Ist Scientology eine Religion?


Hausarbeit, 2010

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung:

2. Hauptteil:
2.1 Der Begriff der Religion:
2.2 „Scientology“ und dessen Inhalt:
2.2.1 „Scientology“ aus der Sicht der Organisation selbst:
2.2.2. „Scientology“ aus der Sicht des Bayrischen Innenministeriums:
2.3 Der Begriff der Religion auf „Scientology“ angewandt:

3. Schluss:

4. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die Frage, ob es sich bei „Scientology“ um eine Religion handelt, beschäftigt nun schon seit einigen Jahren Wissenschaftler aus vielen verschiedenen Forschungsgebieten. Sowohl die Religionswissenschaft setzt sich mit diesem Thema auseinander, als aber auch die Sozialwissenschaftler, die Theologen, die Politikwissenschaftler, die Historiker und die Juristen. In der Öffentlichkeit gilt „Scientology“ als stark umstritten, besonders in Frankreich und in der Bundesrepublik Deutschland gibt es zahlreiche Diskussionen um ein Verbot der „Scientologen“.[1] So wird „Scientology“ in der Bundesrepublik Deutschland in einigen Bundesländern sogar vom Verfassungsschutz beobachtet.[2] Diese Brisanz verdeutlicht, um welche komplexe Fragestellung es sich handelt, versucht man „Scientology“ einer Religion zuzuordnen. Es stellt sich also die Frage, welche Vorgehensweise sich am besten eignet, dieser Fragestellung nachzugehen. Zu klären gilt, was denn eigentlich unter dem Begriff der Religion zu verstehen ist. Gibt es überhaupt die Religion? Gibt es überhaupt eine anerkannte Definition für Religion? „Heinrich von Stietencron“ und „Der Begriff der Religion in der Religionswissenschaft“ werden hierzu wichtige Erkenntnisse liefern.[3] Diese Fragestellung setze ich bewusst an den Anfang meiner Hausarbeit. Schließlich ist es die Frage nach der Religion, um die es sich letztendlich drehen wird. Im Anschluss möchte ich auf die Bewegung der „Scientologen“ eingehen, so werde ich kurz die Geschichte anreisen, mich aber auf den Inhalt und die Aussage von „Scientology“ konzentrieren. An dieser Stelle ist es wichtig, „Scientology“ von zwei Seiten zu beleuchten. Es folgt eine Auseinandersetzung mit „Scientology“ aus der Sicht der „Scientologen“ selbst, um im Anschluss die Sicht der Politik der Bundesrepublik Deutschland in Form des „Bayrischen Innenministeriums“ darzustellen. Nachdem schließlich beide Schwerpunkte getrennt voneinander behandelt wurden, wird der Versuch unternommen, den Begriff der Religion auf die Bewegung der „Scientologen“ anzuwenden. In diesem Teil werde ich mich auf die Theorien der Religionswissenschaft konzentrieren, mich aber auch der Hilfe der Sozialwissenschaftler und vor allen Dingen der Juristen bedienen. Der Schluss schließlich soll einer kurzen Zusammenfassung der gewonnenen Ergebnisse dienen, vor allen Dingen aber soll er auch Raum für einen Ausblick bereitstellen.

2. Hauptteil

Wie schon in der Einleitung erwähnt, gliedert sich der Hauptteil dieser Hausarbeit in drei Teile, wobei der Teil „Scientology und dessen Inhalt“ in zwei weitere Teile untergliedert ist. An den Anfang dieser Hausarbeit setze ich ganz bewusst, wie schon in der Einleitung näher gebracht, den Teil „Der Begriff der Religion“. Im Anschluss werde ich mich der Bewegung der „Scientologen“ widmen, es folgt der Teil „Scientology und dessen Inhalt“. An dritter Stelle werden die beiden ersten Teile miteinander verbunden, es folgt „Der Begriff der Religion auf Scientology angewandt“.

