Die Apokalypse des 21. Jahrhunderts

Weltuntergangsvisionen im Zeitalter der Maschinen


Hausarbeit, 2003
55 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Von der Apokalypse der Bibel zur Technik des 20. Jahrhunderts

Apokalypse - die Wandlung eines Sinnbildes von der Offenbarung bis zur „post-apokalyptischen Vision".

Maschinen: Definition

Huldigung an die Maschine und an die Zukunft
Untergang und Neuanfang
Internet, Spiel und Wirklichkeit im Kalten Krieg

Roboter, Androiden, Cyborgs
Meine Freunde, die Roboter
Meine Feinde, die Roboter
Sendbote der Apokalypse
Kleine Roboter bringen gropes Verderben
Das post-apokalyptische Leben in der Maschine

Wissenschaftlicher Exkurs: Die Macht der Maschinen - was heute schon moglich ist

Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnisse

Einleitung

Apokalypse - was ist das eigentlich? Wenn man sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Apokalypse beschaftigt, gilt es zunachst zwangslaufig, verschie- dene „Bilder" und Begriffe einzuordnen und zuzuordnen, um sich einer Definition anzuna- hern.1

Im Fall der Apokalypse stellt man dabei sehr schnell fest, dass eine klare Definition eher schwer ist - wenn nicht sogar unmoglich. Der Wandel der Begriffsdefinition soll in dem spa- ter folgenden Abschnitt „Von der Apokalypse der Bibel zur Technik des 20. Jahrhunderts" kurz umrissen werden.

Im Vorgriff darauf soll an dieser Stelle aber die Verwendung des Begriffes der Apokalypse im weiteren Text in den richtigen Zusammenhang gestellt werden. „Apokalypse" heiRt „Offen- barung" , so dass eigentlich die Apokalypse als historischer Text gemeint ware, wenn von der „Offenbarung" des Johannes die Rede ist. Allerdings ist der Begriff „Apokalypse" mittlerweile in anderer Weise in den Sprachgebrauch eingegangen, namlich als Synonym fur den Unter- gang der Welt oder der Menschheit. Wenn im Folgenden also von der Apokalypse die Rede ist, so wird der Begriff im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs als Synonym fur den „Weltuntergang" und in Abgrenzung zum Begriff der Offenbarung als Synonym fur den histo- rischen Text verwendet, auch wenn das theologisch und religionswissenschaftlich eigentlich nicht korrekt ist.

Was nun berechtigt dazu, die Apokalypse thematisch in einen Zusammenhang mit „Maschi- nen" zu stellen? Maschinen sind die technologischen Wegbereiter unserer Zeit - ohne Ma- schinen ware die Industrialisierung nicht denkbar gewesen, ohne die Industrialisierung gabe es keine Massenproduktion, ohne die Massenproduktion hatten wir keine Autos ... und so weiter und so weiter.

Allerdings hat die fortschreitende Automatisierung durch Maschinen auch dafur gesorgt, dass viele Menschen keine Arbeit haben, dass unsere Atmosphare schwer mit Giften belas- tet ist, dass jahrlich Tausende Menschen bei Verkehrsunfallen sterben - weshalb es nicht verwundert, dass Maschinen nicht allen Menschen als Heilsbringer gelten.

So stellt etwa Walter Buhl in seinem Buch „Die Angst der Menschen vor der Technik" fest, dass gerade Wohlstandsgesellschaften im starkeren MaRe zu einer gewissen Technikfeind- schaft neigen.2 Die Technik wird sogar als etwas Damonisches empfunden: „Man sitzt dem uralten Stereotyp der Technik auf, das in der Technik eine unabhangige und damonische Kraft der Unterwelt sieht, die den Menschen versklavt - oder der sich der Mensch gerne ausliefert, um der Verantwortung ledig zu sein."3

Hier haben die Apokalypse in der Bedeutung nach der Offenbarung des Johannes und die Maschinen etwas gemeinsam: Sie kunden nicht nur von groRartigen Dingen, sondern auch von schrecklichen. Ohne Maschinen hatte es die Weltkriege nicht gegeben, ohne Maschinen sahe die Welt heute vielleicht sogar lebenswerter aus, vielleicht aber auch nur ruckstandiger - daruber gehen die Meinungen auseinander.

Und es gibt noch einen rechtfertigenden Bezug, der direkt in die Zeit des Johannes zuruck- reicht: die Maschine als Folterinstrument. Maschinenartige Folter- und Totungsinstrumente wurden wahrend der ganzen Geschichte der Christenverfolgung immer wieder eingesetzt, um den Glauben zu brechen und oder die Menschen auf bestialische Weise hinzurichten. Letztlich ist auch das Kreuz, das die Romer fur ihre Hinrichtungen verwendeten, nichts wei- ter als ein Totungsinstrument, ein Werkzeug, ein Vorlaufer der Maschinen.4

Als sich das Jahr 1999 seinem Ende naherte, kam eine Art von Weltuntergangshysterie auf, und das nicht nur, weil das Jahr 2000 allein wegen des Datums den zeitgenossischen Unter- gangsaposteln sehr geeignet fur eine apokalyptische Abrechnung schien, sondern auch weil man befurchtete, dass die Computersysteme, von denen wir in groRen Teilen der Gesell- schaft - man denke nur an Krankenhauser, Banken, Versicherungen, Militar - abhangig sind, den Sprung in das neue Millennium nicht schaffen wurden. Ein weltweiter Computer-Kollaps zur Jahrtausendwende - der so genannte „Millennium-Bug"5 - wurde als apokalyptisches Schreckgespenst aufgebaut. Der Untergang unserer von Computern schon so sehr abhangi- gen Gesellschaft schien direkt bevorzustehen.

