Das Rentenproblem - Ist die Rente in Zukunft noch sicher?


Seminararbeit, 2003
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Die Rentenversicherung von der Vergangenheit zur Gegenwart
1.1 Gründe für eine schlechte Situation der Rentenversicherung
1.1.1 Rückgang der Bevölkerung – Der Nachwuchs bleibt aus
1.1.2 Mehr Rentner als jemals zuvor
1.1.3 Mehr Rentner verursachen höhere Kosten
1.1.4 Abnahme des Renteneintrittalters
1.1.5 Längere Ausbildungszeiten
1.1.6 Die Arbeitslosigkeit steigt kontinuierlich an

2. Die Folgen der genannten Probleme
2.1 Veränderung der Bevölkerungsstruktur
2.2 Höhere Kosten durch Anstieg der Lebenserwartung
2.3 Kürzeres Berufsleben da längere Ausbildungszeiten
2.4 Arbeitslosigkeit – eine zusätzliche Belastung des Staates
2.5 Die wirtschaftliche Gefahr für Deutschland

3. Von der Gegenwart in die Zukunft – Lösungsvorschläge
3.1 Entlastung der Rentenkasse durch längere Lebensarbeitszeit
3.2 Mehr Eigenverantwortung durch private Vorsorge
3.3 Eine Grundrente für Jedermann
3.4 Abgaben für kinderlose Familien
3.5 Arbeit für alle
3.6 Beiträge für Beamte, Selbstständige und Freiberufler
3.7 Nachwuchs durch Zuwanderung
3.8 Annäherung der Generationen durch Bürgerarbeit
3.9 Schnelle Reformen durch verändern der politischen Thematik

4. Persönliche Stellungnahme

5. Bibliographie

Vorwort

Meine Hausarbeit bezieht sich im Kern auf die Rentenproblematik in Deutschland.

Das Thema Rente betrifft jeden Bürger in der Bundesrepublik.

Es ist ja allgemein bekannt, dass eine Rente auf dem aktuellen Niveau nicht mehr finanzierbar ist und dadurch in ferner Zukunft das Rentenniveau drastisch sinken könnte. Steigende Lebenserwartung, weniger Nachwuchs und höhere Arbeitslosigkeit sind nur einige Beispiele, die dafür verantwortlich sind und in dieser Hausarbeit thematisiert werden. Es ist davon auszugehen, dass durch das aktuelle Geburtenniveau der „Generationenvertrag“ nicht mehr erfüllt werden kann. In ca. 30 Jahren hätte ein Arbeiternehmer neben seiner Familie noch einen Rentner mitzufinanzieren. Der Lebensstandard der betroffenen Bürger könnte dadurch enorm sinken.

Der Staat hat reagiert, indem der damalige Arbeitsminister ( Walter Riester) im Jahr 2002 die sogenannte „Riester-Rente“ eingeführt hat. Ob diese Maßnahme ausreicht und zur Abkehr des Finanzierungsproblems führt, ist umstritten.

Außerdem soll die „Rürup-Kommission[1] “ ein Konzept ausarbeiten, dass u.a. den Sozialstaat positiv reformieren soll.

Zu Beginn der Hausarbeit erläutere ich die Geschichte der Rentenversicherung. Anschließend stelle ich deskriptiv die aktuellen Probleme der Rentenversicherung dar und die möglichen Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Am Ende dieser Hausarbeit möchte ich zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, das allgemeine Rentenproblem nicht ansteigen zu lassen. Diese Lösungen werden kurz analysiert. Als Abschluss gebe ich meine Meinung bezüglich der Kernthese wieder. In der Recherche ist aufgefallen, dass die Rentenproblematik schon in den neunziger Jahren thematisiert wurde und die nachfolgenden Probleme noch immer aktuell sind.

