Der Pflug in der Bibel und dessen Gebrauch im realen Leben


Hausarbeit (Hauptseminar), 1985

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Biblische Befunde
1.1 Altes Testament
1.2 Neues Testament

2. Beschreibung und Gebrauch des Pfluges
2.1 Der Gebrauch des Pfluges in Palästina
2.2 Der südpalästinische Pflug
2.3 Das nord- und ostpalästinische Pfluggestell
2.4 Die wichtigsten Pflugtiere
2.5 Die Bedeutung des Pflügens für die Feldbestellung

3. Literaturangaben

1. Biblische Befunde

1.1 Altes Testament

Wesentlich öfter als das Wort Pflug wird das Verb pflügen (Ijob 1,14; Ijob 39,10; 1 Kön 19,19) im Alten Testament verwendet.[1]Im übertragenen Sinne stand pflügen für die Verursachung eines persönlichen Leides (Ps 129,3) oder für Unglück und Unheil im Allgerneinen (Ijob 4, 8) oder sogar für Zerstörung. Um die völlige Zerstörung eines Ortes anzudeuten, führte man den Pflug darüber (Jer 26,18). Insgesamt wurde das Pflügen als schwere Arbeit angesehen, die vollen Einsatz (Sir 6,19) fordert. Ein solcher Pflüger ist ein Vorbild für den Menschen, der eifrig nach der Weisheit strebt. Diese Arbeit verlangt eine feste und sichere Hand, um gerade Furchen ziehen zu können. Der Pflug selbst wird in Dtn 22,10 erwähnt, meistens ist er, zwar nicht expressis verbis, aber doch inhaltlich mit Pflugschar (1 Sam 13,20; Jes 2,4; Joël 4,10; Ri 14,18) gemeint. Die Pflugschar selbst wurde in Kriegszeiten zum Schwert umge-wandelt (Joël 4,10) und man erwartete von der Endzeit die endgültige Umgestaltung der Kriegswaffe zur Pflugschar (Jes 2,4). In 2 Kön 6,5 steht die gleiche hebräische Bedeutung wie für Axt. Aramäisch erscheint paddan in den Targumen sowohl für das Joch (Hos 10,10) als auch für das Ochsengespann (1 Sam 11,7) und für den Pflug (1 Sam 13,21), worin sich deren enge Beziehung ausdrückt.

1.2 Neues Testament

Das Wort Pflug kommt im Neuen Testament an folgender Stelle vor:[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser einzigen Stelle im Neuen Testament über den Pflug vergleicht Jesus die mühselige Arbeit des Pflügens, welche die volle Aufmerksamkeit und Kraft erfordert, mit der Arbeit im Reich Gottes, die nur bei rückhaltloser Hingabe geleistet werden kann.

2. Beschreibung und Gebrauch des Pfluges

2.1 Der Gebrauch des Pfluges in Palästina

Als die Bewohner Palästinas von der Jagd zum Ackerbau übergingen, mussten sie den Boden für die Aufnahme der Saat bereitmachen.[3]Dafür dürfte zunächst ein Stück Holz oder ein zugespitzter Stein verwendet worden sein.[4]Daraus hat sich mit der Zeit die Hacke bzw. der Pflug entwickelt, die in einer gewissen Beziehung zueinander stehen.[5]Denn entweder wird der Stock nach vorne geschoben bzw. gestoßen oder die den Acker auflockernde Person übt eine gegen sich gerichtete, hauende Bewegung aus, indem sie selbst vorwärts geht. Diese zwei verschiedenen Techniken führten einerseits zum Pflug, andererseits zur Hacke.[6]Im ersten Fall geht die Bewegung ohne Unterbrechung vor sich und lässt die Arbeit schnell ablaufen, im anderen Fall erfordert dies immer wieder eine Unterbrechung. Die Hacke ist somit am besten für den Kleinbetrieb und der Pflug für den Großanbau geeignet. Da jedoch das ursprüngliche System des Pfluges, nämlich das Vorwärtsstoßen eines Stockes im Boden, übermäßig viel Kraft kostet und es außerdem recht schwierig ist, die Spitze des Stockes in gleicher Tiefe zu halten, ist es tunlich, wenn eine ziehende Bewegung dabei hilft. Dies kann prinzipiell mit einem Seil, besser jedoch mit einer fest verbundenen Stange geschehen.

