Der Marktwert eines Unternehmens übersteigt in manchen Fällen den Buchwert um ein Vielfaches. Als Beispiel seien hier die Aktien von Microsoft erwähnt, die 1995 im Durchschnitt einen Börsenkurs von 70 US-Dollar hatten, obwohl ihr Nettobuchwert bzw. ihr Eigenkapitalwert nur 7 US-Dollar betrug. Doch wie entsteht diese Differenz?
Warum sind Anleger bereit, Aktien für einen höheren Preis zu kaufen, obwohl der ausgewiesene Eigenkapitalwert viel niedriger ist?
Im Jahresabschluss finden sich entweder keine oder nur unzureichende Informationen warum der Marktwert höher als der Buchwert eines Unternehmens ist. Der Grund hierfür, kann der Wandel von einer Industriegesellschaft hin zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft sein. Dieser Wandel macht den ökonomischen Unternehmenserfolg nicht mehr allein von materiellen Vermögenswerten, sondern zunehmend von immateriellen Vermögens-werten, sowie von Intellectual Capital abhängig. Die traditionellen Rechnungslegungsvorschriften bieten aber nicht den Raum um diese Entwicklung abzubilden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriffsabgrenzung und Definition Intellectual Capital
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung
2. Intellectual Capital
2.1 Wirtschaftliche und Rechtliche Rahmenbedingungen
2.2 Anspruchsgruppen und Ziele
3. Vergleichende Analyse von Intellectual Capital nach HGB und IAS
3.1 Ansatzkriterien nach HGB und IAS
3.2 Bilanzielle Behandlung von Intellectual Capital nach HGB und IAS
4. Kritische Würdigung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeiten und Grenzen der bilanziellen Erfassung von Intellectual Capital unter den Rechnungslegungsvorschriften des HGB und der IAS zu analysieren und kritisch zu bewerten. Dabei wird insbesondere untersucht, wie immaterielle Vermögenswerte, die maßgeblich zum Unternehmenswert beitragen, in der traditionellen Rechnungslegung abgebildet werden können.
- Abgrenzung und Definition des Begriffs Intellectual Capital
- Analyse der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für immaterielle Werte
- Vergleichende Untersuchung der Ansatzkriterien nach HGB und IAS
- Diskussion von Bewertungsmöglichkeiten im Rahmen des derivativen Firmenwerts
- Kritische Betrachtung der Notwendigkeit ergänzender Berichterstattungssysteme
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriffsabgrenzung und Definition
Intellectual Capital manifestiert sich in der Differenz zwischen dem Marktwert und dem Buchwert eines Unternehmens. Egal ob Edvinsson oder Sveiby, alle Autoren die sich mit Intellectual Capital beschäftigt haben, führen diesen Sachverhalt an.
Intellectual Capital besteht aus immateriellen Vermögenswerten, die momentan in der traditionellen Buchführung nicht erfasst werden können. Der Wert der immateriellen Vermögenswerte wird indirekt an der Börse ermittelt oder er wird direkt bei Verkauf eines Unternehmens festgestellt. Bei einem Unternehmensverkauf schlägt sich dieser Wert als Kaufpreis im Goodwill (Firmenwert) nieder. Edvinsson fasste diesen Sachverhalt mit folgender Aussage zusammen: „Da wird dann alles untergebracht, was nicht messbar ist, und die `Bilanz geht auf`.
Die momentan noch nicht bilanziell erfassbaren Vermögenswerte bestehen aus Wissen, Image des Unternehmens, Innovationskraft, Beziehungen zu Geschäftspartnern und Mitarbeitern, Marken und anderen Faktoren. Diese Faktoren beeinflussen zunehmend die Wertschöpfung und den Unternehmenserfolg.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Lücke zwischen Markt- und Buchwert ein und definiert Intellectual Capital als zentrales Element für den modernen Unternehmenserfolg.
2. Intellectual Capital: Hier werden die theoretischen Rahmenbedingungen, die Bedeutung von Humankapital und Strukturkapital sowie die verschiedenen Anspruchsgruppen an eine erweiterte Unternehmensberichterstattung erläutert.
3. Vergleichende Analyse von Intellectual Capital nach HGB und IAS: Dieses Kapitel stellt die unterschiedlichen Ansatzkriterien und Bewertungsmethoden für immaterielle Vermögenswerte gegenüber und untersucht, inwieweit Intellectual Capital innerhalb der Bilanzierung integriert werden kann.
4. Kritische Würdigung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass eine rein bilanzielle Bewertung des Intellectual Capitals innerhalb der geltenden Vorschriften nur unzureichend möglich ist und plädiert für ergänzende Berichtsrahmen.
Schlüsselwörter
Intellectual Capital, Immaterielle Vermögenswerte, HGB, IAS, Jahresabschluss, Firmenwert, Humankapital, Strukturkapital, Bilanzierung, Marktwert, Buchwert, Unternehmensberichterstattung, Wissensmanagement, Ansatzkriterien, Bewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der bilanziellen Behandlung von sogenanntem Intellectual Capital (Intellektuellem Kapital) und wie dieses im Spannungsfeld zwischen Marktwert und Buchwert eines Unternehmens einzuordnen ist.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition von Intellectual Capital, die Abgrenzung von immateriellen Vermögenswerten sowie deren Bewertung und Bilanzierung nach nationalen (HGB) und internationalen Standards (IAS).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die aktuellen Rechnungslegungsvorschriften den Wert von Intellectual Capital erfassen können und wo die Grenzen der Bilanzierbarkeit dieser immateriellen Faktoren liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Analysestudie, bei der existierende Strukturansätze (z.B. von Edvinsson und Sveiby) und gesetzliche Rahmenbedingungen (HGB vs. IAS) vergleichend gegenübergestellt werden.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt die detaillierte Darstellung der Ansatzkriterien für immaterielle Güter sowie eine Analyse, wie Intellectual Capital im Kontext von Firmenwerten oder Entwicklungskosten indirekt bilanziert werden kann.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Intellectual Capital, Humankapital, Strukturkapital, HGB, IAS, Firmenwert, Bilanzierung und immaterielle Vermögenswerte.
Wie unterscheidet sich die Bewertung nach HGB von der nach IAS im Hinblick auf den Firmenwert?
Während das HGB eher restriktiv ist und primär die Aktivierung bei Erwerb vorsieht, bieten die IAS detailliertere Regelungen für die Aktivierung von Entwicklungskosten und eine differenziertere Behandlung des Firmenwerts.
Welche Rolle spielt der „IK-Navigator der Skandia“ in dieser Arbeit?
Der IK-Navigator dient als prominentes Beispiel für ein Bewertungssystem, das versucht, die nicht-monetären Bestandteile des Intellectual Capitals für die Unternehmenssteuerung sichtbar zu machen.
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- Christiane Möller (Author), 2007, Vergleichende Analyse der bilanziellen Behandlung von Intellectual Capital nach HGB und IAS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156719