Die 'Lord’s Resistance Army': Krieg um Gottes Willen?

Die Frage nach dem religiösen Fundament der Freiheitsbewegung des Joseph Kony!


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

27 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Verständnis des Begriffes Religion

3. Uganda - Geschichte und Gegenwart
3.1 Übersicht
3.2 Die Kolonisation
3.3 Von der Unabhängigkeit bis zur Gegenwart

4. Die Lord’s Resistance Army
4.1 Übersicht
4.2 Das Volk der Acholi
4.3 Die Uganda People’s Defence Army
4.4 Das Holy Spirit Movement
4.5 Joseph Kony
4.6 Die Struktur der LRA
4.7 Die Ziele der LRA

5. Analyse der LRA
5.1 Übersicht
5.2 Joseph Kony auf den zweiten Blick
5.3 Die Konsequenzen des Handelns der LRA und NRA
5.4 Der religiöse Aspekt
5.5 Wieso Religion?
5.6 Krieg in Zeiten der massiven Globalisierung

6. Die aktuelle Lage in Norduganda

7. Fazit

8. Abbildungen

Quellenverzeichnis

Abbildungsnachweis:

1. Einleitung

Die Lord ’ s Resistance Army, kurz LRA genannt, ist eine Rebellengruppierung, die im Norden des zentralafrikanischen Landes Uganda operiert. Dabei lässt der Name „Widerstandsarmee Gottes“, wie die Lord ’ s Resistance Army zu Deutsch heißt, vermuten, dass diese Organisation religiös inspiriert ist. Aber welche Motive stehen wirklich hinter der LRA? Ist die Religion ein Ziel oder ein Mittel zum Zweck? Oder spielt sie überhaupt eine Rolle in der Motivation der Kämpfer? Antworten auf diese Fragen zu finden, widmet sich die nachfolgende Arbeit. Dabei wird sich heraus stellen, dass es gerade bei der Lord ’ s Resistance Army eine schwierige Aufgabe ist.

Die Geschichte dieser Widerstandsgruppierung ist eng verbunden mit dem Schicksal des Acholi Volkes, welches somit eine zentrale Stellung in dieser Arbeit einnimmt. Außerdem muss Joseph Kony in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden. Er vereint Führer, Ideologe, General und Prophet in einer Person; mit anderen Worten: Joseph Kony ist die LRA.

Zu Beginn der Arbeit soll ein kurzer Überblick gegeben werden, wie Religion in Zusammenhang mit dieser Arbeit verstanden wird.

Der nächste Abschnitt widmet sich dem Land Uganda. Es ist ein wichtiger Mosaikstein in einem musivischen Gemälde, das die LRA skizzieren soll.

Anschließend richtet sich der Fokus auf die LRA. Die Entstehungsgeschichte und die tägliche Praxis werden ebenso in die Darstellungen mit eingebunden wie ausgesuchte Stellen aus der Bibel. Nur durch diese holistische Herangehensweise ist es möglich die Antriebskräfte der LRA herauszukristallisieren.

Am Ende der Arbeit wird ein Fazit gezogen, um die Hauptfrage, ob Kony einen Krieg um Gottes Willen führt, anhand der vorher aufgeführten Punkte, zu beantworten.

2. Verständnis des Begriffes Religion

Eine allgemeingültige Definition von Religion lässt sich nicht aufstellen. Für jeden Menschen bedeutet sie etwas anderes. Die Lord ’ s Resistance Army bezieht sich hauptsächlich auf das Christentum. Hierdurch lässt sich der abstrakte Begriff Religion schon etwas greifbarer machen. Es gibt gewisse Eckpfeiler, an die sich ein Christ hält, um zu dieser Glaubensgemeinschaft zu zählen. Das gilt auch für den Islam, das Judentum oder den Hinduismus. In einer Konfession - einem Religionsbekenntnis - gibt es Regeln, Riten und Symbole, die sie unterschiedlich und abgrenzbar macht. Auch synkretistische Glaubensgemeinschaften brauchen für die jeweilige Gruppe verständliche Reize. In dieser Arbeit wird Religion von diesem Ansatz aus verstanden, um so aufzuzeigen, ob die LRA aus der Sicht einer umrahmten Religion handelt, sich kontrareligiös verhält oder einen völlig neuen Weg beschreitet, abseits jeglicher Fassbarkeit.

3. Uganda - Geschichte und Gegenwart

3.1 Überblick

Uganda liegt im Osten des Kontinents Afrika auf Höhe des Äquators. Im Norden grenzt das größte afrikanische Land, der Sudan, das bei der dargebotenen Problematik keine unwesentliche Rolle einnimmt, an Uganda. Im Osten liegt Kenia und im Süden Tansania sowie Ruanda, im Osten schließlich die rohstoffreiche Demokratische Republik Kongo. Die Hauptstadt von Uganda ist Kampala, die im Süden des Landes liegt (siehe Abbildung 1.) und somit von dem Kriegsgeschehen, das vor allem den Norden des Landes heimsucht, kaum berührt wird. Der Staat wird von ca. 30 Millionen Einwohnern bevölkert (Encarta 2007). Diese Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf die Distrikte Kitgum und Gulu (siehe Abbildung 2.) im Norden des Landes. Diese haben zusammen ungefähr die Größe von Belgien und werden von annähernd 700 000 Menschen bewohnt (Doom & Vlassenroot 1999). Zu 66 Prozent bekennen sich die Staatsbürger zum Christentum. Mit fünf Prozent ist der Islam unter den dortigen Menschen nur marginal vertreten. Das übrige Drittel hängt indigene Religionen an (Encarta 2007). Die Bürger sind zu 70 Prozent Alphabetisiert (Encarta 2007). In diesem Punkt reiht sich Uganda in die Spitzenpositionen der so genannten ’Dritte-Welt-Länder’ ein. Besonders positiv ist darüber hinaus festzustellen, dass 60 Prozent der weiblichen Bevölkerung alphabetisiert ist (Encarta 2007). Ein ungewöhnlich hoher Wert für ein Land, das vor allem Devisen über den Export von Agrarprodukten erwirtschaftet (Encarta 2007). Rund 70 Prozent der erwerbstätigen Menschen sind in Uganda in diesem Sektor beschäftigt (Encarta 2007). In Agrarländern sind es meist auch die Mädchen und jungen Frauen, die anstatt zur Schule auf das Feld gehen müssen. Investitionen für eine Zukunft beziehen sich meist auf die männlichen Nachkömmlinge. Die kostenlose Grundschule dürfte einer der Gründe für eine relativ gute Stellung der Frau sein (Encarta 2007). In westlichen Kreisen galt Uganda unter anderem auch deshalb als Musterland für politische und wirtschaftliche Entwicklung (Auswärtiges Amt 2008). Dabei ist eine wesentliche und entscheidende Tatsache zu beachten: diese positive Entwicklung gilt fast ausschließlich für den Süden des Landes. Der Norden, zur Grenze zum Sudan, zeigt dagegen ein anderes Bild. Hier ist Unsicherheit der bestimmende Lebensumstand (Auswärtiges Amt 2008). Im Gegensatz zum gängigen Globalisierungsterminus der vom Nord-Süd-Gefälle spricht, kann man in Uganda von einem Nord-Süd-Anstieg sprechen. Ein wichtiger Punkt um den längsten ununterbrochenen Bürgerkrieg Afrikas zu verstehen (Johnson o.D.).

3.2 Die Kolonisation

Uganda war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Teil des ’British Empires’. Der Grundstein der Konflikte, die Uganda in den nächsten Jahrzehnten erschütterten, wurde zum Teil hier gelegt. Die Engländer beherzigten die Strategie ’Teile und Herrsche’. Ihr wirtschaftliches Interesse galt dem Süden des Landes. Hier wurde verstärkt in die Industrie, aber allen voran in die Landwirtschaft investiert. Lukratives ’Cash Crop’ wurde angebaut. Im Norden hingegen gab es nur schlecht bezahlte und unterqualifizierte Arbeit (Doom & Vlassenroot 1999). Auch wurden Arbeitskräfte aus dem Norden im Süden als billige Arbeitskräfte eingesetzt (Doom & Vlassenroot 1999). Problematisch war die Militarisierung der Politik. Durch die Doktrin der ’Indirect Rule’ wurden vor allem die Baganda, die das Königreich Buganda im Süden des Landes bildeten, zur herrschenden Elite von den Briten herangezogen. Zu einem gewissen Teil wurden aber auch die Menschen des Nordens in die Kolonialpläne mit einbezogen. Aus ihnen rekrutierte sich fast vollständig die Armee (Doom & Vlassenroot 1999). Das Volk der Acholi stellte den größten Teil der Armee, eine Ethnie, die sich selbst in der präkolonialen Zeit nicht als Volk von Kriegern sah (Doom & Vlassenroot 1999). Die Acholi waren vor der Eroberung durch die Engländer ein akephales Volk, so dezentralisiert, dass kaum von einer geschlossenen Gesellschaft geredet werden konnte (Schlichte 2006). Es gab das Acholi Volk faktisch nicht. Jetzt, in Zeiten der Kolonisation, waren sie durch das Zusammenwirken in der Armee eine geschlossene Gemeinschaft geworden: ein erster Schritt in Richtung Nationenbildung (Doom & Vlassenroot 1999).

Die Ausgangskonfiguration für die bevorstehende Unabhängigkeit war also ein gut entwickelter Süden in den Bereichen Politik und Wirtschaft, dem ein militarisierter Norden gegenüber stand, aus dem die Nationalarmee rekrutiert wurde. Man bedenke, dass das Militär der Schlüssel zur politischen Macht ist.