1. Die Rentenversicherung von der Vergangenheit zur Gegenwart

Nachdem 1881 Kaiser Wilhelm I. in der „Kaiserlichen Botschaft“ die Erarbeitung von Sozialgesetzen angekündigt hat, wurde im Jahre 1889 im Reichstag die Alters- und Invalidenrente beschlossen und eingeführt. Fortan bestand für jeden Arbeiter und Angestellten ab dem 16. Lebensjahr mit einem Jahreseinkommen bis zu 2000 Mark eine Versicherungspflicht. Durchschnittlich zahlte man ca. 21 Pfennig in der Woche als Beitrag. Die damalige Altersgrenze betrug 70 Jahre. Die Alterssicherung war eigentlich eine Familienangelegenheit und nicht als Lohnersatz gedacht, sondern lediglich als „Alterstaschengeld“. Sie sollte - wie Bismarck es ausdrückte – die „ Schwiegertochter davon abhalten, den Alten aus dem Haus zu ekeln[2]. Die Einführung der Sozialgesetze ab 1889 war eine präventive Maßnahme, um die aufkommende Armut zu bekämpfen und einer eventuellen Revolution entgegenzukommen.

Damit die Renten mit dem wachsenden Wohlstand der Gesellschaft mithalten konnten, führte Konrad Adenauer mit der Rentenreform 1957 das Umlageverfahren ein. Dafür wurde der Name "Generationenvertrag" erfunden, das bedeutet alle Arbeitenden, die Beiträge zur Rentenversicherung zahlen mussten, konnten davon ausgehen, dass die nachfolgende Generation das Gleiche tun würde.
Das ging so lange gut, wie Wirtschaft und Bevölkerung wuchsen. Mitte der siebziger Jahre jedoch schrumpfte das Bevölkerungswachstum, die Arbeitslosigkeit stieg aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen an.

Die Anteile der verschiedenen Generationen werden sich verschieben: Heute gehören 57 % der in Deutschland lebenden Menschen der "mittleren Generation" zwischen 20 und 59 Jahren an, 22 % sind unter 20 Jahre, 21 % 60 Jahre oder älter. Im Jahr 2040 stehen voraussichtlich die Menschen der "mittleren Generation" vergleichsweise weniger jüngeren Menschen gegenüber (15 %), dafür aber wesentlich mehr ältere (37 %). Ursachen hierfür sind vor allem, dass in Deutschland die Geburtenhäufigkeit auf absehbare Zeit bei weitem nicht ausreicht, um die Bevölkerung konstant zu halten, und dass die Lebenserwartung weiter zunimmt. Während heute auf 100 Menschen der "mittleren Generation" 38 Menschen kommen, die 60 Jahre oder älter sind, werden bis zum Jahr 2040 voraussichtlich 76 ältere Menschen auf 100 Menschen zwischen 20 und 59 Jahren entfallen[3]. Das hätte zur Folge, dass immer mehr Rentner von immer weniger Beitragszahlern finanziert werden müssten. Dieser Trend hat sich bis heute nicht umgekehrt und wird auch in den nächsten 50 Jahren anhalten. Er führte dazu, dass die Rentenbeiträge von 14 Prozent im Jahr 1957 auf 20,3 Prozent im Jahr 1998 anstiegen.

Der aktuell gültige Satz von 19,3 Prozent ist teuer erkauft: Die Mehrwertsteuer wurde erhöht, die Nettolohnanpassung ausgesetzt und die Ökosteuer eingeführt. Das Kapitalumlageverfahren funktioniert, indem Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils 9,65 % (2003) vom Bruttogehalt den Rentenversicherungsträgern überweisen. Der Rentenversicherungsträger ist bei Angestellten die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), bei Arbeitern ist dies die Landesversicherungsanstalt für Arbeiter (LVA). Die Versicherungsträger überweisen dann sofort auf Konten der anspruchsberechtigten Rentner, Rücklagen haben die Versicherungsträger nur geringe, der „Vorrat“ an Kapital wäre schon nach 1,4 Monaten erschöpft[4].

Der „Generationenvertrag“ wird in Zukunft in Gefahr geraten, da u.a. immer weniger Beitragszahler wesentlich mehr Rentner finanzieren müssen.

1.1 Gründe für eine schlechte Situation der Rentenversicherung

Im folgenden Teil möchte ich die Probleme bezüglich der Rentenversicherung darstellen, diese Probleme gibt es schon seit längerer Zeit und können ausschlaggebend für einen drastischen Rückgang des Rentenniveaus in der Zukunft sein.

1.1.1 Rückgang der Bevölkerung – der Nachwuchs bleibt aus

Das Hauptproblem der Rentenversicherung ist der dramatische Rückgang der Bevölkerung. Die Geburtenziffern sind gesunken und befinden sich seit langem auf einem niedrigen Niveau. Die Folge dessen ist, dass die Gesamtheit der Bevölkerung u.a. durch gute medizinische Versorgung immer älter wird und allmählich vergreist. Auf den Rückgang der Bevölkerung und deren Ursachen möchte ich nachfolgend genauer eingehen.

Seit ca. Mitte der sechziger Jahre gibt es in Deutschland einen starken Geburtenrückgang. Jede Generation ist etwa zahlenmäßig ein Drittel geringer als die ihrer Eltern.

Nach dem „Babyboom“ der späten fünfziger und sechziger Jahre, welche eine Spätfolge des 2. Weltkrieges war, folgte dann die rasante Talfahrt.

Brachten 1965 100 Frauen noch durchschnittlich 250 Kinder zur Welt, waren es 10 Jahre später nach Einführung der Anti – Baby Pille nur noch 145 Kinder. Der Tiefpunkt war 1985 mit 120 Kindern auf 100 Frauen erreicht.

1998 lag die Zahl der Geburten wieder leicht höher, von 100 Frauen wurden 140 Kinder geboren, dass sind trotzdem 44 Prozent weniger als 1965[5].

Ein weiteres Kriterium für den Geburtenrückgang ist, dass Frauen immer öfter kinderlos bleiben. Frauen haben zunehmend den Wunsch, einer Erwerbsarbeit nachzugehen und sich finanziell unabhängig zu machen. Dies trifft vor allem für Frauen mit sehr hohem Bildungsgrad zu[6]. Brachte der Geburtsjahrgang 1933 der Frauen nur neun Prozent kein Kind zur Welt, war der Geburtsjahrgang 1960 schon zu 23 % kinderlos[7].

Der Geburtenrückgang ist ein Prozess, der mittlerweile jede moderne Gesellschaft dieser Welt erfasst hat. Nicht nur in Deutschland ist ein Geburtenrückgang zu verzeichnen, sondern auch in anderen westeuropäischen Staaten, mit Ausnahme von Irland geht die Geburtenrate stetig zurück. Es lassen sich zentrale Ursachenkomplexe ausmachen.

Eine wichtige paradoxe Ursache ist der Sozialstaat, dieser übernimmt mit seinen 5 Säulen Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- ,Pflege- und Unfallversicherung die Fürsorgeleistungen, die ursprünglich die Familienmitglieder übernommen haben.

Die Sicherung gegen alle möglichen Risiken des Lebens war ausschließlich eine familiäre Angelegenheit. Früher schaffte man sich Kinder u.a. aus ökonomischen Nutzen an, so konnten diese von Anfang an in der Landwirtschaft oder im Haushalt mithelfen bzw. waren diese eine Art Sicherung für das Alter.

Nicht nur Eltern und Kinder, sondern auch Geschwister waren füreinander verantwortlich[8]. Die materiellen und individualistischen Ansprüche der Bürger in Deutschland sind gestiegen. Diese Ansprüche geraten zunehmend in Konflikt mit den langfristigen Festlegungen bezüglich der Kosten und der Zeit, die Kinder verursachen[9]. Familien ohne Kinder sind heutzutage in Deutschland im Gegensatz zu früher nicht mehr unsittlich, sondern werden als „Normalfamilie“ angesehen.

Das Planen der Familie wird durch Aufklärung und bessere Mittel und Methoden der Empfängnisverhütung immer genauer kontrollierbarer.

Die oben genannten Gründe bewirken u.a., dass die Reproduktionsrate in Deutschland abnimmt und dass dadurch wie schon erwähnt der Anteil der jungen Arbeitnehmerschaft in Deutschland zurückgeht. Als Folge dessen wird es in absehbarer Zeit immer weniger Beitragszahler geben wird.

1.1.2 Mehr Rentner als jemals zuvor

Ein weiterer Grund für eine zunehmende Belastung der Beitragszahler ist die ansteigende Zahl von Beitragsempfängern, also Rentnern. Die Bürger werden durch u.a. medizinischen Fortschritt immer älter.

Die Lebenserwartung westdeutscher Frauen hat sich von 68,5 Jahren im Jahre 1950 um 17 Prozent auf 80,2 Jahre im Jahre 1998 erhöht. Auch bei den Männern ist die durchschnittliche Lebenserwartung um 15 Prozent von 64,6 Jahre auf 74,4 Jahre im gleichen Zeitraum gestiegen[10].

