„Kaum eine politikwissenschaftliche These hat in den vergangenen Jahren solche
fachinterne und öffentliche Aufmerksamkeit erregt wie die vom „Demokratischen
Frieden“ (…), kaum eine hat derart engagierte Debatten ausgelöst, kaum eine hat
eine vergleichbar große Zahl an empirischen und theoretischen Arbeiten
hervorgebracht.“ „Die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Herrschaftsform
eines Staates und dessen Friedfertigkeit beschäftigt die Politikwissenschaft schon
seit langer Zeit. Die Vorreiter, die sich bereits schon vor mehreren Jahrhunderten mit
diesem Problem auseinander setzten, waren Jean Jaques Rousseau und der Abbe
de St. Pierre. Aber einer der bekanntesten und auch berühmtesten war wohl
Immanuel Kant, der in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ versuchte, den
zwischenstaatlichen Frieden und die Friedfertigkeit von Demokratien zu erforschen
und zu analysieren.“ Gleichzeitig war es unter anderem auch Immanuel Kant, der
auf diese Art und Weise erste Grundlagen für die Theorie des „Demokratischen
Friedens“ erarbeitete. So soll zu Beginn dieser Hausarbeit auch ein kurzer Einblick in
das Werk Immanuel Kants, „Zum ewigen Frieden“, gegeben werden. Ziel soll es sein,
die wichtigsten Aussagen hervorzuheben. Im Anschluss wird der Begriff des
„Demokratischen Friedens“ untersucht. „Das „Theorem des demokratischen
Friedens“ kommt in zwei Varianten vor“, es soll aufgezeigt werden, was dies
bedeutet und anschließend näher erläutert werden. Im Anschluss hieran, nachdem
die Theorie des „Demokratischen Friedens“ dargestellt wurde und auch ihre
geschichtlichen Hintergründe erläutert wurden, soll geklärt werden, was denn die
Gründe für eine „Unfriedlichkeit“ der Demokratien sind, obwohl Demokratien nach
der Theorie des „Demokratischen Friedens“ dies überhaupt nicht sein dürften. Den
Beginn machen werden die drei „klassischen Erklärungsansätze“, der „Normativ-
Kulturelle Erklärungsansatz“, der „Utilitaristische Erklärungsansatz“ und der
„Institutionalistisch- strukturelle Erklärungsansatz“. Anschließend wird das Konzept
Fukuyamas, „der neue Westen als Wertegemeinschaft“ vorgestellt. Im Anschluss
daran kommt es zu einer abschließenden Betrachtung unter Prof. Dr. Ernst Otto
Czempiel. Der Schluss dieser Hausarbeit soll einer kurzen Zusammenfassung der hier gewonnenen Ergebnisse dienen, darüber hinaus soll er aber auch Raum für
einen Ausblick bereit halten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurze Einführung in das Werk „Zum ewigen Frieden“ von Immanuel Kant
3. Definition und Eingrenzung des Begriffes des „Demokratischen Friedens“
4. Gründe, die dazu führen, dass Demokratische Staaten trotz des Befundes des „Demokratischen Friedens“ Kriege führen
4.1 „Normativ - Kulturelle Erklärung“
4.2 „Utilitaristische Erklärung“
4.3 „Institutionalistisch – strukturelle Erklärung“
4.4 Fukuyama und der „neue Westen als Wertegemeinschaft“
4.5 Abschließende Betrachtungen unter Prof. Dr. Ernst Otto Czempiel
5. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der Theorie des "Demokratischen Friedens", welche besagt, dass Demokratien friedfertiger sind und keine Kriege gegeneinander führen, und der empirischen Realität, in der demokratische Staaten dennoch in militärische Konflikte verwickelt sind. Ziel ist es, die theoretischen Gründe für dieses paradoxe Verhalten durch eine Analyse klassischer Erklärungsansätze sowie moderner Konzepte zu identifizieren und kritisch zu hinterfragen.
- Die monadische und dyadische Variante des "Demokratischen Friedens"
- Kritische Analyse normativer, utilitaristischer und institutionalistischer Erklärungsansätze
- Die Rolle des Westens als Wertegemeinschaft nach Fukuyama
- Diskurs um die Definition von Krieg und Frieden
- Einfluss von Allianzen und Herrschaftsstrukturen auf das Kriegsverhalten
Auszug aus dem Buch
4.3 „Institutionalistisch – strukturelle Erklärung“:
„Da sich demokratische politische Akteure in vielfältigen checks and balances bewegen, werden ihre Autonomie und ihre Fähigkeit der Ressourcenmobilisierung stark eingeschränkt.“35 So werden „Demokratische Prozesse“ als sehr „langsame Prozesse“ beschrieben, „da zunächst viele Akteure anzuhören, zu beteiligen und Kompromisse mit ihnen auszuhandeln sind. Während institutionelle Erklärungen Demokratien Schwerfälligkeit und dadurch erzwungene „Besonnenheit“ unterstellen, werden die Herrscher von Autokratien als institutionell weitgehend ungezügelte Akteure modelliert, die sehr rasch von möglichen Veto- Gruppen ungestört militärisch handeln können“36. Aufgrund eben dieser „komplexen Strukturen“ können Demokratien als friedfertig eingestuft werden, handelt es sich um Konflikte mit anderen Demokratien. Wie aber erklärt die „Institutionalistisch – strukturelle Erklärung“, dass Demokratische Staaten trotz des Befundes des „Demokratischen Friedens“ Kriege führen? Eine Erklärung wäre die Tatsache, dass Demokratien, die mit einer Autokratie in ein Konflikt geraten, eine beschleunigte Reaktion hervorbringen müssen, da, wie zu Beginn dieses Punktes erläutert, Autokratien „sehr rasch (…) militärisch handeln können“37 („Treffen Demokratien aber auf Autokratien, müssen jene ihre Reaktion beschleunigen, um den „schnelleren“ Antipoden nicht unterlegen zu sein; es kommt hier eher zum gewaltsamen Konfliktaustausch“38).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die politikwissenschaftliche Debatte um den "Demokratischen Frieden" ein und umreißt die Fragestellung, warum Demokratien trotz theoretischer Friedfertigkeit Kriege führen.
2. Kurze Einführung in das Werk „Zum ewigen Frieden“ von Immanuel Kant: Dieses Kapitel erläutert die historischen Grundlagen von Kants Friedensschrift und seine Überlegungen zur Bedeutung der bürgerlichen Mitbestimmung für die Friedenssicherung.
3. Definition und Eingrenzung des Begriffes des „Demokratischen Friedens“: Hier werden die monadische und die dyadische Variante des "Demokratischen Friedens" sowie die wissenschaftliche Definition von Demokratie und Krieg dargelegt.
4. Gründe, die dazu führen, dass Demokratische Staaten trotz des Befundes des „Demokratischen Friedens“ Kriege führen: Das Hauptkapitel untersucht kritisch, warum demokratische Staaten dennoch Kriege führen, wobei verschiedene theoretische Erklärungsmodelle analysiert werden.
4.1 „Normativ - Kulturelle Erklärung“: Dieses Kapitel erörtert, ob eine gewaltarme politische Kultur und demokratische Normen ausreichen, um das internationale Verhalten von Demokratien friedlich zu gestalten.
4.2 „Utilitaristische Erklärung“: Hier wird analysiert, inwieweit Kosten-Nutzen-Kalkulationen und die Abneigung der Bürger gegen Kriegskosten als Friedensgarant dienen können.
4.3 „Institutionalistisch – strukturelle Erklärung“: Dieses Kapitel beleuchtet, wie "checks and balances" in Demokratien zu institutioneller Trägheit führen, aber bei Konflikten mit Autokratien unter Druck geraten können.
4.4 Fukuyama und der „neue Westen als Wertegemeinschaft“: Es wird untersucht, ob ein gemeinsames westliches Wertefundament als Legitimation für militärische Interventionen außerhalb der demokratischen Staatengemeinschaft dient.
4.5 Abschließende Betrachtungen unter Prof. Dr. Ernst Otto Czempiel: Der Ansatz von Czempiel wird vorgestellt, der bezweifelt, dass die in Kriege verwickelten Staaten tatsächlich als vollständige Demokratien zu klassifizieren sind.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass es keine einzelne Antwort auf die Forschungsfrage gibt, da die Erklärungen stark von der jeweiligen Definition abhängen.
Schlüsselwörter
Demokratischer Frieden, Immanuel Kant, Außenpolitik, Kriege, Institutionen, Normen, Wertegemeinschaft, Ernst Otto Czempiel, Demokratie, Autokratie, Interventionen, Friedensforschung, Politische Theorie, Rechtszustand, Legitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Widerspruch zwischen der Theorie des "Demokratischen Friedens" und der Tatsache, dass demokratische Staaten historisch gesehen dennoch Kriege führen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Kants Werk "Zum ewigen Frieden", die Definition von Demokratien, klassische Erklärungsansätze für das Kriegsverhalten von Staaten sowie die Rolle von Werten in der internationalen Politik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe zu ermitteln, warum Demokratien trotz des theoretischen Befundes, sie seien friedfertiger, in militärische Auseinandersetzungen verwickelt werden.
Welche wissenschaftlichen Erklärungsansätze werden verwendet?
Es werden drei klassische Ansätze herangezogen: die normativ-kulturelle, die utilitaristische und die institutionalistisch-strukturelle Erklärung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die genannten Erklärungsmodelle auf ihre Tauglichkeit geprüft, das Phänomen der kriegführenden Demokratien zu erklären, ergänzt durch Fukuyamas Konzept der Wertegemeinschaft und die Position von Ernst Otto Czempiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Demokratischer Frieden, Kants Friedenskonzept, institutionelle Hemmnisse und die Problematik der Definition von Demokratie und Krieg.
Warum können laut dem Autor die klassischen Ansätze das Verhalten von Demokratien nicht vollständig erklären?
Der Autor zeigt auf, dass diese Theorien Demokratien eher als grundsätzlich friedlich einordnen, was die empirische Realität von Kriegen in dieser Form nicht hinreichend begründen kann.
Welche Bedeutung hat die Unterscheidung von "vollständigen" Demokratien nach Czempiel?
Czempiel argumentiert, dass viele Staaten, die als Demokratien Kriege führen, bei genauerer Betrachtung keine "vollständigen" Demokratien sind, was den Befund des Demokratischen Friedens wieder stützen würde.
- Arbeit zitieren
- Lars Renngardt (Autor:in), 2010, Welche Gründe führen dazu, dass Demokratien Kriege führen, obwohl sie das nach der Theorie des Demokratischen Friedens überhaupt nicht dürften?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157363