2.1 Der Begriff der Religion:

Einsteigen möchte ich mit der Feststellung, dass es bisher eine Unmenge an Versuchen gab, den Begriff der Religion eindeutig zu bestimmen.[4] Da es aber nicht ausschließlich die eine Religion gibt, gibt es auch nicht eine einzige Definition für Religion, den Versuch aber nicht zu unternehmen, „käme einer Weigerung gleich, überhaupt Wissenschaft treiben zu wollen“[5]. Sicherlich, der eigentliche Begriff der Religion findet durchaus in der Forschung Gebrauch, den „Gegenstand präzise zu fassen“[6] aber, so „Stietencron“, das ist nicht möglich. „Heinrich von Stietencron“ sieht aber in der Tatsache, den Begriff der Religion nicht eindeutig definieren zu können, auch überhaupt kein Problem. Er ist der Überzeugung, dass dies für die Wissenschaft überhaupt nicht weiter von Belang ist, denn „es wäre für unsere wissenschaftliche Aufgabe, in der wir mit sehr unterschiedlichen Kulturen und ihren Religionen konfrontiert sind, wenig sinnvoll, Religionen von vorneherein begrifflich festzulegen“[7]. Viel mehr nutzen wir den Begriff der Religion als „Sammelbezeichnung für zahllose, zum Teil höchst unterschiedliche, aber historisch greifbare Phänomene, die jeweils von einem Kollektiv von Menschen akzeptierte Interpretationsmodelle von Welt und Wirklichkeit darstellen, mit ihnen zugeordneten Werten, Normen und daraus resultierenden Formen des Verhaltens, Wahrnehmens und Denkens der Menschen“[8]. Allerdings ist sich auch „Heinrich von Stietencron“ darüber bewusst, dass es eine Möglichkeit geben muss, zwischen „religiösen und nicht religiösen Interpretationsmodellen“ zu unterscheiden. Wie sonst könnte man die Frage beantworten, ob nun „Scientology“ dem Kultus einer Sekte angehört oder doch der Religion zuzuschreiben ist. „Stietencron“ fügt seiner bisherigen Interpretation eine weitere Begrifflichkeit hinzu. Es handelt sich um die sogenannte „Setzung und Durchsetzung - oder auch Veränderung – von Werten und Normen sowie die Stabilisierung der Gesellschaft durch Kanalisierung oder Neutralisierung gesellschaftlicher Spannungen“[9]. Was aber genau bedeutet das nun? Es geht ihm an dieser Stelle um nichts anderes als um die sogenannte Begriffliche Eingrenzung des Gegenstandes der Religionswissenschaft. Dies wiederrum nämlich ist möglich, denn alle Religionen oder eben religiöse Eigenschaften sind im Besitz der Eigenschaft ganz exklusiver Charakterzüge. Betrachtet man die „historische Bedingtheit der Definition des Religionsbegriffs“[10], so stellt man fest, dass es im Laufe der Jahre zu einer Vielzahl an Definitionen gekommen ist. Angefangen bei „James Leuba“, der mit den damals ihm zugänglichen Informationen „48 verschiedene Definitionen“ hervorbrachte[11], später dann die „Social Anthropology“[12], und Versuche der Soziologie, der Religionswissenschaft, der Theologie, der Psychologie und der Philosophie. Die Definitionen beruhen auf den verschiedensten Ansätzen. „So hat z.B. versucht, Religion über die zentralen Inhalte des Glaubens zu definieren oder über postulierte Grundgegebenheiten der religiösen Erfahrung (das Heilige, das Numinose; sakral und profan[13] ) oder über die Funktion der Religion im Rahmen von Kultur bzw. über systemtheoretische Ansätze“.[14][15][16] Jede einzelne dieser Definition aber wurde als nicht vollständig anerkannt, Gründe hierfür gab es verschiedene, so wurden sie beispielsweise „nicht allen historischen Religionen gerecht; oder sie bewegten sich in einem hermeneutischen Zirkel und waren selber wieder erklärungsbedürftig; vor allem gelang es nicht, das spezifisch religiöse an religiösen Handlungen, religiösen Institutionen, religiösen Erfahrungen etc. zu bestimmen und von nicht religiösen Handlungen, Institutionen und Erfahrungen begrifflich klar zu scheiden“[17][18]. Die Gründe für ein Scheitern sind zahlreich, so haben Religionen „kognitive, emotionale, rituelle, ästhetische, literarische, und künstlerische, aber auch wirtschaftliche, rechtliche, institutionelle und machtpolitische Dimensionen; sie haben individuelle und gesellschaftliche Komponenten; und ihren Funktionen begegnet man von der Wiege bis zum Grabe in den verschiedensten Lebensbereichen“[19]. Darüber hinaus werden Religionen auch als „Historische Gebäude“[20] bezeichnet: „Sie verändern sich, verzweigen sich, verwandeln sich manchmal bis zur Unkenntlichkeit.“[21] Erst seit dem 17. Jahrhundert, so „Stietencron“, gibt es, vorwiegend in Europa, „einen wirklichen Vorläufer des Religionsbegriffs, von dem heute die Religionswissenschaft ausgeht: einen glaubensneutralen Oberbegriff, der alle Religionen auf eine gleich Basis zu stellen versucht, also nicht mehr die eigene Religion als wahre Religion zum Maßstab wählt, um die fremden Religionen dagegen abzusetzen“[22]. „Herbert of Cherbury“ ist hierfür maßgeblich verantwortlich, er schrieb im Jahre 1624 eine Schrift namens „De veritate“.[23] Hierin formulierte er fünf Punkte, die seiner Meinung nach sogenannte Grundprinzipien sind, die in allen Religionen wiederzufinden sind: „1. Der Glaube an Gott, 2. Die Pflicht, ihn zu verehren, 3. Der Tugendhafte Lebenswandel in frommer Gesinnung, 4. Das bereuen der Sünde und 5. Der Glaube an ein jenseitiges Leben mit der Vergeltung von Guten und Bösen“.[24] Heute ist der Begriff der Religion in den meisten Fällen getrennt von diesem „anthropologischen Bezug“, häufig wird der Versuch unternommen, „Religion als Teilbereich von Kultur ganz aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Kontext zu deuten“[25]. Als überaus wichtig halte ich daher auch die Aussage „Stietencrons“, vor allen in Bezug auf den später in dieser Hausarbeit folgenden Punkt 2.3, „Der Begriff der Religion auf Scientology angewandt“, dass „Jede Religion – ohne Ausnahme – (ist) immer zugleich ein Irrglaube aus der Sicht eines anderen (…)“[26] ist. Es kommt zu „zensierenden Urteilen“: „Falsche Religion, aberratio, superstitio, Irrglaube, Aberglaube, Dämonenkult, Hexenkult, Teufelswerk – das sind die Benennungen abweichender oder fremder Glaubensmuster aus der Außenperspektive der Andersgläubigen“.[27] Es zeigt sich, wie überaus wichtig es ist, mit den Augen eines Religionswissenschaftlers zu betrachten („(…) sieht (…) Unterschiede zwischen den Religionen. Er kennt aber kein anderes Kriterium für ihre Bewertung als ihre Wirkung in der jeweiligen Gesellschaft.“[28] ). Es zeigt sich also, dass es außerordentlich wichtig ist, die Religion als eine Art „Teilsystem einer Kultur“ zu betrachten. Abschließend, um auch erneut die zwei Leitfragen aus der Einleitung aufzugreifen, gilt es festzuhalten, dass es nicht eine einzig vollständige Definition der Religion gibt. Vielmehr gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Religionen und mit dem einhergehend auch eine Vielzahl an verschiedenen Definitionen von Religionen.[29] Dennoch ist es uns möglich, wie „Stietencron“ aufzeigt, zwischen „religiösen und nicht religiösen Interpretationsmodellen“ zu differenzieren.

