolle ein. Von Generation zu Generation werden Mädchen nach patriarchalischen Wertvorstellungen erzogen, Mütter geben diese Werte an ihre Töchter weiter, so entseht ein Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist. Mädchen erfahren schon in ihrer Kindheit, dass ihrer Mutter männliche Familienmitglieder wichtiger sind, als sie selbst. Das entfernt sie nicht nur von der Mutter, sondern auch von ihrem eigenen Geschlecht, das sie als minderwertig erfahren haben. Rivalität in der Gunst „der Mächtigen“ und Konkurrenzdenken entfernen die Frauen voneinander und ein hilfreiches, sich gegenseitig unterstützendes, schwesterliches Miteinander findet nicht statt.

Die Beziehung des Vaters zur Tochter beschreibt Mulack in 3. Kapitel S.47. Sie bezieht sich auf die Macht des Mannes über die Frau und beschreibt den Hintergrund dieser Thematik. Die Autorin stellt in diesem Kapitel die „Väterlichkeit“ in Frage und behauptet, das es eine Umkehrung von der Muttergesellschaft zur patriarchalen Gesellschaft mit positiven, väterlichen Eigenschaften nie gegeben hat. In der männlichen Machtgesellschaft ist das Bild des allgegenwärtigen und doch gleichzeitig abwesenden Vaters präsent. Das heißt, dass Mädchen zu ihrem Vater kaum eine Bindung aufbauen können, da er oft abwesend ist , und in der Regel seiner Frau die Erziehung des Mädchens überlässt. Viele Väter wünschen sich Söhne, mit ihnen können sie sich identifizieren, die Gefühlsstruktur von Mädchen ist ihnen fremd, so kann eine positive Vater - Tochter Beziehung erst gar nicht entstehen. Die Töchter kompensieren die fehlende Zuneigung mit ihrer Aufmerksamkeit und Bewunderung für ihren Vater, wodurch ein Ungleichgewicht in der Beziehung entsteht Die Ursachen dafür sieht Mulack in folgenden Punkten, ich zitiere: (Christa Mulack, Die Wurzeln weiblicher Macht, S.53 ,Verlag Kösel, München 1996)

[...]

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Zurück zu den Wurzeln? Wieder entdeckte, weibliche Muster als Chance für einen emanzipatorischen Lebensentwurf von Frauen?
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Fachbereich Erziehungswissenschaft und Soziologie)
Note
Bestanden
Autor
Jahr
2003
Seiten
42
Katalognummer
V15630
ISBN (eBook)
9783638206907
ISBN (Buch)
9783638699341
Dateigröße
1417 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Abschlussarbeit zur Qualifikation zu Referentin für Frauenfragen in Bildung, Kultur und Politik
Schlagworte
Zurück, Wurzeln, Wieder, Muster, Chance, Lebensentwurf, Frauen
Arbeit zitieren
Petra Menow (Autor), 2003, Zurück zu den Wurzeln? Wieder entdeckte, weibliche Muster als Chance für einen emanzipatorischen Lebensentwurf von Frauen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15630

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