Octavio Paz´ Verhältnis zum Kommunismus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

12 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Familie Paz: Eine politische Familie Mexikos

3. Paz' Kindheit und Jugend: Die ersten Begegnungen mit der Politik

4. Die 1930er: Jahre des Zweifelns

5. Schriftstellerkongress in Valencia 1937- Die Verurteilung Andre Gides

6. Bruch mit den Kommunisten

7. Fazit

8. Quellenangaben

1. Einleitung

„Warum traten Sie 1969 in die KP ein,1 obwohl man von Stalins Gulags bereits wusste?“ Diese Frage wurde vor kurzem dem portugiesischen Literaturnobelpreisträger und überzeugten Kommunisten Jose Saramago2in einem Interview gestellt.3

Obwohl seine Antwort ausweichend ist, erscheint sie dennoch verständlich:

„Da könnten Sie auch fragen: Wieso wird jemand Katholik nach der Inquisition?“4

Nicht ganz so einfach ist Octavio Paz, mexikanischer Dichter, Schriftsteller und politischer Analytiker, die Antwort auf eine ähnliche Frage erschienen.

Vor allem mit der in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in der Intellektuellenszene aufkommenden Polemik über die Politik der Sowjetunion, die mit dem Hitler-Stalin-Pakt 1943 einen weiteren Impuls erhalten hatte, beschäftigt sich der Mexikaner intensiv.

Die Frage, ob man Befürworter oder Gegner der sowjetischen Politik wäre, sollte die Intellektuellen- und Schriftstellergesellschaft spalten, oder wie Paz es ausdrückt:5

„Im 20. Jahrhundert wurde die Spaltung ein naturgemäßer Zustand: wir waren wirklich gespaltene Wesen in einer gespaltenen Gesellschaft.“6

Im Folgenden wird der politische Werdegang Octavio Paz' anhand einiger Beispiele näher untersucht und vor allem auf sein Verhältnis zur Politik der Sowjetunion und ihrer Agitatoren, unter denen auch zahlreiche bekannte Schriftsteller gewesen sind, eingegangen, um die von Octavio Paz gestellte Frage zu beantworten: Wie war die Sowjetunion in Wirklichkeit?

Die meisten Textstellen und Zitate sind aus Octavio Paz Werk Itinerario entnommen, das 1993, drei Jahre nachdem Paz den Literaturnobelpreis erhalten hatte, erschienen ist.

2. Familie Paz: Eine politische Familie Mexikos

Die Beweggründe für Octavio Paz' Interesse an der Politik lassen sich sicherlich schon in seiner Familie eruieren, deren Mitglieder bedeutende politische Ereignisse Mexikos in persona miterlebt haben. Sowohl sein Großvater väterlicherseits als auch sein Vater sind zu Lebzeiten in höchstem Maße politisch engagierte und aktive Persönlichkeiten gewesen.

Sein Großvater, Ireneo Paz, der von 1836 bis 1924 gelebt hat, ist ein bedeutender liberaler Intellektueller, der als Soldat am Krieg gegen das französische Interventionsheer Napoleons III. teilnimmt, das entsandt worden ist, weil 1861 der mexikanische Präsident Benito Juarez die Schuldenzahlungen an ausländische Gläubiger kündigt.

Mexiko geht 1867 als Sieger aus dem Krieg hervor und Paz wird zum Oberst befördert und später zum Minister ernannt. Außerdem nimmt er an der liberalen Bewegung teil, die im Jahre 1876 die Präsidentschaft Pofirio Diaz', über den Ireneo Paz später eine Biographie schreiben wird, durchsetzt. Die von DIaz initiierte Reformpolitik wird jedoch kontrovers betrachtet, unter anderem wegen des 1883 verabschiedeten Kolonisierungsgesetzes, das den Großgrundbesitz begünstigt, die campesinos (deutsch: Bauern) unterdrückt und ausländische Investoren nach Mexiko bringt. Octavio Paz vergleicht die Regierungsformen Pofirio DIaz' „mit den Methoden eines Diktators“ . Diese Dissonanzen führen 1911 zum Sturz des Präsidenten durch ein von Emiliano Zapata, dem obersten Führer der aufständischen Bewegung, angeführten Heer, das sich größtenteils aus besitzlosen Bauern und indigener Bevölkerung zusammensetzt. Francisco Madero übernimmt in den folgenden zwei Jahren bis zu seiner Ermordung im Jahre 1913 das Präsidentenamt.

Octavio Paz Solorzano, Octavio Paz' Vater, ist leidenschaftlicher Anhänger jener revolutionären Bestrebungen Zapatas, über den er eine enthusiastische Biographie verfasst, und aufgrund seiner Überzeugungen muss Paz Solorzano für einige Jahre ins politische Exil in die Vereinigten Staaten gehen. Er nimmt aktiv an den Bemühungen einer mexikanischen Landreform teil und ist nach seiner Rückkehr aus dem Exil einer der Mitbegründer der Partido Nacional Agrarista (Nationale Agraristenpartei Mexikos).

