Grundbegriffe der Philosophie Nietzsches

Eine Einführung


Wissenschaftliche Studie, 2009

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Dionysische und Apollinische sowie der Rausch

3. Der Übermensch: des Menschen Ziel

4. Askese und asketische Ideale: die Krankheit des Menschen

5. Leib und Wissen: Wissen vor dem Wissen

6. Natur und Kultur: das Leben

7. Der Wille zu Macht: der Wille des Übermenschen zum Leben

8. Die ewige Wiederkehr des Gleichen: zurück zum Anfang

9. Schluss

10. Literatur

1. Einleitung

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) war klassischer Philologe und vor allem Philosoph bis zu seinen letzten Jahren im Wahnsinn. Bekannt ist er für seine Kritiken an Kultur, Moral, Religion, Wissenschaft und Kunst und für von ihm geformte Begriffe wie den Übermenschen und dem Willen zur Macht. Besonders ersteres wurde aber auch von Ideologien wie dem Nationalsozialismus benutzt und verfälscht.[1]

Dieser Abhandlung nun soll Nietzsches Philosophie in Grundzügen vorstellen sowie einige wichtige Grundbegriffe erläutern: Das Begriffspaar des Apollinisch-Dionysischen als Grundlage des Künstlers und Menschen, seine Möglichkeit zur Befreiung von sich selbst; der Übermensch als Ziel der Menschengattung; die asketischen Ideale als hindernde Krankheit des Menschen; der Leib als das, was zum Übermenschen drängt; die Natur als lebende Kultur; der Wille zur Macht als Wille zum Übermenschen; sowie die Ewige Wiederkehr des gleichen.

2. Das Dionysische und Apollinische sowie der Rausch.

Der Rausch ist das, was der Künstler, was das Genie braucht um sich ausdrücken, ausleben zu können. Erst der Rausch ermöglicht ästhetisches Tun und Kunst. Laut Nietzsche ist der Rausch der Geschlechtserregung der älteste; am stärksten ist der Rausch bei Affekten sowie einem starken Willen[2] Der Rausch ist ein Gefühl der Kraftsteigerung, der Fülle.[3] Nietzsche unterscheidet nun aber zwischen zwei Arten von Rausch: a) Der Apollinische Rausch kommt vom Gott Apoll. Er spricht das Auge an, gibt Visionen, ist der Rausch der Maler und Schreiber. b) Der Dionysische Rausch erregt das Affekt-System, ist der Rausch des Darstellens, Nachstellens, Verwandelns. Dazugehörig sind Musik und Tanz.[4] Ein Gegenstück zu den Rausch-Affektierten ist dagegen zum Beispiel der Architekt: Er ist keins von beidem sondern ein gewaltiger Willensakt; der Wille zur Macht, der Sieg über die Schwere, der keine Bestätigung mehr braucht sondern schon ist.[5] Das Begriffspaar des Apollinisch-Dionysischen hat Nietzsche von Schelling.[6]

In der Kunst ist der Apollinische das Bild, der Dionysische die Musik, welche durch den Willen vereint werden. Das Ergebnis ist ein Traum, ein schöner Schein, der in seiner höchsten Form nicht als solcher erkennbar ist. Nur der Philosoph sieht die wahre Wirklichkeit hinter dem Schein. Für Apollo ist der Traum notwendig und wahrsagend.[7] Dionysus dagegen ist ein Grausen; erfährt man dabei Entzückung, so ist man im Rausch. Dies ist das glühende Leben, welche die Entfremdung zwischen Mensch und Natur beendet, wenn alle eins werden und singen und tanzen.[8]

Kunst ist nun aber nach Nietzsche nicht nur Menschenwerk: Es gibt auch künstliche Mächte, die aus der Natur herausbrechen, ohne vom Menschen vermittelt zu werden. Das eine ist die Bildwelt des Traumes, das andere der oben genannte Rausch der Wirklichkeit, welcher das Individuum vernichtet.[9] Um das Ganze bildhafter darzustellen, führt Nietzsche die alten Griechen an, die laut ihm als einzige wahrhaft dionysisch sein konnten; bei allen anderen Völkern dagegen seien es bloß sexuelle Feste gewesen, gegen die Apollo aber die Griechen schützte. Hieran sieht man, dass beide Mächte Hand in Hand gehen müssen, um einen wahrhaft nietzscheanischen Rausch zu erzeugen. So sei z.B. Musik, die apollinisch sei, nur bloß Architektur[10], derweil Nietzsche zu dieser Zeit noch das Ideal in der Musik Wagners sah.

