In der folgenden Hausarbeit werde ich Leonardos Zeichnung des Vitruvianischen Menschen im Hinblick seines Verständnisses des idealen Körpers untersuchen. Ich beginne mit einem kurzen Überblick zum Leben Leonardo da Vincis und zur Geschichte der Zeichnung, sowie der damaligen Vorstellung des Körpers in der Renaissance. Dann folgt eine Analyse der Zeichnung. Anschließend kläre ich das Verhältnis von Mikrokosmos und der Zeichnung.
Leonardo da Vinci gehört zu den herausragenden Gestalten der Menschheit und zu den größten Genies der italienischen Renaissance. Er beschäftigte sich nicht nur mit der Malerei und Zeichnerei, sondern auch mit Architektur, Bildhauerei, Wissenschaft, Philosophie und der Anatomie von Menschen und Tieren. Die Synthese von Kunst und Wissenschaft beschäftigte ihn rund 30 Jahre. Durch diese enorme Breite auf wissenschaftlichen und künstlerischen Gebieten wird er auch als Universalgenie bezeichnet. Die Zeichnung des Vitruvianischen Menschen ist wohl die bekannteste Zeichnung der abendländischen Kultur und wird nur noch durch die Popularität der Mona Lisa übertroffen. Dabei werden Leonardo da Vinci gerademal 15 Gemälde zugeschrieben, aber dafür verfasste er zahlreiche wissenschaftliche und anatomische Studien sowie Entwürfe fürs Ingenieurwesen, die in der ganzen Welt verstreut sind. Rund 6500 Manuskriptblätter sind erhalten geblieben.
Es gibt eine Fülle an Forschungsliteratur zu Leonardo da Vinci, der Zeichnung des Vitruvianischen Menschen und die Ideale der Renaissance aufgrund der weltweiten Reichweite und der ungebrochenen Faszination der Werke Leonardos. Mit dem Vitruvianischen Menschen beschäftigte sich Toby Lester in einer Monografie, wo er auch die Vorstellung von dem Idealmenschen behandelt und Frank Fehrenbach schrieb im Jahr 2011 einen Artikel über die Proportionsstudie. Tanja Klemm beschäftigte sich mit der Vorstellung des Körpers im Mittelalter und in der Renaissance. Romana Sammern und Julia Saviello veröffentlichten 2019 ein Sammelband zu dem Thema Schönheit und dem Körper als Kunstprodukt im Laufe der Kunstgeschichte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Überblick
1.1 Der Mensch Leonardo da Vinci
1.2 Die Geschichte der Zeichnung des Vitruvianischen Menschen
2 Leonardos Zeichnung des Vitruvianischen Menschen
3 Illustration des Mikrokosmos
4 Utopie des idealen Körpers
4.1 Konstruktion des vollkommenen Körpers durch Teilung und Erneuerung
4.2 Animation des mathematisch konzipierten Idealkörpers
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Leonardo da Vincis berühmte Zeichnung des Vitruvianischen Menschen im Hinblick auf sein Verständnis des idealen Körpers. Dabei wird analysiert, wie Leonardo anatomische Realität und geometrische Harmonie im Kontext der Renaissance-Vorstellung vom Menschen als Mikrokosmos vereint.
- Analyse der Proportionslehre und Mathematik in Leonardos Zeichnung
- Untersuchung der Analogie zwischen Mensch und Kosmos
- Vergleich mit zeitgenössischen Darstellungen (z.B. Francesco di Giorgio Martini)
- Konzeptualisierung des idealen Körpers im Künstlertum der Renaissance
- Synthese von Kunst, Wissenschaft und Philosophie bei da Vinci
Auszug aus dem Buch
Leonardos Zeichnung des Vitruvianischen Menschen
Die Zeichnung des Vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci ist undatiert. Die Forschung legt die Datierung auf das Jahr 1490 an, da der „Zeichenstil und Fertigkeit, die Art der Handschrift, die Art des Papiers und die Feder“ auf die 1490er-Jahre verweist. Leonardo war in dieser Periode, also seit etwa 1487 intensiv mit Studien der Proportionen der menschlichen Gestalt sowie ein Überblick über die Anthropometrie, die Maßverhältnisse der menschlichen Gestalt, aber auch mit den des Pferdes beschäftigt. Die Proportionsstudie wird als Ergebnis der Gesamtschau der universalen Maße des Menschen angesehen.