Angesichts der heutigen Abhangigkeit von Technik im Allgemeinen und von Maschinen und Elektronik im Besonderen nimmt es also nicht Wunder, dass in zeitgenossischen apokalypti- schen Szenarien das „Ende der Welt" - was genau das ist, wird spater noch zu klaren sein - eben durch diese Maschinen und Elektronik eingelautet wird6.

Hartmut Frey stellt in seiner Arbeit „Technischer Fortschritt zwischen Mythos und Aufkla- rung" fest, dass der Mensch nicht mehr daran glaubt, die Kontrolle ihm an Speicherkapazitat und Ausdauer uberlegenen Kommunikations- und Informationssysteme zu haben, sondern das technische System selbst. Der Mensch gabe demnach die Rolle des Kontrolleurs an die technischen Systeme ab und die Segmente menschlichen Verhaltens sanken auf die Ebene von gesteuerten Maschinenteilen herab.7

Diese Arbeit widmet sich auch der Suche nach den Wurzeln der „Maschinen-Apokalypse", ohne sich dabei in diesem feinen Geflecht der Ursprunge verheddern zu wollen, so dass si- cher langst nicht alle Facetten beleuchtet werden konnen. Sicher konnte man bis weit in die Anfange der Industrialisierung zuruckgehen und dort nach literarischen Vorlagen und wis- senschaftlichen Auseinandersetzungen forschen, aber diese Arbeit soll sich im Sinne und zum Wohle der Sache auf das 20.Jahrhundert (und auf die wenigen Jahre des 21. Jahrhun- derts) beschranken.

Trotzdem ist die Arbeit mit „Apokalypse des 21. Jahrhunderts" uberschrieben, denn beson- ders den „technischen" Apokalypse-Visionen, um die es hier ja in der Hauptsache geht, ist zu eigen, dass sie den Zeitpunkt des Eintreffens in die Zukunft verlegen. Je weiter die Vision von der heutigen technischen „Machbarkeit" entfernt ist, desto weiter wird das Eintreffen in die Zukunft verlegt. So genugen zum Beispiel im Film „Terminator" rund 40 Jahre, um die Erde in eine Maschinen-Holle zu verwandeln.

Zunachst moge der folgende Abschnitt aus einem Aufsatz8 der Philosophin Sabine Bauer der Arbeit als ein „Motiv" voranstehen:

„Die Vorstellung, das Scheinbare als das Reale gelten zu lassen, wird heute mit groRem En- thusiasmus vorgetragen, sie nimmt den Status einer Offenbarung ein. Im Zentrum der Auf- merksamkeit ist eine von Menschenhand gefertigte und erdachte Maschine ..., die bereits den Auftrag hat, sich selbst zu zeugen. Dem Computer wird die Gottebenburtigkeit aufge- burdet. Vordergrundig avancierten die Techniker zu Gottern, nachhaltig wird die spirituelle Erlosung von der Maschine selbst erwartet. Der Kult um die Maschine als Leidens- und Ima- ginationswerkzeug hat gegen Ende des 20. Jahrhundert den Menschen vollig neu zu generie- ren, um den Traum Descartes' wahr werden zu lassen: den Menschen als gut gehendes Uhr- werk zu verwirklichen. Mehr noch: Die Maschine hat die phantasmatische Macht erhalten, den Anthropos auRer Kraft zu setzen, indem sie selbst mit den Insignien des Gottlichen bela- den werden kann, denn Gott ist tot, hat Nietzsche uns wissen lassen. Der Cyborg nimmt Ge­stalt an und vertritt die Position der Engel: halb Maschine, halb Gott. Ist der direkte Draht zum Gottlichen (im Menschen) gekappt, versorgen uns Kanale mit Informationen, die keine Botschaften mehr sind. Die Verquickung von Mensch-Maschine-Gott verspricht Losungsqua- litat im Augenblick, sie entsteht durch das Gefuhl des Informiertseins. Es ist die Wirkung, die manifestiert wird, was bedeutet: nichts erscheint mehr, weil alles uns scheint."

Von der Apokalypse der Bibel zur Technik des 20. Jahrhunderts

Apokalypse - Himmelfahrt - Raumfahrt - Apokalypse?

Der Apokalyptiker Johannes ist bekanntlich nicht identisch mit dem Apostel Johannes - Der Apokalyptiker Johannes saR vermutlich in der Abgeschiedenheit der griechischen Insel Pat- mos, die als Ort der Verbannung bekannt war9, als er um 90 oder 100 n.Chr. seine Visionen oder besser Offenbarungen zu Pergament brachte. Nach Ansicht der Historiker und auch einiger Theologen10 spiegelt die Offenbarung des Johannes die Umstande jener Zeit wider: Die Minderheit der Christen in Klein-Asien wird unbarmherzig von den Haschern des romi- schen Reiches11 verfolgt, geknechtet, gefoltert, gekreuzigt, getotet12. Angesichts der ernuch- ternden Ubermacht der romischen Staatsmaschinerie konnen sich die Christen nur in unter- irdischen Katakomben verstecken und Hoffnung aus ihrem Glauben schopfen. Die Offenba- rung des Johannes erzahlt in farbigen und eindringlichen Bildern, wie bedroht sich die Chris­ten durch den romischen Moloch gefuhlt haben mussen - und worin sie ihre einzige Hoff­nung sahen: dass das himmlische Gericht eines Tages uber das unbarmherzige Tier „Rom" richten werde, um all seine verblendeten Anhanger in das ewige Verderben zu sturzen und den wenigen Aufrechten ihren Platz im Himmel zu gewahren.13 Historiker, Religionswissen- schaftler und Theologen gleichermafcen haben sich darum bemuht zu erschliefcen, was die Offenbarung den Menschen denn tatsachlich offenbart - den Menschen zu jener Zeit und den Menschen zu dieser Zeit.

