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Wilhelm Diltheys Grundlegungen zu einer systematischen Geisteswissenschaft

Titel: Wilhelm Diltheys Grundlegungen zu einer systematischen Geisteswissenschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) , 1991 , 34 Seiten , Note: 1

Autor:in: Magister Artium Bernhard Paha (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit stellt Diltheys "Grundlegungen zu einer Geisteswissenschaft" in ihrer Systematik da. Dabei beziehen sich die Ausführungen ausschließlich auf Diltheys späte Abhandlung "Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften". Zwei starke Strömungen sind für Diltheys historische Orientierung bedeutsam. Zum einen ist dies der Idealismus von Kant bis Hegel, zum anderen die historische Schule des 19. Jahrhunderts. Deutlich wird Diltheys Ziel, eine Geisteswissenschaft zu begründen, deren Erkenntnisgegenstand eine Welt ist, die immer geschichtlichen Charakter hat. Geschichte an sich ist jedoch nicht sein Erkenntnisziel. Was Dilthey vielmehr sucht, ist der ideelle Zusammenhang in der geschichtlichen Welt. Nur auf dieser Grundlage ist seiner Ansicht nach überhaupt objektives Wissen von der geschichtlichen Welt möglich. Zur Grundlegung der Geisteswissenschaft schließlich muss ein Strukturzusammenhang in ihr wissenschaftlich begründet werden. Entscheidend dafür, diese Struktur erfassen zu können, ist ein Verstehen des Lebens und der individuellen Erlebnisse.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diltheys historische Orientierung

3. Position und Ausgangspunkt Diltheys

4. Der Begriff ‚Leben‘

5. Tatbestände des Lebens

6. Erlebnis, Ausdruck und Verstehen

7. Natur- und Geisteswissenschaft

8. Aufhebung der Subjekt-Objekt-Trennung

9. Ablehnung eines Systems

10. Methodik der Geisteswissenschaft

a) Wirkungszusammenhang

b) Einzelne Verfahrensweisen

c) Kausalitäts- und Kräftezusammenhang

d) Begrifflichkeit

e) Strukturgesetze

11. Erlebnis und Strukturzusammenhang

12. Elementare Denkleistungen und Abbilden

13. Das diskursive Denken

14. Die Struktur der Geisteswissenschaft

15. Wert- und Zwecksetzungen

16. Die Kategorie der Bedeutung

17. Das Verstehen

a) Das elementare Verstehen

b) Das höhere Verstehen

18. Das Nacherleben

19. Das Allgemeine und das Besondere

20. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Wilhelm Diltheys philosophische Ausarbeitungen, insbesondere aus seinem Spätwerk "Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften", in ihrer inneren Systematik darzustellen und zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Dilthey das Fundament für eine geisteswissenschaftliche Methodik legt, die sich von naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen abgrenzt und das menschliche Leben als geschichtlichen Wirkungszusammenhang begreift.

  • Die kritische Auseinandersetzung mit Erkenntnistheorie und historischer Schule.
  • Die Konzeption des Lebens als zentraler, nicht-metaphysischer Bezugspunkt.
  • Das Dreier-Verhältnis von Erlebnis, Ausdruck und Verstehen.
  • Die methodologische Begründung der Geisteswissenschaft durch Strukturzusammenhänge.
  • Das Verhältnis von Individuum, Allgemeinmenschlichem und historischer Geschichtlichkeit.

Auszug aus dem Buch

6. Erlebnis, Ausdruck und Verstehen

Im Erleben nun ist zwar die notwendige Voraussetzung zur Erschließung des „geistige[n] Leben[s]“ (241) gegeben, es bedeutet dieses jedoch noch nicht selbst. Hinzu kommen muss ein Verstehen des Erlebens. Ein solches Verstehen versenkt sich aber nicht in sich selbst:

„Nicht durch Introspektion erfassen wir die menschliche Natur.“ (310)

Immer bildet ein Äußeres den Ausgang des Verstehens, von dem aus das Innere erschlossen wird. Dieses Äußere des Geistes, seine Objektivationen, bezeichnet Dilthey als objektiven Geist. Es ist dies eine bewusste Anlehnung an Hegels Begriff, in dessen Neudefinition aber jegliches Metaphysisches verbannt ist. Diese Objektivationen des Geistes sind das Gegenstandsgebiet der Geisteswissenschaften. Diese haben es, da alle Objektivationen aus dem prozessualen Leben entstanden sind, immer mit Geschichtlichem, mit „Historizität“ (179) zu tun. Durch das Verstehen der Objektivationen des Geistes erschließt sich erst die „Beziehung des Äußeren zum Inneren“ (179). Wir können also andere und sogar uns selbst nur aufgrund von Äußerem, von Ausdruck verstehen. Nun will Dilthey in all diesen Objektivationen des Geistes kein wahlloses Durcheinander, kein ungeordnetes Nebeneinander, keine Zufälligkeit erblicken, denn:

„Jede einzelne Lebensäußerung repräsentiert im Reich dieses objektiven Geistes ein Gemeinsames.“ (178)

Zu dieser Auffassung gelangt er, weil für ihn nur so Verständigung, Verstehen überhaupt möglich sind. Die Welt des Geistes steht uns also nicht fremd gegenüber, da sie selbst aus dem menschlichen Leben hervorgegangen ist, sie ist ein Teil von uns selbst:

„Wir leben in dieser Atmosphäre, sie umgibt uns beständig.“ (178)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Der Autor erläutert seine Absicht, die Systematik von Diltheys Spätwerk darzustellen, unter bewusster Ausklammerung einer wirkungsgeschichtlichen Betrachtung.

2. Diltheys historische Orientierung: Dieses Kapitel verortet Dilthey zwischen der Erkenntnistheorie des Idealismus und der historischen Schule des 19. Jahrhunderts.

3. Position und Ausgangspunkt Diltheys: Dilthey sucht den "Aufbau der geschichtlichen Welt" und möchte eine "Kritik der historischen Vernunft" etablieren.

4. Der Begriff ‚Leben‘: Das Leben dient als unverrückbarer Bezugspunkt, der explizit gegen spekulative metaphysische Systeme abgegrenzt wird.

5. Tatbestände des Lebens: Hier wird der Fokus auf das menschliche Leben und die Relevanz des Erlebbaren für die Geisteswissenschaft gelegt.

6. Erlebnis, Ausdruck und Verstehen: Einführung der zentralen Dreier-Relation als Grundlage für das Verständnis objektiven Geistes.

7. Natur- und Geisteswissenschaft: Die Gegenüberstellung der beiden Disziplinen anhand ihrer jeweils unterschiedlichen Gegenstandsbildung.

8. Aufhebung der Subjekt-Objekt-Trennung: Untersuchung der Überwindung der klassischen Subjekt-Objekt-Spaltung innerhalb des Erlebens und des menschlichen Hervorbringens.

9. Ablehnung eines Systems: Dilthey lehnt ein geschlossenes philosophisches System ab und bevorzugt eine Analyse vom Leben aus.

10. Methodik der Geisteswissenschaft: Darstellung der aus Problemstellungen erwachsenden Methoden wie Wirkungszusammenhang und Induktion.

11. Erlebnis und Strukturzusammenhang: Analyse der Einheit des Erlebnisses und seiner Verwobenheit in einen zeitlichen Strukturzusammenhang.

12. Elementare Denkleistungen und Abbilden: Untersuchung der vor-diskursiven Denkvorgänge, die das gegenständliche Auffassen ermöglichen.

13. Das diskursive Denken: Behandlung der höheren Denkformen wie Urteil, Begriff und Schluss, die auf den elementaren Leistungen aufbauen.

14. Die Struktur der Geisteswissenschaft: Erörterung der Rolle des Zweckbegriffs für die Gestaltung des menschlichen Lebens.

