Die Fußreflexzonentherapie nach Hanne Marquardt als Therapieansatz bei schwerstmehrfachbehinderten Kindern


Bachelorarbeit, 2009
118 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

Verzeichnis der Abkürzungen

1 Einnleitung

2 Sinn und Nutzen der Fußreflexzonentherapie für die Entwicklung und das Befinden schwerstmehrfachbehinderter Kinder - Kontextualisierung der Fragestellung

3 Die Fußreflexzonentherapie nach Hanne Marquardt
3.1 Historischer Hintergrund
3.2 Das Konzept
3.2.1 Reflexzonen
3.2.2 Ziele und Indikationen
3.2.3 Kontraindikationen
3.2.4 Griffe und Technik
3.3 Die Durchführung
3.3.1 Behandlungsbedingungen
3.3.2 Symptom- und Hintergrundzonen
3.3.3 Befund der Reflexzonentherapie
3.3.4 Dosierungsgrenze und Normalisierung einer Reflexzone
3.4 Wissenschaftliche Evidenz der Wirkung
3.4.1 Zusammengefasste Ergebnisse diverser Studie
3.4.2 Studie: Fußreflexzonentherapie für eine gesteigerte Nierendurchblutung
3.4.3 Fazit zur wissenschaftlichen Evidenz der Fußreflexzonentherapie

4 Das schwerstmehrfachbehinderte Kind
4.1 Begriffsklärung der Schwerstmehrfachbehinderung
4.2 Die Ursachen von Schwerstmehrfachbehinderung
4.3 Auftretende Störungen und Probleme

5 Die Fußreflexzonentherapie als Behandlungsmöglichkeit für das schwerstmehrfachbehinderte Kind
5.1 Die Ziele
5.2 Vorteile der Fußreflexzonentherapie als Behandlungsansatz
5.3 Die Behandlungsbedingungen

6 Ein Pretest zum Effektivitätsnachweis der Fußreflexzonentherapie
6.1 Methode
6.2 Anamnese und Befund der Kinder
6.2.1 Anamnese und Befund von Kind
6.2.2 Anamnese und Befund von Kind
6.3 Durchführung
6.4 Ergebnisse
6.4.1 Kind
6.4.2 Kind
6.5 Diskussion der Ergebnisse und Transfer zur

International Classification of Health, Disability and

Functioning

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abstract

Vorwort

Im Januar 2008 nahm ich an der Fortbildung „Fußreflexzonentherapie nach Hanne Marquardt“ teil, um meine Qualifikation als Physiotherapeutin zu erweitern. Organisiert wurde dieser Grundkurs von Sigrun Burggraef, Leiterin der Lehrstätte Hanne Marquardt in Lübeck. Während dieser viertägigen Veranstaltung wurde nicht nur auf die Fußreflexzonentherapie (RZF) bei Beschwerden und Erkrankungen von Erwachsenen eingegangen, sondern ebenfalls die Behandlung von Kindern besprochen. Dies regte mich zu dem Gedanken an, dass die RZF auch für schwerstmehrfachbehinderte Kinder, wie ich sie in einem Praktikum im Rahmen meiner Ausbildung im St. Antoniushaus Kiel behandelte, sehr hilfreich sein kann. Nach einem Gespräch mit Sigrun Burggraef zu dieser Thematik hatte ich das Thema meiner Bachelorthesis gefunden.

Ich möchte an dieser Stelle Sigrun Burggraef für ihre fachliche Unterstützung und ihr Engagement danken.

Außerdem danke ich dem St. Antonius Kiel, dass ich meine Untersuchung zur RZF mit zwei Kindern durchführen durfte. Weiterhin danke ich den Mitarbeitern des Behindertenbereiches für ihr Entgegenkommen während der regelmäßigen Behandlungszeiten der Kinder.

Zuletzt danke ich meiner Professorin Heidi Höppner dafür, dass sie mich in meinem Vorhaben, dieses Thema zu bearbeiten und eine eigene kleine Studie durchzuführen, ermutigt und bestärkt hat.

Verzeichnis der Abbildungen

Abb. 1 Logo der Lehrstätte Hanne Marquardt für Reflexzonenarbeit am Fuß (Lehrstätte Hanne Marquardt 2007, Zugriff 17.11.2008)

Abb. 2 Darstellung der Komponenten des ICF-Modells bezüglich schwerstmehrfachbehinderter Kinder

Abb. 3 Kopie des Altars von Copan, angefertigt von Frederick Catherwood aus Victor von Hagen „Auf der Suche nach den Maya“ (Kaiser, Poyck-Scharmann & Scharmann 1995, S. 15)

Abb. 4 Die Körperzonen nach Dr. Fitzgerald (Marquardt 2007, S. 7)

Abb. 5 [...] Form des Fußes [in Nullstellung] (Marquardt 2005, S. 7)

Abb. 6 Makrosystem Mensch (Grundkurs Refelxzonentherapie am Fuß nach Hanne Marquardt o.D., S.55)

Abb. 7 Patientenurteil im Anschluss an die Behandlungsserie; 92% gaben eine Verbesserung bezüglich Schmerz und Funktion an

Abb. 8 Patientenurteil acht Wochen nach der Behandlungsserie; 87% gaben eine weitere Verbesserung bezüglich Schmerz und Funktion an

Abb. 9 Darstellung der Komponenten des ICF-Modells bezüglich schwerstmehrfachbehinderter Kinder nach den Ergebnissen des Pretests

Abb. 10 Hanne Marquardt (Marquardt 2005, S. II)

Abb. 11 Struktur der ICF (modifiziert nach Rentsch & Bucher 2005, S.19)

Abb. 12 Wechselwirkung zwischen den Komponenten der ICF (Rentsch & Bucher 2005, S.25)

Abb. 13 Reflexzonen der Füße (Verlag Hanne Marquardt 2004)

Abb. 14a Kein Druck; das Schwingen das Armes bewegt das Endglied des Daumens (Marquardt 2005, S.13)

Abb. 14b Maximale Aktivität des Daumens entspricht dem Setzen des therapeutischen Reizes in der Gewebetiefe (Marquardt 2005, S.13)

Abb. 15a & Zeigefinger-Grundgriff in seinen Bewegungsphasen (Marquardt 2005, S.15)

Abb. 16a Fersen-Dehn-Griff an einem Fuß(Marquardt 2005, S. 22)

Abb. 16b Yin-Yang-Streichung (Marquardt 2005, S. 25)

Abb. 16c Atemausgleichsgriff (Marquard 2005, S. 23)

Abb. 16d Handflächen-Fußsohlen-Griff (Marquardt 2005, S.24)

Abb. 17 Vorderseite einer Befundkarte der RZF (Rückseite: Verlaufsprotokoll, Patientenmitarbeit und Reflexion) (Verlag Hanne Marquardt)

Abb. 18a Befund von Kind 1 vor dem Pretest

Abb. 18b Befund von Kind 1 nach dem Pretest

Abb. 19a Befund von Kind 2 vor dem Pretest

Abb. 19b Befund von Kind 2 nach dem Pretest

Abb. 20 Auswahl angewandter Griffe während des Pretests bei Kind 1

Abb. 21 Auswahl angewandter Griffe während des Pretests bei Kind 2

Verzeichnis der Tabellen

Tab. 1 Unterschiede der Reflexzonentafeln von Ingham und Marquardt

Tab. 2 Ursachen von Entwicklungsstörungen (modifiziert nach Aksu 2002, S.73)

Tab. 3 Fußmaße von Kind 2 vor der RZF-Behandlung

Tab. 4 Fußmaße von Kind 2 nach der RZF-Behandlung und die jeweilige Differenz zur Messung vor der Behandlung in eckigen Klammern

Tab. 5 Auswertung des Fragebogens nach einem Monat

Tab. 6 Auswertung des Fragebogens nach zwei Monaten

Tab. 7 Verlaufsprotokoll der Fußreflexzonenbehandlung

Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Hominis imago in pedibus“, so lautet der Schriftzug in dem Logo der Lehrstätte Hanne Marquardt, Schule für Reflexzonenarbeit am Fuß. Dieser Leitsatz bedeutet: „Das Abbild des Menschen in den Füßen“ oder auch „Des Menschen Bild in den Füßen“ (s. Abb. 1).

