Die Fragen, die in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt werden, befassen sich mit dem Mehrwert von Religion und Kirche für die Demokratie und die Gesellschaft – unabhängig davon, ob eine persönliche Verbundenheit zu Religion und Kirche besteht. Zudem wird betrachtet, auf welche Weise sich dieser Mehrwert äußern könnte oder bereits real vorhanden ist. Dafür werden die These „Demokratie braucht Religion“ aus dem gleichnamigen Buch des Soziologen Hartmut Rosa sowie der Grundlagentext der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD „Vielfalt und Gemeinsinn“ näher betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Brauchen wir die Kirche?
2. Die Systematische Theologie
3. Die Systematische Religionswissenschaft
4. „Lange geht das nicht mehr gut“
5. Evangelische Ressourcen
6. Praxisfelder
7. Resonanz und Gemeinsinnbildung
8. Die Realität in Zahlen
9. JA, wir brauchen Kirche
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das aktuelle Spannungsfeld zwischen Religion, Kirche und Demokratie. Ziel ist es, durch eine systematisch-theologische und religionswissenschaftliche Analyse zu eruieren, inwiefern die evangelische Kirche einen messbaren Mehrwert für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Stabilität in Deutschland leisten kann.
- Theoretische Fundierung durch das Resonanzkonzept von Hartmut Rosa.
- Analyse des EKD-Grundlagentextes „Vielfalt und Gemeinsinn“.
- Evaluation empirischer Daten zur demokratischen Haltung von Kirchenmitgliedern.
- Diskussion der Rolle kirchlicher Praxisfelder (Diakonie, Bildung) für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
- Kritische Betrachtung von Vorurteilen im Kontext von Religiosität und Rechtspopulismus.
Auszug aus dem Buch
„LANGE GEHT DAS NICHT MEHR GUT“
Der Soziologe Hartmut Rosa vertritt die Meinung, dass die Demokratie Religion braucht. In seiner These geht es vornehmlich darum, dass die heutige Gesellschaft (bezogen auf Deutschland) in einem Aggressionsverhältnis zur Welt steht, die die Resonanzfähigkeit der Menschen innerhalb dieser Gesellschaft erheblich stören. Die Kirche und Religion können jedoch einen Ausgleich zu diesem Aggressionsverhältnis leisten, damit diese Fähigkeit wieder gelernt und erlebt werden kann, um die Demokratie, die auf eine resonanzfähige Gesellschaft angewiesen ist, zu unterstützen.
Das Aggressionsverhältnis resultiert daraus, dass unsere Gesellschaft auf ständigen Wachstum angewiesen ist. Durch die notwendigerweise immer höher werdende Energieaufwendung und der unvermeidlichen und steigenden Leistungserbringung, um den Lebensstandard halten und Wachstum ermöglichen zu können, geraten wir in eine gesamtgesellschaftliche Lage, welche droht von Unzufriedenheit und Rücksichtslosigkeit vereinnahmt zu werden. Die Unzufriedenheit wird, laut Rosa, obendrein dadurch genährt, dass sich aufgrund der Krisen (wie z. B. Klimawandel), den verknappenden Ressourcen, der durch das Kapital geforderten permanenten Wettbewerbsfähigkeit, etc. mittlerweile die allgemeine Zukunftsaussichten von einer positiv-verheißungsvollen zu einem Gefühl des fast schon unabwendbaren Abgrunds verschoben hat.
Zusammenfassung der Kapitel
Brauchen wir die Kirche?: Einleitung in die Thematik, welche die kritische Haltung gegenüber der Kirche beleuchtet und die Forschungsfrage nach deren gesellschaftlichem Mehrwert stellt.
Die Systematische Theologie: Erläuterung der theologischen Disziplin, die den christlichen Glauben aus Teilnehmersicht reflektiert und interpretiert.
Die Systematische Religionswissenschaft: Vorstellung der wissenschaftlichen Zugänge zur Religion und Definition zentraler religionswissenschaftlicher Begriffe und Teildisziplinen.
„Lange geht das nicht mehr gut“: Analyse der These von Hartmut Rosa über das gesellschaftliche Aggressionsverhältnis und die Notwendigkeit von Resonanzräumen.
Evangelische Ressourcen: Untersuchung des Beitrags der Kirche zur Förderung von Gemeinsinn und Vielfalt auf Basis kirchlicher Grundlagentexte.
Praxisfelder: Darstellung konkreter kirchlicher Wirkbereiche wie Bildung, Diakonie und Friedensarbeit als Orte gelebter Resonanz.
Resonanz und Gemeinsinnbildung: Synthese des Resonanzkonzepts mit dem Ziel der Gemeinsinnbildung in einer pluralistischen Gesellschaft.
Die Realität in Zahlen: Empirische Auseinandersetzung mit der politischen Einstellung von Kirchenmitgliedern und der Verbreitung rechtspopulistischer Tendenzen.
JA, wir brauchen Kirche: Fazit der Arbeit, das die Notwendigkeit der Kirche als demokratiefördernde Kraft betont.
Schlüsselwörter
Religion, Kirche, Demokratie, Resonanz, Hartmut Rosa, Evangelische Kirche, Gemeinsinn, Vielfalt, Diakonie, Nächstenliebe, Gesellschaft, Aggressionsverhältnis, Rechts-populismus, Religiosität, Zusammenhalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Religion und Demokratie in Deutschland und fragt, ob die Kirche heute noch eine gesellschaftlich relevante Rolle für den Zusammenhalt spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte sind Resonanztheorie, evangelische Bildungs- und Diakoniepraxis sowie eine empirische Analyse der demokratischen Einstellungen von Kirchenmitgliedern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll begründet werden, warum die Kirche trotz gesellschaftlicher Kritik ein notwendiger Partner für eine funktionierende, resonanzfähige Demokratie bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz aus Systematischer Theologie und Systematischer Religionswissenschaft, ergänzt durch eine Auswertung soziologischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte (Resonanz), evangelische Ressourcen zur Gemeinsinnbildung und konfrontiert diese mit empirischen Umfrageergebnissen zur politischen Haltung von Christen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Resonanz, Gemeinsinn, Demokratieförderung, Aggressionsverhältnis und Nächstenliebe.
Wie korrespondiert das Resonanzkonzept mit der kirchlichen Praxis?
Kirchliche Orte wie die Diakonie oder die Liturgie bieten laut Autorin Räume für "aufhorchende" Begegnungen, die dem gesellschaftlichen Leistungsdruck entgegenwirken.
Was sagt die Arbeit über rechtspopulistische Tendenzen in der Kirche aus?
Obwohl eine Mehrheit der Kirchenmitglieder demokratiefreundlich ist, zeigen die aufgeführten Zahlen, dass auch innerhalb der Kirche Vorurteile gegenüber Minderheiten existieren, wenngleich Religiosität tendenziell demokratieproduktiv wirkt.
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- Hilma Hirschfeld (Author), 2024, Die gesellschaftliche Aufgabe der Religion in unserer Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1568233