Der bei der Berliner Wochenzeitung „Freitag" tatige Journalist Michael Jager, mittlerweile auch wegen seiner religions-, kultur- und gesellschaftskritischen Aufsatze und Bucher14 be- kannt, kommt in Bezug auf die gesellschaftlichen Auswirkungen der Offenbarung zu einer gewagten These: Die heutige Raumfahrt sei eine direkte Folgeerscheinung der in der Offen­barung beschriebenen Himmelfahrt, eine materialistisch zu Ende gedachte Himmelfahrt un- ter Umgehung jeglicher Metaphorik der Ur-Schrift. Jager vermutet, dass in der europaischen Sakularisierung „viele Strukturen der christlichen Botschaft, ihrer unmittelbaren Heilsbedeu- tung oder vielleicht auch nur ihrer Ursprungssprache entkleidet, fortgewirkt haben"15. Jager weist zu Recht darauf hin, dass die Himmelfahrt in ihrer ursprunglichen Metaphorik keines- wegs einen Ortswechsel bedeuten musste, dass aber die Sakularisierung allgemein dafur sorge, dass metaphorische Texte entmetaphorisiert und gelesen werden, als beschrieben sie die Realitat.

Schon im Mittelalter prognostizierte der Scholastiker Roger Bacon (1214-1294), dass es einst Maschinen geben werde, die den gottlichen Plan von der Himmelfahrt verwirklichen wur- den: „Es wird Wagen geben, die ohne ein Lebewesen mit unermesslichem Schwunge bewegt werden, und Maschinen zum Fliegen mit einem Menschen, sitzend inmitten von Instrumen- ten, den Geist darauf gewandt, dass kunstliche Flugel die Luft schlagen nach Art des fliegen- den Vogels"16.

Nach Ansicht Jagers ist auch die Entwicklung der Maschine schon in der Gesellschaft ange- legt: „Vorbild der modernen Maschine ist die Gesellschaft von Thomas Hobbes, die sich freiwillig autoritar beherrschen lasst17, ist das barocke Musikorchester, ist die Parade der fruhneuzeitlichen Armee; Phanomene, die eins gemeinsam haben: in ihnen wirken Men- schen nicht irgendwie zusammen, sondern in der historisch bestimmten Art, dass sie Gleich- schritt, Gleichtakt, Gleichklang uben. Zusammenwirken durch Gleichklang hat dann die Ar- beitswelt erobert, wobei auch die Manufaktur noch keine Maschine ist, doch geht die Ma­schine aus ihr hervor."18

Jager geht sogar soweit, den Ursprung der Maschine in der Bibel zu sehen: „Gleichschritt als Paradigma des Zusammenwirkens, wo kommt das her, wenn nicht wiederum aus der Bibel- lekture? Die ,Bruder' des Herrn Jesus uben Gleichheit, und letztlich suchen sie sich seiner absoluten Gleichung mit Gott dem Vater anzuahneln, von der zwar in der Bibel keine Rede ist, dafur aber im seit 325 nach Christus offiziellen Trinitatsdogma."19

Zusammenfassend gelangt Jager zu einer modernen Apokalypse-Definition, die den Uber- gang zum nachfolgenden Kapitel bilden soll:

„Ich fasse die bisherigen Kontexte ... zusammen: Erstens, die Erde wird nicht nur zerstort, sondern auch verlassen, beides ist vorgepragt in einer bestimmten Lekture der christlichen Apokalypse. Zweitens, a) sie wird kollektiv verlassen, und zwar von einem Kollektiv von ,Bru- dern', die sich nicht irgendwie zusammenschlieRen, sondern als absolut Gleiche; b) das Fe- tischbild dieses Kollektivs aus sich angleichenden Teilen ist die moderne Maschine; c) die Maschine entwickelt sich scheinbar von selbst dahin, immer entwurzelter und immer schnel- ler zu werden, vom uberall stationierbaren Dampfkessel zur Eisenbahn auf Schienen, von da zum Auto auf StraRen, von da zum Flugzeug, von da zur Raumfahre. Drittens, wenn mit der Raumfahre die zerstorte Erde verlassen wird, dann, um eine neue Erde anzupeilen - wie es in der Bibel heiRt, ,einen neuen Himmel und eine neue Erde' - denn auf Vernichtung folgt Ersatz."20

Apokalypse - die Wandlung eines Sinnbildes von der Offenbarung bis zur „post- apokalyptischen Vision".

Die Offenbarung des Johannes beschreibt - zusammengefasst - den finalen Kampf zwischen Gut und Bose, in welchem die Anhanger der einen gegen die der anderen Seite antreten. In dieser Armageddon genannten Schlacht siegen die Machte des Himmels uber die Machte des Bosen.

Franz Annen beschreibt das sehr anschaulich: „Was den Inhalt angeht, handeln die Apoka- lypsen von den Geschehnissen der Endzeit. Sie gehen davon aus, dass die ganze Geschichte und vor allem die Endereignisse einem Plan folgen, der von Gott zum voraus festgelegt ist.