Abb.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Logo der Lehrstätte Hanne Marquardt für Reflexzonenarbeit am Fuß (Lehrstätte Hanne Marquardt 2007, Zugriff 17.11.2008)

Der gewählte Leitsatz spiegelt die Grundlage der Fußreflexzonentherapie (RZF) wieder, denn es wird vermutet, dass fast der komplette Körper des Menschen in Form von Reflexzonen am Fuß und am distalen Unterschenkel abgebildet ist. Aus diesem Grund können Blockaden, Beschwerden, Schmerzen, Funktionsstörungen usw. über diese gezielte Form der Massage an den Füßen behandelt und gelindert werden.

Das Wissen über die Wichtigkeit der Füße existiert schon seit langem und wurde wahrscheinlich schon von alten Kulturkreisen, wie beispielsweise den Mayas, zu Heilzwecken angewandt. Mit der Durchsetzung der Schulmedizin geriet die Reflexzonenarbeit eher an den Rand der medizinischen Versorgung und wurde erst vor ca. 100 Jahren in der westlichen Welt wieder entdeckt, bis sie durch den Verdienst Hanne Marquardts auch in Deutschland Einzug hielt. Mittlerweile gibt es viele ausgebildete Fußreflexzonentherapeuten1, die in ihrer täglichen Praxisarbeit die RZF erfolgreich anwenden. Allerdings hat sich die RZF noch nicht überall durchgesetzt und ist vor allem auch noch nicht in der gesetzlichen medizinischen Versorgung integriert.

Meiner Meinung nach profitieren sehr viele Patienten von dieser Methode, weshalb die RZF noch weiter verbreitet werden sollte. Ein besonderes Anwendungsgebiet stellt für mich die Physiotherapie in der Pädiatrie dar. Kinder können mit dieser Form der Therapie über die Füße auf eine angenehme Art in ihrer Entwicklung gefördert und herausgefordert werden. „Kinder sind im Aufbau, man kann also geschwächte Veranlagungen durchaus noch stabilisieren. Bei Kindern kann man [...] vieles bahnen “ (persönliche Mitteilung Burggraef 2008, s. Anhang S. 74-87). Daher ist es mir auch sehr wichtig, dass schwerstmehrfachbehinderte Kinder zusätzlich zur regelmäßigen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie usw. mit der RZF behandelt werden. In der vorliegenden Arbeit werde ich auf diese Thematik eingehen. Ich werde darstellen, wie die RZF bei den betroffenen Kindern wirkt und weshalb bei einer ganzheitlichen Therapie nicht darauf verzichtet werden sollte. Ich beginne im zweiten Kapitel mit dem Aufgreifen der Fragestellung und werde diese auch in Bezug zum Modell der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) setzen. Die RZF ist eine ganzheitliche Methode, d.h. ihre Wirkung geht über die isoliert betrachtete Linderung der Symptome hinaus. Um dies zu verdeutlichen dient der Transfer zur ICF. Das dritte Kapitel erklärt die RZF, ich gehe dabei auf die Geschichte, das Konzept, die Durchführung und auf die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse ein. Kapitel vier handelt von dem schwerstmehrfachbehinderten Kind, welche Ursachen es für die Schwerstmehrfachbehinderung gibt und wie sich die Folgen zeigen. Der fünfte Teil der Arbeit stellt die RZF als Behandlungsmöglichkeit für das schwerstmehrfachbehinderte Kind dar, welche Ziele verfolgt werden können und auch wie die Durchführung aussehen könnte. Da ich bisher noch keine Studien zu meiner gewählten Thematik finden konnte, werde ich im sechsten Kapitel den Pretest, den ich im Sommer 2008 im Antoniushaus Kiel mit zwei Kindern verwirklicht habe, wiedergeben und die Ergebnisse diskutieren. Um die Fragestellung des zweiten Kapitels erneut aufzufassen, werde ich die gewonnenen Ergebnisse wieder in Bezug zur ICF setzen. Ich schließe diese Bachelorthesis mit einem Fazit über die RZF als Therapieansatz bei schwerstmehrfachbehinderten Kindern ab.

Ziel der Arbeit soll es sein, die Fußreflexzonentherapie als weitere sinnvolle Ergänzung der physiotherapeutischen Techniken interessant zu machen, damit diese von mehr Physiotherapeuten, besonders im Arbeitsfeld Pädiatrie genutzt wird.

2 Sinn und Nutzen der Fußreflexzonentherapie für die Entwicklung und das Befinden schwerstmehrfachbehinderter Kinder - Kontextualisierung der Fragestellung

Schwerstmehrfachbehinderte Kinder bekommen schon seit Langem viel Hilfe und Unterstützung in ihrer Entwicklung. Sie werden von Therapeuten, Pflegepersonal, Erziehern, Lehrern und natürlich von der Familie gefördert. Dabei werden verschiedene Konzepte mit Erfolg genutzt, Bobath, Vojta oder Castillo Morales2, um nur ein paar zu nennen. Daraus ergibt sich die Frage, weshalb eine weitere Behandlungsmethode benötigt wird. Wie gut kann das Ergebnis der Therapie sein, dass es sich in der Praxis durchsetzt?

Meiner Meinung nach hat die RZF große Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Kindes. Ich gehe davon aus, dass Bauchschmerzen und Kopfweh gelindert werden, Bronchitiden und Infektionen der Atemwege vorgebeugt werden können und das vegetative Nervensystem nachhaltig stabilisiert wird. Die Füße, die das schwerstmehrfachbehinderten Kind kaum nutzen kann, werden gereizt, wodurch darüber hinaus Tastsinn, Sensibilität und Körperwahrnehmung geschult werden. Dies sind nur ein paar Ziele, die mit der RZF sehr gut verfolgt werden können. Es ist eine schnell erlernbare und schnell wirkende Methode. Es werden keine weiteren Hilfsmittel als die eigenen Hände benötigt und der Ausführende hält während der Behandlung immer direkten Kontakt zu den Kindern.

Schwerstmehrfachbehinderte Kinder haben eine große Bandbreite an Problemen, Beschwerden und Blockaden aufzuweisen. Aus diesem Grund ist es richtig, neue Konzepte oder Methoden in die Behandlung und Förderung mit einfließen zu lassen und neue Ansätze auszuprobieren, um die optimale Variante für das Kind zu ermitteln.

