Eva Lohmanns Roman "Das leise Platzen unserer Träume" von 2023, verlegt vom Eisele Verlag, lässt sich als Gegenwartsliteratur, beziehungsweise als literarische Neuerscheinung bezeichnen. Jene Neuerscheinungen haben eine Eigenschaft, die z. B. die Werke Heines, Goethes, Ebner-Eschenbachs oder Droste-Hülshoffs nicht aufweisen, nämlich dass sie bisher noch nicht literaturwissenschaftlich analysiert wurden. Hingegen stürzen sich Kritiker und Kritikerinnen nach einer Veröffentlichung sofort auf das neu erschienene Werk, um jenes zu rezensieren, zu loben oder völlig zu zerreißen. Es gibt somit ein Konvolut an kritischen, aber kaum bis gar keine wissenschaftlichen Texte im Hinblick auf Erstveröffentlichungen. Zudem gibt es noch die hierarchisierenden Mechanismen, die Literatur in Höhenkamm- und Trivialliteratur auf- oder abwerten; manche Wissenschaftler*innen beschäftigen sich mit Letzterer von vornherein schon gar nicht. Ziel meiner Ausarbeitung ist es, wie bereits dem Titel zu entnehmen ist, literaturwissenschaftliche und literaturkritische Perspektiven auf Lohmanns Werk zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Narratologie in Lohmanns Roman: die Erzähltheorie nach Martinez/Scheffel
2.1. Das ‹Was›: die Handlung
2.2. Das ‹Wie›: die Darstellung
3. Die Leser*innenerfahrungen: eine rezeptionsästhetische Analyse von Metatextualität
3.1. Die zu untersuchenden Rezensionen: eine Kurzvorstellung
3.2. Die Handlung: aufgegriffene Stoffe, Motive, Themen
4. Die Untersuchung zweier eigens verfassten Rezensionen: Verriss und Lob
4.1. Der Verriss – und dessen Kurzanalyse
4.2. Das Lob – und dessen Kurzanalyse
5. Der Klappentext: eine Bewertung und ein Vorschlag zum Peritext
5.1. Die Analyse und Bewertung
5.2. Der Vorschlag
6. Die finale Jurybegründung: Lohmanns Werkästhetik
6.1. Die Begründung
6.2. Verschiedene Werttheorien
7. Eine Textsortenreflexion
8. Conclusio und literaturwissenschaftliche Perspektiven
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Eva Lohmanns Roman Das leise Platzen unserer Träume (2023) durch eine narratologische und rezeptionsästhetische Linse, um das Werk literaturwissenschaftlich und literaturkritisch einzuordnen. Dabei steht die Analyse von Erzählstruktur, Metatextualität sowie die Bewertung des Romans innerhalb des zeitgenössischen literarischen Kanons und die kritische Auseinandersetzung anhand eigens verfasster Rezensionen im Zentrum.
- Narratologische Untersuchung nach Martinez/Scheffel
- Rezeptionsästhetische Analyse von Metatextualität anhand von Rezensionen
- Kritische Werk- und Klappentextanalyse
- Erörterung von Werttheorien und literarischer Qualität
- Textsortenbestimmung des Romans als "Schicksalsroman" oder "Ehebruchsroman"
Auszug aus dem Buch
2. Die Narratologie in Lohmanns Roman: die Erzähltheorie nach Martinez/Scheffel
Die narratologische Analyse fokussiert den Romananfang, weitet sich jedoch teils auf den gesamten Roman aus, da gewisse Eigenheiten – wie z. B. ana- und proleptisches Erzählen sowie der Einbau von Ellipsen – nicht auf den ersten Seiten zu finden sind, aber trotzdem maßgeblich zur Werkkomposition beitragen. Zuerst wird die Handlung, nach Martinez/Scheffel das ‹Was›, unter den wichtigsten Aspekten betrachtet; darauf folgt die ausführliche Untersuchung der Darstellung, also ‹wie› erzählt wird – und welche Wirkung das ‹Wie› für den Leser/die Leserin hat.
Als erstes soll sich narratologisch mit der Handlung beschäftigt werden, Martinez/Scheffel definieren die Fiktion bzw. eine fiktive Geschichte oder Erzählung wie folgt: Der Dichter erzählt von etwas, das nicht ist (aber sein oder nicht sein sollte); sein Geschäft ist das Erfinden, nicht aber das Lügen oder Täuschen. Mit modernen Worten: Die Werke der Dichter sind fiktional in dem Sinne, daß sie grundsätzliche keinen Anspruch auf unmittelbare Referenzialisierbarkeit, d. h. Verwurzelung im empirisch-wirklichen Geschehen erheben; [...] Fiktional steht im Gegensatz zu ‹faktual› oder ‹authentisch› und bezeichnet den pragmatischen Status einer Rede. Fiktiv steht im Gegensatz zu ‹real› und bezeichnet den ontologischen Status des in dieser Rede Ausgesagten.
Zu Lohmanns Roman gibt es keine reale Bezugsgegebenheit, keine historische, dem alltäglichen Weltwissen zurechenbare, weshalb es sich nicht um einen realen, sondern um einen fiktionalen Text, der eine fiktionale Handlung – mit fiktiven Charakteren, Orten usw. – und keine faktische thematisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den literaturwissenschaftlichen Rahmen fest und präzisiert die Ziele der Analyse von Lohmanns Roman unter narratologischen und kritischen Gesichtspunkten.
2. Die Narratologie in Lohmanns Roman: die Erzähltheorie nach Martinez/Scheffel: Dieses Kapitel untersucht die Handlung (das Was) und die Darstellung (das Wie) gemäß der Erzähltheorie von Martinez/Scheffel und legt so die narratologische Basis der Arbeit.
3. Die Leser*innenerfahrungen: eine rezeptionsästhetische Analyse von Metatextualität: Hier wird die Rezeption des Romans anhand zweier ausgewählter Kritiken von einer Journalistin und einer Bloggerin analysiert, um metatextuelle Aspekte herauszuarbeiten.
4. Die Untersuchung zweier eigens verfassten Rezensionen: Verriss und Lob: In diesem Teil stellt die Autorin ihre eigenen Rezensionen vor, um eine kritisch-analytische Auseinandersetzung mit dem Werk unter verschiedenen Vorzeichen zu demonstrieren.
5. Der Klappentext: eine Bewertung und ein Vorschlag zum Peritext: Das Kapitel analysiert den bestehenden Klappentext peritextuell und entwickelt einen eigenen Vorschlag, der die narratologische Gestaltung des Romans präziser erfasst.
6. Die finale Jurybegründung: Lohmanns Werkästhetik: Es folgt eine Auseinandersetzung mit der ästhetischen Wertung des Romans anhand verschiedener Literaturtheorien und Wertmaßstäbe.
7. Eine Textsortenreflexion: Dieses Kapitel dient der Einordnung des Romans in eine spezifische Textsorte, wobei ein Fokus auf Merkmalen des Ehebruchs- und Schicksalsromans liegt.
8. Conclusio und literaturwissenschaftliche Perspektiven: Die abschließende Zusammenfassung reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse und weist auf weitere potenzielle Forschungsansätze hin.
Schlüsselwörter
Eva Lohmann, Das leise Platzen unserer Träume, Erzähltheorie, Narratologie, Martinez/Scheffel, Ehebruchsroman, Rezeptionsästhetik, Literaturkritik, Werkästhetik, Metatextualität, Gender-Rollen, Schicksalsroman, zeitgenössische Literatur, Textsortenreflexion, Intertextualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit bietet eine umfassende literaturwissenschaftliche Analyse des Romans Das leise Platzen unserer Träume von Eva Lohmann, wobei der Fokus auf narratologischen Strukturen und einer rezeptionsästhetischen Einordnung liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die Analyse der Erzählperspektiven, die Auseinandersetzung mit Literaturkritik und Rezensionen, die Gattungsbestimmung sowie die Bewertung von Wertmaßstäben in der Literatur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis einer fundierten narratologischen Analyse eine kritische Einordnung des Werkes vorzunehmen und dabei die Wechselwirkung zwischen Erzählweise und Rezeptionserfahrung zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert die Erzähltheorie nach Martinez/Scheffel mit einer rezeptionsästhetischen Analyse und wendet diese auf den Roman und verschiedene kritische Rezensionen an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine narratologische Untersuchung der Handlung, eine Metaanalyse vorhandener Rezensionen, die Erstellung eigener Rezensionen (Verriss/Lob), eine Peritext-Analyse des Klappentextes sowie eine Werkästhetik- und Textsortenreflexion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind hier u.a. Narratologie, Ehebruchsroman, Metatextualität, Rezeptionsästhetik und Literaturbewertung.
Welche Rolle spielt die "Triangulierung" in der Analyse des Romans?
Die Arbeit thematisiert die erzählerische Konstruktion von Triangulierung, bei der zwei Protagonistinnen durch die Beziehung zu demselben Mann verbunden werden, was methodisch als fiktive Text-Auflösung beschrieben wird.
Warum wird Lohmanns Roman als "Ehebruchsroman" klassifiziert?
Die Einordnung erfolgt über die Analyse von Leitmotive wie Verrat, Sehnsucht nach Abwechslung und die Intertextualität zu klassischen Ehebruchsromanen, wobei Lohmann das Genre durch moderne mediale Träger aktualisiert.
- Arbeit zitieren
- Travis Puhl (Autor:in), 2024, Eva Lohmanns Roman "Das leise Platzen unserer Träume" (2023). Literaturwissenschaftliche- und kritische Perspektiven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1571898