[...]


[1] Urban, Seite 356f

[2] Abschlussbericht der Arbeitsgruppe SO der Verfassungsschutzbehörden

[3] Knoblauch, Seite 9

[4] Knoblauch, Seite 9

[5] Knoblauch, Seite 9

[6] Kerber, Seite 111

[7] Kerber, Seite 111

[8] Kerber, Seite 112

[9] Kerber, Seite 112

[10] Kerber, Seite 115

[11] Vgl. Leuba

[12] Vgl. Horton

[13] Vgl. Otto

[14] Kerber, Seite 115 - 116

[15] Vgl. Malinowski

[16] Vgl. Döbert

[17] Kerber, Seite 116

[18] Vgl. Seiwert

[19] Kerber, Seite 116 - 117

[20] Kerber, Seite 117

[21] Kerber, Seite 117

[22] Kerber, Seite 120 - 121

[23] Vgl. Scholz

[24] Kerber, Seite 120

[25] Kerber, Seite 121

[26] Kerber, Seite 122

[27] Kerber, Seite 122

[28] Kerber, Seite 123

[29] Vgl. Fußnote 5

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ist Scientology eine Religion?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Religionswissenschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V157377
ISBN (eBook)
9783640722686
ISBN (Buch)
9783656057505
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Scientology, Religion
Arbeit zitieren
Lars Renngardt (Autor), 2010, Ist Scientology eine Religion?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157377

Kommentare

  • laura müller am 18.10.2010

    Nein, Scientology ist mit Sicherheit keine Religion, sondern eine
    gefährliche Psychosekte!

    Die Anerkennung als Religion streben sie nur an, um besser gegen
    Kritiker vorgehen zu können und um finanzielle Vorteile ausnutzen
    zu können.

    Scientology ist ein gefährlicher, unsere Freiheit
    bedrohender Irrglaube! Wir klären auf:
    http://anon123.blog.de/

Im eBook lesen
Titel: Ist Scientology eine Religion?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden