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Ist das, was für mich vernünftig ist, auch objektiv vernünftig?

Titel: Ist das, was für mich vernünftig ist, auch objektiv vernünftig?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2025 , 18 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Herbert Gross (Autor:in)

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
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Ist das, was für alle Einzelnen nützlich ist, auch vernünftig? Was meint Vernunft eigentlich? Und ist das Einzel-Vernünftige auch objektiv vernünftig, also unabhängig von den einzelnen Interessen? Also kürzer gefragt: Ist das Nützliche das Vernünftige?
Die Frage soll in dieser Arbeit untersucht werden. Basierend auf einem Vernunftbegriff von Immanuel Kant wird die Mittel-Zweck-Relation untersucht, zunächst in der Kritischen Theorie von Max Horkheimer, der zwischen der Subjektiven und Objektiven Vernunft differenziert und eine unzulässige Verschiebung des Vernunftbegriffs zum Nutzen des Einzelnen unter Vernachlässigung einer übergeordneten Vernunft beklagt.

In einem zweiten Versuch wird in die Analytische Philosophie verzweigt, wo sowohl Christine Korsgaard als auch Stephen Darwall mit unterschiedlichen, aber dennoch aufeinander aufbauenden Konzepten versuchen, Kriterien zu entwickeln, wann ein subjektives Wollen dann doch auch objektiv vernünftig, d.h. unabhängig vom subjektiven Standpunkt, ist. Basis ist die Grundlegung der Metaphysik der Sitten von Immanuel Kant, die darum in den hierfür relevanten Teilen auch entfaltet werden muss.

In der Ausarbeitung wird eine Linie entlang der o.a. Fragestellungen unter Rückgriff auf die Veröffentlichungen der genannten Autoren komponiert, die durch eigene Überlegungen ergänzt wird.

Man stelle sich vor: Ich habe lange gespart, verdiene gut, und habe auch noch eine Erbschaft gemacht. Endlich kann ich meinen Wunsch erfüllen, für mich und meine Familie ein schönes Haus im Grünen zu kaufen. Ich werde unabhängig von den steigenden Mieten, bin endlich mein eigener Herr und kann mein Eigentum nach meinem Gusto gestalten. Mein Gefühl sagt mir: Ich habe eine nützliche, also vernünftige Sache gemacht.

Das würden vermutlich viele so machen, vorausgesetzt, die Mittel stünden ihnen zur Verfügung. Alle hätten dann gemäß ihrem Nutzenkalkül vernünftig gehandelt. Somit müsste das nicht nur für die einzelnen Menschen, sondern generell, also objektiv vernünftig sein.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1. Probleme und Folgen durch die Fokussierung auf die Instrumentelle Vernunft

2.1.1. Heutzutage dominiert die Instrumentelle Vernunft, die den Fokus auf die Mittel legt und das Warum, die Ziele ausblendet.

2.1.2. Die Instrumentelle Vernunft hat das Problem des Bootstrapping: Die Mittel rechtfertigen jegliches Ziel.

2.2. Die Objektive Vernunft ist verschwunden, die Subjektive Vernunft dominiert nach Horkheimer inzwischen die Welt. Ein Ausweg ist nicht in Sicht.

2.3. Christine Koorsgaard´s Erstpersönliche Perspektive rettet über die Instrumentelle Vernunft – mit Hilfe des Kant´schen Moralgesetzes – die Objektive Vernunft.

2.3.1. Der empiristische Ansatz kann nur die Motivation, nicht aber die nötigen Handlungsanleitungen erklären.

2.3.2. Der rationalistische Ansatz kann zwar die Handlungsanleitungen erklären, nicht aber die Motivation zum Handeln.

2.3.3. Der Kant´sche Ansatz der Selbstgesetzgebung des Moralischen Gesetzes liefert die Erstpersönliche Perspektive von Korsgaard – und somit zugleich Motivation und Handlungsanleitung.

2.4. Stephen Darwalls Zweitpersönliche Perspektive zur Sicherung einer hinreichenden Objektivität.

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die philosophische Fragestellung, ob ein subjektiv als vernünftig empfundenes Handeln auch objektiv begründbar ist. Dabei steht die kritische Analyse des Vernunftbegriffs im Vordergrund, ausgehend von Max Horkheimers Kritik an der instrumentellen Vernunft bis hin zu den Ansätzen von Christine Korsgaard und Stephen Darwall, die versuchen, eine Brücke zwischen subjektivem Wollen und objektiver rationaler Normativität zu schlagen.

