„Die Freiheit, der Status, Macht und Wohlstand und die Selbstverwirklichung von Männern ist nur möglich, weil Frauen für sie arbeiten“ (vgl. Young, Iris Marion. Fünf Formen der Unterdrückung. In: Politische Theorie. Differenz und Lebensqualität. Hrsg. von Nagl-Docekal, Herta und Pauer-Studer, Herlinde. Frankfurt am Main. S. 115).
Seit dem 19. Jahrhundert kämpfen Frauen um Gleichberechtigung in allen Bereichen des öffentlichen und alltäglichen Lebens, wie der Politik, der Teilhabe an der Gesellschaft, der Arbeitswelt u.v.m. und trotz dieses langen Kampfes gibt es weiterhin Bereiche in denen Frauen von Männern unterdrückt werden. Auch in einem wirtschaftlich und gesellschaftlich weit entwickelten Nationalstaat wie der Bundesrepublik Deutschland findet im 21. Jahrhundert alltäglich Unterdrückung von Frauen statt. Diese Unterdrückung manifestiert sich auf unterschiedlichen Ebenen und ist nicht mehr so offensichtlich wie sie es noch vor 200 Jahren war – Frauen haben mittlerweile Wahlrecht erlangt, können schulische Bildung und berufliche Ausbildung genießen – dennoch ist ihr Handlungsspielraum, besonders bei der beruflichen Entwicklung, eingeschränkt.
Ziel dieser Hausarbeit ist es aufzuzeigen, dass es in der Bundesrepublik Deutschland weiterhin Bereiche gibt in denen Frauen unterdrückt werden. Um welche Formen der Unterdrückung es sich handelt, in welchen Bereichen sich diese auf welche Art und Weise ausdrücken, möchte ich an empirischen Belegen aufzeigen und begründen. Das zweite Ziel ist es, darzustellen, wie die Unterschiede, die eine Unterdrückung „legitimieren“, zwischen den Geschlechtern entstehen und theoretisch begründet werden.
Zu Beginn werde ich den Begriff Unterdrückung definieren und die beiden Formen der Unterdrückung, die ich darauf empirisch belegen möchte, erläutern. Ich werde diese beiden Formen, die Ausbeutung und die Marginalisierung, in zwei Bereichen des alltäglichen Lebens, dem Arbeits- bzw. Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland und der deutschen Sprache aufzeigen. Wie diese Unterdrückung entsteht, bzw. die Unterschiede zwischen den Geschlechtern theoretisch begründet werden, die zu der Unterdrückung der Frauen führt, möchte ich im letzten Teil zusammenfassend darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Unterdrückung
3. Zwei unterschiedliche Formen der Unterdrückung – wirtschaftliche Ausbeutung und sprachliche Marginalisierung
3.1. Sexuelle Unterdrückung in der deutschen Sprache
3.2. Empirische Befunde der wirtschaftlichen Unterdrückung von Frauen in Deutschland
4. Erklärungsansätze für die Entstehung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern
4.1. Biologistische Theorien
4.2. Soziologische Theorien: Sex und Gender
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die fortdauernde strukturelle Unterdrückung von Frauen in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist es aufzuzeigen, dass trotz rechtlicher Gleichstellung weiterhin ökonomische Ausbeutung und sprachliche Marginalisierung stattfinden, und zu analysieren, wie diese Disparitäten theoretisch durch biologistische und soziologische Geschlechterkonzepte begründet und reproduziert werden.
- Analyse von Formen der Unterdrückung (Ausbeutung und Marginalisierung)
- Untersuchung der sexuellen Unterdrückung in der deutschen Sprache
- Empirische Darstellung wirtschaftlicher Benachteiligung von Frauen
- Vergleich biologistischer und soziologischer Geschlechtertheorien
- Reflektion über die Persistenz von Geschlechterhierarchien
Auszug aus dem Buch
3.1. Sexuelle Unterdrückung in der deutschen Sprache
Die Unterdrückung von Frauen findet, für viele unbemerkt, bereits auf sprachlicher Ebene statt. Das Vorhandensein eines angeblichen grammatischen Geschlechts, dem Genus, und die Verwendung des generischen Maskulinums, dessen Abschaffung besonders die feministischen Bewegungen der 68er forderten, sind Anhaltspunkte für die patriarchale Organisation und Struktur von Sprache. Diese männliche Herrschaft über die Sprache kann man an einfachen Beispielen für Wortschöpfungen in der deutschen Sprache verdeutlichen. So wird in der deutschen Sprache ein Wort „verweiblicht“ indem es die Nachsilbe –in angehängt bekommt. Demnach wird zum Beispiel aus männlich „der Schüler“ verweiblicht „die Schülerin“.