Zu den Gründen ist zum einen anzuführen, dass heute viele Arbeiten im tertiären Sektor (Dienstleistungsbereich) verrichtet werden und damit die Situation bezüglich der Belastung und Gefahr am Arbeitsplatz zurückgegangen ist. Die Arbeit ist körperlich weniger anstrengend, als noch vor 50 Jahren, wo beispielsweise eine Lokomotive noch mit Kohlen bestückt werden musste. War Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein Großteil in der Landwirtschaft tätig und ein Bruchteil im Dienstleistungssektor, so ist dieses Verhältnis Anfang des 21. Jahrhunderts umgekehrt. Durch den weiträumigen Einzug von Elektrizität ist vieles einfacher geworden und die Umweltbelastung insbesondere die Kohlenstoffemission ist zurückgegangen, was die Menschen gesundheitlich weniger belastet als früher. Positiv auf den Anstieg der Lebenserwartung haben ebenfalls Einfluss genommen: eine gute medizinische Versorgung, Gesundheitsvorsorge, Unfallverhütung sowie die allgemeine Steigerung des Wohlstandes.

1.1.3 Mehr Rentner verursachen höhere Kosten

Durch die höhere Lebenserwartung kann ein heute 60jähriger Mann bis zu seinem Lebensende Leistungen erwarten, die um ca.155.330 Euro höher sind als seine vorher eingezahlten Rentenbeiträge. Bei einer 60jährigen Frau sind es ca.114.000 Euro. In diese Leistungen fließen auch für gesundheitliche Behandlungen und stationäre Pflege[11].

Dabei stellt sich die Frage, ob ein künstliches Hinausschieben des Ablebens mittels künstlicher Beatmung, Ernährung etc. für den einzelnen Rentner ohne dessen Zustimmung wünschenswert und sinnvoll ist und in wie weit dies gegenüber den Beitragszahlern vertretbar ist.

Deutschland hat mehr Rentner denn je. Dies bedeutet in erster Linie nicht nur eine Belastung für die Rentenversicherung, sondern auch eine Belastung für die 1995 eingeführte Pflegeversicherung.

Die Zahl der Pflegefälle wird sich in den nächsten Jahren weiter erhöhen und damit werden die Beiträge der Pflegeversicherung bis zum Jahr 2030 laut Prognos – Studie auf 2,4 % ansteigen. Wenn die stationäre Pflege vollständig in die Beiträge mit einfließt, ist sogar mit Beiträgen um 6 % für die Pflegeversicherung zu rechnen[12].

1.1.4 Abnahme des Renteneintrittalters

Es gibt auch dadurch mehr Rentenbeitragsempfänger, weil die Lebensarbeitszeit willkürlich verkürzt wird. Es ist statistisch bewiesen, dass das durchschnittliche Renteneintrittsalter in den letzten Jahren weiter zurück gegangen ist. Viele Rentner sind heute noch imstande Arbeit zu verrichten und belasten die Rentenkasse in Bezug auf Berufsunfähigkeitsrente oder Altersübergangsgeld.

Die Erwerbsquote der 60- bis 65jährigen hat sich von 1960 bis 1993 stark verringert. 1960 waren noch 66 % dieser Altersgruppe erwerbstätig, inzwischen sind es trotz deutlich gestiegener Lebenserwartung nur noch ca. 20 %[13].

Nur ein Lehrer von 100 erreicht das 65. Lebensjahr in der Schulkarriere, die anderen Lehrer gehen meistens schon mit Ende 50 in Rente. Gründe dafür sind u.a. eine gute private Altersvorsorge bzw. einige Firmen kündigen ihre Mitarbeiter nicht, sondern schreiben diese bis zum Renteneintritt krank, und umgehen somit eine Abfindung.

Ab dem 58. Lebensjahr war es vielen Bürgern vor allem in den neuen Bundesländern möglich in eine Altersübergangszeit zu gehen und damit die Rente mit geringen Abstrichen zu empfangen.

Das Renteneintrittsalter liegt derzeit statistisch bei 60,2 Jahren[14].

