Als Thema dieser im Fach Kunstgeschichte zu entwickelnden Arbeit wurde das Bildnis des Astronomen Nikolaus Kratzers gewählt, welches von Hans Holbein dem Jüngeren während seines ersten Englandaufenthaltes 1528 angefertigt wurde.
Wie viele Künstler in der Frühen Neuzeit widmete sich Holbein nicht nur dem porträtieren von Privatpersonen, sondern beschäftigte sich auch mit der Abbildung und Darstellung von Gelehrten welche meist Teil des öffentlichen Lebens waren. Der Mathematiker und Astronom am Hofe Heinrich VIII. Nikolaus Kratzer ist einer dieser Fälle.
Die Aufgabe der sich Künstler mit dem Auftrag eines Gelehrtenporträts konfrontiert sahen bestand zumeist darin die gelehrte Persönlichkeit unverwechselbar und in voller Würde ihres Berufsstandes abzubilden. Das Selbstbewusstsein des Gehlehrten solle deutlich werden. Zur Umsetzung dieses Ziels sind sowohl eine gewisse künstlerische Begabung in Bezug auf die Ausführung der Maltechnik von Nöten als auch der formgerechte Einsatz bildlicher Mittel und Attributen eines Gelehrten wie sie im Rahmen der Porträtmalerei möglich sind.
Exemplarisch werden diese Kriterien an Holbeins Bildnis von Kratzer im Folgenden untersucht. Dieses heute im Musée du Louvre aufbewahrte Porträt gilt als eine der aufschlussreichsten Quellen über den porträtierten Gelehrten Nikolaus Kratzer und vor allem seine Werke. Daher soll das Ziel dieser Arbeit sein zu offenbaren in wie weit es Holbein gelingt Kratzer als Gelehrten seiner Zeit, der Hochrenaissance darzustellen und wie sich dies in der künstlerischen Gestaltung des Bildes niederschlägt.
Wie wird der Gehlehrte präsentiert?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Viten
2.1 Hans Holbein der Jüngere
2.2 Nikolaus Kratzer
3. Das Bildnis des Astronomen Nikolaus Kratzer
3.1 Bildbeschreibung
3.2 Bildinterpretation
4. Das Bildnis des Kaufmannes Georg Gisze
4.1 Bildbeschreibung
4.2 Der Vergleich
5. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die künstlerische Gestaltung und Inszenierung des Porträts "Bildnis des Astronomen Nikolaus Kratzer" von Hans Holbein dem Jüngeren, um aufzuzeigen, wie der Maler den Porträtierten als Gelehrten der Hochrenaissance charakterisiert und in sein soziales Umfeld einbettet.
- Künstlerische Biografie von Hans Holbein dem Jüngeren
- Biografischer Hintergrund des Astronomen Nikolaus Kratzer
- Detaillierte formale Bildbeschreibung und ikonografische Interpretation
- Vergleichende Analyse mit dem Porträt des Kaufmannes Georg Gisze
- Untersuchung der Repräsentation von Berufsständen in der Frühen Neuzeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Bildbeschreibung
Kratzer ist in der Normalperspektive dargestellt, er befindet sich also auf Augenhöhe mit dem Rezipienten. Zudem ist Kratzer im Zentrum des Bildes positioniert und wird an keiner Stelle von den Bildrändern geschnitten.
Bekleidet ist er mit einer schwarzen bis dunkel violetten Schaube die von den Schultern in Falten auf die Arme herabfällt. Darunter lassen sich ein weißes Unter- und ein rotes Obergewand erkennen. Um den Hals trägt der Astronom entweder eine schlichte silberne Kette oder den weißen Saum des Untergewandes. Abgerundet wird seine Kleidung durch ein Barett auf dem Kopf.
Unter diesem Barett findet sich das vom Betrachter abgewandte Gesicht mit halbgeöffneten abschweifenden blauen Augen und Blickrichtung zum rechten Bildrand. Die obere Gesichtshälfte wird hier bis auf Wangenhöhe von herabfallendem braunen Haar umrahmt. Auf diese Gesichtspartie fällt auffallend viel Licht. So lässt sich die markante Ausarbeitung der Gesichtszüge erkennen, vor allem die Nase und die Lippen setzen sich von der eher weichen Kinnpartie ab. Hier grenzen Schattierungen das Gesicht vom Hals ab.