  • Kritik der instrumentellen Vernunft und Zweckrationalität nach Horkheimer
  • Das Problem des "Bootstrapping" in instrumentellen Vernunftkonzepten
  • Kants Rolle für die Autonomie des Willens und das Moralgesetz
  • Die erstpersönliche Perspektive bei Christine Korsgaard
  • Die zweitpersönliche Perspektive zur Sicherung von Objektivität bei Stephen Darwall

Auszug aus dem Buch

2.1.2. Die Instrumentelle Vernunft hat das Problem des Bootstrapping: Die Mittel rechtfertigen jegliches Ziel.

Wie funktioniert nun die Instrumentelle Vernunft? Ausgangspunkt, ist die Aussage, dass „Rationale Wesen […] die Mittel zu ihren Zielen“ ergreifen. Wenn wir diese normative Soll-Vorschrift nicht befolgen (wie z.B. nicht ins Auto oder in den Zug steigen, wenn ich nach Hamburg reisen will), handeln wir irrational. Dieses Beispiel charakterisiert das moderne Denken, das die Mittel in den Vordergrund stellt. Traditionelle Kritiker wie Horkheimer konstatieren, dass die praktische Normativität, also die Frage, was soll ich tun, nur auf die Mittel, also die instrumentellen Normen reduziert wird: Die Vernunft würde quasi halbiert. Und die neuere Kritik hinterfragt, ob die Norm, bekannte Mittel zu Zielen zu nutzen, überhaupt kohärent ist, da Mittel unabhängig von dem Sollen der Ziele betrachtet werden und somit eine Eigendynamik entfalten würden.

Verständlich wird das, wenn man drei normativ vernünftige Aussagen – und dann die Konsequenz aus deren Kombination betrachtet – und zwar erstens: Man sollte die Mittel zu den Zielen ergreifen. Zweitens: Man hat nur dann einen Grund ein Mittel zu ergreifen, wenn man einen Grund für das Ziel hat. Und letztens: Eine Handlung sollte man nur dann durchführen, wenn es dafür einen Grund gibt. Daraus kann nun aber absurderweise gefolgert werden, dass allein durch die Mittel jegliches Ziel normativ gerechtfertigt wäre, also aus willkürlich gesetzten Zwecken Gründe erwachsen - oder anders formuliert: Gründe spielen bei der Wahl eines Ziels keine Rolle bzw. es „wären normative Gründe nicht normativ“.

Dieses Problem ist unter dem Namen Bootstrapping bekannt geworden, was in Analogie zu Münchhausen bedeutet, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. D.h. das, für das eine unabhängige Begründung erforderlich ist, wird selbst als Begründung herangezogen. Am obigen Beispiel würde das bedeuten, dass ich mich nur noch damit beschäftige, ob ich mich ins Auto oder in den Zug setze. Ich unterstelle implizit, dass ich damit nach Hamburg will (und durch das Betreten des Transportmittels den guten Grund dafür habe). Ich verliere aus den Augen, dass mein Ziel ein ganz anderes sein könnte, z.B. der Besuch von Venedig.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Problem der Differenz zwischen subjektiv nützlichem Handeln und objektiver Vernunft ein und umreißt den analytischen Rahmen der Arbeit.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historische Verschiebung hin zur instrumentellen Vernunft und erörtert theoretische Ansätze zur Begründung objektiver Vernunft durch Korsgaard und Darwall.

2.1. Probleme und Folgen durch die Fokussierung auf die Instrumentelle Vernunft: Dieses Kapitel thematisiert die Vorherrschaft der Zweckrationalität und deren Konsequenz einer rein mittelorientierten Vernunft.

2.1.1. Heutzutage dominiert die Instrumentelle Vernunft, die den Fokus auf die Mittel legt und das Warum, die Ziele ausblendet.: Hier wird dargestellt, wie die Konzentration auf Mittel eine tiefergehende Reflexion über Handlungsziele verhindert.

2.1.2. Die Instrumentelle Vernunft hat das Problem des Bootstrapping: Die Mittel rechtfertigen jegliches Ziel.: Die Problematik wird erläutert, bei der ohne verankerte Zwecke die Mittel selbst zur (scheinbaren) Rechtfertigung des Ziels werden.

2.2. Die Objektive Vernunft ist verschwunden, die Subjektive Vernunft dominiert nach Horkheimer inzwischen die Welt. Ein Ausweg ist nicht in Sicht.: Horkheimers Diagnose des Verlusts objektiver metaphysischer Werte zugunsten eines rein formalen, subjektiven Vernunftbegriffs wird hier beleuchtet.

2.3. Christine Koorsgaard´s Erstpersönliche Perspektive rettet über die Instrumentelle Vernunft – mit Hilfe des Kant´schen Moralgesetzes – die Objektive Vernunft.: Korsgaards Ansatz einer erstpersönlichen normativen Konstituierung der Person durch den Willen wird vorgestellt.

