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Der Katharismus in Languedoc zwischen Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung im 14. Jahrhundert

Ein exemplarischer Vergleich zur Darstellung der Katharer in der "Practica officii inquisitionis haereticae pravitatis" und ausgesuchten Inquisitionsprotokollen aus Montaillou

Titel: Der Katharismus in Languedoc zwischen Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung im 14. Jahrhundert

Bachelorarbeit , 2022 , 42 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es, die Darstellung der Katharer in den in Südfrankreich entstandenen Quellen dem Inquisitionshandbuch von Bernard Gui und den Inquisitionsprotokollen von Jaques Fournier aus Montaillou, zu vergleichen. Dabei fungiert die Darstellung der Katharer in der Practica als Repräsentation der kirchlichen Macht, während die Inquisitionsprotokolle das Wissen, die Motive und die Beweggründe der Gegenseite, sprich der „einfachen Bevölkerung“, widerspiegeln soll. So ist es möglich, die Perspektive auf die mittelalterliche Ketzergruppe zu erweitern und besonders auch marginalisierten Personen, wie Frauen, eine Stimme zu geben. Inhaltlich wird zunächst vertiefend die Quellenlage diskutiert. Anschließend folgt die Gattungskritik, die die Inquisitionsbücher sowie Inquisitionsprotokolle genauer definiert und in den historischen Kontext einbettet. Weiterhin wird der Katharismus in seinen Ursprüngen, Lehren und Abweichungen zum katholischen Glauben betrachtet, um auf dieser Basis im Anschluss die Inquisition, beginnend mit ihrer Entstehung und im Speziellen in der Vorstellung von Bernard Gui und seiner Arbeit als Inquisitor, darzustellen. Im folgenden Hauptteil wird die Darstellung der Katharer in Inquisitionsprotokollen in Beziehung zum Inquisitionshandbuch von Bernard Gui gesetzt. Zuletzt folgt ein zusammenfassendes Fazit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.EINLEITUNG

2. QUELLENLAGE

3. GATTUNGSKRITIK

3.1. INQUISITIONSHANDBÜCHER

3.2. INQUISITIONSPROTOKOLLE

4. HISTORISCHER KONTEXT

4.1. KATHARER

4.2. ABWEICHUNGEN ZUM GLAUBEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE

4.3. INQUISITION

4.3.1. ENTSTEHUNG UND RECHTLICHE GRUNDLAGEN

4.3.2. DER INQUISITOR BERNARD GUI UND DIE PRACTICA OFFICII INQUISITIONIS HERETICE PRAVITATIS

5. VERGLEICH DER DARSTELLUNG DER KATHARER IN INQUISITIONSPROTOKOLLEN AUS MONTAILLOU UND IM INQUISITIONSHANDBUCH VON BERNARD GUI

5.1. LEHRE DER KATHARER

5.1.1. SCHÖPFUNG

5.1.2. VERHÄLTNIS ZU LEBEWESEN UND NAHRUNG

5.1.3. SAKRAMENTE

5.2. SELBSTVERSTÄNDNIS DER KATHARER

5.2.1. BEZEICHNUNGEN

5.2.2. LEBENSWEISE

5.2.3. VERHÄLTNIS ZUM KATHOLISCHEN GLAUBEN

5.3. RITUALE DER KATHARER

5.3.1. BROTBRECHEN

5.3.2. CONSOLAMENTUM

5.3.3. MELIORAMENTUM

5.3.4. COVENENSA

5.3.5. ENDURA

6. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Darstellung der Katharer im Inquisitionshandbuch Practica officii inquisitionis heretice pravitatis von Bernard Gui mit der Selbstdarstellung der Katharer übereinstimmt, wie sie in den Inquisitionsprotokollen aus dem Dorf Montaillou überliefert ist.

  • Vergleichende Analyse von kirchlicher Fremdwahrnehmung und individueller Selbstdarstellung
  • Untersuchung der katharischen Lehre, Kosmologie und Riten
  • Erforschung des sozialen Gefüges und der Lebenswelt der "einfachen Bevölkerung" in Montaillou
  • Kritische Einordnung des Inquisitionshandelns im 14. Jahrhundert

Auszug aus dem Buch

5.1.1. Schöpfung

Laut Gui glaubten die Katharer daran, dass es zwei Götter gäbe, einen guten und einen bösen Gott. Dabei habe der böse Gott alles Sichtbare und Körperliche geschaffen, wohingegen der gute Gott alles Unsichtbare und Körperlose schuf. Dementsprechend glaubten die Katharer außerdem an eine gute und eine böse Kirche. Ihre sei die gute Kirche, die Kirche Jesu Christi. Die römische Kirche in ihrer Gesamtheit verachteten sie. Sie sahen alle, die nicht dem katharischen Glauben angehörten, als Ketzer und Irrgläubige an, denen keine Möglichkeit offenstand, innerhalb der römischen Kirche gerettet zu werden.

Bezüglich der Schöpfung des katharischen Glaubens gab Beatrice de Planissoles eine ausführliche und detaillierte Beschreibung, die sie von verschiedenen Männern aus Montaillou, mit denen sie zu verschiedenen Zeiten in einem körperlichen Verhältnis stand, geschildert wurde. So berichtete sie von der katharischen Mythologie, nach der einst alle von Gott geschaffenen Seelen im Himmelreich sündigten, indem sie durch übersteigerten Stolz meinten, dass sie mehr wert wären als Gott und daraufhin auf die Erde fielen. Durch den Fall wurden die Seelen fleischlich und die Welt sollte erst vollendet sein, wenn alle Seelen in die Körper von Männern und Frauen auf der Erde übergegangen seien. Außerdem hatten die Seelen, die gegenüber Gott gesündigt hatten, sich geteilt. Einige verschworen sich gegen Gott und rebellierten gegen ihn, weshalb sie zuerst den Himmel verlassen mussten. Ihre Sünde war vergleichbar mit der Hölle, was sie zu Dämonen mache. Anderen Seelen planten keinen Aufstand gegen Gott und rebellierten nicht. Sie folgten nur denjenigen, die den Aufstand veranlassten. Diese seien ebenso auf die Erde gefallen und wandelten von dem Zeitpunkt an in Menschen und Tieren, taten Buße und hofften, durch den Körper eines guten Christen ins Himmelreich zurück zu gelangen.