Der gegenwartige Aon ist vom Kampf zwischen guten und bosen Machten bestimmt. Vorlau- fig haben die Bosen noch die Oberhand. Aber das machtvolle Eingreifen Gottes steht nahe bevor. Die gegenwartige verderbte Welt wird untergehen. Die bosen Machte werden gerich- tet und vernichtet. Fur die treugebliebenen Menschen wird ein neuer, guter Aon anbrechen. Die Apokalypsen gehen also von einem ausgepragten Gegensatz zwischen dem gegenwarti- gen bosen, total verdorbenen und dem zukunftigen guten Aon aus und sehen den Ubergang zwischen beiden als Bruch, als Weltuntergang und Neuschopfung."21

Betrachtet man die Absicht des Verfassers, so liegt der Offenbarung durchaus ein zeitloses Gerust zu Grunde, das ohne weiteres auch auf die heutige Zeit ubertragbar ist. Franz Annen stellt treffend fest: „Fur diese (die Offenbarung, d. Verf.) ergibt sich somit aus der Beruck- sichtigung ihrer literarischen Gattung, dass sie die Zukunft mit Hilfe von Bildern darstellt, die sie der Tradition und der Umwelt entnimmt. Sie gibt also nicht Auskunft uber den Ablauf der kunftigen Ereignisse und deren Zeitpunkt, sondern uber die Erwartungen und Hoffnungen des Verfassers ..., die sich in diesen Bildern ausdrucken."22

In der Offenbarung wird den Glaubigen ein neues Zuhause versprochen, wie auch Franz An­nen konstatiert: „Der gegenwartige Aon ist ihrer Ansicht nach so vollstandig vom Bosen be- herrscht, dass man nur hoffen kann, dass Gott ihm bald ein Ende macht und einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft."23

Ob dieses neue „Zuhause" auf der Erde liegt oder in einem dem Irdischen entruckten Him­mel, ist nach Ansicht der Forschung nicht eindeutig zu klaren. So sagt die Offenbarung: „Wer uberwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und soll nicht mehr hinausgehen. Und will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel hernieder kommt, von mei- nem Gott, und meinen Namen, den neuen."24

Jedenfalls gibt es einen Neuanfang fur die aufrechten Christen, das ist die hoffnungsvolle Botschaft der Offenbarung, eines ihrer Kernelemente.

Zusammenfassend konnte man die Offenbarung nach Johannes demnach auf folgende Kern- punkte reduzieren, die fur eine Herleitung der „Apokalypse" aus dem Ur-Text maRgeblich sind:

1. Den glaubigen Menschen geschieht zunachst groRes Unrecht, verursacht von einer uberlegenen Macht.
2. Es gibt die Hoffnung oder gar Gewissheit einer Erlosung und Belohnung der Glaubi- gen.
3. Es gibt die Gewissheit der Bestrafung oder gar Vernichtung der Unglaubigen, der Feinde der Glaubigen - und auch derer, die nicht „richtig" glauben.25
4. Es gibt eine entscheidende Schlacht, in der das Unrecht von der Welt getilgt wird, die nur die Glaubigen unbeschadet uberstehen konnen.
5. Nach der Entscheidungsschlacht gibt es einen Neuanfang fur die uberlebenden „Gu- ten".
6. Die Einlautung der Entscheidungsschlacht ist an das Erscheinen eines Erlosers ge- knupft.

Diese sechs Kernpunkte sollen fur die spatere Beurteilung und Einordnung neuerer Apoka- lypse-Visionen maRgeblich sein.

Die Forschung ist sich daruber weitgehend einig, dass die Offenbarung vor allem eine Schrift ist, die den Adressaten Mut machen soll. Dennoch diente sie in den folgenden Jahrhunder- ten bis zum heutigen Tag viel haufiger dazu, Untergangsszenarien heraufzubeschworen und Angste zu schuren.26

Davon sind auch die allermeisten Medienprodukte nicht auszunehmen. Besonders der Film als Medium an sich neigt dazu, die Gegensatze zwischen Gut und Bose drastisch herauszu- streichen. Moralische Grauschattierungen, wie sie in unserer Gesellschaft uberwiegen, sind in der Offenbarung ebenso wenig zu finden wie in den noch naher zu besprechenden Scien- ce-Fiction-Filmen.

Maschinen: Definition

Um dem Thema gerecht werden zu konnen, bedarf es fur den Ubergang zu den folgenden Ausfuhrungen einer einschrankenden Definition, was genau unter „Maschinen" zu verstehen ist.

Auch wenn man sicherlich ausfuhrlich daruber streiten konnte, so mussen doch an dieser Stelle Maschinen von der Betrachtung ausgeschlossen werden, die einen „schleichenden" Weltuntergang bewirken. Hier waren insbesondere die von Benzin- und Diesel-Motoren an- getriebenen Autos und Lastwagen dieser Welt zu nennen, aber es kamen - um noch ein paar weitere Ecken gedacht - etliche weitere Maschinen in Betracht, die der Erde Schaden zufu- gen und viele kleine Nagel zu ihrem Sarg sind.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen aber nur Maschinen betrachtet werden, die einen „schnel- len" Weltuntergang bewirken konnen, denn diese stehen auch im Mittelpunkt samtlicher Weltuntergangsszenarien, die sich auf Maschinen beziehen.

Niemand kame auf die Idee, einen apokalyptischen Film daruber zu drehen, wie die gesamte Menschheit in den Abgasen ihrer Autos und Fabriken erstickt oder an den mit Umweltgiften verseuchten Lebensmitteln zu Grunde geht - vielleicht erscheint das im Vergleich zu den bekannten Vernichtungsszenarien durch Seuchen und Krieg auch schon zu unrealistisch - oder gerade zu realistisch, als dass man den Gedanken gern weiterdenken mochte.

Hinzu kommt ein nicht unwesentlicher Hinderungsgrund: Die Apokalypse nach der Offenba- rung des Johannes arbeitet ebenso wie alle neueren Apokalypse-Visionen mit einem einfa- chen SchwarzweiR-Schema: Hier die Guten, da die Bosen. Das funktioniert jedoch mit Autos und Fabriken nicht, denn hier greift die „organisierte Unverantwortlichkeit", wie es der Sozi- ologe Ulrich Beck nennt27 - da irgendwie alle an der Schadigung der Umwelt beteiligt und mitschuldig sind, gibt es kein klares SchwarzweiRbild.

Die Maschinen, die - real oder fiktiv - eine Weltzerstorung bewirken konnten, lassen sich weiterhin unterteilen in „passive" und „aktive" Systeme, also gewissermaRen nicht denken- de und denkende Maschinen.