2.3.1. Der empiristische Ansatz kann nur die Motivation, nicht aber die nötigen Handlungsanleitungen erklären.: Das Kapitel kritisiert das empiristische Modell, das keine stabilen moralischen Regeln liefern kann.

2.3.2. Der rationalistische Ansatz kann zwar die Handlungsanleitungen erklären, nicht aber die Motivation zum Handeln.: Hier wird aufgezeigt, warum ein rein dogmatisch-rationalistisches Modell die notwendige menschliche Motivation vernachlässigt.

2.3.3. Der Kant´sche Ansatz der Selbstgesetzgebung des Moralischen Gesetzes liefert die Erstpersönliche Perspektive von Korsgaard – und somit zugleich Motivation und Handlungsanleitung.: Die Arbeit leitet her, wie Kants Autonomiebegriff eine Brücke zwischen Motivation und normativer Anweisung schlägt.

2.4. Stephen Darwalls Zweitpersönliche Perspektive zur Sicherung einer hinreichenden Objektivität.: Darwalls Modell der wechselseitigen Anerkennung von Ansprüchen unter vernünftigen Akteuren wird als Erweiterung zur Objektivierung vorgestellt.

3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, dass die Objektive Vernunft zwar theoretisch formal begründbar ist, in der täglichen Praxis jedoch mühsam ausgehandelt werden muss.

4. Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet die verwendeten philosophischen Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Instrumentelle Vernunft, Objektive Vernunft, Subjektive Vernunft, Zweckrationalität, Bootstrapping, Immanuel Kant, Christine Korsgaard, Stephen Darwall, Autonomie des Willens, Praktische Vernunft, Normativität, Moralgesetz, Kategorischer Imperativ, Erstpersönliche Perspektive, Zweitpersönliche Perspektive.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Fragestellung, ob das, was eine Person individuell als vernünftig für sich betrachtet, auch objektiv als vernünftig gelten kann und wie diese Objektivität begründbar ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind die Kritik der instrumentellen Vernunft (nach der Frankfurter Schule/Horkheimer), die Rolle der Autonomie bei Kant sowie Modelle der praktischen Vernunft in der zeitgenössischen analytischen Philosophie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist der Nachweis, dass ein subjektives Wollen einen objektiven Vernunftanspruch erfüllen kann, um so das Problem der reinen Zweckrationalität zu überwinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der philosophischen Rekonstruktion und Analyse, indem sie Argumentationslinien bedeutender Denker (Horkheimer, Kant, Korsgaard, Darwall) systematisch aufeinander aufbaut.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert zunächst die Dominanz der instrumentellen Vernunft, bespricht dann Korsgaards erstpersönliche Perspektive zur Rationalität und ergänzt dies durch Darwalls zweitpersönliches Modell zur Begründung objektiver Gründe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Instrumentelle Vernunft, Autonomie, Kategorischer Imperativ, erstpersönliche Perspektive und zweitpersönliche Interaktion charakterisiert.

Welches spezifische Problem wird mit dem Begriff "Bootstrapping" bezeichnet?

Der Begriff beschreibt ein strukturelles Defizit der instrumentellen Vernunft: Da die Vernunft nur noch Mittel zur Zweckrealisierung bewertet, werden die Ziele selbst nicht mehr rational fundiert, was dazu führt, dass die Mittel als Begründung für willkürliche Ziele herangezogen werden.

Wie unterscheidet sich Darwalls Ansatz von dem Korsgaards?

Während Korsgaard die Objektivität aus der erstpersönlichen Autonomie des Willens ableitet, geht Darwall einen Schritt weiter und postuliert, dass erst in der zweitpersönlichen Interaktion – durch das wechselseitige Erheben und Anerkennen von Ansprüchen – eine hinreichende Objektivität erreicht wird.

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Details

Titel
Ist das, was für mich vernünftig ist, auch objektiv vernünftig?
Hochschule
Hochschule für Philosophie München
Veranstaltung
Die neue Kritik der instrumentellen Vernunft. Von der Kritischen Theorie bis zu Christine Korsgaard
Note
1,3
Autor
Herbert Gross (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
18
Katalognummer
V1574451
ISBN (PDF)
9783389123195
ISBN (Buch)
9783389123201
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vernunft Instrumentelle Vernunft Subjektive Vernunft Objektive Vernunft Mittel-Zweck-Relation Bootstrapping Moralgesetz Erstpersönliche Perspektive Zweitpersönliche Perspektive Immanuel Kant Christine Korsgaard Stephen Darwall
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Herbert Gross (Autor:in), 2025, Ist das, was für mich vernünftig ist, auch objektiv vernünftig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1574451
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Leseprobe aus  18  Seiten
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