1.1.5 Längere Ausbildungszeiten

Das Modell „Generationenvertrag“ wird der heutigen Situation im Bildungssektor nicht mehr gerecht. Die Ausbildungszeiten sind im Laufe der Jahre immer mehr angestiegen. Trat man Mitte des 20. Jh. noch mit ca. 16 Jahren in das Erwerbsleben ein, war dies Ende des 20. Jh. erst mit Anfang 20.

Das Abitur verlängert die Lernphase in der Regel um 3 Jahre. Das verlängert die Zeit der Ausbildung um durchschnittlich weitere 5 Jahre.

1982 waren über 10 % aller Rentenversicherten unter 20 Jahre alt, im Jahre 1995 waren es nur noch 4 % . Die Arbeitnehmer unter 25 Jahre, waren 1982 mit ca. 26 % vertreten, im Jahre 1995 waren es nur 22,4 %[15]. Die Auswirkungen auf die Zukunft werden im nächsten Kapitel erläutert.

1.1.6 Die Arbeitslosigkeit steigt kontinuierlich an

In der letzten Zeit ist ein Anstieg der Arbeitslosenrate zu verzeichnen. Lag die Arbeitslosenquote im Jahre 1960 noch bei 1,6 Prozent, so waren es im Jahre 2001 schon 10,3 Prozent der Bevölkerung, die ohne Job waren. Die neuesten Zahlen belegen 4,7 Mio. Arbeitslose[16]. Diese Zahl ist jedoch statistisch modifiziert. Zählt man die Leute hinzu, welche sich in einer ABM Maßnahme, Umschulung, Weiterbildung befinden und nicht in die Statistik eingerechnet werden, würde sich die Zahl der Arbeitslosen um 2,5 Mio. erhöhen auf ca. 7 Mio.[17].

2. Folgen der genannten Probleme

Im nachfolgenden Teil werden die Folgen der genannten Probleme aufgezeigt. Die Folgen beziehen sich auf die Gegenwart.

2.1 Veränderung der Bevölkerungsstruktur

Der Rückgang der Bevölkerung ist in einem sogenannten Altersaufbaudiagramm zu veranschaulichen. War dieses Diagramm früher noch in Form einer Glocke in seiner Struktur, so ist diese Glocke jetzt zur Tanne mutiert und wird nach Schätzungen im Jahre 2030 wie eine Urne aussehen. Im unteren schmalen Bereich dieser Urne befindet sich symbolisch der Anteil der 0-20 Jährigen , in der Mitte und relativ breit die erwerbstätige Bevölkerung, in etwa der selben Breite befindet sich die Zahl der zu finanzierenden Rentner. Der Rückgang der jungen Bevölkerung bedeutet, dass in Zukunft weniger Beitragszahler für die Rentner aufkommen.

Entfielen laut DIW-Prognose im Jahre 1950 noch vier erwerbsfähige Personen (20 – 60 Jahre) auf einen Menschen im Rentenalter ab 60 Jahre, waren dies in den neunziger Jahren nur noch ca. 2,5 Personen. Das Rechenmodell zeigt, dass schon im Jahr 2010 das Verhältnis bei 2:1 liegen wird.

2.2 Höhere Kosten durch Anstieg der Lebenserwartung

Die bereits erwähnte längere Lebenserwartung hat für die Gesellschaft mehrere Nachteile. Zum einen müssen die Senioren länger aus der Rentenkasse finanziert werden. Andererseits belasten die Senioren auch die Pflegekasse.

Es leiden bereits 20 % der Achtzigjährigen und ca. ein Drittel der Neunzigjährigen an seniler Demenz (geistiger Zerfall)[18]. Das sind ca. 800 000 Leute in der Bundesrepublik, welche im besonderen Maße auf Hilfe angewiesen sind. Es lässt sich darüber streiten, ob der Fortschritt der Medizin deshalb positiv in Bezug auf die Gesellschaft zu werten ist.

Somit stehen der alternden Bevölkerung ebenfalls weniger Beitragszahler gegenüber.

Der Alterungsprozess der Gesellschaft hat Auswirkungen auf alle Politikbereiche.

