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Affizierte Körper. Der Affekt in der Performance-Kunst am Beispiel von Marina Abramovićs und Ulays Performances "Breathing in/ Breathing out" und "Rest Energy"

Titel: Affizierte Körper. Der Affekt in der Performance-Kunst am Beispiel von Marina Abramovićs und Ulays Performances "Breathing in/ Breathing out" und "Rest Energy"

Hausarbeit , 2020 , 34 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Hanna Liertz (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Affekte finden immer dort statt, wo Menschen aufeinander treffen. Besonders in Liebesbeziehungen, in denen Gefühle und Emotionen eine große Rolle spielen, wird das gegenseitige Affizieren zu einem zentralen Movens. Die Performancekünstlerin Marina Abramović und ihr Arbeits- und Lebenspartner Ulay haben in ihren Performances in den 1970er und 1980er Jahren mit der gegenseitigen Affizierbarkeit und Verletzbarkeit experimentiert. In jeder ihrer Arbeiten handelt es sich um eine performative Inszenierung, zusätzlich haben sie aber auch einen autobiographischen, privaten Anteil, der die Deutung der Performances vervielfacht. Hier wird nicht nur gespielt und inszeniert, die Körper der beiden PerformerInnen werden tatsächlich in gefahrvolle Situationen bis hin zur Lebensgefahr gebracht. Dementsprechend stark sind auch die Affekte, die bei ihnen und dem Publikum ausgelöst werden. Oftmals schwanken die Performances unheilvoll zwischen Liebe, Vertrauen und Grausamkeit.

In dieser Arbeit werden die Performances "Breathing in/ Breathing out" und "Rest Energy" betrachtet. Beide Performances fanden vor Publikum statt und wurden gefilmt, beide brachten die PerformerInnen in mehr oder weniger akute Lebensgefahr und beide verhandelten die Themen Liebe und gegenseitige Vernichtung. Bevor jedoch auf diese Performances und ihre evozierten Affekte eingegangen werden kann, muss zunächst die Nutzung des Affekt-Begriffs in Alltag und Wissenschaft sowie die Bedeutung des Affekts in der Performance-Kunst genauer unter die Lupe genommen werden. Basierend auf dieser Grundlage lässt sich die Frage nach dem Affekt auf die oben genannten Performance-Beispiele anwenden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Die Macht des Affekts

2. Der Begriff des Affekts

2.1 Gebrauch des Begriffs im Alltag und in der Wissenschaft

2.2 Der Affekt-Begriff von Brian Massumi

3. Affekte in Performances

3.1 Einsatz des eigenen Körpers

3.2 Verwischen der Grenzen zwischen Kunst und Leben

3.3 Gemeinsame Erfahrungen

4. Affekte in den Performances von Marina Abramović und Ulay

4.1 Verbindung von Arbeit und Liebe

4.2 Deutung von Breathing in/ Breathing out

4.3 Deutung von Rest Energy

5. Affekt-Ebenen in den ausgewählten Performances

5.1 Affekte bei den PerformerInnen

5.2 Affekte beim Publikum vor Ort

5.3 Affekte bei der ZuschauerIn der Videoaufzeichnung

6. Die Performance-Kunst in einer affizierten Gesellschaft

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die Bedeutung von Affekten als "Machtinstrument" und ihre Rolle in der Performance-Kunst. Ziel ist es, anhand der Werke von Marina Abramović und Ulay zu analysieren, wie extreme körperliche Zustände und das Verwischen der Grenzen zwischen Kunst und Leben affektive Reaktionen bei den PerformerInnen sowie beim Publikum auslösen und kollektiv verhandeln.

  • Die theoretische Begriffsbestimmung von Affekten (u.a. nach Brian Massumi)
  • Die körperliche Transformation in der Performance-Kunst
  • Das Spannungsfeld zwischen privater Liebesbeziehung und künstlerischer Inszenierung
  • Die Analyse der Affektübertragung mittels Live-Erfahrung und Videoaufzeichnung

Auszug aus dem Buch

4.2 Deutung von Breathing in/ Breathing out

Die Performance Breathing in/ Breathing out fand 1977 im Rahmen eines Festivals im SKC, dem Studentski Kulturni Centar, in Belgrad statt. Da Abramović zu diesem Zeitpunkt in ihrem Heimatland schon recht berühmt war, war der Raum überfüllt. Abramović und Ulay hatten Mikrofone an ihren Kehlen befestigt und ihre Nasen mit Zigarettenfiltern verstopft. Sie knieten sich einander gegenüber und Abramović leerte ihre Lungen, während Ulay seine mit Luft füllte. Anschließend pressten sie ihre Münder aneinander und Ulay atmete in Abramovićs Mund. Von diesem Zeitpunkt an tauschten sie den Sauerstoff hin und her wie einen Ping Pong Ball. Schon nach kurzer Zeit war der Sauerstoff nahezu aufgebraucht und die Atemzüge wurden tiefer und dringlicher. Statt des Sauerstoffs wurde überwiegend Kohlendioxid ausgetauscht, das zu Übelkeit und Ohnmacht führen kann. Ihr Kampf um Sauerstoff war über die Lautsprecher zu hören: „The gasping, gargling, and heaving sounds reverberated through-out the SKC and the audience watched in concerned silence as Abramović and Ulay’s symbiosis quickly degenerated into a deadly entropy.“ Nach 19 Minuten fielen Abramović und Ulay nach Atem ringend auseinander. Im gleichen Jahr wiederholten sie die Performance unter dem Titel Breathing out/ Breathing in im Stedelijk Museum in Amsterdam. Diesmal war Abramović diejenige, die ihren Atem zuerst in Ulays Mund blies. Nach 15 Minuten wurde die Performance abgebrochen, indem Ulay auf die Toilette rannte und sich übergab. Im Nachhinein bezeichnete Ulay die Wiederholung als einen Fehler, während Abramović die Performance als Weiterführung und nicht als Wiederholung auffasste.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Macht des Affekts: Einleitung in das Thema der Wiederkehr der Affekte als Instrument der Steuerung in modernen Gesellschaften.

2. Der Begriff des Affekts: Differenzierung des Affektbegriffs von Emotionen und Gefühlen mit Bezug auf Brian Massumi und Baruch de Spinoza.

3. Affekte in Performances: Untersuchung der körperzentrierten Ästhetik des Performativen, der Grenzgänge zwischen Kunst und Leben sowie der Bedeutung gemeinsamer körperlicher Erfahrungen.

4. Affekte in den Performances von Marina Abramović und Ulay: Detaillierte Analyse der "Beziehungsarbeiten" und der spezifischen Performances Breathing in/ Breathing out sowie Rest Energy.

5. Affekt-Ebenen in den ausgewählten Performances: Differenzierte Betrachtung der affektiven Wirkung auf die PerformerInnen selbst, das Publikum vor Ort und die BetrachterInnen von Videoaufzeichnungen.

6. Die Performance-Kunst in einer affizierten Gesellschaft: Einordnendes Fazit über die Rolle der Performance-Kunst als Gegenentwurf zur Lethargie in einer Gesellschaft, die intensiv affiziert werden möchte.

Schlüsselwörter

Affekt, Performance-Kunst, Brian Massumi, Marina Abramović, Ulay, Breathing in/ Breathing out, Rest Energy, Körper, Affective Turn, Liminalität, Spiegelneuronen, emotionale Synchronisierung, Liebesbeziehung, Relationalität, Extremsituation.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Macht und Funktion von Affekten und untersucht, wie die Performance-Kunst von Marina Abramović und Ulay durch gezielte Grenzüberschreitungen affektive Zustände bei den Beteiligten erzeugt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Bestimmung des Affekts, die Verbindung zwischen Liebe und künstlerischer Arbeit sowie die körperliche Wirkungsästhetik der Performance-Kunst.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie Performances, die Körper in Extremsituationen bringen und die Grenze zwischen privatem Leben und Kunst verwischen, Affekte als verbindende und transformative Kräfte nutzen.

Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Performance-Theorien, insbesondere die Ästhetik des Performativen nach Erika Fischer-Lichte und die Affekttheorien von Brian Massumi, kombiniert mit einer inhaltlichen Werkinterpretation.

Was steht im Zentrum des Hauptteils?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Performances Breathing in/ Breathing out und Rest Energy, in denen die Künstler ihre körperliche und psychische Belastbarkeit sowie ihre wechselseitige Abhängigkeit als Paar radikal zur Schau stellen.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Affekt, Performativität, Körperlichkeit, Abhängigkeit, Vertrauen, Transformation und die spezifische "Beziehungsästhetik" bei Abramović und Ulay.

Wie unterscheidet sich die Wirkung der Live-Performance von der Videoaufzeichnung?

Während bei einer Live-Performance die reale Gefahr und die soziale Synchronisierung mit dem Publikum den Affekt verstärken, wirken bei der Videoaufzeichnung vor allem der "verkörperte Ton" und das Bild des Leidens als Trigger.

Warum wird die Liebesbeziehung der Künstler als "Beziehungsarbeit" klassifiziert?

Weil das Paar Privates, wie das Zusammenleben und existenzielle Krisen, direkt in künstlerische Handlungen integriert, um die Dynamik von Vertrauen, Macht und Zerstörung im menschlichen Miteinander spürbar zu machen.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Affizierte Körper. Der Affekt in der Performance-Kunst am Beispiel von Marina Abramovićs und Ulays Performances "Breathing in/ Breathing out" und "Rest Energy"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Der Affective Turn und seine Bedeutung für Theater und Film
Note
1,0
Autor
Hanna Liertz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
34
Katalognummer
V1569385
ISBN (eBook)
9783389117989
ISBN (Buch)
9783389117996
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Performance Performancekunst Affekt Marina Abramović Ulay Autobiographie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hanna Liertz (Autor:in), 2020, Affizierte Körper. Der Affekt in der Performance-Kunst am Beispiel von Marina Abramovićs und Ulays Performances "Breathing in/ Breathing out" und "Rest Energy", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1569385
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Leseprobe aus  34  Seiten
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