Wird aber ein Wort, dass es zuvor nur für Frauen gab „vermännlicht“, wird ein neues Wort geschöpft; so wird aus weiblich „die Krankenschwester“ vermännlicht nicht etwa „der *Krankenbruder“ oder noch näher liegend „der *Krankenschwesterer“ sondern „der Krankenpfleger“.
Die an Genera ausgerichtete Sprache bewirkt ebenfalls, dass sämtliche Wörter einem Geschlecht zugeordnet werden, ein Gegenstand ist demnach entweder männlich, weiblich oder sächlich und wird damit in das binäre System der Geschlechterverhältnisse einsortiert und reproduziert damit dieses System ohne über ein biologisches Geschlecht zu verfügen. Ebenso werden Menschen in dieses System eingeordnet, ein Mensch hat entweder männlich oder weiblich zu sein um mit sprachlichen Mitteln beschrieben zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel fest, die fortbestehende Unterdrückung von Frauen in Deutschland in der Arbeitswelt und Sprache aufzuzeigen und deren theoretische Begründung zu hinterfragen.
2. Definition von Unterdrückung: Dieses Kapitel definiert Unterdrückung anhand der Konzepte von Iris Marion Young und identifiziert Ausbeutung sowie Marginalisierung als besonders relevant für die Situation von Frauen in Deutschland.
3. Zwei unterschiedliche Formen der Unterdrückung – wirtschaftliche Ausbeutung und sprachliche Marginalisierung: Hier wird der theoretische Rahmen auf die deutsche Realität angewendet, um Ausbeutung in der Arbeitswelt und Marginalisierung durch geschlechtsspezifische Sprachstrukturen zu belegen.
3.1. Sexuelle Unterdrückung in der deutschen Sprache: Das Kapitel analysiert, wie die deutsche Sprache durch das Genus und das generische Maskulinum ein binäres, patriarchales Geschlechtersystem stützt und reproduziert.
3.2. Empirische Befunde der wirtschaftlichen Unterdrückung von Frauen in Deutschland: Es wird dargelegt, dass Frauen aufgrund von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und fehlender Vereinbarkeit von Beruf und Familie strukturell in prekären oder geringer entlohnten Positionen verbleiben.
4. Erklärungsansätze für die Entstehung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Dieser Abschnitt untersucht, wie wissenschaftliche Theorien seit der Antike Unterschiede zwischen den Geschlechtern legitimiert haben.
4.1. Biologistische Theorien: Das Kapitel kritisiert Erklärungsansätze, die Geschlechtermerkmale als biologisch determiniert und genetisch vererbt darstellen, und verweist auf deren wissenschaftliche Unhaltbarkeit.
4.2. Soziologische Theorien: Sex und Gender: Es wird die Differenzierung zwischen biologischem 'Sex' und sozialem 'Gender' erläutert, wobei betont wird, dass auch diese Konzepte ein binäres System aufrechterhalten.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Geschlechterunterdrückung trotz theoretischer Wandlungen durch Erziehung und Sozialisation dauerhaft reproduziert wird.
Schlüsselwörter
Unterdrückung, Frauen, Deutschland, Ausbeutung, Marginalisierung, Sex, Gender, Patriarchat, Geschlechterrolle, Sozialisation, Arbeitsteilung, Sprache, generisches Maskulinum, Geschlechterverhältnis, Feminismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den vielfältigen Formen der Unterdrückung von Frauen im modernen Deutschland und untersucht, wie diese gesellschaftlich sowie sprachlich verankert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die wirtschaftliche Ausbeutung von Frauen, ihre Marginalisierung im Alltag und die theoretische Fundierung von Geschlechterunterschieden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Frauen trotz rechtlicher Gleichstellung in Deutschland weiterhin strukturell unterdrückt werden und zu analysieren, welche Theorien diese Unterdrückung legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie die Einordnung empirischer Befunde, um die Konzepte von Unterdrückung und Geschlechterdifferenz kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Formen der Unterdrückung nach Young definiert, gefolgt von einer Analyse zur Sprache und Arbeitswelt in Deutschland sowie einer Gegenüberstellung von biologistischen und soziologischen Theorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Unterdrückung, Ausbeutung, Marginalisierung, Sex/Gender-Debatte, patriarchale Sprachstrukturen und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sprache bei der Unterdrückung?
Die Autorin sieht in der Sprache ein mächtiges Instrument zur Reproduktion eines binären, patriarchalen Systems, das Frauen marginalisiert und die Geschlechterhierarchie festschreibt.
Warum hält die Autorin die Überwindung der Unterdrückung für schwierig?
Sie kommt zu dem Schluss, dass selbst soziologische Konzepte (Sex/Gender) das zugrunde liegende binäre System nicht auflösen, da durch Sozialisation und Erziehung ständig neue Identitätszuweisungen stattfinden.
- Arbeit zitieren
- Katharina Rahmer (Autor:in), 2009, Die Unterdrückung der Frauen in Deutschland , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156466