Soziale und Psychische Folgen von Dyskalkulie


Seminararbeit, 2010

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dyskalkulie

3. Mögliche soziale und psychische Folgen
3.1 Teufelskreis Lernstörungen
3.1.1 Pädagogischer Teufelskreis
3.1.2 Sozialer Teufelskreis
3.1.3 Innerpsychischer Teufelskreis
3.1.4 Verfestigte negative Lernstruktur

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dyskalkulie ist der wissenschaftliche Begriff für Rechenschwäche. Viele Schüler[1] haben während ihrer Schullaufbahn Probleme im Mathematikunterricht, doch ob es sich dabei um eine Dyskalkulie handelt, muss durch eine gezielte Diagnostik festgestellt werden. Häufig wird die Dyskalkulie aus Unkenntnis oder absichtlichen Hinwegsehen nicht oder erst spät erkannt. Dies kann schwerwiegende Konsequenzen für das betroffene Kind haben. Da vor allem in den ersten Jahrgangsstufen der Grundschule mit einem relativ hohen Prozentsatz von rechenschwachen Kindern zu rechnen ist (4-6% der Grundschüler[2] ), möchte ich in meiner Hausarbeit für das Thema sensibilisieren und die immense Wichtigkeit der Aufmerksamkeit und des Erkennens einer Rechenschwäche unterstreichen. Im Folgenden werde ich zunächst die als Grundlage verwendete Definition von Dyskalkulie vorstellen und kurz das Erscheinungsbild einer Rechenschwäche skizzieren. Im Hauptteil der Hausarbeit liegt der Fokus auf den möglichen sozialen und psychischen Folgen, die eine unerkannte bzw. nicht behandelte Dyskalkulie für das Kind haben kann. Hier werde ich den Teufelskreis darstellen, den es von vornherein zu verhindern gilt.

2. Dyskalkulie

Es existieren viele verschiedene Definitionen von Dyskalkulie, je nach dem unter welchen Gesichtspunkten die Rechenschwäche in wissenschaftlichen Diskussionen betrachtet wird. Als Grundlage für meine folgenden Ausführungen verwende ich die Definition der Weltgesundheitsorganisation. Diese wurde in der ‚Internationale Klassifikationen Psychischer Störungen’ (ICD-10) im Abschnitt ‚Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten’ unter der Nummer F 81.2 veröffentlicht:

"Rechenstörung ist eine Beeinträchtigung der Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft die grundlegenden Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division."[3]

Das Ausmaß und die Anzeichen einer Rechenschwäche sind immer individuell. Allen rechenschwachen Kindern ist allerdings gemein, dass sie Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens haben, da sie grundlegende mathematische Zusammenhänge nicht erkennen bzw. sich fehlerhafte Vorstellungen von basalen mathematischen Kenntnissen angeeignet haben. Sie haben häufig ein falsches Verständnis von Zahlen und Zahlbeziehungen, Schwierigkeiten beim Mengen- und Relationsverhältnis und rechnen oft zählend. Für das betroffene Kind ist Mathematik ein Fach ohne jeglichen Sinnzusammenhang, ein reines Umgehen mit Zahlen mit eigenen Regeln. Mathematik dient nur dem Selbstzweck und besitzt für das Kind keinen sichtbaren Bezug zur realen Welt. Um diesem System von Regeln gerecht zu werden, rechnen die Kinder oft mit subjektiven Algorithmen. Sie legen sich eigene Rechenstrategien zurecht, die sie trotz immer wieder falschen Ergebnissen anwenden. Jedes rechenschwache Kind weist dabei ein individuelles Fehlerprofil auf, aber einige gängige Fehlertypologien sind bei jedem Kind in unterschiedlich starker Ausprägung vorhanden.[4]

3. Mögliche soziale und psychische Folgen

Genau wie die Ausprägung und Erscheinung sowie die Ursachen einer Rechenschwäche sind die Folgen für das betroffene Kind unterschiedlich, da sie sowohl von seiner individuellen Persönlichkeit als auch von den Reaktionen der Umwelt abhängig sind. Es gibt allerdings Konsequenzen und Teufelskreise, mit denen der Großteil der rechenschwachen Kinder konfrontiert wird. Diese sozialen und psychischen Folgen unterschiedlichster Art betreffen verschiedene Aspekte des Lebens. Da Mathematik in der Schule ein Hauptfach ist, haben die durch die Rechenschwäche bedingten schlechteren Leistungen in diesem Fach einen unmittelbaren Einfluss auf die gesamte Schullaufbahn. Außerdem schränken sie die Berufswahl des Betroffenen immens ein. Nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Alltag ist der Mensch in unserer Gesellschaft von mathematischen Zusammenhängen umgeben (z.B. Uhrzeiten, Geld, Maße). Rechenschwache Personen müssen diese Herausforderungen täglich bewältigen und ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben kann dadurch eingeschränkt werden. Zudem führt eine Dyskalkulie häufig zu einer Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung und des Selbstwertgefühls.[5] Viele Schüler werden ähnliche Erfahrungen machen wie der Junge Olaf im folgenden Beispiel:[6]

Lehrerin: „Olaf rechnet nicht, er zählt noch immer, manchmal sogar seine Finger.

Er kann sich nicht konzentrieren, hat am nächsten Tag wieder alles vergessen...“

Eltern: „Wir üben jeden Tag, aber es will nicht in seinen Kopf.“

Olaf: „Ich bin doof, ich kapier das nicht, Schule ist langweilig ...“

Die betroffenen Schüler gelangen so häufig in einen nur noch schwer zu durchbrechenden Teufelskreis.

3.1 Teufelskreis Lernstörungen

Das folgenden Modell eines Gesamtteufelskreises bei Lernstörungen nach Betz/Breuninger betrachtet den Umwelt-, den Schüler- und den Leistungsbereich (Rechenschwäche) sowie die zwischen diesen Bereichen auftretenden, untereinander verzahnten, einzelnen Teufelskreise. Durch das Modell wird deutlich, dass kein linearer Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung existiert[7], sondern Lernstörungen „[...] ein kaum mehr entwirrbares Netz wechselseitiger Wirkungszusammenhänge und sich gegenseitig verstärkender Faktoren [bilden.]“[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Teufelskreis der Rechenschwäche in Anlehnung an Betz/Breuninger[9]

[...]


[1] Aus Gründen der Lesbarkeit wird sich hier und im Folgenden in der Bezeichnung von Schülerinnen und Schülern auf die Verwendung der männlichen Form beschränkt.

[2] Vgl. Deyle/Richter 2005, S.2

[3] Bonhoff/Lehr 2006, S.19

[4] Vgl. Deyle/Richter 2005, S.2,4; Simon 2005, S.151,153

[5] Vgl. Deyle/Richter 2005, S.4-5

[6] Ellrott/Aps-Ellrott 2009, S.413

[7] Vgl. Ebeling 1989, S.14

[8] Naegele 2001, S.96

[9] Ebeling 1989, S.14

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Soziale und Psychische Folgen von Dyskalkulie
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V157258
ISBN (eBook)
9783640702220
ISBN (Buch)
9783640700516
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Psychische, Folgen, Dyskalkulie
Arbeit zitieren
Christina Schlüter (Autor), 2010, Soziale und Psychische Folgen von Dyskalkulie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157258

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Soziale und Psychische Folgen von Dyskalkulie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden