Diese Semesterarbeit zeigt den eingeschlagenen Weg zur Implementierung einer KLR am Beispiel der W.H. Küster GmbH&Co.KG unter dem Aspekt, schnellstens aktuelle Aussagen zur Ergebnisentwicklung mit Hilfe der vorhandenen DV-Unterstützung liefern zu können. Die Vollkostenrechnung als gewählte Variante wird dabei ausführlich vorgestellt. Im Hauptteil der Arbeit wird zuerst der Weg zur Isolierung der Kosten aus den vorhandenen Daten vorgestellt. Im Anschluss daran wird der Betrieb in Kostenstellen gegliedert und ausgewertet. Der Schlussteil der Arbeit wird eingeleitet mit einen kurzen Einblick in die kurzfristige Erfolgsrechnung. Nach einer kritischen Beurteilung wird das weitere Vorgehen im neuen Betätigungsfeld aufgezeigt.
Das dargestellte Unternehmen hatte vor Beginn dieser Arbeit noch keinen Controllerdienst. Im Rahmen des praktischen Semesters wurde das hier dargestellte Controllingsystem vom Autor eingeführt. Ziel war die schnellstmögliche Gewinnung von Steuerungsdaten für das Management. Die teilweise heterogene Softwaresystemlandschaft besteht hauptsachlich aus IBM/DKS, PST/MIS und einem PPS. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde das beschriebene System anschliessend zu einer Grenzplankostenrechnung (Teilkosten) ausgebaut.
Achtung: Rein unternehmensbezogene Daten wurden anonymisiert bzw. ganz weggelassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Gang der Arbeit
2. Charakterisierung von Kostenrechnungssystemen
2.1. Theoretische Begriffsabgrenzungen
2.2. Determinanten eines Kostenrechnungssystems
2.3. Wesen der Vollkostenrechnung
3. Vorstellung des Unternehmens
4. Aufbau und Durchführung der Kostenartenrechnung
4.1. Beschreibung des bestehenden Informationssystems
4.2. Übernahme der Daten aus der Finanzbuchhaltung
4.2.1. Die zeitliche Abgrenzung am Beispiel Weihnachtsgeld
4.2.2. Die sachliche Abgrenzung am Beispiel Abschreibungen
4.3. Darstellung der Kostenarten im MIS
5. Aufbau und Durchführung der Kostenstellenrechnung
5.1. Gliederung des Betriebs in Kostenstellen
5.2. Entwicklung des Betriebsabrechnungsbogens
5.3. Durchführung der Sekundärkostenverrechnung
5.3.1. Begründung für die Anwendung des Stufenleiterverfahrens
5.3.2. Be- und Entlastung über Umlagen
5.3.3. Be- und Entlastung durch Leistungen an Kostenstellen
5.4. Auswertung des Betriebsabrechnungsbogens
5.4.1. Ermittlung von Maschinenstundensätzen
5.4.2. Ermittlung von Gemeinkostenzuschlagssätzen
5.4.3. Auswertung eines Cost-Centers
6. Aufbau und Durchführung der Betriebsergebnisrechnung
6.1. Begründung für die Anwendung des Gesamtkostenverfahrens
6.2. Praktische Ausgestaltung der Betriebsergebnisrechnung
7. Schlußbetrachtung und kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung eines Kostenrechnungssystems auf Vollkostenbasis in einem mittelständischen Industrieunternehmen, um eine verbesserte Datenbasis für die Steuerung und Ergebnisentwicklung zu schaffen. Dabei werden die methodischen Ansätze der Kostenarten-, Kostenstellen- und Betriebsergebnisrechnung unter Verwendung eines Managementsinformationssystems (MIS) detailliert ausgearbeitet.
- Aufbau eines modernen Kostenrechnungssystems im Controlling
- Methoden der Kostenarten-, Kostenstellen- und Betriebsergebnisrechnung
- Integration von Daten aus der Finanzbuchhaltung in das MIS
- Einsatz von Vollkostenrechnung zur Kalkulation und Preisbildung
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Die zeitliche Abgrenzung am Beispiel Weihnachtsgeld
Zu dieser Art der Abgrenzung gehören wertmäßig bedeutsame, vorhersehbare (saisontypische) Geldausgaben, die bei einer monatlichen Ergebnisbetrachtung zu großen Kostenschwankungen zwischen den Einzelperioden führen würden. Zahlungsvorgang und Verbrauch sind hier phasenverschoben. Als Beispiele können Urlaubs- und Feiertagslöhne, Jahressonderzahlungen und Versicherungen genannt werden. Ihr voraussichtlicher Aufwand wird periodisch in die Kosten gebucht. Im Zeitpunkt des tatsächlichen Zahlungsvorgangs wird gegen die Abgrenzung aufgerechnet und nur noch (falls vorhanden) eine entstandene Differenz neben dem Wert der Periodenabgrenzung in den aktuellen Monat gebucht.