Problematisch wird die Kategorisierung im Fall der so genannten „Kriegsmaschinerie". Diese kann man sicher nicht als Ganzes als „eine Maschine" bezeichnen, auch wenn - wie schon ausgefuhrt - das Zusammenwirken von Menschen und einzelnen Maschinen im Grunde nur eine Weiterentwicklung menschlichen Synchronverhaltens ist und mithin ein Zwischenschritt von der Manufaktur zur selbsttatigen Maschinerie, die den Menschen nicht mehr braucht.

In einer einzelnen Bombe eine Maschine zu sehen, ist eher schwierig. Wenn aber an dem Entscheidungsprozess, ob eine Atombombe gezundet wird oder nicht, Maschinen - in Form von Computern - wesentlich beteiligt sind, dann fungiert die Bombe als ausfuhrendes Organ oder verlangerter Arm des Maschinensystems. Charakteristisch fur die Visionen einer durch Maschinen bedingten Apokalypse ist aber, dass die Kotrolle uber die Maschinen den Men­schen entglitten ist.

Sicher am klarsten zu definieren ist die „denkende Maschine", auch wenn sie bis heute nur fiktiv ist. Die Riege des Vorstellbaren reicht von intelligenten Computersystemen bis hin zu wandelnden Maschinen: den Robotern, Androiden oder Cyborgs. Gemeint sind hier freilich nicht die bereits vielfach in Verwendung befindlichen Industrieroboter, die auf eine be- stimmte Aufgabe programmiert sind und nicht zu eigenem Denken und Handeln fahig sind.

Denkende Computer und denkende Maschinen - das ist sicher die bedrohlichste Kombinati- on von allen, die zugleich so wenig entfernt von den heutigen Moglichkeiten scheint - wes- halb sie auch in modernen Apokalypse-Szenarien auftaucht. Es ist sicher bezeichnend, dass Filme wie „Terminator" und „Matrix", die genau mit dieser Kombination spielen, auch kom- merziell so erfolgreich sind - ihre Visionen von der nahen Zukunft sind mit der Realitat so gut verzahnt, dass ihre Handlung beinahe glaubwurdig erscheint.

Die Anfange der heutigen, „industrialisierten" Untergangsvisionen sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Bewegung des Futurismus zu suchen, dessen bedeutendster Kunstler Ma­rinetti den ersten Cyborg des Jahrhunderts entstehen liefi.

Huldigung an die Maschine und an die Zukunft

Filippo Tommaso Marinetti: Mafarka der Futurist (1909) und die Bewegung des Futurismus

Der Futurismus als eine intellektuelle Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildet die konsequente Weiterfuhrung der bereits von Michael Jager konstatierten gesellschaftlichen Entwicklung zur Maschinisierung.

Der Futurismus begann mit der Veroffentlichung des „Futuristischen Manifests" im Jahr 1909 durch Filippo Tommaso Marinetti. Marinetti huldigt in elf Thesen und einigen nachge- stellten, geradezu prophetischen AuRerungen einer Beschleunigung der Welt, einer Verkur- zung der Lebenszyklen und einer Ablosung der Tradition und Geschichte durch Leidenschaft, Kampf und Technik: „... besingen werden wir die nachtliche vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden; die gefraRigen Bahn- hofe, die rauchende Schlangen verzehren; die Fabriken, die mit ihren sich hochwindenden Rauchfaden an den Wolken hangen; die Brucken, die wie gigantische Athleten Flusse uber- spannen, die in der Sonne wie Messer aufblitzen; die abenteuersuchenden Dampfer, die den Horizont wittern; die breitbrustigen Lokomotiven, die auf den Schienen wie riesige, mit Roh- ren gezaumte Stahlrosse einher stampfen, und den gleitenden Flug der Flugzeuge, deren Propeller wie eine Fahne im Wind knattert..."28

Besonders das Auto hat es Marinetti angetan, so dass er darin sogar den legitimen Nachfol- ger der unvollkommenen Frau sieht: „Wir erklaren, dass sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schonheit bereichert hat: die Schonheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie groRe Rohre schmucken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen ... ein aufheulendes Auto, das auf Kartatschen29 zu laufen scheint, ist schoner als die Nike von Samothrake."30

In seinem Roman „Mafarka der Futurist" offenbart Marinetti seine Liebe zum Automobil, das fur ihn nicht nur fortschrittlicher Technologietrager ist, sondern auch erotische Vollkom- menheit: „Wir gingen zu den drei schnaufenden Bestien31, um ihnen liebevoll ihre heiRen Bruste zu streicheln. (...) Ich streckte mich in meinem Wagen wie ein Leichnam auf der Bahre aus, aber sogleich erwachte ich zu neuem Leben unter dem Steuerrad, das wie eine Guilloti­ne meinen Magen bedrohte."32

Bei Marinetti (und den anderen Futuristen33 ) taucht - neben einiger faschistischer Dialektik - somit eine Verbindung zwischen Technologie und Untergang auf, symbolisiert durch das Bild des Leichnams auf der Bahre und durch die bedrohliche Guillotine. Aber auch eine Wie- dergeburt des Menschen durch die Technik steckt in diesem Bild. Der Futurismus artete oft- mals in eine Asthetik des Kriegs- und Maschinenkults aus. Entsprechend besteht die Kunst- lerbewegung des Futurismus, die in Italien ihren Anfang nahm und dann nach Russland ubergriff34, genau aus dieser Verknupfung von Technik-Faszination und der Lust auf den Un­tergang - einer Verbindung, die auch in weiten Teilen die heutige Science Fiction pragt.

