Diese schriftliche Arbeit wird sich mit dem Begriff der Tugend befassen und entsteht im Rahmen eines Seminars zum Thema der klinischen Ethik. Daher soll das Ziel dieser Arbeit sein herauszufinden, wie dieser Tugendbegriff vor allem in dieser philosophischen Disziplin verwendet wird.
Um dieses Ziel zu erreichen, wird zunächst der Versuch unternommen, eine Definition für den Tugendbegriff zu finden, um eine Vorstellung von dem Gegenstand zu vermitteln, der hier untersucht wird.
Anschließend liegt der Fokus auf der Disziplin der Ethik. Das Durchdringen dieses Themengebietes erscheint dabei als essenziell, da es als eine Art Auslegungsbereich für Tugenden betrachtet werden kann und maßgeblich für die Entscheidung ist, ob eine Tugend vorliegt, wie diese zu gewichten ist und ob sie in einer bestimmten Situation Anwendung findet.
Zunächst werden einige rein philosophische Ethiken erörtert und verschiedene Standpunkte betrachtet, die erklären und beschreiben, wie mit Tugenden umgegangen werden sollte. Auch der Begriff der Moral wird dabei berücksichtigt.
Im Speziellen wird das Feld der Moralphilosophie thematisiert, um eine Überleitung zum Kernthema dieser Arbeit herzustellen – der klinischen Ethik und der Art und Weise, wie sie Tugenden rezipiert.
Hierzu wird insbesondere auf ein Positionspapier eingegangen, das eigens für diesen Zweck konzipiert wurde und bereits Handlungsrichtlinien enthält. Es wird untersucht, wie Tugenden in diesem Positionspapier verankert sind und ob die dort beschriebenen Vorgehensweisen sinnvoll und umsetzbar sind. Entsprechend erfolgt eine Kommentierung des Papiers.
Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Arbeit sowie eine Antwort auf die im Titel formulierte Frage: Wie ist der Tugendbegriff zu verstehen und wie wird in klinischen Kontexten mit ihm umgegangen? Welchen Stellenwert hat Tugend in der klinischen Ethik, wie ist der Umgang vorgeschrieben, wie wird dieser eingehalten und ist er sinnvoll?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein Definitionsversuch für den Begriff der Tugend
3. Ethik als Auslegungsbereich für Tugenden
3.1 Philosophische Ethiken
3.2 Klinische Ethik
3.2.1 Entscheidungsfindung für eine Behandlung
3.2.2 Zulassen des Sterbens
3.2.3 Kommunikation als Schlüsselelement
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Tugend und dessen praktische Anwendung im Bereich der klinischen Ethik, wobei insbesondere erörtert wird, wie moralische Konzepte in medizinischen Handlungskontexten unter Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen Berücksichtigung finden.
- Philosophische Grunddefinitionen des Tugendbegriffs
- Ethische Positionen und deren Relevanz für das Handeln
- Die vier Prinzipien der klinischen Ethik (Autonomie, Fürsorge, Nichtschaden, Gerechtigkeit)
- Analyse der Entscheidungsfindung und Therapiebegrenzung
- Rolle der Kommunikation als zentrales Element der Patientenversorgung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Entscheidungsfindung für eine Behandlung
Damit eine Behandlung stattfinden kann, muss zum einen eine notwendige Indikation vorliegen und zum anderen müssen alle darauffolgenden Behandlungsmaßnahmen dem Patientenwillen entsprechen.24 Um festzustellen welche Therapiemaßnahmen ergriffen werden, muss ein Therapieziel bestimmt werden. Diese Maßnahmen können indiziert, zweifelhaft, nicht indiziert oder kontraindiziert sein und müssen dem Patienten vorgestellt und mit ihm diskutiert werden.25
Der Wille des Patienten ist also fest in das Verfahren eingebunden. Die Tugenden der Autonomie und der Fürsorge treten hier in den Vordergrund. Um den Willen des Patienten festzustellen sieht das Positionspapier mehrere Szenarien voraus. Das des einwilligungsfähigen Patienten, dieser kann nach seinen Wünschen befragt werden.26 Ist dieser günstige Fall nicht vorliegend, so wird nach der gültigen Patientenverfügung des Patienten verfahren. Sein zuvor festgehaltener Wille wird also schriftlich befolgt.27
Fehlt diese schriftliche Verfügung, so wird auf eine Betreuerperson verwiesen die als Stellvertreter für den Patienten eintritt. Dies kann ein staatlicher Betreuer oder eine vom Patienten benannte Person sein. Die Aufgabe ist es im Sinne der Tugend der Fürsorge für den Patienten Entscheidungen zu treffen und dessen restliche Autonomie zu wahren. Der Stellvertreter hat ebenso das Recht, in risikobehaftete Verfahren einzuwilligen.28 Daher sollte er die Tugend des Nichtschadens im Auge behalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, das Ziel der Arbeit zu ergründen, wie der Tugendbegriff innerhalb der klinischen Ethik sowie in der praktischen Patientenversorgung Verwendung findet.
