Gegenwärtig werden Innovationen in der Managementlehre als organisatorische Veränderungen beziehungsweise neue Leistungen angesehen, aus denen sich zukünftig ein Wettbewerbsvorteil generieren lässt. Eine Invention ist hingegen das Ergebnis einer Ideenfindung und ist demnach als eine notwendige Vorstufe einer jeden Innovation zu verstehen. Somit lässt sich schlussfolgern, dass die Innovation die tatsächliche Verwirklichung der Invention sowie ihre erstmalige wirtschaftliche Nutzung ist.
„Die Innovationsprozesse entziehen sich als Entscheidungs- und Durchsetzungsprozesse traditioneller betriebswirtschaftlicher Überlegungen“. Die Komplexität, Unsicherheit und Angst vor Innovationen erfordert die Suche und Erforschung neuer Modelle und Strategien. Auf Grundlage empirischer Untersuchungen ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass die klassischen Managementtechniken im Bereich der Innovationsprozesse versagen. So stellen sich Unternehmen unterdessen nicht mehr die Frage, ob Innovationen getätigt werden sollten, sondern vielmehr, wie schnell und effizient eine Innovation durchgeführt werden kann.
Die Forschung bezieht sich diesbezüglich gerne auf die Great-Man-Theory.
Dies legt die Vermutung nahe, dass sich die Forschung seit jeher hinsichtlich der Erfolgszuschreibung einer Innovation auf ein bestimmtes Individuum leicht getan hat. So belegen auch empirische Untersuchungen, dass der „Champion“ der wichtigste Erfolgsfaktor im Innovationsprozess ist.
Es kristallisieren sich jedoch gänzlich unabhängig von der Betrachtungsebene, ob es sich um einen Champion oder mehrere Innovationsmanager handelt, zwei wichtige Merkmale hinsichtlich der Bedeutung dieser Personen heraus: Zum einen sind Innovationen Arbeitsprozesse, in denen die partizipierenden Akteure bestimmte Leistungsbeiträge erbringen. Zum anderen greifen sie dabei auf bestimmte Machtquellen zu.
Mit der ausführlichen Darstellung dieses Konzepts befasst sich nun der Hauptteil der vorliegenden Arbeit zum Promotorenmodell. Dazu wird in einem ersten Schritt auf die Barrieren und Opponenten von Innovationen eingegangen. Anschließend wir das Modell vorgestellt. Im letzten Teil dieser Seminararbeit werden die sich skizzierenden Probleme dargestellt sowie auf Weiterentwicklungen des Promotorenmodells eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Innovationen und Perspektiven der Innovationsforschung
1.2 Die Entstehungsgeschichte des Promotorenmodells
2 Barrieren und Widerstände gegen Innovationen
2.1 Willensbarrieren
2.2 Fähigkeitsbarrieren
2.3 Barriere des Nicht-Dürfens
3 Das Promotorenmodell
3.1 Allgemeine Darstellung
3.1.1 Der Fachpromotor
3.1.2 Der Machtpromotor
3.1.3 Der Prozesspromotor
3.1.4 Der Beziehungspromotor
3.2 Promotorenstrukturen
3.3 Theoretische Konzepte des Promotorenmodells
4 Probleme und Weiterentwicklung des Promotorenmodells
4.1 Hindernisse und Opponenten des Modells
4.2 Weiterentwicklungen und Wandel des Modells
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Promotorenmodell als zentrales Konzept des Innovationsmanagements, analysiert die auftretenden Barrieren in Innovationsprozessen und beleuchtet die aktuelle Kritik sowie notwendige Weiterentwicklungen des Modells vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Organisationsrealität.
- Grundlagen der Innovationsforschung und historische Einordnung des Promotorenmodells
- Analyse der verschiedenen Arten von Barrieren (Wille, Fähigkeit, Dürfen)
- Detaillierte Vorstellung der Promotorentypen: Fach-, Macht-, Prozess- und Beziehungspromotor
- Untersuchung von Promotorenstrukturen (Gespann- und Troika-Modelle)
- Kritische Reflexion der theoretischen Fundierung und personalwirtschaftlicher Defizite
- Bedeutung des Modells im Wandel zur modernen, projektorientierten Unternehmensführung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Der Fachpromotor
Die Person, die eine Fachpromotoren-Rolle einnimmt, stützt sich auf die Machtquelle „objektspezifisches Fachwissen“.