Nach Ansicht Marinettis sollte der Mensch versuchen, sich der Perfektion einer Maschine anzunahern: „Der Mensch der Zukunft wird sein Herz auf seine wahre Funktion als Verteiler reduzieren. (...) Man begegnet schon heute Menschen, die fast ohne Liebe in einer schonen, stahlfarbenen Atmosphare durchs Leben gehen. Handeln wir so, dass die Zahl dieser vorbild- lichen Menschen immer mehr anwachst."35

In seinem Roman „Mafarka der Futurist" erzahlt Marinetti die Geschichte der Erzeugung eines Ubermenschen, amoralisch, gewaltig und technoid, halb Mensch und halb Maschine: „Aus Metall und Leinwand konstruierte er sich seinen Sohn Gazurmah. (...) Der nur aus dem Willen des Vaters geborene Sohn aber kennt keine Mudigkeit und keinen Schlaf und kann unsterblich und unbesiegbar uber die Welt und uber die Gestirne herrschen."36

Diese Mensch-Maschine verlasst schlieRlich die Erde und zerstort sie dabei.

Marinetti schuf eine neue Form von mechanisierten Monstren, die wie eine Mixtur der aus Ton gebrannten Golems und des Frankenstein'schen Monsters aus der Feder von Mary Shel­ley daher kamen. Zu der Vision des „magischen Funkens" und der belebenden Elektrizitat kommt nun die Mechanik als Weiterentwicklung des „menschlichen Uhrwerks" eines Descar­tes und die Elektronik als Wegbereiter der Moderne.

Aber auch die von Marinetti prognostizierte Bedeutung der Geschwindigkeit findet sich in der Science Fiction wieder. Ein gutes Beispiel fur eine „schnelle Maschine" ist „The Time Machi­ne" von H.G. Wells. Diese Maschine bewegt sich zwar nicht vom Fleck, aber sie ist so schnell, dass sie durch die Zeit reisen kann. Die Idee hatte Wells ubrigens schon 1895, also nahm er im Prinzip die gesellschaftlichen Wandlungen, die Marinetti so faszinierend fand, schon vor- weg.

Untergang und Neuanfang

H.G. Wells: DieZeitmaschine

Bereits 1895 ersann H.G. Wells mit „The Time Machine" eine Science Fiction-Geschichte uber eine Reise in die Vergangenheit und in die Zukunft, die auch in einer sozialkritischen Allegorie die Angst der Menschen vor der Macht der Maschinen wiederspiegelte.

Die Geschichte in Kurze: Der Wissenschaftler und Erfinder Alexander Hartdegen37 entwickelt aus Neugier auf die Entwicklungen der Zukunft eine Zeitmaschine und reist mit ihr in die na- he und schlieRlich in die ferne Zukunft. Er stellt auf seiner Reise fest, dass es der Menschheit im Laufe der Jahrhunderte gelingt, sich selbst zu zerstoren. In der fernen Zukunft (etwa in 800.000 Jahren) zerfallt die Erdenbevolkerung in zwei Rassen, die Morlocks und die Eloi, die grundlegend verschieden sind und im Streit miteinander liegen.

Wahrend Wells noch ein weitgehend fruhkapitalistisch gepragtes Weltbild hatte und die Morlocks als Nachfahren der Arbeiterklasse sah und die Eloi als die scheinbar wunschlos glucklichen Abkommlinge der dekadenten herrschenden Klasse, die in Wahrheit bereits von den Arbeitern beherrscht wird (was die Angst der Besitzenden vor der Arbeiterklasse aus- drucken sollte), wurde in den Verfilmungen dieses Bild zugunsten des Zeitgeists abgewan- delt. George Pal stellte 1960 mit seiner Filmversion die Verhaltnisse auf den Kopf: Jetzt wur- den die Morlocks zu hinterhaltigen, grausamen Bestien, die die harmlosen Eloi wie willenlo- ses Vieh als Nahrung hielten. Die sozialkritischen Untertone der Vorlage verschwanden zu- gunsten einer filmisch leichter zu handhabenden SchwarzweiRmalerei.

Simon Wells, ubrigens der Urenkel von H.G. Wells, machte es 2002 auch nicht viel besser und lieR die Morlocks zu ekelerregenden Mutanten werden, die ohne Sinn und Verstand die afro-amerikanisch wirkenden Eloi terrorisieren, toten und fressen, gelenkt von einem intelli- genten Uberwesen, einem Nachkommen der weiRen Herrenmenschen.

Alle drei Versionen - das Buch und auch die beiden Filme - verfugen uber eine apokalypti- sche Schlusselstelle, die den Umbruch von der menschlichen Zivilisation zu der neuen Gesell- schaft der Morlocks und der Eloi markiert.

In der Romanvorlage von Wells ist ein gewaltiger Krieg die Ursache fur den Untergang der Menschheit. George Pal aktualisierte diese Version 1960 zu einem Atomkrieg, der 1966 die Zivilisation ausloscht. Simon Wells benotigt dagegen ein neues Motiv, denn anno 2002 ist der Atomkrieg keine wirklich reale Bedrohung mehr: In der Verfilmung von 2002 ist es der Aufbruch der Menschheit in den Weltraum, der den Untergang einlautet. Durch Sprengun- gen auf dem Mond wird dieser fast zertrummert und verlasst seine Umlaufbahn, um schlieR- lich in die Erde zu sturzen.

Bemerkenswert ist sicher die Konstellation der Volker der Eloi und der Morlocks als eine zweigeteilte Gesellschaft mit einer klaren Rollenzuweisung als Gut und Bose. In diese Situa­tion hinein kommt der Zeitreisende als eine Art Erloser, der den Eloi bei der Vernichtung der Morlocks hilft.

Auch wenn „Die Zeitmaschine" an sich kein Roman uber die Apokalypse ist und sich auch nicht erkennbar an der Offenbarung des Johannes anlehnt oder Maschinen selbsttatig den Weltuntergang bewirken, so kann man doch am Beispiel der „Zeitmaschine" und anhand ihrer Verfilmungen schon recht gut erkennen, wie sich die Angstbilder der Menschenund da- mit auch ihre apokalyptischen Visionen im Lauf der Jahrzehnte des vergangenen Jahrhun- derts verandert haben. Furchtete Wells selbst am Ende des 19. Jahrhunderts noch einen gi- gantischen Weltkrieg als Ursache des zivilisatorischen Untergangs - womit er ja auch nicht so ganz falsch lag - macht der Film von 1960 daraus einen Atomkrieg. Dieses Angstbild be- herrschte die Science Fiction uber einen langen Zeitraum hinweg.

Internet, Spiel und Wirklichkeit im Kalten Krieg

„War Games" (1982)

Um auRer Kontrolle geratende Technik dreht sich der Film „War Games". Zwei Schuler ha- cken sich „aus Versehen" uber das Internet in die Computer des US- Verteidigungsministeriums. Die beiden Schuler halten das Ganze fur ein Spiel, eine Internet- Kriegssimulation, und wollen im Spiel einen dritten Weltkrieg „gewinnen". Zwar kommen die Beamten des Pentagon den Schulern schnell auf die Schliche, aber keiner der Beteiligten ahnt, dass der Simulationscomputer mit dem Namen „Joshua" mittlerweile ein Eigenleben entwickelt hat und nun diesen dritten Weltkrieg auch tatsachlich gewinnen will. Nur mit Muhe kann der Computer davon uberzeugt werden, dass es nur ein Spiel sein sollte und nicht blutiger Ernst.

[...]


1 Die Bezeichnung „Apokalypse" stammt aus dem ersten Vers der Offb (1,1), der eine Art Titel darstellt: „Of- fenbarung (griech. Apokalypsis) Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, damit er seinen Knechten zeigt, was bald geschehen muss..." Kalyptein (griech.) heiRt „verhullen, verbergen", apo-kalyptein dementsprechend „enthul- len, offen legen". Klaus Berger spricht in diesem Zusammenhang von der „aufklarerischen Funktion der Apoka- lyptik" (Berger, Jahrtausendwende und Apokalypse, Nr. 3, 6).

2 Buhl, a.a.O., S. 10.

3 Buhl, a.a.O., S. 15

4 Vgl. Bauer, a.a.O., S. 8f.: „Zwei Generationen, bevor die Bewegung der Anachoreten einsetzte und Christen- bekampfung Thema war, wurden Maschinen als Leidensinstrumente erfunden und eingesetzt. Die Heiligenle- genden (Legenda Aurea) des Jacobus de Voragine (geb. ca. 1229) beinhalten eine reiche Ansammlung solcher Geratschaften. Die Legenden erzahlen davon, wie durch die Maschine das Martyrium und damit die Martyre- rlnnen fur das Christentum erst erzeugt wurden. (...) Diese Berichte demonstrieren, dass Maschinen auch da- mals schon erfunden wurden, um unsere Leidensfahigkeit zu prufen."

5 „Bug" heiRt eigentlich Kafer (engl.), wird in der Fachsprache der Computertechnik aber als „Fehler" ubersetzt.

6 Vgl. Bauer, a.a.O., S.4: „ Wahrend und gegen Ende des 20. Jahrhunderts werden die Anzeichen des Welt- untergangs durch Berichte verschiedenster Art (Okokatastrophe etc.) wieder vermehrt. Die Beschleunigung durch die Medientechnologie verstarkt das Gefuhl eines raschen Alterns. Die Jahrtausendwende dient den neuen Propheten als Zeitkulisse, um die Modi der Gesellschaft hintergrundig umzubauen."

7 Vgl. Frey, a.a.O., S. S. 86f.

8 Vgl. Bauer, a.a.O., S. 10

9 Vielleicht aber auch in Rom - daruber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

10 Unter anderen z.B. Kuno Fussel in seiner materialistischen Bibelauslegung zur Offenbarung.

11 Annen, a.a.O.: Als unterdruckende Macht wird an vielen Stellen das romische Imperium greifbar, am deut- lichsten in der Schilderung der groRen Hure Babylon, die auf sieben Hugeln sitzt (Offb 17,9). Sie „ist betrunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu" (17,6). In ihr ist „das Blut von Propheten und Heiligen und von allen, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind" (18,24). Im Jubelhymnus nach ihrem Sturz heiRt es: Gott „hat Rache genommen fur das Blut seiner Knechte, das an ihren Handen klebt" (19,2). Die Beschreibung der Hure Babylon und die Schilderung ihres Sturzes lassen keinen Zweifel daran, dass hier die imperiale Macht Roms angesprochen ist. Unter ihrer Verfolgung haben die Christen der Adressaten-Kirchen offenbar zu leiden.

12 Annen, a.a.O.: Der Text der Offb selbst gibt an mehreren Stellen zu erkennen, dass sie in einer Zeit der Be- drangnis und der Verfolgung fur die Adressaten-Kirchen in Kleinasien geschrieben wurde. Der Verfasser sagt es gleich am Anfang deutlich (1,9): „Ich, euer Bruder Johannes, der wie ihr bedrangt ist, der mit euch an der Ko- nigsherrschaft teilhat und mit euch in Jesus standhaft ausharrt, ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses fur Jesus." Der Verfasser wie seine Adressaten sind also bedrangt und harren standhaft aus. Der Seher Johannes scheint sich als Verbannter auf Patmos aufzuhalten, so wird jedenfalls die nicht ganz deutliche Stelle meist interpretiert.