2. Ein Definitionsversuch für den Begriff der Tugend: Hier werden unterschiedliche Definitionsansätze für Tugend diskutiert, angefangen bei alltagssprachlichen Duden-Definitionen bis hin zu philosophischen Deutungen, die Tugend als Einheit von Wissen und Tatkraft verstehen.
3. Ethik als Auslegungsbereich für Tugenden: Dieses Kapitel prüft, wie philosophische Ansätze und moralische Konzepte auf die klinische Medizin übertragen werden und welche Herausforderungen dabei bestehen.
3.1 Philosophische Ethiken: Eine Erörterung klassischer Ansätze, wie der Tugendethik nach Aristoteles und der Pflichtethik Kants, sowie eine kritische Auseinandersetzung mit utilitaristischen Modellen.
3.2 Klinische Ethik: Ein Überblick über die spezifischen Rahmenbedingungen der klinischen Ethik und die Anwendung der vier medizinethischen Prinzipien auf den Patientenkontext.
3.2.1 Entscheidungsfindung für eine Behandlung: Untersuchung der Verfahrensweise bei der Therapiezielbestimmung unter Berücksichtigung des Patientenwillens und der Rolle von Stellvertretern.
3.2.2 Zulassen des Sterbens: Analyse der palliativen Therapiebegrenzung und der Frage nach der Wahrung von Patientenwürde und Tugend im Sterbeprozess.
3.2.3 Kommunikation als Schlüsselelement: Erörterung der Notwendigkeit symmetrischer Kommunikation zwischen Ärzten, Angehörigen und Patienten sowie der Bedeutung von Ethik-Fallberatungen.
4. Resümee: Eine abschließende Synthese, die zu dem Ergebnis kommt, dass Tugend in der klinischen Ethik primär eine beratende und bildende Rolle einnimmt, während das alltägliche Handeln stark durch juristische Vorgaben strukturiert ist.
Schlüsselwörter
Tugend, Ethik, Klinische Ethik, Patientenwohl, Moral, Autonomie, Fürsorge, Nichtschaden, Gerechtigkeit, Therapiebegrenzung, Patientenwille, Kommunikation, Philosopie, Moralphilosophie, Handlungsmaxime
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Tugendbegriffs und dessen Anwendung in der klinischen Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die philosophische Einordnung von Tugend und Moral, die vier medizinethischen Prinzipien sowie die praktische Umsetzung ethischer Vorgaben im Krankenhausalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist herauszufinden, wie Tugend verstanden wird und welchen praktischen Stellenwert sie in klinischen Kontexten einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine analytisch-reflexive Arbeit, die auf Literaturrecherche und der kritischen Kommentierung eines medizinethischen Positionspapiers basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst theoretische philosophische Ansätze und wendet diese dann auf die klinische Ethik an, insbesondere in Bezug auf Therapieentscheidungen und Kommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Tugend, klinische Ethik, Patientenwohl, Autonomie und Handlungsmaxime.
Wie geht das Dokument mit der Frage der künstlichen Ernährung um?
Der Autor hinterfragt die künstliche Ernährung (z. B. Magensonde) kritisch und sieht sie kontrovers, insbesondere wenn sie nur noch als lebensverlängernd statt als symptomenlindernd betrachtet wird.
Welchen Stellenwert hat der Philosoph im klinischen Kontext laut Fazit?
Der Philosoph hat laut Fazit eher eine beratende und bildende Funktion, da das tatsächliche Handeln in der Klinik stark durch feststehende juristische Regeln determiniert ist.
Warum wird Kommunikation als "Schlüsselelement" bezeichnet?
Sie wird als Schlüsselelement gesehen, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten auf demselben Wissensstand sind, was für eine symmetrische Behandlung auf Augenhöhe essenziell ist.
- Arbeit zitieren
- Justin Janning (Autor:in), 2017, Der Tugendbegriff in der Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1566364