Situation und Lösungsansätze zur Einzelhandelsversorgung peripher ländlicher Räume


Seminararbeit, 2008

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definition: „ländlicher Raum“
2.1 Abgrenzung: „peripher ländlicher Raum“

3 Entwicklung des peripher ländlichen Raumes in Deutschland
3.1 Demographie

4 Einzelhandelsversorgung in peripher ländlichen Räumen in den alten 7 Bundesländern
4.1 Fallbeispiel: Münsingen
4.1.1 Lösungsstrategien

5 Einzelhandelsversorgung in peripher ländlichen Räumen in den neuen 14 Bundesländern
5.1 Fallbeispiel: Lübz
5.1.1 Lösungsstrategien

6 Vergleich der Situation in Ost- und Westdeutschland

7 Langfristige Lösungsstrategien

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Arbeit soll die Situation der Einzelhandelsversorgung im peripher ländlichen Raum darstellen und Lösungsansätze für bestehende Probleme aufzeigen. Hierzu wird zunächst eine allgemein gültige Definition von „ländlicher Raum“ gegeben, um diese dann zum Begriff „peripher ländlicher Raum“ abzugrenzen.

Um die momentane Situation erläutern zu können, ist es wichtig ein Verständnis für die besonderen Gegebenheiten im peripher ländlichen Raum zu Grunde zu legen. Hier für soll in Kapitel 3 kurz die Entwicklung des peripher ländlichen Raumes in Deutschland, und der daraus resultierende und damit verbundene
Bedeutungswandel dargestellt werden.

Wie dieser Wandel sich auf die Einzelhandelsversorgung ausgewirkt hat wird in den folgenden Kapiteln beschrieben und anhand von Fallbeispielen erläutert. Hier werden explizit die Situation sowie vorhandene Lösungsstrategien beschrieben. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung in Ost- und Westdeutschland werden auch die Fallbeispiele differenziert. Besonders an ihnen lassen sich die eventuellen Lösungsansätze aufzeigen sowie deren Notwendigkeit verdeutlichen. Anschließend wird die Situation im Osten Deutschlands mit der im Westen zusammenfassend verglichen.

2 Definition: ländlicher Raum

Ländliche Räume haben sich aufgrund von historischen, geographischen und sozio-ökonomischen, ungleichen Entwicklungen herausbilden können. Spricht man heute allgemein von „ländlicher Raum“, so treffen auf eine solche Region unterschiedlichste Aussagen zu:

„- geringe Bevölkerungsdichte und disperse Siedlungsstruktur
- hohes Potenzial für landschaftliche Nutzungen wie Siedlung, Gewerbe, Freizeit, Tourismus, Natur- und Ressourcenschutz etc.
- große Einzugsgebiete erschweren die Einrichtung und Erreichbarkeit
zeitgemäßer Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen

- geringe Erwerbsquote
- geringe Arbeitsplatzdichte mit der Folge eines hohen Anteils von Berufspendlern
- vergleichsweise hoher Anteil landwirtschaftlicher Aktivitäten, geringe Anteil an Dienstleistungen“( MLR Baden-Württemberg 2008, S.1).

Dennoch ist eine strenge Abgrenzung des ländlichen Raumes nach Maßzahlen, wie zum Beispiel Bevölkerungsdichte, nicht möglich. Eine allgemein gültige Definition ist auf Grund der komplexen unterschiedlichen Ausprägungen verschiedener ländlicher Räume auch nicht möglich (vgl. Grothues R. 2006, S.6).

2.1 Abgrenzung: „peripher ländlicher Raum“

Da es verschiedene Ausprägungen von ländlichen Räumen nach dem oben genannten Aussagen gibt, muss differenziert werden. Ländliche Räume in der Nähe von großen Städten oder Verdichtungsräumen „verschmilzen“ zunehmend mit den Agglomerationen und lassen sich nicht mehr klar abgrenzen, so entsteht ein sogenanntes Stadt-Land-Kontinuum (vgl. Heineberg, H. 2004, S.253).

Da für diese Arbeit speziell der peripher ländliche Raum von Bedeutung ist, kann hierfür eine Typisierung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung herangezogen werden. Hier wird unterschieden zwischen „Ländlichen Räumen höherer Dichte“ und „Ländlichen Räumen geringerer Dichte“ (vgl. Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Typisierung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung für unterschiedliche ländliche Räume

Quelle: Bundesamt für Bauordnung und Raumplanung (Hrsg.) 2007.

Für die Typisierung nach Kreisen bzw. Kreisregionen gilt: (1.) „Ländliche Kreise höherer Dichte“ weisen mehr als 100 Einwohner pro qkm auf und (2.) „Ländliche Kreise geringerer Dichte“ weisen weniger als 100 Einwohner pro qkm auf (vgl. Eglitis, A. 1999, S.3).