Zusammenfassung der Kapitel

1.EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Katharer als mittelalterliche Häresiebewegung vor, thematisiert die Herausforderung für die katholische Kirche und begründet die methodische Herangehensweise eines Vergleichs zwischen Inquisitionsquellen und Protokollen.

2. QUELLENLAGE: Dieses Kapitel diskutiert die Relevanz der "Doat Collection" sowie der Inquisitionsprotokolle von Jacques Fournier und bewertet deren historische Zuverlässigkeit.

3. GATTUNGSKRITIK: Hier werden Inquisitionsbücher und Inquisitionsprotokolle definiert, um deren jeweiligen Stellenwert und die Grenzen ihrer Objektivität kritisch zu hinterfragen.

4. HISTORISCHER KONTEXT: Das Kapitel bietet einen Abriss über die Ursprünge des Katharismus, die dualistische Theologie sowie die Entstehung und rechtliche Systematisierung der Inquisition.

5. VERGLEICH DER DARSTELLUNG DER KATHARER IN INQUISITIONSPROTOKOLLEN AUS MONTAILLOU UND IM INQUISITIONSHANDBUCH VON BERNARD GUI: Den Hauptteil bildet der detaillierte Vergleich von Lehrauffassungen, Selbstverständnis und Riten, wobei sowohl Übereinstimmungen als auch Unterschiede zwischen den Quellen aufgezeigt werden.

6. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, zeigt die Stärken und Schwächen der jeweiligen Quellengattungen auf und betont die Bedeutung der Untersuchung für das Verständnis der katharischen Praxis.

Schlüsselwörter

Katharer, Inquisition, Bernard Gui, Montaillou, Practica officii, Dualismus, Consolamentum, Häresie, Inquisitionsprotokolle, Beatrice de Planissoles, Endura, Melioramentum, Mittelalter, Südfrankreich, Seelenwanderung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Bild der Katharer im 14. Jahrhundert, indem sie die kirchliche Perspektive (repräsentiert durch das Handbuch von Bernard Gui) mit der Lebensrealität der Betroffenen (aus den Inquisitionsprotokollen von Montaillou) vergleicht.

Welche Themenfelder werden analysiert?

Zentral sind die katharische Lehre, Riten wie das Consolamentum, der Umgang mit der Inquisition sowie die alltägliche Glaubenspraxis innerhalb der Gemeinschaft in Montaillou.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, zu hinterfragen, inwiefern die (oft einseitige) kirchliche Darstellung der Katharer mit deren tatsächlichem Selbstverständnis, wie es in den Verhörprotokollen zum Ausdruck kommt, übereinstimmt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin verwendet eine komparative historisch-kritische Quellenanalyse, bei der Inquisitionshandbücher und -protokolle in ihren historischen Kontext eingebettet und miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte: Die Lehre der Katharer, ihr Selbstverständnis und die Analyse spezifischer Rituale wie das Brotbrechen, das Melioramentum und die Endura.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit abgrenzen?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Katharismus", "Inquisition", "Montaillou", "Fremdwahrnehmung" und "Selbstdarstellung" klar innerhalb der geschichtswissenschaftlichen Forschung verorten.

Warum spielt das Dorf Montaillou eine zentrale Rolle?

Montaillou liefert durch die detaillierten, von Jacques Fournier angefertigten Inquisitionsprotokolle ein einzigartiges Zeugnis der sozialen und religiösen Alltagswelt des 14. Jahrhunderts, das weit über offizielle Lehrmeinungen hinausgeht.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des "Melioramentum" in den Quellen?

Während Gui den Ritus als festen Handgriff an den Armen beschreibt, legen die Protokolle aus Montaillou den Fokus stärker auf rituelle Kniebeugen und eine demütige Handauflegung auf die Erde.

Welche Bedeutung hat das "Consolamentum" für die Gläubigen?

Es fungiert als zentrale "Geistestaufe", die Sünden vergibt und als einziger Weg zur Erlösung der Seele aus der materiellen Welt angesehen wurde, was den Kern der katharischen Identität markiert.

Finden sich bei Gui Informationen zu spezifischen Kleidungsvorschriften?

Nein, das ist eine der zentralen Erkenntnisse der Arbeit: Die Kleidung der Katharer, die in den Protokollen als Erkennungsmerkmal auftaucht, wird in Guis Handbuch kaum oder gar nicht thematisiert.

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Details

Titel
Der Katharismus in Languedoc zwischen Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung im 14. Jahrhundert
Untertitel
Ein exemplarischer Vergleich zur Darstellung der Katharer in der "Practica officii inquisitionis haereticae pravitatis" und ausgesuchten Inquisitionsprotokollen aus Montaillou
Hochschule
Universität Münster  (Geschichte)
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
42
Katalognummer
V1565076
ISBN (PDF)
9783389114360
ISBN (Buch)
9783389114377
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter Katharer Bernard Gui Inquisition
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2022, Der Katharismus in Languedoc zwischen Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung im 14. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1565076
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Leseprobe aus  42  Seiten
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