Sozialer und gesellschaftlicher Wandel, europäischer Einigungsprozess, Globalisierung und Internationalisierung sind Schlagworte unserer Zeit. Die Welt wird größer durch wachsende Weltmärkte, das Internet und sich öffnende Grenzen. Betrachtet man den Einfluss des Wandels in allen Bereichen bezogen auf den Menschen und sein Leben, kann man einerseits von einer zunehmende Individualisierung andererseits von einer Pluralisierung der Lebensformen sprechen. So ist der Mensch in allen Bereichen des Lebens zunehmend auf sich gestellt, weil Werte und Normen ihre Allgemeingültigkeit verlieren, gleichzeitig bieten sich im Zuge der Globalisierung und Internationalisierung vielfältigere Möglichkeiten. Bedenkt man diese Entwicklungen, stellt sich die Frage, welche Bedeutung heute „Heimat“ noch hat. Regionale Verbundenheit – wozu ist sie heute noch wichtig?
Jedoch gerade aufgrund der Globalisierung, der europäischen Einigung und anderer gesellschaftlicher Veränderungen kann „Heimat“ oder regionale Verbundenheit an Bedeutung gewinnen. Die wachsenden Möglichkeiten, die sich auflösenden Strukturen und im Wandel begriffenen Werte und Normen bringen auch erhebliche Unsicherheiten und Ängste mit sich, deren Folge eine engere Identifikation mit etwas dem täglichen Leben näher stehendem, unmittelbar Beeinflussbarem sein kann. Identifikation mit der Region?
Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit einer Region ist eine wichtige Voraussetzung für die demokratische Grundordnung sowie für politische Planungen. Wenn sich Menschen mit einer Region verbunden fühlen, werden sie diese z.B. nicht ohne weiteres verlassen, sind vielleicht politisch oder gesellschaftlich aktiv und können damit zur politischen Stabilität der Region und zur besseren Planungen in ihrer Heimatregion beitragen. Eine hohe regionale Verbundenheit ist damit auch für Wirtschaft und Politik bedeutsam.
Welche Faktoren aber gibt es, die eine Verbundenheit mit der Region – eine regionale Identität hier am Beispiel Brandenburgs – beeinflussen? Von welcher Art ist die regionale Brandenburger Identität? Es wird in dieser Arbeit zwar vorausgesetzt, dass es eine regionale Brandenburger Identität gibt, doch kann von einer einheitlichen regionalen Brandenburger Identität gesprochen werden? Es stellt sich die Frage, welche Faktoren sie beeinflussen sowie, welche Handlungsmöglichkeiten sich daraus jeweils im politischen bzw. gesellschaftlichen Bereich ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. HERLEITUNG UND DARSTELLUNG DES BEGRIFFES „REGIONALE IDENTITÄT“
2.1 Identität und damit verwandte Begriffe
2.2 Region
2.3 regional + Identität = Regionale Identität. Der Versuch einer Definition.
3. WIE SIEHT SIE AUS – DIE REGIONALE BRANDENBURGER IDENTITÄT? DIMENSIONEN UND EINFLUSSFAKTOREN.
3.1 Geschichte oder: historische Dimension
3.1.1 Interpretation und Handlungsfelder bezogen auf die historische Dimension
3.2 Geographische, soziale und wirtschaftliche Dimension. Oder: der Einfluss der Lebensbedingungen auf die regionale Identität.
3.2.1 Geographische und demographische Gegebenheiten im Land Brandenburg
3.2.2 Interpretation der Daten
3.2.3 Handlungsfelder bezogen auf die geographischen / demographischen Gegebenheiten
3.2.4 Wirtschaftliche Gegebenheiten
3.2.5 Interpretation der Daten
3.2.6 Handlungsfelder bezogen auf die wirtschaftlichen Gegebenheiten
3.3 Exkurs: Identität durch Abgrenzung von anderen
3.3.1 Die gescheiterte Fusion der Länder Berlin und Brandenburg
3.3.2 Die Ausländerfeindlichkeit im Land Brandenburg
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ausprägung einer regionalen Identität im Bundesland Brandenburg, identifiziert maßgebliche Einflussfaktoren wie Geschichte, Geographie und Wirtschaft und analysiert die daraus resultierenden Handlungsmöglichkeiten für Politik und Gesellschaft.
- Herleitung und Definition der Begriffe "Identität", "Region" und "regionale Identität".
- Analyse historischer, geographischer, demographischer und wirtschaftlicher Dimensionen als Identitätsfaktoren.
- Untersuchung der Rolle von Abgrenzungsprozessen, insbesondere am Beispiel der gescheiterten Fusion Berlin-Brandenburg.
- Auseinandersetzung mit der Problematik rechtsextremistischer Einstellungen und Ausländerfeindlichkeit als Ausdruck kollektiver Identität.
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschichte oder: historische Dimension
Diesem Kapitel der Arbeit liegt die bereits in Abschnitt 2.3 angesprochene These zugrunde, dass die regionale Identität auch durch die gemeinsame Geschichte beeinflusst wird. Ein detaillierter Überblick über die Geschichte Brandenburgs soll hier nicht gegeben werden, da dies nicht Schwerpunkt der Arbeit ist. Lediglich die für das Verständnis und die Beurteilung des Einflusses der Geschichte auf eine regionale Brandenburger Identität wesentlichen Faktoren sollen im Folgenden dargestellt werden. Dabei werden punktuell Beispiele genannt und auf ihren heutigen Einfluss auf die regionale Identität interpretiert.
Mit Brandenburgs Geschichte untrennbar verknüpft ist Preußen, zunächst als König-, später als Kaiserreich. Zeugnisse königlicher bzw. kaiserlicher Baukunst sind dem Land Brandenburg zahlreich als Erbe – trotz großer Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg – erhalten geblieben. Stehen zwar auf der einen Seite die finanziellen Pflichten zum Erhalt des Erbes, so stellen die königlich-kaiserlichen Bauwerke andererseits auch touristische Attraktion mit den damit verbundenen positiven finanziellen Effekten für das Bundesland dar. Preußen scheint ein historisches Phänomen zu sein, an dem sich die Geister scheiden: zwei Meinungen herrschen in der Öffentlichkeit vor, die in der Vergangenheit teilweise zu emotional aufgeladenen Konflikten im öffentlichen Diskurs geführt haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der regionalen Identität im Kontext von Globalisierung und sozialem Wandel, sowie Begründung der Relevanz für das Bundesland Brandenburg.
2. HERLEITUNG UND DARSTELLUNG DES BEGRIFFES „REGIONALE IDENTITÄT“: Theoretische Fundierung und Definition der Kernbegriffe Identität und Region sowie Synthese zum Begriff der regionalen Identität.
3. WIE SIEHT SIE AUS – DIE REGIONALE BRANDENBURGER IDENTITÄT? DIMENSIONEN UND EINFLUSSFAKTOREN.: Untersuchung der historischen, räumlichen, wirtschaftlichen und sozialen Einflussfaktoren auf die Brandenburger Identitätsbildung.
4. FAZIT: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach keine einheitliche Brandenburger Identität existiert, sondern regionale Unterschiede zwischen Entwicklungsräumen bestehen.
Schlüsselwörter
Regionale Identität, Brandenburg, Identitätsbildung, historische Dimension, wirtschaftliche Gegebenheiten, Demographie, Abwanderung, Strukturwandel, Förderpolitik, Fusion, Berlin, Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Lebensqualität, soziale Dimension.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich mit der Frage auseinander, wie sich eine spezifisch regionale Brandenburger Identität konstituiert und welche Faktoren diese Identität im politischen und gesellschaftlichen Kontext beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die theoretische Herleitung regionaler Identität, die Analyse von Dimensionen wie Geschichte, Wirtschaft und Demographie sowie die Rolle von Abgrenzungsprozessen in Bezug auf andere Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis vorhandener Daten und Studien ein differenziertes Bild der Brandenburger Identität zu zeichnen und Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung vorhandener Literatur, statistischer Daten und Umfrageergebnisse, um Identitätsmerkmale und deren Einflussfaktoren zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung historischer Aspekte (Preußen-Erbe), die Analyse geographisch-wirtschaftlicher Lebensbedingungen (Arbeitslosigkeit, Abwanderung, Förderpolitik) sowie eine Exkurs-Betrachtung zu Abgrenzungsmechanismen (Fusion Berlin-Brandenburg, Fremdenfeindlichkeit).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie regionale Identität, Strukturwandel in Brandenburg, Demographie, politische Förderstrategien und gesellschaftliche Abgrenzungsprozesse definieren.
Welche Rolle spielt die "dezentrale Konzentration" für die regionale Identität?
Das Konzept war ein zentraler Bestandteil der Brandenburger Wirtschafts- und Förderpolitik, deren Neujustierung zu heftigen Debatten über regionale Ungleichheiten und Identitätsverlust in betroffenen Landkreisen führte.
Inwiefern beeinflusst das "Preußen-Erbe" die heutige Identität?
Preußen wirkt als historisches Phänomen identitätsstiftend, ist jedoch ambivalent belegt zwischen preußischen Tugenden (Toleranz, Pflichtbewusstsein) und der Ablehnung eines militaristischen "Staates von Blut und Eisen".
Warum spielt die gescheiterte Fusion von Berlin und Brandenburg eine Rolle?
Der Exkurs dient dazu, zu prüfen, ob die Ablehnung der Fusion ein Ausdruck einer starken regionalen Identität und Angst vor Identitätsverlust bei den Brandenburgern war.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich einer "einheitlichen" Identität?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass keine einheitliche Brandenburger Identität existiert, sondern vielmehr Differenzen zwischen dem berlinnahen Verflechtungsraum und dem ländlich geprägten äußeren Entwicklungsraum bestehen.
- Arbeit zitieren
- Franziska Carl (Autor:in), 2006, Regionale Brandenburger Identität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156885