Die RZF ist mehr als nur eine Technik. Es ist eine Methode, die nicht nur auf Besserung der Symptome abzielt, sondern die Gesundheit und das Wohlbefinden des gesamten Menschen anregen und wenn möglich wiederherstellen will und kann. Deshalb werde ich hier Sinn und Nutzen der RZF anhand des Modells der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), zu deutsch Internationale Klassifizierung von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit näher erläutern. Dadurch wird klarer, dass das Umfeld und der Alltag der Kinder mit schwersten Mehrfachbehinderungen in der Behandlungsplanung und -umsetzung ebenfalls eine große Rolle spielt. Die ICF stellt ein Rehabilitationsmodell der World Health Organisation (WHO) dar und wurde im Mai 2001 auf deren 54. Vollversammlung verabschiedet. Im Gegensatz zu dem Vorläufer, der International Classification of Impairment, Disabilites and Handicap (ICIDH) von 1980, stellt es nicht nur die chronische Erkrankung und die Beeinträchtigung dar, sondern gibt auf Grundlage des biopsychosozialen Modells Aufschluss über den Lebenshintergrund des Betroffenen und orientiert sich an der Gesundheit. Die ICF ist demnach nicht nur defizit-, sondern auch ressourcenorientiert. Die WHO will mit der ICF eine vereinheitlichte Sprache in der Beurteilung von Gesundheit, deren Komponenten und Auswirkungen fördern, wodurch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen im Gesundheitswesen verbessert werden soll. Außerdem wird der internationale Datenvergleich vereinfacht (Rentsch & Bucher 2005). „Die WHO liefert einen Zugang zu Funktionsfähigkeit und Behinderung aus naturwissenschaftlichen, soziologischen und gesellschaftlichen Perspektiven im Sinne eines interaktiven und sich entwickelnden Prozesses“ (ebd., S.18). Um den Aufbau der ICF kurz zu umreißen und zu veranschaulichen, dient die Abbildung 11 (s. Anhang S. 66). Die ICF entspricht nicht nur dem Biomedizinischen Modell, sondern es wurde, wie bereits erwähnt, um das biopsychosoziales Modell erweitert, welches den Gesundheitszustand objektiv wiedergibt, wobei die subjektiven Faktoren zusätzlich mit beachtet werden. Bei dem hierarchischen Aufbau dieser Klassifikation steht an oberster Stelle die Unterteilung in die zwei Teile Funktionsfähigkeit und Behinderung (Teil 1) sowie die Kontextfaktoren (Teil 2). Erstere gliedert sich in Körperfunktion und -strukturen sowie Aktivitäten und Partizipation auf. Im zweiten Teil wird unterschieden zwischen Umweltfaktoren, die als äußere Faktoren entweder Förderfaktoren oder Barrieren darstellen, und personenbezogenen Faktoren (innere Faktoren), die nicht beurteilt, sondern nur benannt werden. Die Behinderung eines Menschen wird wiedergegeben über die einzelnen Wechselwirkungen zwischen den Komponenten der ICF, im Speziellen zwischen den Angaben zum Körper, der Aktivität/ Partizipation und den entsprechenden Kontextfaktoren (ebd.). Zur Veranschaulichung der Wechselwirkungen dient die Abbildung 12 (s. Anhang S. 67). Alle einzelnen Determinanten stehen in Beziehung zueinander, wodurch jede Veränderung einer Komponente auch die anderen beeinflusst.

Im Folgenden werde ich die Gesundheitssituation der schwerstmehrfachbehinderten Kinder über die Determinanten der ICF näher darstellen (s. Abb. 2). Die RZF, wenn sie richtig und regelmäßig angewendet wird, kann der Verbesserung einzelnen Komponenten dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Darstellung der Komponenten des ICF-Modells bezüglich schwerstmehrfachbehinderter Kinder

Ein Beispiel: Nutzt man in der Behandlung eines Kindes mit Tetraspastik vor allem Ausstreichungen und sanfte therapeutische Reize der RZF, wird der Muskeltonus der hypertonen Muskulatur abnehmen. Dadurch werden die Arme oder Beine des Kindes lockerer und beweglicher. Folglich wird das Kind in der physiotherapeutischen Behandlung, z.B. nach Bobath, einen größeren Erfolg haben, da die Extremitäten beweglicher sind und die Fazilitation von Bewegungen erleichtert wird. Ist dies erreicht, wird das Kind motorisch einen Fortschritt erleben und dabei unterstützt werden selbstständiger zu agieren. Auf die Aspekte der Körperfunktion/ -struktur und schließlich auch der Aktivität wird somit positiv eingewirkt. Außerdem wird die Psyche und Motivation des Kindes (personenbezogene Faktoren) positiv beeinflusst, wenn es sich freier bewegen kann. Auf diese Weise können die Lebensbedingungen schwerstmehrfachbehinderter Kinder optimiert werden. Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass es sich lohnt, die RZF in die therapeutische Behandlung und Förderung schwerstmehrfachbehinderter Kinder zu integrieren. In meiner Tätigkeit als Physiotherapeutin in der Praxis wurde mir dies bestätigt. Deshalb halte ich es für außerordentlich wichtig, die Methode der Fußreflexzonentherapie auch wissenschaftlich fundiert zu bestätigen, damit mehr betroffene Kinder von der RZF profitieren können. Die folgenden Kapitel sollen Aufschluss darüber geben, warum die RZF eine sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen und klassischen Therapie darstellt. Eine explorative3 Effektivitätsstudie im kleinen Rahmen soll erste evidenzgebende Ergebnisse liefern. Vor dem Hintergrund der ICF werde ich abschließend noch einmal auf die Effektivität der RZF eingehen.

3 Die Fußreflexzonentherapie nach Hanne Marquardt

3.1 Historischer Hintergrund

Die Anfänge der Reflexzonentherapie lassen sich heute kaum detailliert nachvollziehen. Es ist aber davon auszugehen, dass in verschiedenen Kulturkreisen die Behandlung diverser Beschwerden indirekt über Manipulation und Druckmassagen an den Füßen mit Erfolg durchgeführt wurde. Beispiele dafür gibt es aus dem alten China oder aus Ägypten: Ein Wandbild von ca. 2500 v. Chr. zeigt „Ärzte“, die die Füße und Hände von Patienten behandeln, welche laut Inschrift um Schmerzfreiheit bitten (Wright 2005).

Ein weiteres Zeugnis hierfür ist der Jahrtausende alte Altar von Copán im heutigen Staat Honduras, auf welchem die Fußreflexzonenbehandlung der Maya in Stein gehauen ist. Mittels verschlüsselter Symbole wurde die Behandlung wichtiger Organe und Körperfunktion dargestellt (Abb. 3).

Abb. 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kopie des Altars von Copan, gefertigt von Frederick Catherwood aus Victor von Hagen „Auf der Suche nach den Maya“ (Kaiser, Poyck- Scharmann & Scharmann 1995, S. 15)

Die Punkte weisen dabei auf die Massagetechnik hin, die Anzahl der Balken gibt Aufschluss über den dargestellten Körperbereich. Exemplarisch soll hier auf das erste Symbol eingegangen werden, welches den Bereich des Hinterkopfes wiedergibt. Der obere Balken ist die Schädeldecke. Im mittleren Teil ist der gesamte Schädel mit Kleinhirn, Großhirn und Epiphyse dargestellt. Die unteren drei Punkte geben Informationen zur Behandlung, in diesem Fall sollen die großen Zehen behandelt werden (Kaiser, Poyck-Scharmann & Scharmann 1995). Diese Erklärung deckt sich mit der Fußreflexzonentherapie unserer Zeit, denn nach der heutigen Auffassung, liegen die Kopfzonen ebenfalls in den Zehen und die Gehirnzone im Speziellen im Großzeh. Dementsprechend ist anzunehmen, dass die Anfänge der Reflexzonenarbeit in einer Zeit liegen, in der sich die Menschen noch auf genaue Beobachtungen der Körperreaktionen bei bestimmten Anwendungen verlassen mussten. Diese entwickelten sich im Weiteren zu effektiven Methoden, wovon die Fußreflexzonenmassage eine ist. Es sind jedoch nur wenige eindeutige Quellen aus dieser Zeit vorhanden, deren Interpretation auf das Vorkommen und die Anwendung der RZF schließen lässt .