3.3 Von der Unabhängigkeit bis zur Gegenwart

Dieser Unterschied von Nord und Süd, von Militär und Wirtschaft, wurde in das unabhängige Uganda übernommen (Doom & Vlassenroot 1999). Am 9. Oktober 1962 wurde Uganda in die Unabhängigkeit entlassen und es kam zu Machtkämpfen um die politische Führung. Fünf Jahre später, im September 1967, konnte sich ein Mann durchsetzten und führte einen zentralistischen Staa]t mit Einparteinsystem ein: Milton Obote. Er wurde Staatspräsident (Encarta 2007). Mit Obote, der aus Zentraluganda stammt, war die Herrschaft des Südens erstmals aufgehoben, da er den Kabaka, zu Deutsch König, Mutesa II von Buganda entmachtete und sich selbst an die Spitze der Regierung setzte.

Das ostafrikanische Land an den großen Seen blieb aber von weiteren militärischen und politischen Wirren in der folgenden Zeit nicht verschont. Es kam sogar noch viel schlimmer als sich 1971 Idi Amin an die Regierungsmacht putschte. Der neue Diktator erkannte, dass das Militär, er selbst war General in den Nationalstreitkräften, der Schlüssel zur politischen Macht ist. Amin besetzte alle wichtigen Positionen in der Politik, also auch im Militär, mit seinen Leuten (Doom & Vlassenroot 1999). Die Acholi wurden aus dem Militär entlassen oder exekutiert. Die Acholi-Offiziere wurden zur Zielscheibe und viele verloren ihr Leben (Doom & Vlassenroot 1999). Die Armee wurde in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung gesprengt. Idi Amin war nun der Einzige im Land, der sich ihrer bedienen konnte. In den acht Jahren seiner Herrschaft kamen bis zu 300 000 Menschen ums Leben. (Encarta 2007) Die Acholi zählten durch ihre Vergangenheit in der Armee zu den bevorzugten Opfern. Nicht nur, dass sie in ständiger Unsicherheit leben mussten, sie hatten auch jeglichen Einfluss in ihrem Land verloren. Sie sahen es mittlerweile selbst als ihre Bestimmung an, das militärische Rückrat des Staates zu bilden (Doom & Vlassenroot 1999).

Der Irrweg des jungen Staates ging ununterbrochen weiter; parallel zum Weg der Acholi. Im April 1979 hat die tanzanische Armee mit Hilfe von Exil-Ugander das Regime Idi Amins gestürzt. Ein Jahr später saß Milton Obote, nach umstrittenen Wahlen, wieder im Präsidentensessel des Staates Uganda (Encarta 2007). Unter ihm kehrten die Acholi erneut in die Armee zurück (Doom & Vlassenroot 1999). Was Idi Amin zu vehindern wusste, wurde unter Obote Wirklichkeit. Das Militär setzte Obote fünf Jahre später ab und Tito Okello an die Spitze eines Militärrats, welcher das Land regieren sollte. Mit Okello hatten es die Acholi zum ersten Mal geschafft nicht nur in der Armee die Oberhand zu haben, sobdern auch die politische Macht lag jetzt in ihren Händen. Okello selbst war ein Acholi (Schmitt o.D.).

Diese Ära währte für das Volk aus dem Norden nicht lang. Nach einem mehrjährigen Bürgerkrieg rückte 1986 die Nationale Resistance Army, kurz NRA, unter der Führung von Yoweri Museveni in Kampala ein und riss die Staatsgewalt an sich (Encarta 2007). Unter Museveni, einem Angehörigen der Ankole aus dem Südwesten, wurde die Armee ein weiteres Mal ummodeliert und bevorzugt mit Rekruten aus dem Süden des Landes besetzt (Doom & Vlassenroot 1999). Die Acholi-Soldaten flohen in den Norden zurück (Doom & Vlassenroot 1999). Das Volk verlor Status, Einkommen und politischen Einfluss (Schmitt o.D.). Dieser Zustand mit Museveni an der Macht und einem marginalisierten Acholi Volk besteht bis heute.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die 'Lord’s Resistance Army': Krieg um Gottes Willen?
Untertitel
Die Frage nach dem religiösen Fundament der Freiheitsbewegung des Joseph Kony!
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Ethnologie)
Note
1,6
Autor
Jahr
2008
Seiten
27
Katalognummer
V156454
ISBN (eBook)
9783640695881
ISBN (Buch)
9783640695997
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lord's Resistance Army, Joseph Kony, Kindersoldaten, Uganda, Acholi, Religionskrieg, Bürgerkrieg
Arbeit zitieren
Magnus Drechshage (Autor), 2008, Die 'Lord’s Resistance Army': Krieg um Gottes Willen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156454

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