Dieses Portfolio dokumentiert ein Schulorientierungspraktikum im Rahmen der universitären Lehrerbildung. Ziel der Arbeit ist es, durch eine systematische Beobachtung und Reflexion erste pädagogische Erfahrungen zu sammeln und theoretisch zu fundieren. Im Zentrum steht die Falldarstellung einer konkreten Unterrichtssituation, die mithilfe eines transkribierten Beobachtungsprotokolls analysiert wird. Die Reflexion knüpft an zentrale theoretische Ansätze wie den „Niemeyer-Text“ an und diskutiert die Bedeutung professioneller Wahrnehmung im Lehrerberuf. Ergänzt wird das Portfolio durch ein Thesenpapier und einen schulischen Kontextüberblick, die das Praktikum wissenschaftlich und praxisnah einordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. „Niemeyer-Text“ Exzerpt
2. Thesenpapier
3. Kontext zur Schule
4. Falldarstellung (transkribierte Beobachtung)
5. Fallreflexion
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Portfolios ist die pädagogische Reflexion einer im Rahmen des Schulorientierungspraktikums beobachteten Schülerin unter Anwendung theoretischer Konzepte. Die Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen dem Verhalten der Lehrkräfte und dem Konzept eines verstehenden, bedürfnisorientierten Umgangs mit störendem Schülerverhalten.
- Analyse von Interaktionsprozessen im Unterricht
- Theoretische Einordnung von Erziehungshaltungen
- Reflexion über Ursachen für auffälliges Schülerverhalten
- Diskussion der Lehrer-Schüler-Beziehung und pädagogischer Verantwortung
Auszug aus dem Buch
Fallreflexion
Sehr offensichtlich ist das permanente Aufmerksamkeitsbedürfnis der Schülerin, das von Mitschülern und Mitschülerinnen nur zum Teil und vom meinem Mentor so gut wie gar nicht bedient wird. Sie scheint gerne im Mittelpunkt stehen zu wollen, ob im positiven oder negativen Sinne ist dabei nicht relevant. Tritt eine Situation ein, in der die Aufmerksamkeit nicht bei ihr liegt, versucht sie meist durch direktes Auffordern ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler zur Kommunikation mit ihr, die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Gleichzeitig versucht sie Situationen herbeizuführen, durch welche ihr die Aufmerksamkeit des Lehrers zu Teil wird. Dabei spielt die Art der Aktion selbst, wie ein Bein zu stellen, zu spät zu kommen oder immer wieder die Maske abzusetzen, grundsätzlich keine Rolle. Hauptsache es bringt ihr Aufmerksamkeit ein.
Auf jede meiner Nachfragen an meinen Mentor bezüglich der Schülerin reagierte er genervt und ich bekam Antworten wie: „Ja, die ist schwierig“ oder Ja, die ist ein bisschen anders, als die anderen Kinder.“ Ich wandte mich, auf seine Empfehlung hin, an die Klassenlehrerin. Aber auch sie war genervt und hatte eher weniger Interesse an diesem Gespräch und konnte mir kaum etwas über die Schülerin sagen, da sie noch nicht lange die Klassenlehrerin sei. Was sie mir sagte war, dass die Schülerin der Hauptgrund für Unruhe in der Klasse wäre.
Sie wurde also als Störfaktor wahrgenommen, wobei die Ursachen für ihr Verhalten schienen jedoch weder meinen Mentor noch ihre Klassenlehrerin zu interessieren schienen. Dieses Verhalten der Lehrperson lässt sich mit der „alten Erziehung“ nach Hermann Noll vergleichen. Laut Noll gehe die „alte Erziehung“ von den Schwierigkeiten aus, die das Kind macht. Noll’s „neue Erziehung“ hingegen geht von den Schwierigkeiten aus, die das Kind hat. In diesem Fall interessieren sich die Lehrpersonen nicht für die Schwierigkeiten der Schülerin, auch nicht einmal wirklich für die Schwierigkeiten, die sie macht. Sie wird zumindest von meinem Mentor weitestgehend ignoriert.
Zusammenfassung der Kapitel
„Niemeyer-Text“ Exzerpt: Zusammenfassung wesentlicher Thesen zum sozialpädagogischen Verstehen und zum Paradigmenwechsel von der „alten“ zur „neuen“ Erziehung.
Thesenpapier: Einordnung wissenschaftlicher Literatur zu Differenzkonstruktionen im Unterricht und Ableitung kritischer Fragestellungen für die Praxis.
Kontext zur Schule: Beschreibung des schulischen Umfelds, insbesondere hinsichtlich Lehrermangel, Sprachförderbedarfen und der sozialen Struktur der Schülerschaft.
Falldarstellung (transkribierte Beobachtung): Protokollierung von Unterrichtssituationen, die das auffällige Verhalten einer Schülerin und die Reaktionen der Lehrkraft dokumentieren.
Fallreflexion: Analyse des beobachteten Falls unter Bezugnahme auf fachpädagogische Theorien und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und der Haltung des Mentors.
Schlüsselwörter
Schulorientierungspraktikum, Sozialpädagogische Verstehen, Erziehung, Differenzkonstruktion, Lehrer-Schüler-Beziehung, Auffälliges Verhalten, Aufmerksamkeitsbedürfnis, Schulkultur, Empathie, Pädagogische Reflexion, Hermann Noll, Unterrichtsstörung, Individualisierung, Inklusion, Fallarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieses Portfolios?
Das Portfolio dokumentiert Beobachtungen und Reflexionen, die während eines Schulorientierungspraktikums gemacht wurden, mit besonderem Fokus auf den Umgang mit auffälligem Schülerverhalten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind pädagogisches Verstehen, schulische Differenzkonstruktionen, das Spannungsfeld „alte“ versus „neue“ Erziehung sowie die Rolle der Lehrkraft bei Unterrichtsstörungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das in der Praxis beobachtete Handeln von Lehrpersonen theoretisch zu fundieren und kritisch zu hinterfragen, um eine professionelle pädagogische Haltung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt die Methode der Fallarbeit und der subjektiven Reflexion, kombiniert mit der Auswertung fachwissenschaftlicher Fachliteratur.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Darstellung einer beobachteten Schülerin und die anschließende pädagogische Reflexion dieses Fallbeispiels.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie pädagogisches Verstehen, Erzieherfehler, Aufmerksamkeit, soziale Hierarchie in Klassen und pädagogische Professionalität.
Wie bewetet der Autor den Umgang des Mentors mit der Schülerin?
Der Autor kritisiert den Umgang des Mentors als Symptombekämpfung und ordnet ihn als „alte Erziehung“ ein, da die Ursachen der kindlichen Not ignoriert werden.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor aus der Beobachtung?
Der Autor schlussfolgert, dass das Ignorieren des Verhaltens zwar kurzfristig den Unterrichtsbetrieb aufrechterhält, langfristig jedoch das Problem nicht löst und die Schülerin weiter stigmatisiert.
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- Anonym (Author), 2022, Portfolio zum Schulorientierungspraktikum. Fallanalyse, Beobachtung und Reflexion im Lehramtsstudium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1565308