Nimmt die Zahl der Erwerbstätigen ab, sei es durch Rückgang der jungen Bevölkerung, längere Ausbildungszeiten, Stellenabbau etc., belastet dies im gewissen Maße die Staatskasse. Alle Sozialleistungen können nur aus dem laufenden Bruttosozialprodukt (BSP) umverteilt werden. Die Kosten der Rentenversicherung betrugen im Jahr 2000 217 Mrd. Euro, damit ist die Rentenversicherung mit einem Anteil von 48 Prozent der größte Posten im sozialen Sicherungssystem der Bundesrepublik.

Steigt das BSP nicht im Verhältnis des Anteils der bedürftigen Rentner, so kann dieses Defizit nur durch Gelder der Staatskasse entnommen werden. Dieses Geld kommt wiederum aus der Steuerkasse, vom Steuerzahler (Ökosteuer), oder aus Krediten, welche der Staat aufgenommen hat. Die Verschuldung des Bundes lag im Jahr 2001 bei 1195,7 Mrd. Euro. Mittlerweile beträgt die Rate öffentlicher Schulden vom BIP schon 58 %. Im Gegensatz zu 1960 ist das eine Steigerung von 39,3 %[19].

2.3 Kürzeres Berufsleben da längere Ausbildungszeiten

Wenn man beachtet, dass die Jugendlichen - wie bereits erwähnt - längere Ausbildungszeiten wahrnehmen, ist das Lebensjahr für den Eintritt in das Berufsleben nicht mehr mit 20, sondern mit 25 Jahren anzusetzen.

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Das beweist das hohe Defizit an Lehrstellen in Deutschland. In diesem Jahr werden rund 120000 Jugendliche in Deutschland vergeblich auf eine Lehrstelle warten[20]. Viele Jugendliche schlagen deshalb vorerst die akademische Laufbahn ein, u.a. um einer drohenden Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Die Zahl von Auszubildenden und Studenten hat sich in den letzten 40 Jahren angenähert. 1960 waren noch 1,7 Mio. Jugendliche in der Ausbildung beschäftigt und es besuchten nur 313.000 Schulabgänger die Hochschulen. Im Jahr 2000 gab es 2,6 Mio. Studenten und 2,4 Mio. Auszubildende[21]. Dabei ist zu beachten, dass sich die Zeit und Komplexität der Ausbildung und des Studiums erhöht hat. Der Mensch ist gezwungen, sich ständig weiterzubilden, da das menschliche Wissen immer spezifischer wird. Die Arbeitsprozesse erfordern immer mehr an Intelligenz und geistigem Know-how, da ist es mit einer zweijährigen Berufsausbildung schon lange nicht mehr abgetan.

Unter dem Aspekt der längeren Ausbildungszeiten und der höheren Lebenserwartung ist ersichtlich, dass die Gesellschaft nicht nur ein Drittel ihres Lebens in die Sozialkassen einzahlen kann, um davon zwei Drittel (vor und nach beruflicher Tätigkeit) der Lebenszeit zu profitieren.

2.4 Arbeitslosigkeit – eine zusätzliche Belastung des Staates

Die oben erwähnte Arbeitslosigkeit beinhaltet eine weitere Belastung für den Sozialstaat. Deutschland hat momentan nach den neuesten Zahlen des statistischen Bundesamtes eine Arbeitslosenrate von 4,7 Mio. Diese 4,7 Mio. Bürger belasten die Staatskassen in einem doppelten Sinn. Zum einen muss der Staat bei Berechtigung des Arbeitslosen dafür aufkommen, dass dieser ca. zwei Drittel seines Lohnes weiterhin bekommt, zum anderen muss jetzt das Arbeitsamt die RV-Beiträge abführen, was wiederum die Allgemeinheit belastet.

Der Rückgang und die Alterung der Bevölkerung werden auch zukünftig die Lage am Arbeitsmarkt nicht großartig entspannen. Bis 2010 ist davon auszugehen, dass die Zahl der Arbeitslosen konstant bleiben wird. Erst im Jahr 2040 ist damit zu rechnen, dass die Arbeitslosenzahl bei 1,5 Mio. liegt[22].