Das in der heutigen Zeit erhaltene Blatt mit der Zeichnung des Vitruv-Mannes hat die Maße 34,5 mal 24,5 Zentimeter. Das ursprünglich weiße Papier wurde hauptsächlich mit Feder und Tinte beschrieben und bezeichnet. Es finden sich aber auch Spuren von Blei- bzw. Silberstiften und brauner Tusche. An Kopf, Händen und Füßen des Mannes werden dreidimensionale Schraffuren und Aquarellschattierungen sichtbar. „Eine genauere Untersuchung ergibt, dass [Leonardo da Vinci] zuerst Kreis und Quadrat gezeichnet und dazu mit einem Stechzirkel zwölf Löcher in das Blatt gestochen hat (…).“ Unter dem Quadrat befindet sich eine Scala mit den Einheiten Finger- und Handbreite. In den geometrischen Formen wurde dann der frontal stehende, athletische Mann mittleren Alters mit doppelt wiedergebenden Extremitäten gezeichnet. Der Mann mit den zwei überlagerten Positionen gibt die Möglichkeit die unplastisch wiedergebende Figur in zwei Varianten zu lesen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Person Leonardo da Vincis und die Bedeutung seines Werkes sowie Vorstellung der Forschungsabsicht.
1 Überblick: Darstellung des Lebenslaufs von Leonardo und historischer Abriss zur Entwicklung der Vitruv-Zeichnung.
2 Leonardos Zeichnung des Vitruvianischen Menschen: Detaillierte Analyse der technischen und anatomischen Merkmale der Zeichnung sowie ihrer Entstehung.
3 Illustration des Mikrokosmos: Untersuchung der kosmologischen Dimensionen und der Analogie zwischen menschlischem Körper und dem Universum.
4 Utopie des idealen Körpers: Betrachtung des Konzepts der idealen Form sowie der Verbindung von Anatomie und künstlerischer Konstruktion.
5 Fazit: Zusammenfassende Würdigung der Zeichnung als Schnittpunkt von Renaissance-Idealen, Wissenschaft und Kunst.
Schlüsselwörter
Leonardo da Vinci, Vitruvianischer Mensch, Proportionslehre, Renaissance, Mikrokosmos, Idealer Körper, Anatomie, Geometrie, Kreis und Quadrat, Vitruv, Künstlertum, Anthropometrie, Harmonie, Naturphilosophie, Malerei.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Leonardo da Vincis berühmter Zeichnung des Vitruvianischen Menschen und dessen Bedeutung für das Verständnis des idealen Körpers in der Renaissance.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet Kunstgeschichte mit Naturwissenschaften, insbesondere durch die Bereiche Anatomie, Proportionen, Kosmologie und Architekturtheorie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Leonardo da Vinci mathematische Ideale und anatomische Realität in einer Zeichnung zusammenführt und welche philosophischen Konzepte (wie der Mikrokosmos) dabei eine Rolle spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen (der Zeichnung selbst) und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Zeichnung, deren mathematische Konstruktion (Kreis und Quadrat), den historischen Kontext sowie Leonardos Verständnis des Körpers als Mikrokosmos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Leonardo da Vinci, Vitruvianischer Mensch, ideale Proportionen, Renaissance und Mikrokosmos.
Wie unterscheidet sich Leonardos Zeichnung von früheren Versuchen von Martini?
Während Martini die geometrischen Formen eher träumerisch anlegte und eine geringere anatomische Präzision aufwies, verschob Leonardo die Formen gezielt, um die anatomische Realität des Körpers exakt abzubilden.
Welche Rolle spielt die "Mona Lisa" in dieser Untersuchung?
Sie dient als Vergleichsbeispiel, um Leonardos Visualisierung von Körpern als harmonisches Ganzes und seinen künstlerischen Schönheitskanon zu verdeutlichen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Leonardo da Vincis Vitruvianischer Mensch und die Frage nach seinem Verständnis des idealen Körpers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1572907