Der Abgrenzungsbetrag kann somit in Form einer Dauerbuchung automatisiert auf einzelne Monate verteilt werden. Dadurch werden die Werte dem Zeitabschnitt anteilig zugerechnet, in dem der eigentliche Verbrauch entsteht. Am Beispiel der Jahressonderzahlung „Weihnachtsgeld“ soll dieses Verfahren verdeutlicht werden. Das Weihnachtsgeld wird als Anerkennung für die Arbeitsleistung eines ganzen Jahres gezahlt. Somit entsteht der „Verbrauch“ durch die monatliche Leistung der Arbeitnehmer. Die Zahlung erfolgt aber einmalig im November. Damit der Betrieb nicht in den Monatsergebnissen besser gestellt wird, ist eine Abgrenzung durchzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Gang der Arbeit: Analyse der Ausgangssituation im Unternehmen und Einführung des Controllings als Instrument zur Unternehmenssteuerung.
2. Charakterisierung von Kostenrechnungssystemen: Definition der theoretischen Grundlagen und Vorstellung der gewählten Vollkostenrechnung.
3. Vorstellung des Unternehmens: Charakterisierung des betrachteten mittelständischen Industrieunternehmens und seiner Marktstellung.
4. Aufbau und Durchführung der Kostenartenrechnung: Darstellung des Informationssystems sowie der Übernahme und Abgrenzung von Daten aus der Finanzbuchhaltung.
5. Aufbau und Durchführung der Kostenstellenrechnung: Erläuterung der Kostenstellengliederung, der Sekundärkostenverrechnung und der Auswertung mittels Betriebsabrechnungsbogen.
6. Aufbau und Durchführung der Betriebsergebnisrechnung: Begründung und Anwendung des Gesamtkostenverfahrens zur Ermittlung des Betriebserfolges.
7. Schlußbetrachtung und kritische Würdigung: Zusammenfassende kritische Beurteilung des implementierten Vollkostenrechnungssystems.
Schlüsselwörter
Vollkostenrechnung, Controlling, Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung, Betriebsergebnisrechnung, Betriebsabrechnungsbogen, Sekundärkostenverrechnung, Stufenleiterverfahren, Gemeinkostenzuschlag, Maschinenstundensatz, Kostenmanagement, Unternehmenssteuerung, Industriebetrieb, Managementinformationssystem, Kalkulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschreibt die Einführung eines Kostenrechnungssystems auf Vollkostenbasis in einem mittelständischen Industrieunternehmen, um das Management mit zeitnahen und komprimierten Daten für die Unternehmenssteuerung zu versorgen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt schwerpunktmäßig den Aufbau der Kostenarten-, Kostenstellen- und Betriebsergebnisrechnung, die Datenintegration aus der Finanzbuchhaltung sowie die praktische Umsetzung innerhalb eines Managementsinformationssystems (MIS).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Implementierung einer Kosten- und Leistungsrechnung (KLR), um aktuelle Aussagen zur Ergebnisentwicklung zu ermöglichen und eine fundierte Basis für Kalkulations- und Steuerungsentscheidungen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der methodische Aufbau der klassischen Vollkostenrechnung verfolgt, ergänzt durch spezifische Verfahren wie die Zeit- und Sachabgrenzung sowie das Stufenleiterverfahren zur Sekundärkostenverrechnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei klassischen Säulen der KLR: die Kostenartenrechnung, die Kostenstellenrechnung mit ihren Verrechnungsmechanismen und die Betriebsergebnisrechnung mittels Gesamtkostenverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Vollkostenrechnung, Controlling, Kostenstellenrechnung, Betriebsabrechnungsbogen (BAB), Maschinenstundensatz und Kostenmanagement.
Warum wird im Unternehmen das Stufenleiterverfahren angewendet?
Das Verfahren wird bevorzugt, da kaum gegenseitige Leistungsverflechtungen zwischen den Kostenstellen bestehen und der Definitionsaufwand für komplexere Methoden wie das Iterationsverfahren in einem mittelständischen Betrieb nicht gerechtfertigt wäre.
Wie wird mit der Problematik von "Scheingenauigkeit" umgegangen?
Der Autor weist kritisch darauf hin, dass die Vollkostenrechnung trotz ihrer positiven Auswirkungen auf das Kostenbewusstsein im Unternehmen mit Vorsicht zu genießen ist, da willkürliche Gemeinkostenzuschläge zu Fehlentscheidungen in der Preispolitik führen können.
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- Dipl. Betriebswirt (FH) Carsten Böser (Author), 2000, Einführung einer Vollkostenrechnung in einem mittelständischen Industrieunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15679