Der erste Mediziner, der diese alten Erfahrungen und das Wissen in seine Behandlung integrierte, war Dr. med. William Fitzgerald (1872-1942). Bezugnehmend auf die Erfahrungen der Ureinwohner Mittel- und Nordamerikas, entwickelte er 1917 die „Zone therapy“. Hierfür teilte er den Menschen in zehn senkrecht verlaufende Zonen ein („Body Zones“), beginnend am Kopf bis hin zu den zehn Fingern und zehn Zehen (s. Abb. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4

Die Körperzonen nach Dr. Fitzgerald. (Marquardt 2007, S. 7)

In diesen Zonen, lokalisiert an Kopf, Händen und Füßen, behandelte er seine Patienten, wodurch er viele wichtige Erkenntnisse zur Reflexzonentherapie erlangte. Mittels der Zonenrasterung wird der Körper systematisch unterteilt. So sind die am Fuß befindlichen Reflexe leichter zu finden (Ingham 2002). Fitzgerald lehrte die Anwendung seiner Zonentherapie verschiedenen Fachärzten, Chiropraktikern und Therapeuten, die ihrerseits weitere Erfahrungen zusammentrugen. Folglich erlangte die Reflexzonenarbeit um 1925 in den USA einen hohen Bekanntheitsgrad (Marquardt 2007). Damit war Fitzgerald der erste Arzt der Neuzeit, der die Wechselwirkung und Verknüpfungen des ganzen Körpers mit seinen Einzelteilen in therapeutisch nutzbare Verbindung brachte.

Zu Beginn der 30er Jahre zeigte die Masseurin Eunice Ingham (1888-1974) wachsendes Interesse an den Ausarbeitungen Fitzgeralds. Auf seiner Grundlage entwickelte sie durch jahrelange eigene Erfahrung ihre „Ingham- Method of compression massage“, welche als „Reflexology“ bekannt wurde. Diese beschrieb sie erstmal 1938 in „Stories the feet can tell“, welches sie später ergänzte in „Stories the feet have told“ (Marquardt 2005). Darin beschreibt sie ihre Technik als „spezialisierte Gewebebehandlung [...], wenn die Nervimpulse in den Füßen beeinflusst werden und eine Entspannung herbeigeführt wird“ (Ingham 2002, S.7) Im Laufe der Zeit kam auch Hanne Marquardt (geb. 1933, ausgebildete Krankenschwester und Masseurin, s. Abb. 10, Anhang S. 65) mit der Ingham-Methode in Berührung. Zunächst arbeitete Marquardt zwei Jahre als Lehrkraft an der Massageschule in Boppard/ Rhein. 1958 beendete sie ihre Ausbildung zur Atemtherapeutin und legte 1961 erfolgreich ihre Prüfung zur Heilpraktikerin ab. Begeistert von der „Reflexology“ führte sie diese über neun Jahre lang selbst in ihrer Praxis durch, bis sie 1967, überzeugt von der Methode, sowohl im präventiven als auch im kurativen und rehabilitativen Bereich, praktische Kurse für medizinisches Fachpersonal anbot. 1970 eröffnete sie ihre erste Lehrstätte für Fußreflexzonentherapie in Königsfeld-Burgberg. Schließlich folgte 1975 ihr Erstlingswerk mit dem Titel „Reflexzonenarbeit am Fuß“. Mittlerweile hat sich die Anzahl ihrer Lehrstätten auf 15 Ausbildungsorte im In- und Ausland gesteigert (Marquardt 2005). Noch heute, mit 75 Jahren, gibt sie ihr Wissen um die Reflexzonentherapie am Fuß auf nationaler und internationaler Ebene an Interessierte weiter. „Ich wünsche mir, dass das Erbe, das ich vor Jahrzehnten antrat und bis heute weitergebe, vielen Menschen auf ihrem inneren und äußeren Lebensweg eine gute Richtung weisen und immer lebendig, praxisnah und zeitgemäß bleiben möge“ (Marquardt 2005, S.5).

3.2 Das Konzept

Die Reflexzonentherapie am Fuß wird dem Bereich der Komplementärmedizin4 zugeordnet, bei welcher die Selbstheilungskräfte des Patienten unterstützt werden. „Als Ordnungs- und Regulationstherapie [...] versteht [sie] jede Art von Schmerz, auch den in den Zonen, als Hinweis, dass die Heil- und Regenerationskraft des Menschen Hilfe und Unterstützung braucht“ (Reflexzonentherapie am Fuß 2008, S.6). Das Prinzip besteht dabei in der Widerspiegelung des Makrosystem Mensch im Mikrosystem Fuß, d.h. fast der ganze Körper, bis auf Hände, Unterschenkel und Füße, wird in Form von Reflexzonen am Fuß reflektiert. Auf diese Weise können Funktionsstörungen und Beschwerden der Organe, der Muskulatur, des Lymphsystems, der Knochen und Gelenke festgestellt und indirekt sowohl über die Fußsohle und den Fußrücken, als auch über das Sprunggelenk und den distalen Unterschenkel behandelt und gelindert werden. Mit den Händen wird der ganze Fuß mittels verschiedener Griffe und Druckintensitäten je nach Behandlungsbedarf bearbeitet.

Es wird vermutet, dass die Wirkung der RZF auf dem viszerokutanen Reflex beruht. Dies bedeutet, dass der therapeutische Reiz über nervale Verbindungen, die zwischen der Haut und den verschiedenen Organen bestehen, weitergeleitet wird oder dass die Organe über vegetative Reaktionen nach gesetztem Reiz erreicht werden können (Kolster & Ebelt-Paprotny 2002). Dies ist allerdings noch nicht grundlegend erforscht. Auch gibt es noch keinen wissenschaftlich belegten Nachweis der Reflexzonensomatopie. Dennoch steht fest, dass ein heilender Reizmechanismus vorhanden ist, der ähnlich der Akupunktur zum gewünschten Behandlungserfolg führen kann (Wright 2005).

3.2.1 Reflexzonen

Um die Reflexzonen des Fußes leichter finden zu können, sind die „body zones“ von W. Fitzgerald, die Schautafeln von H. Marquardt (s. Abb.13, Anhang S. 68) und die Formenanalogie zwischen Mensch und Fuß (s. Abb. 5 und 6) eine sehr gute Hilfestellung. Die Formenanalogie wurde von Marquardt entdeckt. Stellt man sich einen sitzenden Menschen vor, entspricht diese Darstellung der Form eines aufgestellten Fußes in Nullstellung. Dabei gelten folgende Regeln: die Vorderseite des Menschen (ventral) ist an der Dorsalseite des Fußes und die Rückseite des Menschen (dorsal) ist plantar am Fuß zu finden. Daraus ergeben sich weitere Übereinstimmungen: die Reflexzonen des Kopfes und Halses liegen in den Zehen, die von Thorax und Oberbauch in den Mittelfußknochen; Bauchraum und Becken können an den Fußwurzelknochen bis hin zu den Knöcheln behandelt werden und die Reflexzonen des Oberschenkels und der Knie entsprechen schließlich dem distalen Unterschenkel (Marquardt 2005).

Abb. 5 Abb. 6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Oberarmes am fünften Mittelfußknochen zu finden. Ebenso verhält es sich mit Gelenken, Bändern und der Muskulatur. Zur detaillierten Darstellung dienen die Schautafeln im Anhang.

Marquardt hat auch hier ihre Erfahrungswerte einfließen lassen, so dass sich die Reflexzonen in ihrer Lokalisation teilweise von denen Inghams unterscheiden oder Marquardt diese noch um weitere Reflexzonen erweitert hat (s. Tab. 1). Auf diese Weise sind die Reflexzonen heute detaillierter beschrieben, was die Befundaufnahme und die zielgerichtete optimale Behandlung jedes Patienten erleichtert. Die Variationen der Reflexzonen beruhen auf empirischen Erfahrungswerten aus ihren Behandlungen.

