Reparaturmechanismen in Alltagsgesprächen werden mithilfe von sozialer Interaktion angewendet. Verschiedene Formen von Reparaturen werden beschrieben, wobei sequenzielle Positionen und der Sprecherwechsel in den Blick genommen werden. Interaktionsanalysen zu TV- Interviews aus der Sendung "Sportschau Club" werden durchgeführt. Dabei wird die soziale Interaktion der Beteiligten bei den verschiedenen Reparaturverfahren untersucht. Die jeweiligen Ausschnitte der Interviews sind transkribiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Soziale Interaktion in der gesprochenen Sprache
2.1 Gesprächsführung als interaktiver Prozess
2.2 Besonderheiten der gesprochenen Sprache
3 Reparaturmechanismen in Gesprächen
3.1 Reparatur als Verfahren der interaktiven Bearbeitung
3.2 Reparaturinitiierung und Reparaturdurchführung
3.2.1 Sequenzielle Positionen für Reparaturen
3.2.2 Das Präferenzsystem für Reparaturen
3.3 Reparaturen beim Sprecherwechsel
3.3.1 Überlappung der Redebeiträge
3.3.2 Verteilung des Rederechts
3.3.3 Soziale Interaktion bei missglücktem Sprecherwechsel
4 Interaktionsanalysen: Reparatursequenzen
4.1 Selbstinitiierte Selbstreparatur
4.2 Selbstinitiierte Selbstkorrektur
4.3 Fremdinitiierte Selbstreparatur
4.4 Selbstinitiierte Fremdreparatur
4.5 Fremdinitiierte Fremdreparatur
5 Interaktionsanalysen: Reparatur beim Sprecherwechsel
5.1 Reparatur bei Überlappungen
5.2 Verfahren der Rederechtsverteilung
6 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gespräch als Alltagspraktik und geht der Forschungsfrage nach, inwieweit soziale Interaktion zwischen Beteiligten stattfindet, wenn Reparaturmechanismen eingesetzt werden. Dabei wird analysiert, wie durch diese Mechanismen Intersubjektivität hergestellt wird und welche Rolle Machtverhältnisse sowie die Gesichtswahrung der Gesprächspartner dabei spielen.
- Grundlagen der sozialen Interaktion und Gesprächsführung
- Funktionsweise und Präferenzsystem von Reparaturmechanismen
- Interaktive Bearbeitung von Sprecherwechseln und Überlappungen
- Empirische Interaktionsanalysen anhand von TV-Interviewausschnitten
- Die soziale Dimension von Reparaturvorgängen und Gesichtswahrung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Sequenzielle Positionen für Reparaturen
Das Reparatursystem hat einen „grundsätzlich interaktiven Charakter“. Aus einem Turn einer aktuellen Sprecherin kann durch die Aktivität anderer Gesprächsteilnehmerinnen eine Reparatursequenz entstehen (Bauer 2009:84f.).
Stukenbrock (2013:244f.) beschreibt anhand von exemplarischen Beispielen, dass die vier Reparaturtypen nur in bestimmten sequenziellen Positionen vorkommen und sich auch in ihrer Position in Bezug auf das Reparandum unterscheiden:
a) Die selbstinitiierte Selbstreparatur in 1. Position erfolgt innerhalb des Turns der aktuellen Sprecherin. Beide Teilschritte der Reparatur werden von derjenigen Sprecherin übernommen, die das Reparandum produziert hat. Die Selbstreparatur kann weit vor einem Sprecherwechsel, aber auch direkt an einer redeübergaberelevanten Stelle durchgeführt werden.
b) Bei der selbstinitiierten Selbstreparatur in 3. Position erkennt die Produzentin des Reparandums an der Folgeäußerung der zweiten Sprecherin, dass ihre Äußerung eine Problemstelle enthält. So kann sie die Reparatur selbst initiieren und auch selbst durchführen. Dabei kann ein Missverständnis vorliegen.
c) Die selbstinitiierte Fremdreparatur wird in 2. Position im Verhältnis zum Reparandum durchgeführt. Dabei produziert die erste Sprecherin das Reparandum, initiiert auch die Reparatur, überlässt diese jedoch der Rezipientin, z.B. bei einer Wortsuche.
d) Die fremdinitiierte Selbstreparatur wird von der ersten Sprecherin in 3. Position durchgeführt, nachdem die Rezipientin die Reparatur an 2. Position initiiert hat, z.B. durch eine Verständnisrückfrage.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Zielsetzung der Arbeit und beschreibt die methodische Vorgehensweise anhand von exemplarischen Interaktionsanalysen.