Warum aber wird der Rausch überhaupt benötigt? Laut Nietzsche schuf der Sinn der Menschen die Götter. Ihr Dasein sei voller Schrecken und das Nichtsein anstrebsamer. Um doch leben zu können brauchte es Götter, die die Freude 'vorleben' als Ideal. Dies ist ein verdeckender Wahn, den die Menschen anstreben.[11] Der Traum wiederum ist ein Schein des Scheins, was für Nietzsche darum eine Art höhere Realität darstellt, da auch unsere Realität schon nur Schein ist. Doch dieser Traum funktioniert nicht ohne Dionysus, denn sonst würde das Individuum isoliert werden. Erst der Rausch hebt es auf.[12]

Laut Volker Caysa kann das dionysisch-Apollinische in der Kultur auch hässlich und disharmonisch sein. Beide Arten stehen aber grundsätzlich in Wechselbeziehungen. Hierbei ist die Zivilisation nach Nietzsche eine Art Verfall, da sie das Dionysische zähmt. Kann man jedoch, wie die Griechen es konnten, seine echten Bedürfnisse finden und nichts einschränken, dann können beide Formen nebeneinander existieren.[13] So erst wird Kultur, welche die Natur im Spannungsfeld von Dionysischen und Apollinischen ist.[14] Caysa beschreibt beide Arten als die zwei Triebe der Kunst: Das eine maßvolle Begrenzung, das andere der selbstvergessene Rausch, wobei das zweite jedoch durch den ersten vermittelt und entschärft wird.[15] Der Rausch erst ermöglicht die Kunst, damit die Kultur und damit den Übermenschen. Allerdings kann die Ekstase auch zur Sucht werden, weshalb sie von Phasen der Normalität durchbrochen werden muss.[16] Rausch ermöglicht das Körpererleben, hebt Sein und Bewusstsein auf. Im Rausch schafft man über sich hinaus. Er macht empfindlicher, die Wahrnehmung ist auf nur noch ein Ziel gerichtet.[17] Den Rausch kann man nur erfahren, wenn man sich ihm hingibt, was rational nicht möglich ist. Er ist dem Wahnsinn ähnlich: man vergisst sich selbst und kann Grenzleistungen vollbringen. Die Ekstase ist hierbei Höhepunkt und Grenze des Ganzen, wenn das Selbst ein Nichts ist und der Körper von allein handelt, was natürlich die Gefahr des Kontrollverlustes birgt. Sollte man davon süchtig werden, so ist dies eine Krankheit zum Tode.[18]

Zusammengefasst: Das Dionysische ist der ursprünglich überschwängliche Rausch und Trieb, das Apollinische seine Zucht. Beide zusammen treiben zur Spitze von Kultur und Kunst.

[...]


[1] Vgl. Seite „Friedrich Nietzsche“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. Mai 2009, 17:41 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Nietzsche&oldid=60531344 (Abgerufen: 3. Juni 2009, 13:08 UTC)

[2] Vgl. den Willen zur Macht unten.

[3] Vgl. Nietzsche, Friedrich: Götzen-Dämmerung. Stuttgart: A. Kröner 1954, S. 135.

[4] Vgl. ebd., S. 136f.

[5] Vgl. ebd., S. 137f.

[6] Vgl. Seite „Apollinisch-dionysisch“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Februar 2009, 19:48 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Apollinisch-dionysisch&oldid=56840246 (Abgerufen: 4. Juni 2009, 07:15 UTC)

[7] Vgl. Nietzsche, Friedrich: Die Geburt der Tragödie. Frankfurt/Leipzig: Insel 2000, S. 27ff.

[8] Vgl. ebd., S. 31f.

[9] Vgl. ebd., S. 33ff.

[10] Vgl. ebd., S. 35ff.

[11] Vgl. ebd., S. 37ff.

[12] Vgl. ebd., S. 42ff.

[13] Vgl. Caysa, Volker: Körperutopien. Eine philosophische Anthropologie des Sports. Frankfurt: Campus 2003, S. 84ff.

[14] Vgl. ebd., S. 88.

[15] Vgl. ebd., S. 95f.

[16] Vgl. ebd., S. 99ff.

[17] Vgl. ebd., S. 108ff.

[18] Vgl. ebd., S. 114ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Grundbegriffe der Philosophie Nietzsches
Untertitel
Eine Einführung
Hochschule
Universität Leipzig
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V156600
ISBN (eBook)
9783640708642
ISBN (Buch)
9783640708925
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundbegriffe, Philosophie, Nietzsches, Eine, Einführung, dionysisch, dionysus, apoll, apollinische, rausch, übermensch, mensch, askese, christentum, leib, wissen, natur, kultur, leben, wille zur macht, wille zum leben, wiederkehr des gleichen, wiedergeburt, religion
Arbeit zitieren
Andre Schuchardt (Autor), 2009, Grundbegriffe der Philosophie Nietzsches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156600

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