Tab. 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2.2 Ziele und Indikationen

Die Ziele der Fußreflexzonentherapie sind breit gefächert. Von Entspannung bis hin zu Aktivierung kann vieles abgedeckt werden. Die RZF dient nicht der direkten Heilung, sondern der Anregung der Selbstheilungskräfte des Körpers. Je nach Diagnose und Beschwerdebild werden die Parameter der Durchführung variiert, jedoch immer mit dem Ziel eine Hyperämisierung des Fußgewebes zu erreichen, damit der Körper schon von der Basis her zur Regenerierung und Ordnung aktiviert werden kann. Weiterhin soll das vegetative Nervensystem stabilisiert und energetische Blockaden gelöst werden. Die RZF geht davon aus, dass das optimale Zusammenspiel der Körperfunktionen vom Fließen der Energie abhängig ist und daher nicht durch auftretende Blockaden, die sich durch Hornhaut oder Falten der Fußsohle zeigen, gestört werden darf (Burggraef 2004). Außerdem zielt die RZF darauf ab, Ausscheidungen der Harnwege, des Verdauungstraktes und auch der Haut und Atemorgane zu fördern sowie Muskelverspannungen und eventuell vorhandene Spasmen zu regulieren.

Verschiedene Indikationen haben sich bewährt. Als erstes sind hier die statisch- muskulären Erkrankungen zu nennen, unabhängig ob akut oder chronisch, wie beispielsweise Arthrose oder schmerzbedingte Bewegungseinschränkungen. Die zweite Indikationsgruppe beinhaltet funktionelle Erkrankungen des Verdauungstraktes, z.B. Gastritis oder Obstipation. Die dritte große Gruppe umfasst Erkrankungen des Atemwegssystems wie Bronchitis oder Erkältungen. Weiterhin können Beschwerden der harnableitenden Wege gelindert werden. Ebenso profitieren Allergiker mit Heuschnupfen, Asthma oder Hauterkrankungen von der RZF. Der Schlaf-Wach-Rhythmus und das allgemeine Wohlbefinden können ebenfalls positiv beeinflusst werden. Interessant für Frauen ist die Besserung von Menstruationsbeschwerden nach mindestens einer Behandlungsserie (persönliche Mitteilung Burggraef 2008, s. Anhang S. 74-87). Nützlich ist die RZF auch für die große Gruppe der Kinder und alten Menschen, die mit ihren meist komplexen chronischen Erkrankungen eine Besserung ihres Zustandes erleben können (Marquardt 2007).

3.2.3 Kontraindikationen

Trotz aller positiven Aspekte der RZF ist auch diese Methode kein Allheilmittel. Bei der Anwendung gilt es bestimmte Kontraindikationen zu beachten. Diese werden in absolute und relative Kontraindikationen unterschieden. Zu den absoluten zählen

- akute Entzündungen im Venen- und Lymphsystem,
- Fremdkörper in der Nähe lebenswichtiger Organe und Systeme,
- Aneurysmen in arteriellen Blutgefäßen,
- Transplantate und
- Melanome, die speziell an Füßen und Beinen vorkommen.

Des Weiteren sollte nach überstandenen Venenentzündungen der aktuelle Zustand ärztlich abgeklärt sein, um die RZF durchzuführen.

Die relativen Kontraindikationen werden unterteilt in Erkrankungen der Füße und weitere relative Kontraindikationen. Zur ersten Teilgruppe gehört

- der Morbus Sudeck5 am Fuß (Behandlung kontralateral oder über Handreflexzonen möglich),
- Gangräne6 am Fuß (nur für geübte und sichere Therapeuten mit Erfahrung),
- Ekzeme oder Mykosebefall am Fuß (Baumwollsocken verhindern den direkten Kontakt und ermöglichen dennoch die Therapie) und
- Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis im akuten schmerzhaften Stadium (nur sanft arbeiten und vor allem Ausstreichungen anwenden).

Zu den weiteren relativen Kontraindikationen werden

- infektiöse und hochfieberhafte Erkrankungen (RZF nur als unterstützende Maßnahme während ärztlicher Behandlung),
- Psychosen wie Schizophrenie (Psychopharmaka verschleiern normale Reaktionen, wodurch Reaktionen auf die RZF nicht eindeutig abzugrenzen sind),
- bei ärztlich verordneter Immunsuppression (Leukozytenzahl unter 2500) (Grundkurs Reflexzonentherapie am Fuß nach Hanne Marquardt o.D.),
- Aids im terminalen Stadium (lediglich sanfte Reize und Ausgleichsgriffe) und
- Risikoschwangerschaften gezählt.

Außerdem sollte man bei Erkrankungen, bei denen eine Operation optimale Erfolge verspricht, diese auch durchführen und auf die RZF verzichten (Marquardt 2005).

3.2.4 Griffe und Technik

Die Grundlage der RZF ist die Arbeit mit den eigenen Händen. Dementsprechend ist es wichtig, dass der Therapeut seine Hand ohne Überdehnung oder Verkrampfung entspannt einsetzen kann. Der Abstand zu den Füßen des Patienten sollte dabei ungefähr einer Unterarmlänge entsprechen (Marquardt 2007). Die Behandlungsbank sollte auf der individuellen Arbeitshöhe eingestellt sein, um sowohl Rücken- als auch Schulter- und Armschmerzen während der Arbeit zu vermeiden.

Der wichtigste Griff der RZF ist der Daumen-Grundgriff (s. Abb. 14a & b, Anhang S. 69). „Die heutzutage ausgeführte Grifftechnik wurde auf dem Wege jahrelanger praktischer Erprobung entwickelt, um die Hand bestmöglich funktionsgerecht einzusetzen“ (Marquardt 2005, S.12). Hierbei wird auf einen zu starken mechanischen Druck verzichtet, da der Reiz nur über die Bewegungsabfolge des Daumens entsteht, während die Finger passiv ruhen und Halt geben. Der Daumen-Grundgriff kann in zwei Phasen unterteilt werden, um die Bewegung besser nachvollziehen zu können. Die erste Phase ist die aktive. Der Unterarm steht in der Semipronationsstellung, Hand und Unterarm bilden eine horizontale Linie. Durch die drucklose Berührung des Fußes mit dem Daumen, befindet sich dieser in einer leichten Opposition. Durch ein entspanntes Vorwärtsschwingen des Armes, welches aus dem Schultergelenk kommt und nicht aus dem Handgelenk, resultiert eine passive Flexion des Daumenendgliedes. Nun übernimmt der Daumen die aktive Phase und steigert den Flexionswinkel auf 90°, damit über den Daumenba llen schließlich der therapeutische Reiz punktuell im Gewebe gesetzt werden kann. Es folgt die passive Phase des Griffes, denn durch ein spontanes Entspannen der Daumen- und Handmuskulatur kann der Arm passiv zurückschwingen. Schließlich ruht der Daumen wieder auf dem Fuß (Marquardt 2005). Der Wechsel zwischen aktiver und passiver Phase führt zu einem harmonischen Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung, was einerseits dem Therapeuten die Möglichkeit einräumt, sich wieder neu auf jeden therapeutischen Reiz konzentrieren zu können, und andererseits dem Fußgewebe von neuem Zeit zu Verarbeitung des eben gesetzten Reizes gibt.

Ein weiterer wichtiger Griff ist der Zeigefinger-Grundgriff (s. Abb. 15a & b, Anhang S. 69). Im Unterschied zum Daumen-Grundgriff setzt hier der Zeigefinger den nötigen Reiz und der Daumen übernimmt die stützende Funktion auf der gegenüberliegenden Seite. Dementsprechend ist der Zeigefinder-Grundgriff vorzuziehen, wenn die Dorsalseite des Fußes bearbeitet werden soll, da es Muskeln und Gelenke des Therapeuten weniger belastet. Dieser Griff kann ebenfalls in eine aktive und eine passive Bewegungsphase unterteilt werden. Zu Beginn der aktiven Phase ruht der Zeigefinger mit der Fingerbeere auf dem Fuß, der Daumen stützt passiv und das Handgelenk befindet sich in Neutralnullstellung. Durch rhythmisches Schwingen im Handgelenk in Richtung Palmarflexion, verändert sich auch die Position des Zeigefingers von der Fingerbeere hin zur Fingerkuppe. Schließlich übernimmt der Zeigefinger die Kraftausübung, die Druckintensität des Fingers steigert sich und der therapeutische Reiz wird gesetzt. In der nun folgenden passiven Phase muss sowohl der Zeigefinger als auch das Handgelenk entspannt werden, damit dieses zurück in die Extension schwingt und der Zeigefinger wieder in die lockere Ausgangsposition geführt wird (Marquardt 2005).