13 Annen, a.a.O., S. 6: Es geht um den Kampf zwischen den bosen Machten, welche die Welt verfuhren und verderben, und dem Heil Gottes, das der Welt im Christusgeheimnis geschenkt ist. Sie scheut sich auch nicht, die bosen Machte aus der Anonymitat herauszuholen und sie beim Namen zu nennen. In vielfaltigen Bildern - oft kaum versteckt - wird vor allem immer wieder die imperiale Macht Roms als Verkorperung des Bosen und Widergottlichen enthullt. Diesen und anderen Machte des Bosen stellt die Offb die christliche Botschaft von der Herrschaft Gottes und vom Sieg des „Lammes" gegenuber, das geschlachtet ist und mit Gott im Himmel thront. Auf der Erde ist zwar der Kampf noch im Gange. Das mussen die Christen der kleinasiatischen Stadte schmerzlich erfahren. Aber im Himmel, dort, wo die Entscheidungen fallen, ist der Sieg schon errungen (vgl. besonders Kapitel 12). Auch auf der Erde wird Gott dem letzten Aufbaumen des Bosen bald ein Ende setzen. Das ist die zentrale Botschaft, die Aufklarung, welche die Offb geben will.

14 Z.B. : Jager, Michael: Probleme und Perspektiven der Berliner Republik (1999)

15 Jager, a.a.O., S.4, Vierter Kontext: Raumfahrt als Himmelfahrt.

16 Zitiert in Der Name der Rose von Umberto Eco, Ausg. Munchen 1986, S. 27f.

17 Hobbes orientiert sich bei seinem Gesellschaftsbild an der mechanischen Uhr, die ihrerseits im christlichen Kloster entwickelt wurde. In: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und burgerlichen Staates, 1651.

18 Jager, a.a.O., S. 5, Funfter Kontext: Maschinen.

19 Jager, a.a.O., S. 5f., Funfter Kontext: Maschinen. Diese Ansicht oder Auslegung ist aber vom theologischen Standpunkt her eher zweifelhaft, denn die von den Jungern geubte Gleichheit (griechisch „homousios") bedeu- tet „wesenseins", also Einheit im Wesen. Das hat mit „Gleichschritt" als Synonym fur uniformes Zusammenwir- ken eher wenig zu tun.

20 Jager, a.a.O., S. 5f., Sechster Kontext: Vernichtung und Ersatz.

21 Annen, a.a.O., S. 4

22 Annen, a.a.O., S. 5

23 Annen, a.a.O., S. 9

24 Offb 3:12

das Risiko des Martyriums einschlieRt. Denn es geht dabei um die Entscheidung zwischen Heil oder Unheil. Mit halben Christen kann der Verfasser nichts anfangen. Was er der Gemeinde von Laodizea im entsprechenden Sendschreiben vorwirft, ist bezeichnend dafur (3,15-16): ,Ich kenne deine Werke: Du bist weder kalt noch heij. Warest du doch kalt oder heij! Weil du aber lau bist, weder heij noch kalt, will ich dich aus meinem Mund aus- speien.

25 Annen, a.a.O., S. 7: „Zum ersten geht es um kompromisslose Entschiedenheit. Dem Leser wird sehr schnell deutlich, dass der Verfasser der Offb alles andere als ein Kompromissler ist. Es gibt fur ihn nur Schwarz und WeiR, Gut und Bose. Grautone haben keinen Platz, gewohnliche Menschen und Durchschnitts-Christen, wie wir es meistens sind, anscheinend auch nicht. Auf der einen Seite steht Gott bzw. Christus, auf der andern die bo­sen Machte. Zwischen ihnen gibt es keinen Kompromiss, sondern nur eine klare Entscheidung, auch wenn diese

26 Annen, a.a.O., S. 7: „Fast jede Seite der Offb bestatigt es: Ihre Hauptabsicht ist es, Mut zu machen und die Hoffnung zu starken. Auch die Offb ist also in Ubereinstimmung mit dem ubrigen Neuen Testament Evangeli- um, „Frohbotschaft", keineswegs „Drohbotschaft". Sie formuliert in der Sprache und mit den Bildern der Apo- kalyptik die Hoffnung, die sich aus der christlichen Botschaft ergibt. Wer sie missbraucht, um Schrecken zu verbreiten und Weltuntergangsangste zu schuren, missbrauch sie gegen ihren Sinn."

27 Zitiert nach Ulrich Beck, Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne, Suhrkamp Verlag, Frank­furt 2001

28 Marinetti (2), a.a.O., These 11.

29 Eine Art von Geschossen; d. Verf.

30 Marinetti (2), a.a.O., These 4.

31 Gemeint sind drei Autos.

32 Marinetti (1), a.a.O., S. 23f.

33 Etwa Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Alexander Krutschonych, Wladimir Majakowskij und andere.

34 Daneben beeinflusste der Futurismus auch kunstlerische Stromungen der Moderne, etwa den Expressionis- mus, Surrealismus, den Dadaismus und den Konstruktivismus. Kunstler wie Alfred Doblin oder Marcel Duchamp bezogen Anregungen aus dem Futurismus.

35 Marinetti (1), a.a.O., S.7

36 Marinetti (1), a.a.O., S.36

37 Den Namen erhielt die Figur erst spater in den Filmen. Im Roman nannte Wells den Protagonisten nur „den Zeitreisenden".

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Die Apokalypse des 21. Jahrhunderts
Untertitel
Weltuntergangsvisionen im Zeitalter der Maschinen
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Historische Zukunftsvisionen: Der Weltuntergang
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
55
Katalognummer
V156753
ISBN (eBook)
9783640703203
ISBN (Buch)
9783640703906
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Apokalypse, Offenbarung, Johannes, Bibel, Matrix, Terminator, Maschine, Weltuntergang, Roboter, Androiden, Science Fiction, Asimov, Marinetti, H. G. Wells, War Games, Golem, Robotik, Westworld, Computer, Michael Crichton, Internet, Kalter Krieg, Android, Cyborg, Post-Apokalypse
Arbeit zitieren
Holger Pinnow-Locnikar (Autor), 2003, Die Apokalypse des 21. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156753

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