2.5 Die wirtschaftliche Gefahr für Deutschland

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist gefährdet. Weniger junge Leute, bedeuten weniger Nachwuchs in der Wirtschaft. Der Hochschulbereich, ist der Bereich, in den die Bundesregierung verstärkt Mittel einfließen lassen muss. Die Leistung der Hochschulen muss verbessert werden, wenn die Bundesrepublik auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig bleiben will. Mit weniger qualifizierten Arbeitskräften und technologischem Fortschritt ist dieses kaum möglich. Der verstärkte Ausfall von eingezahlten Rentenbeiträgen durch die genannten Gründe, belastet die Wirtschaft in Deutschland. Die fallenden Beiträge müssen kompensiert werden durch vorrausichtlich prozentual steigende Beiträge. Dies belastet den Arbeitnehmer sowohl auch den Arbeitgeber. Die Firmen könnten andere Regionen bevorzugen, in denen die Lohnnebenkosten weniger hoch sind und das Personal trotzdem gut ausgebildet ist, wie z.B. in Südostasien das Land Korea. Korea hat für ein Land mit geringen Lohnkosten eine Analphabetenquote von unter einem Prozent[23]. Diese Faktoren sind für Unternehmen interessant die einfache Arbeitsprozesse auslagern möchten. Unternehmen wie Bosch und DaimlerChrysler sind auf Südkorea aufmerksam geworden und haben Arbeitsprozesse ausgelagert. Andere Unternehmen könnten nachziehen und weitere Arbeitsplätze würden aus Deutschland verschwinden.

Außerdem wird für die Unternehmen Deutschland als Absatzmarkt immer mehr an Bedeutung verlieren. Der Bevölkerungsrückgang wird zu einer sinkenden Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen führen. Es ist anzunehmen, dass der Absatz von Nahrungsmitteln und (langlebigen) Konsumgütern zurückgehen wird. Viele Fabrikanlagen werden nicht mehr voll ausgelastet sein. Es werden weniger Wohnungen, öffentliche Gebäude und Straßen gebaut. Die deutsche Volkswirtschaft könnte dadurch schrumpfen[24].

Andererseits werden Rentner jedoch temporär interessant für die Wirtschaft. Ein großer Teil der Rentner hat noch die gute alte Sparmentalität verinnerlicht und ist demzufolge mit großen Besitztümern ausgestattet, wie z.B. Immoblilien, Kapital, Aktien etc.

Es öffnen sich in Zukunft neue Märkte : medizinische Dienste, Geräte und Hilfsmittel, Alten- und Pflegeheime, Essens-, Reinigungs- und Betreuungsdienste, Freizeit- und Urlaubsangebote für Senioren werden verstärkt benötigt.[25]

3. Von der Gegenwart in die Zukunft - Lösungsvorschläge

Hier werden einige Lösungsvorschläge aufgezeigt, welche aus der Literatur entnommen wurden. Diese Vorschläge beziehen sich auf die Zukunft und werden kritisch analysiert.

3.1 Eine Entlastung der Rentenkasse durch längere Lebensarbeitszeit

Volkwirtschaftler forcieren, dass die Leute, statt wie jetzt mit 65 erst mit 67 oder gar mit 70 in die Rente gehen. Diese Verlängerung der Lebensarbeitszeit würde einen positiven Effekt zur Folge haben, welcher sich gleich doppelt auswirkt.

Zum einen würde es automatisch weniger Rentner geben und zum anderen würden die Arbeitnehmer, welche schon eigentlich in Rente wären weiterhin in die Rentenkasse einzahlen. Aus diesem Grund könnten weitere Beitragserhöhungen erspart bleiben.

3.2 Mehr Eigenverantwortung durch private Vorsorge

Ein Versuch, die Bürger der BRD an die private Vorsorge zu führen, wurde schon mit der am 01.01.2002 eingeführten „Riester-Rente“ versucht. Diese Rente wurde von den BürgerInnen leider nur mit geringer Resonanz angenommen[26].

Eine Alternative zur Riester Rente sind die Lebensversicherungen oder Rentensparpläne der Versicherungsgesellschaften.

Der Vorteil dieser Altersvorsorge, für die in der Regel mittels Renten- oder Aktienfonds am Kapitalmarkt ein sogenannter Kapitalstock aufgebaut wird, sind die höheren Renditen von durchschnittlich 5,5 % gegenüber 1,5 – 2 % in der gesetzlichen Rentenversicherung. In der Übergangsphase würde die Umstellung vom Umlageverfahren zum Kapitaldeckungsverfahren in der ersten Phase eine Zusatzbelastung für den Arbeitnehmer von ca. 190 DM monatlich darstellen. Etwa ab dem Jahr 2020 lägen die Kosten dann unter denen des Umlageverfahrens.