Der sedierende Verweilgriff ist eine Abwandlung des therapeutischen Reizes, um besonders schmerzhafte und akute Zustände zu lindern. Der Daumen oder Finger befindet sich dabei in der schmerzhaften Zone. Die Intensität wird allmählich aufgebaut bis der Druck schließlich punktuell auf das schmerzende Gewebe wirkt. Der Druck des Daumens oder Fingers wird nun so lang aufrechterhalten, bis der Schmerz nachlässt, was in der Regel 10 bis 20 Sekunden dauert. Danach wird die Druckintensität wieder verringert, der Daumen oder Finger entspannt sich und wird millimeterweise über das gesamte Schmerzgebiet geführt. Um erstens das Schmerzempfinden besser beurteilen zu können und zweitens die richtige Dosis für den jeweiligen Patienten zu finden, ist es unbedingt notwendig, die Mimik während der Durchführung genau zu beobachten (Marquardt 2007).

Die eben beschriebenen Griffe können bei jedem Patienten über Intensität und Tempo angepasst werden. Ist die Intensität eher weich und beruhigend, hat der Griff eine sedierende Wirkung. Ist sie hingegen kräftig und tiefgreifend, wirkt der Griff tonisierend. Ähnlich verhält es sich bei dem Tempo der Griffdurchführung. Die sedierende Wirkung erreicht der Therapeut über ein langsames und bedächtiges Arbeiten. Soll das Gewebe der entsprechenden Reflexzone tonisiert werden, muss die RZF schnell und zügig durchgeführt werden (Marquardt 2005).

Ausgleichsgriffe dienen der Beruhigung und Harmonisierung des Vegetativums und sollten deswegen zum Einstieg, mehrmals während der Behandlung bei auftretender vegetativer Überforderung oder als Abschluss durchgeführt werden. Eine Serie von Ausgleichsgriffen besteht aus vier bis acht Wiederholungen. Zu den Ausgleichsgriffen zählen der Fersen-Dehngriff, das Energiekäppchen, die Yin-Yang-Streichung, der Atem-Ausgleichsgriff und der Handflächen-Fußsohlen-Griff, welche eine rasche Wirkung zeigen.

Der Fersen-Dehngriff (s. Abb. 16a, Anhang S. 70) wirkt sich auf die Atmung aus. Die Fersen des Patienten werden dazu mit den Händen umfasst. Mit der Einatmung werden die Beine über die Fersen gedehnt, mit der Ausatmung lässt der Therapeut wieder locker und die Ausgangsstellung wird wieder erreicht. Falls die Atmung des Patienten flach und hektisch erscheint, sollte der Dehngriff über zwei bis drei Atemzüge gehalten werden.

Das Energiekäppchen (ähnelt dem Atemausgleichsgriff, nur mit ruhendem, nicht abgewinkeltem Daumen, s.u.) wird eingesetzt, wenn der Patient stark vegetativ reagiert. Dann legt der Therapeut seine Hände von medial auf die nach außen rotierten Füße des Patienten. Dabei berührt die Mitte des Handtellers das Großzehengrundgelenk. Die Hände ruhen dementsprechend auf den Füßen und nach durchschnittlich 20 Sekunden hat sich die Überreaktion wieder reguliert. Die Regulation wirkt dabei über die Reflexzonen von Herz, Schilddrüse und Nacken.

Die Yin-Yang-Streichung (s. Abb. 16b, Anhang S. 70) gehört im Gegensatz zu dem Energiekäppchen zu den fließenden Ausstreichungen. Dieser Griff wirkt über die Meridianenergie und kann sowohl einseitig als auch gleichzeitig an beiden Beinen durchgeführt werden. Der erste Strich (Yang-Meridian) führt von proximal nach distal und zwar von der lateralen Tibia zu den vier Zehen. Der zweite Strich (Yin-Meridian) verläuft in proximaler Richtung auf der Plantarseite des Fußes ab Höhe des Quergewölbes, weiter über die mediale Fersenregion bis hin zum Unterschenkel.

Der Atem-Ausgleichsgriff, auch als Zwerchfellgriff bezeichnet (s. Abb. 16c, Anhang S. 70), entspricht vom Prinzip her dem Energiekäppchen, nur dass zusätzlich die Daumen in die Reflexzone der oberen Zwerchfellbegrenzung abgewinkelt werden. Zur besseren Veranschaulichung wird diese Position auch als Fahrradlenker-Griff bezeichnet. Nun werden die Füße des Patienten mit der Einatmung in Dorsalextension gebracht, indem sich der Therapeut nach vorn neigt. Mit der Ausatmung führt der Therapeut die Füße des Patienten entspannt zurück in die Ausgangstellung. Analog zum Fersen-Dehngriff kann der Griff ebenfalls über zwei bis drei Atemzüge gehalten werden, um die Atmung zu beruhigen.

Der letzte Ausgleichsgriff heißt Handflächen-Sohlen-Griff (s. Abb 16d, Anhang S. 70). Dieser Griff wird als besonders wohltuend empfunden, da er das Gefühl der kompletten Unterstützung bietet. Dafür müssen die Handflächen des Therapeuten sanft auf den Fußsohlen des Patienten aufliegen. Wenn sich der Therapeut nun nach vorn beugt, übt er automatisch einen dehnenden Druck auf die Fußsolen und Achillessehne aus (Grundkurs Reflexzonentherapie am Fuß nach Hanne Marquardt o.D.). Der behandelnde Therapeut sollte die Ausgleichsgriffe individuell und an die Behandlungssituation angepasst wählen. Sowohl das Empfinden des Patienten als auch die aktuelle Stimmung des Therapeuten müssen bei der Auswahl des Ausgleichsgriffes beachtet werden. Beispielsweise sollte das Energiekäppchen nur angewandt werden, wenn der Therapeut selbst genug Ruhe ausstrahlt. Ist dies nicht der Fall bietet sich eher die Yin-Yang-Streichung an, da dies ein fließender Ausgleichsgriff ist (Marquardt 2005).

3.3 Die Durchführung

3.3.1 Behandlungsbedingungen

An erster Stelle der Behandlungsbedingungen steht das Behandlungszimmer, das gut belüftet, warm, hell und ruhig sein sollte. Weiterhin sollte der Raum genügend Platz sowohl für eine komfortable Position für Patient als auch für den Therapeuten bieten. Die Behandlungsbank ist im optimalen Fall gut gepolstert und breit genug, damit sich der Patient auch fallen lassen kann. Knierolle und Kissen unterstützen die bequeme Lage des Patienten. Wichtig für eine angenehme Behandlung ist eine Decke zum Zudecken von Becken und Oberkörper, denn während der Therapie kann der Patient durch die hervorgerufene Entspannung Wärme verlieren. Außerdem sollten einengende Kleidungsstücke der Patienten gelöst oder abgelegt werden, um die freie Atmung zu fördern. Um von Anfang an das Vertrauen zwischen Therapeut und Patient zu begünstigen, empfiehlt es sich, dass der Patient mit dem Kopf leicht erhöht liegt (Marquardt 2007). So ist der Blickkontakt zwischen Patient und Therapeut gewährleistet und der Therapeut kann sofort von der Mimik des Patienten auf dessen Empfinden schließen und die Griffe dementsprechend variieren.

