Sigmund Freuds "Das Unbehagen in der Kultur" und die Aktualität dieser Abhandlung


Seminararbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Die Triebstruktur des Menschen
II.1. Das 3-Instanzen-Modell
II.2. Trieblehre: Eros und Thanatos

III. Die Entstehung der Kulturfeindlichkeit
III.1. Der Kulturbegriff bei Freud
III.2. Triebunterdrückung

IV. Rezeption von Freuds Kulturkonzept

V. Fazit

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Sigmund Freud (1856 – 1939), der Begründer der Psychoanalyse, veröffentlichte 1930 eine Abhandlung über „Das Unbehagen in der Kultur“. Hierin beschreibt er die Entwicklung der menschlichen Kultur, die seiner Meinung nach mit Triebunterdrückung einhergeht.

Im Folgenden möchte ich anhand des oben genannten Essays[1] versuchen, Freuds Kulturtheorie auf ihre Konsistenz und Aktualität hin zu prüfen. Hierfür werde ich zunächst kurz Freuds Auffassung des Bewusstseins und der menschlichen Triebe umreißen, dann den Weg der Kulturentstehung und Kulturfeindlichkeit laut Freud nachvollziehen und unter Einbeziehung kritischer Aspekte darlegen, inwiefern diese Ansicht noch heute als aktuell gewertet werden kann.

II. Die Triebstruktur des Menschen

Laut Freud bestimmen zwei ursprüngliche Triebe das Denken und Handeln der Menschen. Hierbei handelt es sich einerseits um den Eros und andererseits um den Thanatos.[2] Zum besseren Verständnis der darauf folgenden Ausführungen beschreibe ich nun kurz das 3-Instanzen-Modell der Seele und die Trieblehre nach Freud.

II.1. Das 3-Instanzen-Modell

Beide Triebe stehen in Gegensatz zueinander und entspringen dem Es. Das Es stellt in Freuds Modell den unbewussten Teil der Seele und somit die Quelle der Triebe und der Energie dar.[3] Ziel des Es ist die Herbeiführung lustvoller Erlebnisse sowie die Vermeidung von Schmerz (Unlust); das Lustprinzip ist demnach das Vorherrschende. (Nach Freud besteht der Zweck des menschlichen Lebens darin, Glück (Lust) zu erlangen und Unglück (Unlust) zu vermeiden[4] ;
hierbei liegt zwar der Schwerpunkt auf letzterem, doch diese Auffassung ist im Allgemeinen auch in Jeremy Benthams und John Stuart Mills Theorie des Utilitarismus[5] verankert.) Das Es verlangt die direkte Triebbefriedigung, wird jedoch vom Ich und Über-Ich darin behindert. Dahingegen folgt das Ich dem Realitätsprinzip und fungiert als eine Art Vermittler zwischen dem Es und dem Über-Ich. Es hat sowohl bewusste (Wahrnehmung, Denken, Planen etc.) als auch unbewusste (Abwehr gegenüber Es und Über-Ich) Komponenten und tritt mit der Außenwelt in Kontakt.[6] Aufgabe des Ich ist unter anderem die Herstellung eines Kompromisses zwischen dem Es und dem Über-Ich. Letzteres verkörpert die moralische Instanz der Seele; es beinhaltet die von den Eltern übernommenen beziehungsweise durch die Gesellschaft vorgeschriebenen Wertvorstellungen, fungiert quasi als Gewissen. Es bildet mit den Werten eine Art Ich-Ideal aus, das heißt eine Vorstellung davon, wie man selbst sein will oder soll.[7] Die „Hauptleistung [des Über-Ich ] bleibt aber die Einschränkung der Befriedigungen“[8].

Diese drei Instanzen stehen ständig in Konflikt miteinander; die Konsequenzen, die sich aus diesem Spannungsverhältnis ergeben, äußern sich letztlich in einem aus Triebunterdrückung beziehungsweise Triebsublimierung resultierenden Schuldgefühl, was jedoch an späterer Stelle (III.2.) näher thematisiert werden soll.

II.2. Trieblehre: Eros und Thanatos

Auch als „Lebenstrieb“[9] bezeichnet ist das Ziel des Eros laut Freud die Entwicklung und Erhaltung des Lebens beziehungsweise der (menschlichen) Art.[10] Der Eros beinhalte demnach sowohl die Selbsterhaltung als auch den Sexualtrieb. Gesteuert werde der „Liebestrieb“ durch die Energie der Libido; er beabsichtige, „aus mehreren eines zu machen“[11]. Ihm gegenüber stehe der Thanatos, der von Freud als „Todestrieb“[12] bezeichnet wird. Dieses sich in Destruktion und Aggression äußernde Verlangen könne sowohl gegen andere Menschen (in Form von Hass und Vernichtung) als auch nach innen gegen die eigene Person (Selbsthass) gerichtet sein. Zwischen beiden Trieben besteht eine Art Wechselwirkung, wodurch das Denken und Handeln der jeweiligen Person unterschiedlich determiniert wird.[13]

Dieser kurze Überblick der Freud‘schen Persönlichkeitstheorie soll zunächst genügen, da im Verlauf der folgenden Beschreibung der Kulturentwicklung nach Freud Näheres erklärt wird.

