Schon kurz nach dem Machtwechsel war für die breite Öffentlichkeit ein starker Rückgang der Massenarbeitslosigkeit zu beobachten, der besonders in der älteren Forschung auf die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten zurückgeführt wurde. In der Forschung gibt es jedoch besonders in jüngerer Zeit zunehmend zweifelnde Stimmen, die den Impuls zur Überwindung der Wirtschaftskrise bereits vor der Machtergreifung ausgemacht haben wollen und die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik kritisch betrachten.
Diese beiden Strömungen werden besonders durch die Arbeiten von Werner Abelshauser und Christoph Buchheim geprägt, wobei ersterer die These vertritt, dass dem NS Regime die schnelle Gesundung der deutschen Wirtschaft zu verdanken sei. Er sieht in der Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten die Theorie des Keynesianismus mit dem Prinzip der direkten, kreditfinanzierten Arbeitsbeschaffung erstmals praktisch angewandt. Buchheim hingegen argumentiert, dass der Aufschwung bereits vor der Machtergreifung Hitlers eingesetzt und die Regierung besonders in der Anfangszeit der 1933/34er Jahre von den Wirtschaftsprogrammen der Regierung Papen und Schleicher profitiert habe. Eine durch Keynes geprägte Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten kann er im Gegensatz zu Abelshauser nicht erkennen.
Auf Grund der heterogenen Sichtweisen in dem Forschungsfeld der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik erscheint es sinnvoll die verschiedenartigen Strömungen aufzugreifen und deren Plausibilität anhand der bisher veröffentlichten Forschungsergebnisse zu überprüfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Der Beginn der konjunkturellen Wiederbelebung in Deutschland
2.1 Zustand der deutschen Wirtschaft bei der NS-Machtübernahme
2.2 Der Beitrag der Weimarer Republik an der Wiederbelebung
3 Maßnahmen der Nationalsozialisten zur Überwindung der Wirtschaftskrise
3.1 Die Anfänge der NS-Wirtschaftspolitik
3.2 Wichtige Maßnahmen der NS-Wirtschaftspolitik
3.2.1 Die Abschaffung der Steuergutscheine und das Sofortprogramm
3.2.2 Kraftfahrzeugsteuer und Autobahnbau
3.2.3 Arbeitsbeschaffungsprogramme
3.2.4 Ehestandsdarlehen
3.2.5 Die positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft
3.3 Zahlungsbilanz und Devisenbestände als Auslöser des „Neuen Plans“
3.4 Das Ende der Wirtschaftskrise in Deutschland
3.5 Kritische Würdigung der NS-Wirtschaftspolitik
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht kritisch den tatsächlichen Beitrag der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob der wirtschaftliche Aufschwung primär durch die Maßnahmen des NS-Regimes induziert wurde oder ob er auf eine autonome Erholung der Märkte sowie auf Programme der Weimarer Republik zurückzuführen ist.
- Analyse der konjunkturellen Lage bei der Machtübernahme 1933
- Untersuchung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen von Papen und Schleicher
- Kritische Evaluation der NS-Arbeitsbeschaffungsprogramme und Ehestandsdarlehen
- Bewertung der Rolle von Rüstungsausgaben und Mefo-Wechseln
- Vergleich divergierender Forschungspositionen (Abelshauser vs. Buchheim)
Auszug aus dem Buch
Die Abschaffung der Steuergutscheine und das Sofortprogramm
Im März 1933 wurden die durch das „Papen-Programm“ bereitgestellten Steuergutscheine auf Grund einer zu geringen Nachfrage der bezugsberechtigten Unternehmen eingestellt. Die frei werdenden Mittel wurden dann für die „[...]unmittelbare Arbeitsbeschaffung durch öffentliche Investitionen“ den Ländern und Gemeinden bereit gestellt. Das Budget aus dem „Sofortprogramm“ Schleichers wurde im gleichen Monat um 100 Millionen RM aufgestockt und entgegen seiner ursprünglichen Pläne für Wiederaufrüstungsmaßnahmen verwendet. Hitler machte bei einer Sitzung des Ausschusses der Reichsregierung für Arbeitsbeschaffung im Februar 1933 klar, dass das „Sofortprogramm“ besonders geeignet sei, die Wiederaufrüstung unauffällig und gut getarnt vorantreiben zu können. Durch diese Maßnahme wird nochmals deutlich, dass Hitler ein besonderes und vorrangiges Interesse an der Aufrüstung und weniger an direkten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu haben schien.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der Weltwirtschaftskrise und führt in die wissenschaftliche Debatte um die Ursachen des wirtschaftlichen Aufschwungs ab 1933 ein.
2 Der Beginn der konjunkturellen Wiederbelebung in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert den Zustand der Wirtschaft bei der Machtübernahme und diskutiert, ob bereits vor 1933 Anzeichen einer Erholung erkennbar waren.
3 Maßnahmen der Nationalsozialisten zur Überwindung der Wirtschaftskrise: Der Hauptteil detailliert die verschiedenen wirtschaftspolitischen Instrumente der NS-Regierung und deren reale Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Konjunktur.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass der Aufschwung maßgeblich auf autonomen Marktentwicklungen und Vorarbeiten der Weimarer Republik basierte und die NS-Politik nur einen begrenzten Beitrag leistete.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Wirtschaftspolitik, Weltwirtschaftskrise, Arbeitsbeschaffung, Weimarer Republik, Konjunktur, Rüstungsindustrie, Mefo-Wechsel, Beschäftigung, Ehestandsdarlehen, Defizitfinanzierung, Wirtschaftsgeschichte, Buchheim, Abelshauser, Arbeitsmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich mit der historischen Kontroverse auseinander, ob die NS-Wirtschaftspolitik tatsächlich für die Überwindung der Weltwirtschaftskrise verantwortlich war oder ob die Erholung bereits vorher einsetzte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die wirtschaftliche Situation bei der Machtübernahme 1933, die Wirksamkeit der von Papen und Schleicher initiierten Programme sowie die spezifischen NS-Maßnahmen wie Autobahnbau und Ehestandsdarlehen.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Inwiefern hat die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik einen tatsächlichen Beitrag zur Überwindung der Wirtschaftskrise geleistet?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich führender wirtschaftshistorischer Positionen, insbesondere der Kontroverse zwischen Werner Abelshauser und Christoph Buchheim.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Instrumente der NS-Wirtschaftspolitik, darunter Arbeitsbeschaffungsprogramme, steuerliche Anreize, Ehestandsdarlehen und die Auswirkungen der verdeckten Aufrüstungsfinanzierung durch Mefo-Wechsel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind NS-Wirtschaftspolitik, Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Keynesianismus, Rüstungsausgaben und die kritische Würdigung des „Dritten Reiches“.
Warum wird die Rolle der Weimarer Republik so stark hervorgehoben?
Die Autorin/der Autor zeigt auf, dass viele der Programme, die oft dem NS-Regime zugeschrieben werden, bereits durch die Vorgängerregierungen (Papen/Schleicher) geplant oder initiiert wurden, um den Aufschwung einzuleiten.
Welche Rolle spielten statistische „Kunstgriffe“ bei der Erfolgsdarstellung?
Die Arbeit weist darauf hin, dass die Arbeitslosenzahlen durch Maßnahmen wie Ehestandsdarlehen oder Landhilfe geschönt wurden, um das Image eines schnellen wirtschaftlichen Erfolgs für Hitler zu konstruieren.
- Quote paper
- Steven Setyadi Kasih (Author), 2009, Der Beitrag der NS-Wirtschaftspolitik zur Überwindung der Wirtschaftskrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156326