Dieses familiäre Erbe und die Tatsache, dass Octavio Paz, 1914 in Mexiko-Stadt geboren, in seiner Kindheit die Folgen der Mexikanischen Revolution leibhaftig miterlebt, führen dazu, dass sich der junge Octavio Paz früh für die Politik, vor allem aber für die, wie er es selbst nennt, revolutionäre Idee, interessiert.7

Paz beschreibt die „revolutionäre Idee“ als „edelsinnige Leidenschaft und einen verbrecherischen Fanatismus, Licht und Finsternis.“8

Er selbst ist ein „mexikanischer Schriftsteller, der, wie viele andere seiner Generation, in seinem Vaterland und in der ganzen Welt diese Hoffnungen und Enttäuschungen, diese Raserei und diese Ernüchterung erlebt hat“10, die durch die immer wieder aufkommende revolutionäre Idee erzeugt worden sind.

3. Paz' Kindheit und Jugend: Die ersten Begegnungen mit der Politik

Octavio Paz verbringt den Großteil seiner Kindheit in Mixcoac, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts der Hauptstadt Mexiko-Stadt nicht weit entfernte Gemeinde, im Haus seines Großvaters Ireneo. Sein Vater hat sich im Süden des Landes dem Ejercito Libertador del Sur (das von Zapata angeführte Revolutionsheer) und seinen Anhängern angeschlossen, ein Umstand, der seine Mutter zwingt, Zuflucht bei ihrem Schwiegervater zu suchen. Im Haus seines Großvaters, der über eine vorzügliche Bibliothek verfügt, hat der junge Octavio die ersten Kontakte mit der Literatur, die ihn ab diesem Zeitpunkt dauerhaft beschäftigen wird.9 In dem 1983 gedrehten Dokumentarfilm El lenguaje de los arboles von Claudio Isaac erinnert sich Paz an seine Kindheit in Mixcoac: “Bei uns zu Hause mangelte es an vielem- wir waren eine von der Revolution ruinierte Familie-, aber Bücher gab es reichlich(...) “10

Das Jahr 1929, in dem Mexiko, nachdem es „durch zwanzig Jahre Bürgerkrieg ausgeblutet“ ist, wieder langsam zu Kräften kommt und die Partido Nacional Revolucionario gegründet wird, ist für Paz ein einflussreiches Jahr:11

Der fünfzehnjährige Octavio nimmt an einem Studentenstreik teil und wirkt so zum ersten Mal bei einer politischen Veranstaltung mit. Weitaus mehr wird jedoch das folgende Jahr Paz' politischen Werdegang beeinflussen.12 Mit Kommilitonen des Colegio de San Ildefonso, das er seit kurzem besucht, organisiert er eine Studentenvereinigung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Bildung der Arbeiter und Bauern zu fördern.

Paz sieht in dieser Vereinigung „die Keimzelle verschiedener und entgegengesetzter politischer Schicksale: einige von uns landeten in der offiziellen Partei.einige wenige.versuchten, ohne großen Erfolg, faschistische Parteien und Falange-Bewegungen zu gründen; Die Mehrheit sympathisierte mit der Linken, und die Mutigsten traten der Kommunisten Partei bei.13

Schon zu jener Zeit kommt eine Frage auf, die den Mexikaner von nun an beschäftigen wird: Muss ich mich als politisch engagierter Mensch zu einer bestimmten politischen Doktrin bekennen und wenn ja zu welcher?

[...]


1 Octavio Paz: Itinerarium, S.41, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1996.

2 http://www.bnp.gob.pe/portalbnp/images/stories/Noticias/Junio_2007/octavio_paz.jpg, Bild aus urheberrechtlichen Gründen entfernt

3Evelyn Finger: Ach was, ich habe ein dickes Fell!- Die Zeit, Seite 61, Nr.44, 23.10.2008.

4Jose Saramago (*1922), portugiesischer Schriftsteller,1998 Nobelpreis für Literatur, 2004 Kandidatur bei den Europawahlen für die kommunistische Partei Portugals.

5Evelyn Finger: Ach was, ich habe ein dickes Fell!- Die Zeit, Seite 61, Nr.44, 23.10.2008.

6Octavio Paz: Itinerarium, S.15, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1996.

7deutsche Ausgabe: Itinerarium- kleine politische Autobiographie, Suhrkamp Verlag, 1996

8www.zeit.de/1980/25/Die-Unterdrueckten-sind-die-Ehre-unseres-Jahrhunde

9Octavio Paz: Itinerarium, S. 10, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1996.

10 Octavio Paz: Itinerarium, S.10, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1996.

11Alberto Ruy Sanchez: Octavio Paz - Leben und Werk,S.19, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1991.

12Octavio Paz: Itinerarium, S.10, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1996.

13Octavio Paz: Itinerarium, S.12, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1996.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Octavio Paz´ Verhältnis zum Kommunismus
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V156474
ISBN (eBook)
9783640705146
ISBN (Buch)
9783640705856
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Octavio, Paz´, Verhältnis, Kommunismus
Arbeit zitieren
Sebastian Knoth (Autor), 2008, Octavio Paz´ Verhältnis zum Kommunismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156474

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