3.3.2 Symptom- und Hintergrundzonen

In der Behandlung mit der RZF unterscheidet man zwischen zwei Zonengebieten, die über die Durchführung, Intensität und Reihenfolge entscheiden. Zum einen gibt es die Symptomzonen, welche die vom Patienten angegebenen Beschwerden oder bereits bekannten Diagnosen widerspiegeln. Beispielsweise ist die Reflexzone des Knies bei bestehender Gonarthrose als Symptomzone zu deuten. Zum anderen zeigen sich meistens auch Hintergrundzonen, welche erst während der Befunderhebung zum Vorschein kommen. Diese geben der bekannten Diagnose eine ganzheitliche Betrachtungsweise und zusätzlich Hinweise auf womöglich noch beschwerdefreie Störungen. Nicht jede Symptomzone steht in direktem Zusammenhang mit vorher bestimmbaren Hintergrundzonen, so dass diese individuell verschieden sind und dementsprechend bei jedem Patienten neu inspiziert und palpiert werden müssen. „Die Unterteilung [...] Symptom- und Hintergrundzonen ist [...] eine Hilfskonstruktion mit dem Ziel, von einer einseitigen versachlichten und oberflächlichen An-Sicht der Krankheit wieder in die staunenswerte Vielfältigkeit der Zusammenhänge im Menschen vorzudringen, denn auch der kranke Mensch ist ein ganzer Mensch“ (Marquardt 2005, S.83). Um die entsprechenden Zonen am Fuß mit Behandlungsbedarf herauszufiltern, ist eine Befundaufnahme unerlässlich.

3.3.3 Befund der Fußreflexzonentherapie

Zu jedem Befund gehört eine individuelle Anamnese des Patienten, wie bei jeder anderen physiotherapeutischen Behandlung. Diese ist Voraussetzung in der Therapie von Patienten und soll hier nicht näher behandelt werden. Bedingung für jeden Befund ist, dass der Patient auch innerlich dazu bereit ist und sich und seine Füße entspannt. Der Gesamtbefund gibt7 Aufschluss über Abweichungen und Veränderungen am Fuß in Form, Farbe, Gewebetonus und Temperatur. Daraus ergeben sich Hinweise für mögliche Störungen in den Reflexzonen und dementsprechend auch in Organen, Gelenken usw. des Patienten. Der erste Teil ist der Sichtbefund, gefolgt von einem Tastbefund. Der Sichtbefund untergliedert sich in die Beobachtung

- der Knochen,
- des Gewebes
- und der Haut mit Nägeln.

Bei Betrachtung des Fußskeletts soll auf Längsgewölbe, Quergewölbe sowie Form und Stellung der Zehen geachtet werden, denn „Veränderungen im Skelett des Fußes bedeuten zur selben Zeit Störungen in der energetischen Versorgung der Reflexzonen“ (Marquardt 2007, S.34). Während ihrer Tätigkeit entdeckte Marquardt weitere Analogien und Zusammenhänge zwischen Fuß und Körper. Beispielsweise verläuft die Reflexzone der Wirbelsäule analog zum Längsgewölbe des Fußes. Ist dieses nun abgesenkt, durch einen Platt- oder Senkfuß, ist die Wirbelsäulenzone wahrscheinlich schmerzhaft betroffen. Ein gespreiztes Quergewölbe weist hingegen auf Störungen von Schultergürtel, Herz und Atmungssystem hin. Störungen im kleinen Becken und in den Hüftgelenken können in Verbindung mit Verletzungen der Ferse und der Knöchel, d.h. dem Sprunggelenk, stehen. Ein Hallux Valgus ist oft ein Zeichen für Fehlbelastung im Hals- und Nackenbereich oder tritt häufiger bei Patienten mit Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion auf (Marquardt 2005).

Der Sichtbefund des Gewebes kann anhand von bereits sichtbaren Ödemen Aufschluss über Stauungen im lymphatischen und venösen System geben. Entsprechende Verquellungen und Aufquellungen sind häufig an den Knöcheln, der Achillessehne und auf der Dorsalseite der Zehengrundgelenke zu sehen.

Somit sind vor allem die Reflexzonen der Organe des Beckens (Knöchel) und des Brustkorbes (Zehengrundgelenke) von möglichen Störungen betroffen. Weiterhin sind häufig Einziehungen oder erschlafftes Gewebe zu beobachten, meist plantar oder medial mit klarer Abgrenzung zum umliegenden Gewebe. So konnte Marquardt zeigen, dass unter Verdauungsproblemen leidende Patienten im Bereich der Reflexzonen des Darmes aufgequollenes Gewebe aufweisen, was anatomisch den Fußwurzelknochen Calcaneus, den Ossis cuneiforme I-III und dem Os naviculare entspricht. Ein anderes Beispiel bezieht sich auf den Hüftgelenksersatz mittels Endoprothesen. Häufig sind unmittelbar nach der Operation Ödeme und Stauungen um den Malleolus lateralis zu erwarten, welche dann parallel zur Wundheilung und Verbesserung von Kraft und Beweglichkeit wieder verschwinden (Marquardt 2005).

Zuletzt sollen das Hautbild und die Zehennägel untersucht werden. Dabei ist oft weniger die Art als vielmehr die Lokalisation der Veränderungen ein wichtiges Indiz bei der Beurteilung, denn erst über die Reflexzonenzuordnung lässt sich eine mögliche Problematik herausfinden. Das Spektrum möglicher Hautveränderungen reicht dabei von Rötungen über Hornhaut und Leberflecken bis hin zu Fußpilz. Stark verhornte Stellen um den medialen Teil des Großzehengrundgelenkes kommen beispielsweise oft bei Patienten mit Nackenschmerzen oder Schilddrüsen- und/ oder Herzbeschwerden vor. Auch die Fußnägel können Abweichungen von der Norm bezüglich Form, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit zeigen, welche Hinweise zu Belastungen der Kopfzonen geben (ebd.). Um alle oberflächlich sichtbaren Veränderungen und Belastungen sehen zu können ist es zu empfehlen, dass „der Patient nicht vor der ersten Reflexzonenmassage zum Fußpfleger geht, sondern danach“ (Marquardt 2007, S.37).

Der Tastbefund wird anschließend mit Hilfe des Daumen-Grundgriffes durchgeführt. Dabei werden verbale und nonverbale Äußerungen des Patienten werden als Antwort auf den gesetzten Reiz und somit als positiver Befund gewertet. Beide Füße werden einmal komplett und gleichmäßig in minimalen Schritten abgetastet, um auffällige Zonen zu finden. Solche Zonen zeigen sich laut Marquardt

- durch den lokal empfundenen Schmerz
- durch vegetative Reaktionen und (s. Kap. 3.3.4)
- mit einiger Erfahrung durch Palpieren (Marquardt 2005, S.78).

Als belastete Zonen gelten sowohl die in Kapitel 3.3.2 beschriebenen Symptomzonen als auch die Hintergrundzonen.

Es gibt zwei Varianten, um den Fuß abzutasten. Die erste orientiert sich an den Reflexzonenbereichen. Begonnen wird dabei mit Kopf und Hals, gefolgt von Wirbelsäule und Thorax. Als nächstes bearbeitet man die harnableitenden Wege sowie Becken, Oberschenkel bis hin zum Kniebereich. Darauf folgt die Überprüfung des Hormonsystems. Atmungsorgane und Herzzone werden noch einmal separat befundet. Schließlich folgt die Untersuchung von Verdauungstrakt und dem Lymphsystem. Die zweite Möglichkeit des Tastbefundes richtet sich nach der Anatomie des Fußes. Auf diese Weise werden zuerst die Reflexzonen der Zehen, dann der Mittelfußknochen, der Fußwurzelknochen und schließlich des distalen Unterschenkels untersucht.