2 Soziale Interaktion in der gesprochenen Sprache: Das Kapitel erläutert die Grundlagen der Konversationsanalyse, definiert Gesprächsführung als interaktiven Prozess und beleuchtet die sprachlichen Besonderheiten von Face-to-face-Interaktionen.
3 Reparaturmechanismen in Gesprächen: Hier werden Verfahren der interaktiven Bearbeitung, die verschiedenen Reparaturtypen, deren sequenzielle Positionen und das Präferenzsystem, inklusive der Rolle des Sprecherwechsels, theoretisch dargelegt.
4 Interaktionsanalysen: Reparatursequenzen: In diesem Kapitel werden anhand von Transkripten aus Sportschau-Club-Interviews verschiedene Reparaturtypen in der Praxis analysiert und ihre soziale Funktion untersucht.
5 Interaktionsanalysen: Reparatur beim Sprecherwechsel: Dieses Kapitel fokussiert die Anwendung regulativer Mechanismen bei Überlappungen und die Steuerung der Rederechtsverteilung in der Interaktion.
6 Schluss: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenführung der Ergebnisse, wobei die zentrale Rolle der Gesichtswahrung und Autonomie bei Reparaturvorgängen betont wird.
Schlüsselwörter
Reparaturmechanismen, Konversationsanalyse, Soziale Interaktion, Sprecherwechsel, Selbstreparatur, Fremdreparatur, Intersubjektivität, Face-work, Rederechtsverteilung, Turn-Taking, Gesichtsbedrohung, Gesprochene Sprache, Alltagspraktik, Interaktionsanalyse, Gesprächslinguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen in Gesprächen Reparaturmechanismen einsetzen, um Fehler oder Verständnisschwierigkeiten interaktiv zu bearbeiten und das Gespräch fortzuführen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Konversationsanalyse, der Struktur von Reparatursequenzen, dem Sprecherwechsel-System und der sozialen Komponente (Gesichtswahrung) bei der Korrektur von Beiträgen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu zeigen, dass Reparaturen keine rein linguistische Korrektur von Fehlern sind, sondern eine interaktive Aushandlung, die stark von sozialen Beziehungen und Machtverhältnissen abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der Konversationsanalyse, um anhand empirischer Daten aus TV-Interviews detaillierte Interaktionsanalysen von Reparaturprozessen durchzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Reparaturmechanismen und deren Präferenzsysteme sowie einen empirischen Teil, der diese theoretischen Konzepte an konkreten Gesprächstranskripten anwendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Reparaturmechanismen, Soziale Interaktion, Sprecherwechsel, Intersubjektivität und Face-work gekennzeichnet.
Welche Rolle spielt die Gesichtswahrung bei der Reparatur?
Die Gesichtswahrung ist entscheidend, da direktive Fremdkorrekturen als Gesichtsbedrohung empfunden werden können, weshalb Sprecher oft Selbstreparaturen bevorzugen, um ihre Autonomie zu bewahren.
Warum werden in der Arbeit gerade Sportschau-Club-Interviews analysiert?
Diese Interviews bieten authentische Beispiele für soziale Dynamiken zwischen Moderator und Gast, in denen Machtgefälle, Rederechtsverteilung und der Umgang mit inhaltlichen Fehlern transparent werden.
Was bedeutet der Begriff "Präferenz" im Kontext der Reparatur?
In der Konversationsanalyse bezieht sich "Präferenz" auf ein Ordnungsprinzip, wonach bestimmte Interaktionspfade – wie die Selbstreparatur – als bevorzugt gelten und weniger markiert sind als andere.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Korrektur und Reparatur?
Die Arbeit folgt der konversationsanalytischen Auffassung, dass "Reparatur" ein breites Verfahren zur Problembearbeitung ist, während "Korrektur" lediglich als engerer Untertyp für das Ersetzen von Fehlern verstanden wird.
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- Astrid Biegert (Author), 2021, Soziale Interaktion in der gesprochenen Sprache am Beispiel von Reparaturmechanismen in Gesprächen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1566456