15. Wert- und Zwecksetzungen: Darstellung der Entwicklung von unmittelbaren Affektionen hin zu komplexen, längerfristigen Zwecksetzungen.

16. Die Kategorie der Bedeutung: Die Kategorie der Bedeutung als ordnendes Prinzip, das den Totalzusammenhang eines Lebens ermöglicht.

17. Das Verstehen: Detaillierte Analyse des Verstehens als höchste Form der Denkleistung, unterteilt in elementares und höheres Verstehen.

18. Das Nacherleben: Erörterung der Problematik und Möglichkeit, fremdes Leben durch Transposition und Einfühlung nachzuerleben.

19. Das Allgemeine und das Besondere: Die zirkuläre Struktur des Verstehens im Verhältnis von Individuum und historischer Welt.

20. Schlusswort: Zusammenfassende kritische Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen geisteswissenschaftlichen Verstehens.

Schlüsselwörter

Dilthey, Geisteswissenschaft, Leben, Erlebnis, Verstehen, Ausdruck, Strukturzusammenhang, Historizität, Objektiver Geist, Nacherleben, Sinn, Hermeneutik, Zwecksetzung, Kritik der historischen Vernunft, Phänomenalität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die philosophischen Grundlagen und die methodische Systematik, die Wilhelm Dilthey in seinem Spätwerk "Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften" entwickelt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Lebensbegriffs, das Wechselspiel von Erlebnis, Ausdruck und Verstehen sowie die methodologische Abgrenzung der Geisteswissenschaften von den Naturwissenschaften.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, Diltheys oft als fragmentarisch wahrgenommene Ausführungen in einer systematischen Darstellung zu ordnen und zu prüfen, wie er ein objektives Wissen über eine geschichtliche Welt begründen will.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?

Der Verfasser nutzt eine textanalytische Methode, die sich eng an Diltheys Hauptwerk orientiert und dessen Argumentationslinien durch Zitate und systematische Rekonstruktion nachzeichnet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die methodische Entwicklung von den elementaren Denkleistungen bis zum "Nacherleben" und untersucht, wie Dilthey Kategorien wie Bedeutung, Zweck und Struktur verwendet, um historische Sinnzusammenhänge zu erfassen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Lebensphilosophie", "Hermeneutik", "Wirkungszusammenhang", "historische Vernunft" und die "Strukturlehre" Diltheys charakterisiert.

Warum lehnt Dilthey laut dem Text ein starres System ab?

Dilthey lehnt ein starres System ab, da die Relativität historischer Phänomene und das Wesen des lebendigen Lebens sich nicht in spekulative oder metaphysische Konstruktionen pressen lassen, ohne ihren Charakter zu verlieren.

Wie unterscheidet sich Diltheys Verständnis von "Kraft" in den Geisteswissenschaften?

Im Gegensatz zu einem naturwissenschaftlich-mechanistischen Kraftbegriff bedeutet "Kraft" bei Dilthey immer ein "Erlebbares", das die Freiheit der Entscheidung und den Bezug auf Sinnzusammenhänge beinhaltet.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wilhelm Diltheys Grundlegungen zu einer systematischen Geisteswissenschaft
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Philosophie)
Veranstaltung
Seminar "Diltheys lebensphilosophischer Historismus" von Prof. Dr. Alfred Schmidt
Note
1
Autor
Magister Artium Bernhard Paha (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1991
Seiten
34
Katalognummer
V156607
ISBN (eBook)
9783640701476
ISBN (Buch)
9783640700745
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wilhelm Dilthey Geisteswissenschaft Geisteswissenschaften Lebensphilosophie Historismus Prof. Dr. Alfred Schmidt Leben Naturwissenschaften Erlebnis Ausdruck Verstehen Methodik Wirkungszusammenhang Kraft Struktur Strukturzusammenhang
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Magister Artium Bernhard Paha (Autor:in), 1991, Wilhelm Diltheys Grundlegungen zu einer systematischen Geisteswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156607
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Leseprobe aus  34  Seiten
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