III. Die Entstehung der Kulturfeindlichkeit

Basierend auf den Kapiteln III bis VII des Essays möchte ich im Folgenden versuchen, die Kulturentwicklung und die daraufhin entstehende Kulturfeindlichkeit nach Freuds Auffassung nachzuvollziehen.

Ausgangspunkt für Freud ist die Schilderung der drei „Leidensquellen“[14] des Menschen, derentwegen der Mensch nicht glücklich wird. Diese bestünden in der Vorherrschaft der Natur, der Vergänglichkeit des eigenen Leibes und der Untauglichkeit der (vom Menschen selbst geschaffenen) gesellschaftlichen Institutionen und Beziehungen. Während die ersten beiden unveränderlich seien und daher akzeptiert würden, stelle letztere, die soziale Leidensquelle, ein Paradoxon dar: Der Mensch sei unglücklich in der Gesellschaft, in der Kultur, und versuche doch gleichzeitig, mit kulturellen Mitteln gegen diese Leidensquelle anzugehen. Um dieses Verhältnis erklären zu können, bedarf es zunächst einer Darstellung der Kultur nach Freuds Verständnis.

III.1. Der Kulturbegriff bei Freud

Laut Freud entwickelten sich Kulturen vor allem „durch den Zwang zur Arbeit, den die äußere Not schuf und durch die Macht der Liebe“[15]. Durch die Arbeit konnten die Menschen ihr Leben verbessern; die Hilfe eines Mitarbeiters war hierbei von großem Nutzen. Doch schon vorher hatte der Mensch begonnen, Familien zu bilden. Ursprünglich geschah dies laut Freud nur aus dem Bedürfnis der Befriedigung des Sexualtriebes, was dann durch das dauerhafte Vorhandensein desselben dazu führte, dass der Mann sein Sexualobjekt, die Frau, an sich binden wollte. Diese wiederum wollte ihrem Kind Schutz bieten, wodurch sie beim Familienoberhaupt blieb. Auf der Basis von Arbeit und Liebe (veranlasst durch den Eros) entstanden also laut Freud die ersten Gemeinschaften, die Anfänge von Kultur. Die Menschen wehrten sich gegen die Natur und schlossen sich daher in Gruppen zusammen.

[...]


[1] Freud, Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur. In: Derselbe: Abriß der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur. Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1972.

[2] Vgl.: Dorsch: Psychologisches Wörterbuch, Bern: Verlag Hans Huber, 2004; S. 960.

[3] Dorsch, S. 274

[4] Vgl. Freud: Unbehagen; S. 75

[5] Utilitarismus: Lehre vom Nützlichkeitsprinzip; Ziel: „größtmögliche[s] Glück für die größtmögliche Anzahl von Menschen“; Maßstab für die moralische Richtigkeit einer Handlung ist die Förderung von Glück (Lust) und Minderung von Unglück (Unlust) der von den Folgen Betroffenen ist. (Vgl. dtv-Atlas Philosophie, 2007, S. 165)

[6] Vgl. Dorsch, S. 426 f.

[7] Vgl. Dorsch, S. 980

[8] Freud, Sigmund: Abriß der Psychoanalyse. In: Derselbe: Abriß der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur. Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1972; S. 11

[9] Freud: Unbehagen; S. 110

[10] Vgl. Dorsch, S. 540

[11] Freud: Unbehagen; S. 99

[12] Freud: Unbehagen; S. 107

[13] Vgl. Dorsch, S. 960

[14] Freud: Unbehagen; S. 82

[15] Freud: Unbehagen; S. 94

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Sigmund Freuds "Das Unbehagen in der Kultur" und die Aktualität dieser Abhandlung
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Praktische Philosophie)
Veranstaltung
Sozialphilosophie
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V157371
ISBN (eBook)
9783640702022
ISBN (Buch)
9783640700875
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund, Freuds, Unbehagen, Kultur, Aktualität, Abhandlung
Arbeit zitieren
Sina Volk (Autor), 2010, Sigmund Freuds "Das Unbehagen in der Kultur" und die Aktualität dieser Abhandlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157371

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