Hierarchische Position ist dabei nicht von größerer Bedeutung. Der Fachpromotor verfügt über spezifisches Fachwissen und hat dadurch einen gewissen Informationsvorsprung gegenüber Dritten, die ebenfalls am Innovationsprojekt beteiligt sind. Von Bedeutung ist dabei insbesondere, dass er auch in der Lage ist, dieses Wissen durch seine kognitiven Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Der Fachpromotor beherrscht die technologische neuartige Materie, kennt die inneren Gesetzmäßigkeiten sowie Leistungspotentiale und ist darüber hinaus in der Lage Alternativen zu generieren. Er wird als das wichtigste Humankapital der Innovation betrachtet. Der Fachpromotor muss eine Reihe ihm zugeschriebener Funktionen bewältigen, die folgende Leistungsbeiträge beinhaltet:
Der Fachpromotor zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er speziell solche Ideen generieren kann, die potenziell in eine Innovation überführt werden können. Außerdem sollte der Fachpromotor kreative Lösungen hinsichtlich technischer Probleme beisteuern können und eventuelle Lösungsalternativen bereithalten. Durch seine fachspezifischen Informationen sollte er in der Lage sein mit stichhaltigen Argumenten auf eventuelle Bedenken beziehungsweise Kritik der Opponenten reagieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Innovationsforschung ein und beleuchtet die Entstehungsgeschichte sowie die Notwendigkeit des Promotorenmodells im Kontext von Unsicherheit und Komplexität.
2 Barrieren und Widerstände gegen Innovationen: Hier werden die technologischen, absatzpolitischen und finanziellen Hindernisse sowie die spezifischen Willens-, Fähigkeits- und Dürfensbarrieren erörtert, die den Innovationsprozess gefährden.
3 Das Promotorenmodell: Dieses zentrale Kapitel definiert die Rollen von Fach-, Macht-, Prozess- und Beziehungspromotor, erläutert deren Zusammenwirken in Gespannen oder Troika-Strukturen und stellt die theoretischen Grundannahmen des Modells vor.
4 Probleme und Weiterentwicklung des Promotorenmodells: Der Autor kritisiert die mangelnde Präzision des Modells hinsichtlich der personalwirtschaftlichen Einordnung und diskutiert die Anpassung an moderne, prozessorientierte Unternehmensstrukturen.
5 Fazit: Das Fazit bestätigt die wachsende Bedeutung der Troika-Struktur in komplexen Innovationsprojekten und unterstreicht die Notwendigkeit, dass Promotoren flexibel auf den Wandel der Organisationsbedingungen reagieren.
Schlüsselwörter
Promotorenmodell, Innovationsmanagement, Fachpromotor, Machtpromotor, Prozesspromotor, Beziehungspromotor, Innovationswiderstände, Willensbarrieren, Fähigkeitsbarrieren, Organisationstheorie, Projektmanagement, Arbeitsteilung, Innovationserfolg, Wissensgenerierung, Unternehmenswandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das klassische Promotorenmodell, welches Personenrollen definiert, die Innovationen innerhalb von Unternehmen vorantreiben und gegen Widerstände absichern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Identifikation von Innovationsbarrieren, die detaillierte Beschreibung der Promotorentypen und die kritische Auseinandersetzung mit der Anwendung des Modells in der modernen Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Seminararbeit?
Ziel ist es, den theoretischen Ansatz des Promotorenmodells zu erläutern, dessen Schwächen aufzudecken und aufzuzeigen, wie sich das Modell durch aktuelle Weiterentwicklungen an veränderte Organisationsrealitäten anpasst.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die existierende Konzepte der Innovationsforschung (nach Witte, Hauschildt, Gemünden u.a.) systematisiert und kritisch synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Widerstände, die detaillierte Vorstellung der einzelnen Promotorenrollen, die Analyse von Promotorenstrukturen sowie eine kritische Reflektion der Schwachstellen und Wandlungstendenzen des Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Promotorenmodell, Innovationsmanagement, Machtquellen, Widerstand, Arbeitsteilung und Organisationswandel.
Wie unterscheidet sich der Machtpromotor vom Fachpromotor in der Praxis?
Während der Fachpromotor das technologische Know-how und die Innovationsideen einbringt, liefert der Machtpromotor die notwendige hierarchische Unterstützung, um Ressourcen zuzuweisen und Widerstände im Unternehmen zu überwinden.
Warum wird im Modell zwischen Gespann- und Troika-Strukturen unterschieden?
Diese Unterscheidung beschreibt die Zusammenarbeit: Während ein Gespann meist zwei Kompetenzen bündelt, integriert die Troika zusätzlich den Prozesspromotor, was den Erfolg in komplexen Projekten durch eine bessere Koordination erhöhen soll.
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- Piotr Czemerys (Author), 2010, Das Promotorenmodell - Ansatz, Probleme und aktuelle Weiterentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156951