Den Hauptteil des Berichtes bildet die Analyse des Interaktionsprotokolls eines Unterrichtsgespräches in der Einstiegsphase einer problemorientierten Ethikunterrichtsstunde in einer achten Klasse. Der Fokus liegt dabei auf der Gesprächsführung der Lehrperson, genauer auf der Lenkung und Gewichtung in der Kommentierung von Schüler*innenbeiträgen, auf der Art der Formulierung von Unterrichtsfragen und dem Kommunizieren der Problemfrage. Dabei wird das Vorgehen der Lehrperson während des Unterrichts mit dem geplanten Unterrichtsverlauf abgeglichen, um die Intention hinter den Fragen mit dem tatsächlichen Geschehen zu vergleichen. Aus der Analyse werden insbesondere darüber Aussagen abgeleitet, wie wichtig Klarheit bei der Verwendung von Begriffen für die Hinführung zu einem Problem ist. Weiter wird die Bedingung der Irritation, die bei den Schüler*innen vor der Bewusstwerdung eines Problems auftritt, als Garant für eine gelungene Eröffnung des Problems herausgestellt. Aus der Unterrichtsbeobachtung und der eigenen Unterrichtspraxis haben sich bezüglich der Gesprächführung und der Problemorientierung im Unterricht haben sich Fragen und Anliegen zur weiteren Vertiefung ergeben. Diese werden im Schlussteil zusammen mit entsprechenden Literaturvorschlägen angeführt.
Inhaltsverzeichnis des Praktikumsberichts
1. Einleitung
2. Hauptteil: Reflexion des Praktikums
2.a) Reflexion der schulischen Rahmenbedingungen der Schule
2.b) Zusammenfassende Darstellung von Unterrichtsbeobachtungen
2.c) Reflexion eines fachdidaktisch relevanten Schwerpunktthemas
3. Schlussteil: Ableitung von konkretisierten Entwicklungszielen
4. Literaturangaben
5. Anhänge
5.a) Transkript des Protokolls
5.b) Geplanter Unterrichtsablauf
Zielsetzung & Forschungsansatz
Die vorliegende Arbeit reflektiert ein fünfwöchiges Schulpraktikum an einer deutschen Auslandsschule in Brasilien. Ziel ist es, die spezifischen Rahmenbedingungen im Auslandskontext zu beleuchten und eine detaillierte Analyse der Gesprächsführung während der Einstiegsphase einer Ethikunterrichtsstunde durchzuführen, um die didaktische Qualität der Problemorientierung zu evaluieren.
- Reflexion der pädagogischen Rahmenbedingungen einer deutschen Auslandsschule.
- Analyse der Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülerschaft.
- Untersuchung der didaktischen Umsetzung von Problemorientierung im Ethikunterricht.
- Reflexion über die Rolle der Lehrperson als Moderatorin von Lernprozessen.
- Ableitung von Entwicklungszielen für die eigene zukünftige Unterrichtspraxis.
Auszug aus dem Buch
Reflexion: Eine Problemeröffnung braucht Klarheit und Irritation
Den größten Wert sollte man auf die Formulierung der Problemstellung legen. Die Phase der Problemstellung ist zwar die kürzeste, aber die für den Verlauf eines gelungenen Lernprozesses wichtigste. «Entscheidend ist es, eine qualifizierte Frage zu finden, die die Schüler dazu bringt, ein Bewusstsein für das […] Problem zu entwickeln und mögliche Lösungen zu antizipieren» (Sistermann, 2008, S. 302)
Zusammenfassend, ist ein offen gehaltener Unterrichtseinstieg zu beobachten. Die Schüler*innenbeitrage werden selten gewichtend kommentiert, meist werden sie in annehmender, neutraler Haltung direkt hintereinander gesammelt. Es werden insgesamt drei Unterrichtsfragen/-Aufträge gestellt, die einen lenkenden Charakter im Unterrichtsgespräch haben. Am Ende der Analysesequenz wird die Problemfrage genannt. Hin und wieder rückt die Herausforderung der Fremdsprache im deutschen Fachunterricht ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie zeigt auf, dass das komplexe Aufgabenfeld einer Lehrperson in einer deutschen Auslandsschule erweitert ist.