Die Körperhaltung zeichnet sich starr ab, wodurch schwer zu beobachten ist ob Kratzer sitzend oder im Stehen gemalt ist.
Beide Hände des Astronomen halten etwas. So befindet sich in der linken Hand ein hölzerner Dekaeder mit Skalen auf den zehn verschiedenen Seiten die zum Ablesen der Uhrzeit dienen. Der Zeigefinger ruhe dabei auf der Skala welche die Londoner Uhrzeit anzeige. Mit der Rechten umfasst Kratzer einen eisernen Messzirkel.
Der Astronom befindet sich sitzend oder stehend vor einem hellbraunen hölzernen Tisch auf dem allerlei Werkzeug und ein Blatt Papier verteil ist. Dieser Tisch bildet dabei den unteren Bildrand. Die Kante an der Kratzer sich befindet flüchtet von der unteren linken Bildseite leicht schräg nach rechts.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Zielsetzung der Untersuchung und definiert den Forschungsgegenstand, das 1528 entstandene Porträt von Nikolaus Kratzer durch Hans Holbein den Jüngeren.
2. Viten: Dieses Kapitel liefert biografische Eckdaten über den Künstler Hans Holbein den Jüngeren sowie über den porträtierten Gelehrten und Hofastronomen Nikolaus Kratzer.
3. Das Bildnis des Astronomen Nikolaus Kratzer: Hier erfolgt eine detaillierte formale Beschreibung des Gemäldes sowie eine fundierte Interpretation der künstlerischen Mittel und der symbolischen Bedeutung der dargestellten Attribute.
4. Das Bildnis des Kaufmannes Georg Gisze: Zur Einordnung des Kratzer-Porträts wird ein Vergleich mit einem weiteren Werk Holbeins, dem Porträt des Kaufmanns Georg Gisze, gezogen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung verschiedener Stände zu erarbeiten.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Holbein Kratzer als unverwechselbare Persönlichkeit inszeniert und seinen Status als Gelehrter durch gezielte Wahl von Attributen und Maltechnik glaubhaft vermittelt.
Schlüsselwörter
Hans Holbein der Jüngere, Nikolaus Kratzer, Gelehrtenporträt, Frührenaissance, Astronomie, Bildinterpretation, Repräsentation, Georg Gisze, Kunstgeschichte, Porträtmalerei, Werkstattinterieur, Inszenierung, Humanismus, Fachspezifische Attribute, Maltechnik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der künstlerischen Analyse und Interpretation des Porträts des Astronomen Nikolaus Kratzer, das von Hans Holbein dem Jüngeren im Jahr 1528 gemalt wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Biografie von Holbein und Kratzer, die bildnerische Inszenierung von Gelehrten in der Frühen Neuzeit sowie die Analyse von Attributen in der Porträtmalerei.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Holbein mittels künstlerischer Gestaltung den Dargestellten als herausragenden Gelehrten seiner Zeit authentisch und würdevoll präsentiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Werkanalyse, bestehend aus formaler Bildbeschreibung und anschließender inhaltlicher Interpretation, ergänzt durch einen vergleichenden Ansatz mit anderen Werken des Malers.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in biografische Viten, eine detaillierte Bildbeschreibung, eine weiterführende Interpretation des Porträts sowie einen Vergleich mit dem Porträt des Kaufmanns Georg Gisze.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Holbein, Nikolaus Kratzer, Gelehrtenporträt, Astronomie, Ikonografie und künstlerische Inszenierung.
Warum wird das Porträt des Kaufmanns Georg Gisze zum Vergleich herangezogen?
Der Vergleich dient dazu, besser herauszuarbeiten, wie Holbein durch spezifische Details und Attribute verschiedene Berufsgruppen – hier den Gelehrten und den Kaufmann – in einem ähnlichen stilistischen Rahmen unverwechselbar charakterisiert.
Welches Detail am Porträt Kratzers ist laut dem Autor besonders aufschlussreich für die Forschung?
Da von Kratzers astronomischen Geräten keine Originale erhalten sind, stellt die präzise Abbildung der Instrumente im Gemälde die wichtigste historische Quelle über deren Existenz und Kratzers geistiges Eigentum dar.
- Citation du texte
- Justin Janning (Auteur), 2016, Das Bildnis des Astronomen Nikolaus Kratzer von Hans Holbein dem Jüngeren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1566404