Peripher ländliche Räume weisen also eine geringere Einwohnerdichte auf und liegen geographisch weiter von Agglomerationsräumen entfernt. Somit sind sie weniger intensiv mit ihnen verflochten (vgl. Neuer, B. / Thieme, G. 2006, S.15). Als Indikator hierfür kann beispielsweise die Zeit herangezogen werden, welche benötigt wird um mit dem PKW das nächstgelegene Oberzentrum zu erreichen. In „Ländlichen Räumern höherer Dichte“ beträgt der Wert im Mittel 39 Minuten und in „Ländlichen Räumen geringerer Dichte“ 45 Minuten (vgl. Neuer, B. / Thieme, G. 2006, S.15). Diese Zahlen spiegeln bereits die Notwendig einer Nahversorgung mit Einzelhandel (nicht nur) in den peripher ländlichen Räumen wieder, denn viele Personengruppen können sich nicht am motorisierten Individualverkehr partizipieren.

3 Entwicklung des peripher ländlichen Raumes in Deutschland

Die ländlichen Räume in Deutschland haben einen starken Bedeutungswandel, und damit verbunden, einen strukturellen Wandel durchlaufen.

Beginnend mit dem Bedeutungsrückgang der Landwirtschaft und stagnierender Bevölkerungszahlen in der Nachkriegszeit, kam es zu einem physischen Verfall der Bausubstanz sowie zu Defiziten in der Infrastrukturausstattung. Der Strukturwandel in der Wirtschaft führte zu weiterem Bedeutungsverlust der Landwirtschaft sowie deren vor- und nachgelagerten Branchen. Erhöhte Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung waren die Folge. Industrie siedelte sich häufig nur in Gebieten mit Nähe zu Agglomerationsräumen an, so dass dieser wirtschaftliche und strukturelle Impuls in peripher ländlichen Regionen auch meist aus blieb. Wichtige Förderprogramme für diese Regionen waren die „Gemeinschaftsaufgaben Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ und „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ des Bundes. Auch die EU beteiligte sich mit Strukturfonds an den Bemühungen Impulse in peripher ländlichen Regionen zu erzielen. Fördermaßnahmen bezogen sich in der Vergangenheit lediglich auf die Modernisierung der Landwirtschaft und die soziale Absicherung der in der Landwirtschaft Tätigen (vgl. Eglitis, A. 1999, S.5f). Während ländliche Räume in Nähe zu Ballungsräumen ein breites Spektrum an Funktionen erfüllen (vgl. Abb.2), und davon stark profitieren, sind die peripher ländlichen Regionen nach wie vor von Defiziten betroffen. Es herrscht ein Mangel an Arbeitsplätzen, vor allem mit höherem Qualifikationsniveau und außerhalb des primären Sektors. Hinzu kommen infrastrukturelle Defizite, besonders in den Bereichen Verkehr, ÖPNV und auch Bildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Abb.2 Funktion des ländlichen Raumes

Quelle: Heineberg, H. 2004, S. 245

Aus diesen Entwicklungen resultieren entscheidende demographische Entwicklungen, welche wiederum mit für die Situation des Einzelhandels in solchen Regionen verantwortlich gemacht werden können.

3.1 Demographie

Aufgrund der in Kapitel 3 beschriebenen Umstände kommt es in ländlichen Räumen zunehmen zu einer Bevölkerungsstruktur, welche eine Ausdünnung der Lebensmittelnahversorgung mit sich bringt. Insbesondere Räume in peripher ländlicher Lage verlieren bereits, oder werden in Zukunft stark an Bevölkerung verlieren. Junge Bevölkerungsgruppen wandern vermehrt aus solchen Regionen ab, womit auch die Geburtenzahlen sinken und die Bevölkerung altert. So ist in den kommenden Jahren auch mit zunehmend steigenden Sterbezahlen zu rechnen (vgl. Benzel, L. 2006, S.1). Betrachtet man die Wanderungszahlen genauer, so lässt sich feststellen, dass die Disparitäten zwischen ländlichen Räumen in Nähe zu Verdichtungsräumen und peripher ländlichen Räumen zunehmend größer werden. Während ländliche Räumen in Verdichtungsnähe eher positive Tendenzen aufweisen, weisen peripher Ländliche Regionen eher wenig positive bzw. negative Tendenzen hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung auf (vgl. Abb.3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 Ausgewählte Zahlen zu Bevölkerungsentwicklung

Quelle: eigene Darstellung nach: Neuer, B. / Thieme, G. 2006, S.18.

Neben den genannten Tendenzen veranschaulicht Abbildung 3 auch das weitaus stärker ausgeprägte Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland. Demnach sind die ostdeutschen ländlichen Räume jetzt schon sehr stark von Bevölkerungsverlusten betroffen. Gründe dafür sollen an dieser Stelle jedoch nicht thematisiert werden. Auf Grund dieser drastischen Unterschiede zwischen Ost und West wird auch im Folgenden die Situation in den alten und in den neuen Bundesländern differenziert betrachtet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Situation und Lösungsansätze zur Einzelhandelsversorgung peripher ländlicher Räume
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Strukturwandel im Einzelhandel
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V156502
ISBN (eBook)
9783640692859
ISBN (Buch)
9783640693054
Dateigröße
1841 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einzelhandelsversorgung, Ländlicher Raum, Lübz
Arbeit zitieren
B.Sc. Fabian Seyffarth (Autor), 2008, Situation und Lösungsansätze zur Einzelhandelsversorgung peripher ländlicher Räume, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156502

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