Vorteile des Kapitaldeckungsverfahrens sind ein zu erwartendes höheres Wirtschaftswachstum und ein flüssigerer Kapitalmarkt, da die Beiträge der Versicherten auf dem Kapitalmarkt investiert und nicht an die ältere Generation umverteilt werden[27].

3.3 Eine Grundrente für Jedermann

Eine Grundrente in Deutschland einzuführen, war schon öfter im Gespräch, konnte sich aber bis jetzt noch nicht durchsetzen. Jedem Bürger ab 63 Jahren soll dabei eine Grundrente zustehen, die 40 % des durchschnittlichen deutschen Nettoeinkommens beträgt. Die Rente soll nicht mehr mittels Umverteilung finanziert werden, sondern über die Einkommens- und Mehrwertsteuer. Dazu müsste die Mehrwertsteuer um ca. 10 Prozentpunkte angehoben werden. Die gegenwärtigen Kosten für die Erwerbstätigen, würden durch den Wegfall der Rentenversicherung kompensiert werden. Volkswirtschaftlich gesehen soll die Grundrente mit einem Anteil von 12 % am Bruttoinlandsprodukt so teuer werden wie die beitragsfinanzierte Alterssicherung[28]. Negativ anzuführen bei der Grundrente ist die Finanzierung u.a. durch die Mehrwertsteuer. Durch deren Erhöhung ist ein Rückgang der Konsumbereitschaft und damit des wirtschaftlichen Wachstums zu erwarten.

[...]


[1] Benannt nach dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup

[2] Maier / Zandonella : Baustelle Sozialstaat, S.27

[3] Statistisches Bundesamt, 1998

[4] vgl. Schüller, Heidi : Die Alterslüge, S. 80

[5] Statistisches Bundesamt, 1998

[6] vgl. Geißler, Sozialer Wandel in Deutschland, S. 4

[7] vgl. Textor, Martin : Sozialpolitik, S.12

[8] vgl. Maier / Zandonella, Baustelle Sozialstaat, S.27

[9] vgl. Geißler, Sozialer Wandel in Deutschland, S. 4 ff.

[10] Quelle : Statistisches Bundesamt, Statistisches Taschenbuch, 2002

[11] vgl. Institut für Finanzwissenschaften, Freiburg, Stand 1996 aus Baustelle Sozialstaat

[12] vgl. Schüller, Die Alterslüge S.52

[13] vgl. Ruhland, Sozialfall Sozialstaat, S. 58

[14] vgl. Heilwagen, Oliver : Renten ändern, S.13

[15] vgl. Ruhland, Sozialfall Sozialstaat, S. 57

[16] Bundesanstalt für Arbeit, März 2003

[17] Welt am Sonntag, 09.03.2003

[18] vgl. Schüller, Die Alterslüge, S. 64

[19] Statistisches Taschenbuch 2002, 1.27

[20] ORB Abendjournal, 08.03.2003

[21] Statistisches Taschenbuch, 2.9 Auszubildende Personen

[22] Studie Prognos AG, 1995

[23] Spiegelalmanach 2002, Die Welt in Zahlen, S.17

[24] vgl. Textor, Martin : Sozialpolitik, S.18 ff.

[25] vgl. Textor, Martin : Sozialpolitik, S.19

[26] Berliner – Zeitung, Mehrheit vernachlässigt Altersvorsorge, 04. März 2003

[27] vgl. Birkenmaier, Werner : Systemwechsel bei der Rente ?

[28] vgl. Maier / Zandonella : Baustelle Sozialstaat S. 36 ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Rentenproblem - Ist die Rente in Zukunft noch sicher?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto Suhr Institut)
Veranstaltung
Proseminar Sozialstaat
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V15658
ISBN (eBook)
9783638207133
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Geschichte der Rente, Probleme für die Zukunft, Lösungsvorschläge
Schlagworte
Rentenproblem, Rente, Zukunft, Proseminar, Sozialstaat
Arbeit zitieren
Christian Schulz (Autor), 2003, Das Rentenproblem - Ist die Rente in Zukunft noch sicher?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15658

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