Zahlreiche Unternehmensskandale im In- und Ausland (z.B. Flowtex, Worldcom etc.) erschütterten zu Beginn des letzten Jahrzehnts die Kapitalmärkte und führten zu einem Rückgang des Vertrauens in den Informationsgehalt der Rechnungslegungsdaten. Ein Vertrauensverlust in die Rechnungslegungsinformationen von Unternehmen führt unmittelbar zu einer Schwächung der Kapitalmärkte und mindert somit die Stabilität, das Wachstum und den Wohlstand der Volkswirtschaften. Neben transparenten Rechnungslegungsstandards dient auch ein harmonisiertes Enforcement, also das Durchsetzen einer einheitlichen Auslegung und Anwendung von Rechnungslegungs-standards durch eine unabhängige Aufsicht, dazu, das Vertrauen der Anleger in die Kapitalmärkte zu stärken.
Diese Arbeit soll aufzeigen, welche Elemente auf europäischer Ebene bereits bestehen, um Rechnungslegungsstandards einheitlich zu interpretieren und durchzusetzen. Ferner wird die Notwendigkeit einer Angleichung des Enforcements in den europäischen Staaten anhand eines Vergleichs intereuropäischer Enforcement-Strukturen diskutiert. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Enforcement von Rechnungslegung in Europa
2.1 Notwendigkeit von Enforcement
2.2 Erfordernis eines europäischen Enforcement-Systems
2.3 Enforcement auf europäischer Ebene
2.3.1 Committee of European Securities Regulators (CESR)
2.3.2 Vorgaben und Gremien des CESR
2.3.2.1 CESR Standard No. 1
2.3.2.2 CESR Standard No. 2
2.3.2.3 European Enforcers Coordination Sessions
2.3.2.4 Effizienz der Vorgaben und Gremien
3 Vergleich nationaler Enforcement-Systeme in Europa
3.1 Organisationsform
3.2 Aufgabenfeld
3.3 Arbeitsmethoden
3.4 Durchsetzungs- und Sanktionskompetenzen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, den aktuellen Stand und die Herausforderungen bei der Harmonisierung des Enforcements der Rechnungslegung in Europa zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob die bisherigen Ansätze zur Durchsetzung einheitlicher Rechnungslegungsstandards ausreichend sind.
- Analyse der Notwendigkeit und der Struktur eines europäischen Enforcement-Systems.
- Untersuchung der Rolle und der Vorgaben des Committee of European Securities Regulators (CESR).
- Vergleichende Analyse der nationalen Enforcement-Systeme in Deutschland und Großbritannien.
- Evaluation der Effektivität von CESR-Standards und Gremien wie den European Enforcers Coordination Sessions (EECS).
- Diskussion über die Auswirkungen dezentraler Organisationsformen auf die Harmonisierung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Notwendigkeit von Enforcement
Im Juli 2002 wurde die einheitliche Anwendung von International Accounting Standards / International Financial Reporting Standards (IAS/IFRS) für Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen mit Sitz in der Europäischen Union (EU) ab dem Jahre 2005 durch die sogenannte IAS-Verordnung vorgeschrieben. Primäres Ziel war es, mit den IAS/IFRS ein einheitliches Rechnungslegungsregelwerk innerhalb der Europäischen Union zu etablieren und somit die Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu verbessern. Um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten, ist es jedoch unabdingbar, dass die Rechnungslegungsstandards klar definiert sind, einheitlich ausgelegt und zeitnah umgesetzt werden. Darüber hinaus sind gesetzliche Prüfungen der Abschlüsse, Berichte und Prospekte sowie Aufsichtsinstanzen mit wirksamen Sanktionsmöglichkeiten unabdingbar.
Einem so ausgestalteten Enforcement wird eine Präventiv- und Korrektivwirkung zugeschrieben. Präventiv soll es gewährleisten, dass schon bei der Anwendung von IAS/IFRS materielle Fehler oder Unterlassungen vermieden werden. Korrektiv wirkt es, indem eine nicht konforme Rechnungslegung aufgedeckt, berichtigt und ggf. sanktioniert werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert den Kontext der Arbeit, insbesondere die Bedeutung von Unternehmensskandalen für das Vertrauen in Kapitalmärkte und die daraus resultierende Notwendigkeit eines harmonisierten Enforcements.
2 Das Enforcement von Rechnungslegung in Europa: Dieses Kapitel behandelt die Notwendigkeit einer einheitlichen Enforcement-Struktur in der EU sowie die Rolle des CESR bei der Erarbeitung und Koordinierung entsprechender Standards.
3 Vergleich nationaler Enforcement-Systeme in Europa: Dieser Abschnitt bietet eine vergleichende Analyse der Systeme in Deutschland und Großbritannien hinsichtlich ihrer Organisation, Aufgabenfelder, Methoden und Sanktionsbefugnisse.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine echte Harmonisierung aufgrund dezentraler Strukturen und unverbindlicher Standards bisher kaum erreicht wurde und wirft einen Blick auf künftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Enforcement, Rechnungslegung, IAS/IFRS, Harmonisierung, CESR, Kapitalmarkt, Europäische Union, DPR, FRRP, Abschlussprüfung, Sanktionen, Standardsetzung, Finanzmarktstabilität, Corporate Governance, Bilanzrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Mechanismen zur Durchsetzung (Enforcement) von Rechnungslegungsstandards in Europa und analysiert, warum trotz einheitlicher Standards eine echte Harmonisierung bisher nicht erreicht wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Rolle des CESR, die Umsetzung von CESR-Standards in den Mitgliedsstaaten, die Methoden des Enforcements sowie ein direkter Vergleich zwischen den Systemen in Deutschland und Großbritannien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Publikation?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, welche Elemente auf europäischer Ebene bereits existieren, um Rechnungslegungsstandards zu interpretieren, und die Notwendigkeit einer Angleichung der Enforcement-Strukturen kritisch zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit regulatorischen Vorgaben und führt einen länderspezifischen Vergleich (Deutschland vs. Großbritannien) durch, gestützt auf die Analysen führender Experten und Institutionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des europäischen Rahmens durch das CESR und die detaillierte Gegenüberstellung der nationalen Enforcement-Systeme hinsichtlich Organisation, Aufgaben, Methoden und Befugnissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Enforcement, Rechnungslegung, IAS/IFRS, Harmonisierung, Kapitalmarkt, CESR, Abschlussprüfung und Bilanzrecht.
Wie bewertet der Autor die Rolle des CESR bei der Harmonisierung?
Der Autor stellt fest, dass die Arbeit des CESR zwar notwendig ist, aber aufgrund der fehlenden Rechtspersönlichkeit und der Unverbindlichkeit der Standards nur begrenzt effektiv agieren kann.
Was unterscheidet das deutsche vom britischen Enforcement-System laut der Untersuchung?
Das deutsche System ist zweistufig aufgebaut (DPR und BaFin), während Großbritannien auf ein privatwirtschaftliches Financial Reporting Review Panel (FRRP) unter dem Dach des FRC setzt.
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- Christoph Gand (Author), 2010, Konvergenz des Enforcement der Rechnungslegung in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157187