Einer der größten Kriminalfälle des 20. Jahrhunderts ist der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 und die Frage, wer der oder die Brandstifter waren. In dem folgenden Essay soll es weniger um die Frage nach der Täterschaft gehen, sondern vielmehr möchte ich die Funktionalität des Ereignisses durch die Nationalsozialisten untersuchen. Denn Adolf Hitler hat dieses Ereignis für sich verwendet, um so die Aushebelung der Grundrechte und die Verfolgung und Verhaftung von politischen Gegnern zu rechtfertigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Person Marinus van der Lubbe
3. Der Ablauf der Ereignisse am 27. Februar 1933
4. Die Folgen für die politische Landschaft
5. Die Kontroverse um die Täterschaft
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionalisierung des Reichstagsbrandes durch die Nationalsozialisten und analysiert, inwieweit dieses Ereignis als Katalysator zur systematischen Ausschaltung politischer Gegner und zur Errichtung der Diktatur diente, wobei die Alleintäterschaft von Marinus van der Lubbe als historische Grundlage vorausgesetzt wird.
- Analyse des Ablaufs und der Motive von Marinus van der Lubbe
- Untersuchung der nationalsozialistischen Propaganda und Instrumentalisierung
- Bewertung der "Reichstagsbrand-Verordnung" als Instrument der Diktatur
- Diskussion der historischen Kontroverse um die Täterschaft
- Einordnung des Ereignisses in den Prozess der Machtergreifung
Auszug aus dem Buch
Die Kontroverse um die Täterschaft
Wenden wir uns nun einer der größten Geschichts-Kontroversen zu: Wer hat Schuld am Reichstagsbrand? Nach 1945 herrschte die Auffassung, dass die Nationalsozialisten den Reichstag angezündet hatten. Erst 1959/60 konnte der Amateurhistoriker Fritz Tobias die Alleintäterthese von van der Lubbe plausibel machen. Doch zuvor schauen wir uns die These der Schuld der Nationalsozialisten an. Goebbels schrieb in sein Tagebuch: „Wenn man uns nicht die Möglichkeit gibt, mit dem Marxismus abzurechnen, dann ist unsere Machtübernahme vollkommen zwecklos.“
Karl-Heinz Biernat (Historiker der DDR), ein Vertreter der These, dass die Nationalsozialisten den Reichstag angezündet hatten, sagte, dass es ein Komplott der Nationalsozialisten gegen den Kommunismus war. Die Nationalsozialisten mussten also einen Weg finden, um auf legale Art und Weise gegen den Kommunismus vorzugehen. Der Reichstagsbrand kam da nur mehr als gelegen. Vor dem Brand zog man sogar in nationalsozialistischen Kreisen ein Attentat auf Hitler in Erwägung, welches man dann den Kommunisten unterschieben wollte. Die Überlegungen dazu wurden dann aber wieder verworfen, weil es für den Führer zu gefährlich wäre oder zur Nachahmung animiert hätte.
Nach Meinung der Kommunisten hätten angeblich die SA-Truppe den Brand im Reichstagsgebäude gelegt und van der Lubbe als Marionette benutzt. Die Nationalsozialisten glaubten, die Kommunisten wären die Hintermänner. Ein ewiges Verwirrspiel um die Täterschaft entbrannte zwischen den Historikern. Nachdem Fritz Tobias sein Buch über die Alleintäterthese veröffentlichtet hatte, wurde die Quellenlage von Hans Mommsen nachvollzogen und analysiert. Dies Ergab, dass die Beweiskette in sich stimmig war. Die Vertreter der Alleintäterthese sind, um nur einige zu nennen: Fritz Tobias, Hans Mommsen, Uwe Backes und Eckhard Jesse. Für die Täterschaft der Nationalsozialisten oder Kommunisten gibt es jedoch bis heute keine stichhaltigen Beweise, die belegen, dass sie den Reichstag in Brand gesetzt hätten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik des Reichstagsbrandes als Kriminalfall und dessen politische Instrumentalisierung durch die Nationalsozialisten zur Festigung der Macht.
2. Die Person Marinus van der Lubbe: Dieses Kapitel beleuchtet die Biografie des Brandstifters, seine sozialen Hintergründe und seine politisch-syndikalistische Motivation für die Tat.
3. Der Ablauf der Ereignisse am 27. Februar 1933: Hier wird der konkrete Hergang des Brandes sowie die unmittelbare Festnahme von van der Lubbe am Tatort beschrieben.
4. Die Folgen für die politische Landschaft: Das Kapitel analysiert, wie der Brand zur Verfolgung der KPD und zur Suspendierung der Grundrechte mittels der Notverordnung genutzt wurde.
5. Die Kontroverse um die Täterschaft: Es werden die verschiedenen historischen Thesen diskutiert, wobei der Schwerpunkt auf der wissenschaftlichen Debatte zwischen der Alleintäterthese und der Komplott-Theorie liegt.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass der Brand zwar zur Machtergreifung beitrug, die Nationalsozialisten jedoch auch ohne ihn Wege zur Diktatur gefunden hätten.
Schlüsselwörter
Reichstagsbrand, Marinus van der Lubbe, Nationalsozialismus, Machtergreifung, KPD, Adolf Hitler, Reichstagsbrand-Verordnung, Diktatur, Grundrechte, politische Gegner, Alleintäterthese, Propaganda, Historikerkontroverse, Weimarer Verfassung, Notverordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 und dessen gezielter Nutzung durch die Nationalsozialisten, um politische Gegner zu unterdrücken und die Errichtung der NS-Diktatur voranzutreiben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Person und Motivation des Brandstifters Marinus van der Lubbe, die nationalsozialistische Propaganda sowie die juristischen Folgen in Form der "Reichstagsbrand-Verordnung".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu verdeutlichen, wie die Nationalsozialisten ein kriminelles Ereignis funktionalisierten, um die verfassungsmäßigen Grundrechte auszuhebeln und die totale Macht zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung existierender Quellen und der Forschungsliteratur, insbesondere von Historikern wie Hans Mommsen und Eckhard Jesse, basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt den biografischen Hintergrund van der Lubbes, den Ablauf der Tatnacht sowie die politischen Konsequenzen, wie etwa die systematische Verhaftung kommunistischer Funktionäre.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Die wichtigsten Begriffe sind Reichstagsbrand, Machtergreifung, Alleintäterthese, Nationalsozialismus, Grundrechte, KPD und politische Verfolgung.
Warum wurde die "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat" so entscheidend?
Diese Verordnung ermöglichte es, Grundrechte wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit außer Kraft zu setzen und die sogenannte Schutzhaft zu legalisieren, was die Basis für die Verfolgung politischer Gegner bildete.
Welche Bedeutung kommt der Alleintäterthese in der Arbeit zu?
Die Arbeit schließt sich der von der Forschung (u.a. Fritz Tobias) gestützten Annahme an, dass van der Lubbe aus eigenem Antrieb handelte, ohne dabei als Marionette anderer politischer Kräfte zu agieren.
- Arbeit zitieren
- Benedikt Bärwolf (Autor:in), 2007, Der Reichstagsbrand – Adolf Hitlers Legitimation zur Machtergreifung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156433