In der Analyse wird ersichtlich, dass ein unklares Vorverständnis der Lehrperson darüber vorherrscht, wie sie die Begriffe verwendet, die den Charakter der nachfolgenden Arbeitsphase beschreiben sollen. Diese Unklarheit findet sich sowohl in der Formulierung der Unterrichtsfragen als auch in der Problemfrage wieder und hat einen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Unterrichtgesprächs. So wird zum einen eine lange Zeit über Details geredet, die für die Hinführung zum philosophischen Problem keine Relevanz haben. Weiter wird durch den letzten Beitrag von L1 das Gespräch so „zurecht geredet“, dass Beiträge der Schüler*innen im Nachhinein als Hypothesen oder hinter dem Bild stehende Fragestellungen erklärt werden, ohne dass von L1 während des Gespräch Versuche gemacht wurden, die Schüler*innen präziser dahin zu führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Rahmen des fünfwöchigen Praktikums an einer deutschen Auslandsschule und legt den analytischen Fokus auf ein fachdidaktisch relevantes Unterrichtsgespräch im Ethikunterricht.
2. Hauptteil: Reflexion des Praktikums: Dieser Teil untersucht die schulischen Rahmenbedingungen der Auslandsschule und stellt die Ergebnisse von Unterrichtsbeobachtungen sowie eine detaillierte Analyse der Gesprächsführung in einer Ethikstunde dar.
3. Schlussteil: Ableitung von konkretisierten Entwicklungszielen: Hier werden aus den gewonnenen Erkenntnissen der Analyse spezifische Entwicklungsziele für das eigene Führen von Unterrichtsgesprächen und das Erarbeiten von Problemfragen formuliert.
4. Literaturangaben: Dieses Verzeichnis listet sämtliche fachdidaktische Quellen und Impulsgeber auf, die für die theoretische Fundierung der Analyse im Rahmen des Praktikums herangezogen wurden.
5. Anhänge: Die Anhänge dokumentieren umfassend das transkribierte Unterrichtsprotokoll sowie den geplanten Verlaufsplan der untersuchten Ethik-Doppelstunde.
Schlüsselwörter
Praktikumsbericht, Ethikunterricht, Auslandsschule, Problemorientierung, Gesprächsführung, Lernprozess, Didaktik, Reflexion, Unterrichtsanalyse, Schulpraktikum, Bildanalyse, Interaktionsanalyse, Wissenserarbeitung, Lehrerrolle, Problemstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert ein fünfwöchiges Schulpraktikum an einer deutschen Auslandsschule in Brasilien und analysiert kritisch die didaktische Qualität eines beobachteten Ethikunterrichts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die schulischen Rahmenbedingungen im Ausland, die Methoden der Problemorientierung im Ethikunterricht sowie die Interaktionsdynamiken zwischen Lehrperson und Schülern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Reflexion der eigenen Lehrerrolle und die Verbesserung der fachdidaktischen Kompetenz, insbesondere im Hinblick auf die Moderation von Unterrichtsgesprächen und die klare Formulierung philosophischer Problemfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitative Unterrichtsanalyse auf Basis eines transkribierten Unterrichtsprotokolls, wobei sie das Geschehen mit fachdidaktischen Modellen wie dem Bonbonmodell abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der schulischen Infrastruktur, eine Reflexion der allgemeinen Unterrichtsbeobachtungen und eine tiefgehende Analyse der Gesprächsführung während einer Einstiegsphase zum Thema „Medien und Gewalt“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Ethikunterricht, Problemorientierung, Gesprächsführung, pädagogische Reflexion und Schulische Materialität aus.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Lehrperson im beobachteten Unterricht?
Sie kritisiert, dass die Lehrperson unklare Begriffe verwendet und Schülerbeiträge nachträglich als „Hypothesen“ umdeutet, anstatt die Lernenden präzise zum eigentlichen Problem zu führen.
Welche Rolle spielt die Fremdsprache im untersuchten Unterricht?
Da Deutsch für viele Schüler die Zweit- oder Fremdsprache ist, stellt die Akustik und das Sprachverständnis eine zusätzliche Herausforderung dar, die den fachlichen Fokus im Unterrichtsgeschehen teilweise überlagert.
- Quote paper
- Sofia Zafiridou (Author), 2020, Ethikunterricht in einer brasilianischen Schule (8. Klasse), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1571472