Wann es in Palästina zum Übergang von der Hack- zur Pflugkultur gekommen ist, weiß man so genau nicht, man kann ihn jedoch etwa zu Beginn des 2. Jahrtausends ansetzen.[7]Als Erfinder des Pfluges wie der Hacke und Sichel galt nach einer jüdischen Ansicht Noah, der damit den Menschen, die bisher alles mit den Händen machten, Erleichterung brachte (Gen 5,29).[8]Einer anderen Meinung nach wurde schon vor dem Sündenfall gepflügt, nur wurden die Rinder nach diesem Vorfall störrisch und Noah leitete sie wieder zum Gehorsam.[9]Aus Jes 28,26 kann man entnehmen, dass sich ursprünglich der ganze Ackerbau auf göttliche Belehrung zurückführen lässt. „In Wirklichkeit hängt der heutige Pflug mit der eisernen Schar mit der Epoche zusammen, in welcher Eisen in Palästina in Gebrauch kam“,[10]wofür Gen 4,22 ein Hinweis ist. Älter als das Eisen war in Palästina jedoch das Kupfer, das nach archäolo gischen Befunden für Pflugscharen verwendet wurde.[11]

Von einer religiösen Bedeutung des Pfluges oder von einem damit verbundenem Aber-glauben findet sich erst in spät-jüdischer Zeit Zeugnis. „Die Deutung des Pflügens als Koitus, einer Jungfrau als brach liegendes Feld ist hingegen sehr alt“[12]. Ein anderer jüdischer Aberglaube verbot das Sitzen auf dem Pfluge, weil er als eine geweihte Sache galt und er seinem eigentlichen Zweck ausschließlich dienen müsse. Tat man es trotzdem, so ergäbe sich daraus schwere Ackerarbeit oder das Zerbrechen des Pfluges.[13] Das jüdische Gesetz verwarf diesen Aberglauben und hielt es bloß deswegen für tunlich, sich nicht auf den Pflug zu setzen, um ihn nicht zu zerbrechen.[14]

Im Gegensatz zu Ägypten fehlen für Palästina Bilder oder vollständige Funde. Das Letztere ist gut verständlich, weil der Großteil des Pfluges aus Holz bestand.[15]Der noch heute in Palästina gebräuchliche Pflug ist jedoch „so einfach, daß man sich die älteren Formen danach vorstellen kann“[16]. Im heutigen Sprachgebrauch wird in Palästina der Pflug oft nur das Pflügeholz oder einfach nur das Holz genannt oder es wird umgekehrt von der eisernen Schar gesprochen und damit ist ebenfalls der Pflug gemeint.[17]Denn dies sind die beiden Materialien des Pfluges. So bedarf der dortige Bauer zum einen des Holzarbeiters, um ein gutes Holzgestell für den Pflug zu erhalten, zum anderen des Schmiedes, um die Schar herzustellen oder mit einer neuen Spitze zu versehen.

[...]


[1]Vgl. hierzu: Balz/Schneider, Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Bd. I, S. 374; Frisk,

Griechisches etymologisches Wörterbuch, Bd. I, S. 147f.; Galling, Biblisches Reallexikon, S. 255

und 427f.; Haag, Bibel-Lexikon, S. 1327; Kalt, Biblisches Reallexikon, Bd. II, S. 352f.; Kapelrud, in:

Reicke/Rost, Biblisch-Historisches Wörterbuch, Bd. III, S. 1444f.; Rienecker, Lexikon der Bibel, S.

25ff.; Roskoff, in: Schenkel, Bibel-Lexikon, Bd. IV, S. 515; Skydsgaard, in: Lexikon der alten Welt, S.

2278.

[2]Die unten abgebildete Stelle ist der Computer-Konkordanz, S. 221 entnommen.

[3]Vgl. Thomsen, in: Ebert, Reallexikon der Vorgeschichte, Bd. X, S. 119.

[4]Vgl. ebenda.

[5]Vgl. Thomsen, in: Ebert, Reallexikon der Vorgeschichte, Bd. X, S. 118.

[6]Vgl. ebenda.

[7]Vgl. Galling, Biblisches Reallexikon, S. 255f.

[8] Vgl. Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. II, S. 66.

[9] Vgl. ebenda.

[10]Ebenda.

[11]Vgl. Thomsen, in: Ebert, Reallexikon der Vorgeschichte, Bd. X, S. 119f.

[12]Thomsen, in: Ebert, Reallexikon der Vorgeschichte, Bd. X, S. 120.

[13]Vgl. Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. II, S. 67.

[14]Vgl. ebenda.

[15]Vgl. Galling, Biblisches Reallexikon, S. 255.

[16]Thomsen, in: Ebert, Reallexikon der Vorgeschichte, Bd. X, S. 120.

[17]Vgl. Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. II, S. 64f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Pflug in der Bibel und dessen Gebrauch im realen Leben
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Katholisch-Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Realien im Leben Jesu
Note
1,0
Autor
Jahr
1985
Seiten
14
Katalognummer
V156305
ISBN (eBook)
9783640683253
ISBN (Buch)
9783640683307
Dateigröße
1592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflug, Feldbearbeitung und Pflügen in Palästina, Südpalästinisches Pfluggestell, Nord- und ostpalästinisches Pfluggestell, Realien im Leben Jesu
Arbeit zitieren
Dr., M.A. Roland Engelhart (Autor:in), 1985, Der Pflug in der Bibel und dessen Gebrauch im realen Leben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156305

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