Evaluation - Was ist das?


Skript, 2001

29 Seiten


Leseprobe

Evaluation – Was ist das?

Bei Evaluation handelt es sich schlicht um >> Bewertung << ohne zu beachten wer bewertet und wer bewertet wird.

Für uns am bekanntesten ist die Bewertung der Schüler durch die Lehrer: die Noten.

Gegenteilig dazu gibt es aber auch die „Bewertung“ der Lehrer durch die Schüler, in Form von Feedback. Dabei handelt es sich um die Rückmeldung der Schüler, wie sie den Unterricht finden. Momentan ist es so, dass Schüler bei gutem und interessanten Unterricht das dem Lehrer mitteilen, indem sie engagiert mitarbeiten und sich oft melden. Bei weniger ansprechendem Unterricht wird viel geschwätzt, es beteiligen sich nur wenige am Unterrichtsgeschehen und es passt fast keiner auf.

Weiterhin gibt es aber auch noch die Bewertung von Schulen: Beim so genannten Schulranking werden alle Schulen eines Bundeslandes nach bestimmten Kriterien (wie viele SchülerInnen erreichen das Klassenziel, wie gut schneiden die Abiturienten ab, ... ) bewertet und es wird eine Landes weite „Rangliste“ herausgegeben (so passiert z.B. in Sachsen).

Evaluation der SchülerInnen durch LehrerInnen

Bei der Diskussion um die Evaluation der Schüler durch die Lehrer wurden gute Gedanken erarbeitet, wobei es bei den meisten fraglich ist, ob sie eine akzeptable Alternative zu den Noten sind.

Die Noten ganz abzuschaffen und durch Worturteile für jede/jeden SchülerIn zu ersetzen gehört, genauso wie die Idee die Bewertung völlig wegfallen zu lassen, dazu. Obwohl man sicher sein kann das die herkömmlichen Noten äußerst subjektiv, sowie nicht immer sehr gerecht sind, da jede/jeder SchülerIn einmal einen schlechten Tag hat, sind wir auf das Ergebnis gekommen, dass die genannten Ideen teilweise umfangreiche Veränderungen nicht nur auf schulpolitischer Ebene, sondern auch in der Wirtschaft, in der Gesellschaft und insbesondere für die SchülerInnen zur Folge haben.

Bei der Ersetzung der Noten durch „Wortgutachten“ sollte es nicht möglich sein eine „schlechtes Urteil“ zu bekommen, wenn eine/ein SchülerIn einmal nicht gut drauf ist oder nur einen schlechten Tag hat, was natürlich nicht dazu führen soll, dass die SchülerInnen an bestimmten Tagen nicht lernen. Wohingegen es für Schüler sicher nicht leicht ist ihre eigene Leistung richtig einzuschätzen. Für die Lehrer auf der anderen Seite würde das einen ungeheuren Mehraufwand bedeuten:

Sie müssten nun nicht mehr einfach eine Durchschnittsnote aus allen Teilnoten errechnen, sondern mit jeder/jedem einzelnen SchülerIn beschäftigen und für jede/jeden eine individuelle Beurteilung in Worte fassen. Diese dann in einer „Notenkonferenz“ zu diskutieren und gegebenenfalls zu verändern ist vom zeitlichen her nicht tragbar.

Weiterhin darf man dann nicht von der Gefahr absehen, dass nach einiger Zeit für jede Note ein entsprechender Wortlaut aufkommt. Somit hätte man nichts erreicht und das Problem wäre nicht behoben.

Problematik in der Wirtschaft

In der Wirtschaft würde das drastische Veränderungen im Bereich der Einstellung von Arbeitnehmern mit sich führen.

Als erstes würde die Umstrukturierung Mengen an Geldern verschlingen, da neue Mitarbeiter in den Personalabteilungen benötigt werden um die größere Arbeit, die durch diese Bewertungsart hervorgerufen wird zu bewältigen.

Bei einer Bewerbung genügt nun nicht mehr ein einfacher Blick in das mitgeschickte Zeugnis um herauszufinden, ob ein Bewerber geeignet ist, bzw. ob seine Qualifikationen ausreichen, sondern es müsste jetzt jedes einzelne Wortgutachten durchgelesen werden. Aus diesem Sachverhalt kann man leicht ersehen, dass es wesentlich länger dauert – und somit mehr Arbeit ist - bis man die richtige Person für eine bestimmte Arbeitsstelle findet, da sich die Personalabteilung der betroffenen Firmen mit mehr Bewerbungen viel ausführlicher beschäftigen müsste.

Außerdem sind Worturteile nicht so deutlich wie Noten, was zur Folge hat, dass diese schriftlichen Beurteilungen der Leistung nicht richtig interpretiert werden, oder, vielmehr, falsch verstanden werden. Dass jemand für geeignet gehalten wird, dem aber nach genauerem Hinsehen eine Absage erteilt werden muss, oder genau das Gegenteil, dass jemandem nach dem ersten Durchschauen der Bewerbung schon eine Absage erteilt wird, obwohl sie/er möglicherweise die/der richtige gewesen wäre, wird dann sicher keine Seltenheit mehr sein.

Nötige Veränderungen in der Gesellschaft

Die heutige Gesellschaft müsste sich daraufhin ebenfalls ändern. Angefangen bei der Erziehung, bei der man ab sofort darauf achten müsste, dass die Kinder nicht zu den Noten hin erzogen werden und ihnen einfach sagt, das ist gut, das ist schlecht (vergleichbar: Note 1 ist sehr gut, Note 6 ist ungenügend), sondern ihnen, es soweit es geht, zu erklären, was sie falsch oder richtig gemacht haben, und ihnen somit eine Art „Wortgutachten“ zu geben.

Dazu sollte der Satz „du musst lernen um eine bessere Note zu bekommen“ überarbeitet werden: Man kann nun nicht einfach auf etwas lernen, dann eine Arbeit schreiben und eine Note bekommen und alles wieder vergessen, sondern müsste nun wirklich konsequent lernen, da es ja die Noten nicht mehr gibt.

Vielmehr muss man aber auch beachten, dass den SchülerInnen durch die Noten ein gewisses Ziel gegeben ist, was sie erreichen können. Es nun einfach wegfallen zu lassen, wäre womöglich fatal, da viele SchülerInnen die Beurteilungen nicht anerkennen und es für sie keinen Sinn mehr hat zu lernen, weil sie kein vorgegebenes Ziel mehr erreichen können.

Somit hat dieser Vorschlag nur wenig Chancen, eine angemessene Alternative zu dem jetzigen Bewertungssystem darzustellen.

Die „erweiterte Notengebung“

Ein anderer Ansatz war, die Noten an sich beizubehalten, aber sie durch ein, zwei Worte zu ergänzen, die das Lernverhalten der einzelnen SchülerInnen zusammenfasst. Beispielsweise könnte dann eine Lateinnote „mangelhaft, großer Lerneinsatz und wesentlich bessere mündliche Leistungen“ oder „mangelhaft, sehr faul“ lauten – drastisch ausgedrückt. Dadurch würde man die Subjektivität der Noten stark einschränken, da sie jetzt nicht mehr nur etwas über die Leistung einer Schülerin/eines Schülers aussagen, sonder auch einiges, wie er diese erreicht hat: ob sie/er sich angestrengt hat und einfach keine bessere Note erreichen konnte, oder ob sie ihre/er seine Note durch schlichte Faulheit bekommen hat.

Dies würde neben der sowieso schon im Zeugnis stehenden Bemerkung den Eltern und einem möglichen Arbeitgeber einen weiteren Einblick in das Arbeitsverhalten der betreffenden SchülerInnen verschaffen. Natürlich ist auch die „erweiterte Notengebung“ mit einem gewissen Mehraufwand für die Leherschaften der einzelnen Schulen verbunden, aber hätte gegenüber dem Vorschlag die Noten ganz abzuschaffen in den heutigen Schulen durchaus eine Chance zu bestehen.

Auch für die Wirtschaft hätte ein Beurteilungssystem nach diesen Vorbild Vorteile, da dieses System die Möglichkeiten erweitert die SchülerInnen bzw. BewerberInnen und ihre Leistungen zu beurteilen bzw. einzuschätzen: Man könnte schon von vornherein BewerberInnen, bei denen man erst bei einem Vorstellungsgespräch erkennen würde, dass es trotz ganz gute Noten aber ein leichtes für sie gewesen wäre eine sehr gute Note zu erreichen nur mit ein wenig mehr Ehrgeiz und Lernen.

Man darf aber auch hier nicht außer Acht lassen, dass sich die Wirtschaft erst darauf einstellen müsste, was mit einem gewissen Aufwand verbunden ist – finanziell, wie personell.

Was die Gesellschaft betrifft, bei ihr müsst sich nicht sehr viel ändern, außer dass sie diese „Kommentare“ akzeptieren und nicht verurteilen, weil ja die Noten an sich bleiben, diese aber nur durch eine kleine Erläuterung erweitert werden.

Zu diesem System ist nur zu sagen, dass sich dabei um eine möglicherweise tragbare Erweiterung zu der Bewertung durch Noten ist.

Evaluation der LehrerInnen durch SchülerInnen

Einer der wichtigsten Punkte bei der Diskussion war die Evaluation der Lehrer durch die SchülerInnen. Von vornherein muss gesagt werden, dass es sich dabei nicht um etwas vergleichbares zu den Noten handelt, sondern nur Verfahren behandelt worden sind, die es ermöglichen den LehrerInnen ein Feedback, also eine Art Rückmeldung, zu geben, wie man den Unterricht, die Unterrichtsmethoden und die Atmosphäre während des Unterrichts findet.

Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten dies durchzuführen:

Der Evaluationsbogen

Eine davon wäre den SchülerInnen einen Evaluationsbogen, einen Fragebogen mit bestimmten Fragen zum Unterrichtsgeschehen und ähnlichem, vorlegt und diesen für eine bestimmte Lehrerin/einen bestimmten Lehrer ausfüllen lässt und danach auswertet und dem betreffenden Lehrer dann mitteilt.

Die Auswertung kann dabei unterschiedlich ablaufen: eine Möglichkeit ist, dass die Evaluationsbögen eingesammelt werden und der Lehrerin/dem Lehrer gegeben werden, die bzw. der in diesen „bewertet“ worden ist.

Da bei dieser Methode die Schüler wahrscheinlich nicht uneingeschränkt bzw. frei ihre Antworten geben können, weil sie genau wissen, dass der Lehrer diese Bögen ließt und möglicherweise erkennt wer was angekreuzt hat, hat sich ein System gebildet, bei dem maximal zwei Personen auf der ganzen Schule das Ergebnis dieser „Umfrage“ wissen. Der Bewertete Lehrer und der Vertrauenslehrer bzw. ein anderer ausgewählter Lehrer:

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Evaluation - Was ist das?
Autor
Jahr
2001
Seiten
29
Katalognummer
V1572
ISBN (eBook)
9783638109710
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Was gibt es für Arten von Evaluation (Bewertung:Noten und Schüler bewerten Lehrer), Was ist sinnvoll und was ist einfach schwachsinn? Alles, was am bayerischen SchülerInnen Symposium darüber behandelt wurde, zusammengefasst mit einigen Anregungen.
Schlagworte
Evaluation
Arbeit zitieren
Markus Rössel (Autor), 2001, Evaluation - Was ist das?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1572

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