Jede Sprache drückt pragmatische Feinheiten und eine Informationsstruktur aus. Viele besitzen spezielle morphosyntaktische Mittel. Diese Arbeit untersucht, ob einige Sprachen dieser Art auch Prosodie nutzen um Topik und Fokus zu markieren. Das Ergebnis lautet, dass die meisten Sprachen Prosodie nutzen, selbst einige Tonsprachen – doch nicht alle. Doch diese Fälle müssen weiter untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Topik, Fokus und Kontrast
2. 1. Prosodischer Fokus, Kontrast und Topik
2.2. Morphosyntaktische Möglichkeiten
3. Die Studien
3.1. Griechisch
3.2. Georgisch: Flexible Wortreihenfolge
3.3. Morphosyntaktische Marker: Japanisch
3.4. Mandarin: Prosodie in der Tonsprache
3.5. Hausa: Ton und Syntax – Keine Prosodie?
4. Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die prominente Rolle der Prosodie bei der Realisierung von Informationsstrukturen wie Topik, Fokus und Kontrast in typologisch diversen Sprachen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Nutzung prosodischer Mittel trotz vorhandener morphosyntaktischer Alternativen universell ist.
- Vergleich der prosodischen Kodierung von Informationsstrukturen
- Analyse von Produktions- und Perzeptionsstudien in verschiedenen Sprachen
- Untersuchung des Verhältnisses von Prosodie zu morphosyntaktischen Markern
- Diskussion der Universalität prosodischer Markierung
- Evaluation von Variationen innerhalb von Sprechergemeinschaften
Auszug aus dem Buch
3.1. Griechisch
Baltazani & Jun (1998) untersuchten das Griechische auf seine Fokus- und Topik-Intonation hin. Sie wollten herausfinden, wie genau Akzente und Töne in dieser Sprache wirken und aussehen. Griechisch ist eine indogermanische Sprache, hat jedoch keine bestätigten direkten Verwandten. Der Akzent ist bedeutungsunterscheidend; es werden sogar Tempora und Kasus dadurch unterschieden und auch einzelne Wörter können damit hervorgehoben, also kontrastiert werden.
In ihrer Studie führten Baltazani & Jun (1998) drei Experimente durch. Beim ersten erstellten sie zehn Versionen 'desselben' Satzes (4 Deklarativ und 4 Interrogativ, die sich in der Fokusposition unterschieden, sowie zwei neutrale Kontrollsätze), schrieben diese auf Karten und vermischten sie. Jeder Satz wurde danach je fünfmal von drei Muttersprachlern vorgelesen. Der Fokus war unterstrichen und ein zusätzlicher Satz der Form 'Fokus, nicht [etwas anderes]' wurde gegeben, damit der erste Satz auch als Fokussatz verstanden wird. Bei der Auswertung untersuchten sie die F0-Kontur des Satzes und hierbei besonders die Teile vor und nach dem Fokus.
Ergebnis war, dass in einem neutralen Satz (siehe (5)) der Hauptakzent ein H* auf der letzten betonten Silbe ist, gefolgt von einem L%-Grenzton. Alle Töne davor sind L*+H. In einem Deklarativsatz (siehe (6)) hat der Fokus H*, die Töne davor sind wie in anderen Sätzen, nach dem Fokus erfolgt jedoch keine Betonung mehr, die Wörter sind also deakzentuiert bis hin zum L%. In Interrogativsätzen (siehe (7)) gibt es einen HL%, der Rest ist wie in neutralen Sätzen, wobei der Fokus aber ein L* trägt, gefolgt von einer Deakzentuierung. Die Satzteile vor und nach dem Fokus sind weiterhin zeitlich verkürzt. Lediglich vor dem Satzende gibt es einen hohen Ton, welcher die Frage als solche markiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die pragmatischen Funktionen Fokus, Topik und Kontrast ein und stellt die Hypothese auf, dass Prosodie bei deren Realisierung eine zentrale Rolle spielt.
2. Topik, Fokus und Kontrast: Das Kapitel definiert die pragmatischen Kategorien und diskutiert sowohl prosodische als auch morphosyntaktische Möglichkeiten ihrer Realisierung.
3. Die Studien: In diesem Hauptteil werden empirische Untersuchungen zu Sprachen wie Griechisch, Georgisch, Japanisch, Mandarin und Hausa analysiert, um die Rolle der Prosodie zu verifizieren.
4. Diskussion und Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse der untersuchten Sprachen zusammen, diskutiert die Hypothese einer universellen prosodischen Markierung und schlägt eine Kategorisierung der Sprachen vor.
Schlüsselwörter
Prosodie, Informationsstruktur, Topik, Fokus, Kontrast, Intonation, Psycholinguistik, Morphosyntax, Sprachvergleich, F0-Kontur, Deakzentuierung, Produktionsexperiment, Perzeption, Universalität, Tonsprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Sprachen weltweit pragmatische Informationen wie Fokus und Topik markieren und ob dabei der Prosodie eine zentrale, womöglich universelle Rolle zukommt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Informationsstruktur, die Intonationsforschung, der Vergleich unterschiedlicher Sprachtypen (Akzent-, Tonsprachen, morphosyntaktisch geprägte Sprachen) sowie die psycholinguistische Produktion und Perzeption.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob Prosodie gegenüber morphosyntaktischen Mitteln zur Markierung von Topik und Fokus bevorzugt oder als universelles, ergänzendes Instrument eingesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung gewählt?
Der Autor führt eine Literatur- und Sekundäranalyse durch, bei der Ergebnisse aus psycholinguistischen Produktions- und Perzeptionsexperimenten verschiedener Sprachen ausgewertet und verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Fallstudien zu Griechisch, Georgisch, Japanisch, Mandarin und Hausa, wobei jeweils die spezifischen prosodischen Muster im Vergleich zur Grammatik beleuchtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Prosodie, Informationsstruktur, Topik, Fokus und Kontrast sowie die Untersuchung der universellen Anwendung dieser Mechanismen in verschiedenen Sprachfamilien.
Wie unterscheidet sich die Markierung in Tonsprachen wie Mandarin von anderen?
Trotz der lexikalischen Bedeutung des Tons zeigen die Studien zu Mandarin, dass Sprecher auch in Tonsprachen die Prosodie konsistent zur Markierung von Fokus und Topik nutzen, ähnlich wie in Akzentsprachen.
Welche Rolle spielt die Sprache Hausa als Gegenbeispiel?
Hausa dient als Fallbeispiel, bei dem laut den vorliegenden Daten keine eindeutige prosodische Markierung von Fokus nachweisbar war, was die These der universellen prosodischen Markierung herausfordert.
Wie trägt die Untersuchung zur Diskussion über die Universalität der Prosodie bei?
Die Arbeit identifiziert unterschiedliche Sprachkategorien in Bezug auf die prosodische Nutzung und stellt die Hypothese auf, dass Prosodie ein hochrelevantes, wenn auch in seiner Ausprägung variables Instrument zur Strukturierung von Diskursen ist.
- Citation du texte
- Andre Schuchardt (Auteur), 2010, Empirische Studien zur prosodischen Markierung neuer und kontrastiver Information in typologisch diversen Sprachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156411