Die Dokumentation des erhobenen Befundes wird in vorgefertigte Befundkarten für Reflexzonentherapie eingetragen. Die Ergebnisse werden nach folgendem Schema eingetragen:

- Sichtbefund: schwarz
- Symptomzonen: rot
- Hintergrundzonen: grün (Marquardt 2005, S.83)

Um zusätzlich darzustellen, wie stark belastet eine Zone ist, variiert man die Druckstärke beim Einzeichnen wie folgt:

- sehr stark belastet: kräftig
- stark belastet: mittel
- wenig belastet: fein (Marquardt 2005, S. 86)

Ist dies geschehen, kann in den Folgebehandlungen darauf aufgebaut werden, wodurch das zielgerichtete Arbeiten ermöglicht wird.

3.3.4 Dosierungsgrenze und Normalisierung einer Reflexzone

Sehr wichtig für den Erfolg einer RZF-Behandlung ist das Beachten von vegetativen Irritationen, um eine Überforderung der Patienten zu vermeiden. Vegetative Reaktionen treten auf, wenn die Dosierungsgrenze erreicht ist. Danach sollte der Therapeut die Intensität nicht noch mehr erhöhen. Als Zeichen gelten feuchte Hände und Füße, eine spontan stark erhöhte Pulsfrequenz, eine veränderte Gesichtsfarbe, wenn dem Patienten zu warm oder zu kalt wird, ein eher verminderter Speichelfluss, eine flache und schnelle Atmung und spontan einsetzende Übelkeit. Auch bei entstehender innerer Unruhe, Angstzuständen oder plötzlichem Weinen sollte das Gleichgewicht des Patienten mittels Ausgleichstrichen und nur sanften, langsamen Reizen wieder hergestellt werden, damit er sich wieder wohlfühlen kann.

Die Normalisierung einer Reflexzone zu erkennen verlangt viel Erfahrung in der Untersuchung und dem Ertasten der Füße. Doch mit Übung kann man Tonus- und Temperaturunterschiede bereits fühlen, ohne dass der Patient ein Signal gegeben hat. Ist eine Reflexzone erfolgreich behandelt worden, ist dies dann ebenfalls an bestimmten Aspekten zu erkennen. Der betroffene Bereich am Fuß ist dann weniger oder gar nicht mehr schmerzempfindlich, besser durchblutet, weist eine regulierte Gewebsspannung auf und der Patient zeigt nur noch kaum oder gar keine vegetativen Zeichen der Überforderungen auf (Marquardt 2005).

3.4 Wissenschaftliche Evidenz der Wirkung

Die Anzahl von Studien, welche die Wirkungsweise und Effektivität der Fußreflexzonentherapie in der physiotherapeutischen Behandlung bestätigen, ist leider noch sehr gering. Dies kann verschiedene Gründe haben. Zum einen zählt die RZF zu den komplementärmedizinischen Anwendungen, d.h. sie braucht lange, um sich in der Medizin durchzusetzen. Dementsprechend lange dauert es auch, bis groß angelegte Studien und Untersuchungen durchgeführt werden. Außerdem erweist es sich als sehr schwer, die Wirkung der RZF wirklich objektiv zu belegen, da der Wirkmechanismus noch nicht eindeutig nachzuvollziehen ist und das Ergebnis von zusätzlichen Faktoren, wie beispielsweise der Therapeut-Patienten-Beziehung oder der Tagesform abhängig ist. Zum anderen werden in der Durchführung keine technischen Hilfsmittel oder Apparate benötigt, wodurch die Suche nach Sponsoren erschwert ist.

In diversen Büchern und Artikeln über die Reflexzonentherapie am Fuß wird zwar angegeben, dass zahlreiche Studien Erfolge belegen können, allerdings werden oft keine Quellangaben genannt oder die entsprechenden Untersuchungen sind nicht publiziert. Einige Studienergebnisse konnte ich leider nur in Form von Abstracts bekommen (s. Kap. 3.4.1). Dennoch habe ich eine Originalarbeit gefunden, die auf wissenschaftlichem Niveau die Evidenz und Wirksamkeit der RZF beweist, worauf ich in Kapitel 3.4.2 näher eingehen werde.

3.4.1 Zusammengefasste Ergebnisse diverser Studien

- „Wirksamkeit der Fußreflexzonentherapie (FRZT8 ) auf den Schmerz und die Bewegungsfunktion bei Patienten mit Gonarthrose“ (persönliche Mitteilung von Uhlemann, s. Anhang S. 72-73)

Diese Untersuchung, durchgeführt von Uhlemann am Kompetenzzentrum Naturheilverfahren der Klinik für Innere Medizin der FSU Jena, stellt heraus, dass die Wirkung der RZF über eine Placebowirkung hinausgeht. Hierzu wurden 30 Patienten mit Gonarthrose der Röntgenstadien I und II9 in sechs Wochen insgesamt 12 Mal behandelt. Die Datenerhebung erfolgte sechs Wochen vor der Therapieeinheit, vor der Serie, direkt im Anschluss und acht Wochen später. Die Schmerzintensität wurde mittels der Visuellen Analogskala (VAS), der Druckalgometrie10 und dem Patientenurteil ermittelt. Der unspezifische SF 36-Test11 und der arthrosespezifische WOMAC- Fragebogen dienten der Beurteilung von Wohlbefinden, Funktion und Steifigkeit. Die Vergrößerung des Bewegungsaumaßes (BAM) wurde mit der Neutral-Null-Methode gemessen. Die Schmerzintensität von Belastungs-, Ruhe- und Anlaufschmerz hat direkt nach der Behandlungsserie und auch nachhaltig signifikant abgenommen. Die Ergebnisse des SF36 und des WOMAC-Fragebogens ergaben eine Verbesserung. Die Messung des BAM zeigte eine Vergrößerung um bis zu 12°. Das Patientenurteil fiel ebenfalls sehr zuf rieden stellend aus (s. Abb. 7 und 8). Diese Studie zeigt demnach, dass Schmerzen gelindert und Bewegungsstörungen bei Kniearthrose verbessert werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8

Patientenurteil acht Wochen nach der Behandlungsserie; 87% gaben eine weitere Verbesserung bezüglich Schmerz und Funktion an

Um die Untersuchung objektiver zu gestalten sollten noch mehr Probanden an diesem Studiendesign teilnehmen. Weiterhin würde eine Placebogruppe eine sinnvolle Ergänzung darstellen, um die tatsächliche Wirkung der RZF zu belegen.

[...]


1 Um den Textfluss nicht zu stören, wird bei Personen die grammatikalisch maskuline Form gewählt. Natürlich sind in diesen und allen übrigen Fällen immer Frauen und Männer gleichermaßen gemeint. Dies trifft auf Therapeuten ebenso zu wie auf Patienten u.ä.

2 Therapiekonzepte der Pädiatrie (Hüter-Becker (Hrsg.) 2004)

3 entdeckend, ausprobierend, erforschend

4 lat.: complementum = Ergänzung; ergänzende Medizin zur Schulmedizin; Alternativmedizin

5 auch als Complex regional pain syndrome (CRPS) bezeichnet

6 „Form der ischämischen Nekrose mit Autolyse des Gewebes und Verfärbung“ (Engst et al. 1998)

7 Vorlage einer Befundkarte s. Abb. 17, Anhang S. 71

8 = RZF

9 nach Kellgren

10 Schmerzempfindung

11 Abbildung der globalen Gesundheit und Lebensqualität bezüglich körperlicher und psychischer Gesundheit (Testzentrale 2008, Zugriff 10.11.2008)

Ende der Leseprobe aus 118 Seiten

Details

Titel
Die Fußreflexzonentherapie nach Hanne Marquardt als Therapieansatz bei schwerstmehrfachbehinderten Kindern
Hochschule
Fachhochschule Kiel  (Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
118
Katalognummer
V157475
ISBN (eBook)
9783640711130
ISBN (Buch)
9783640711093
Dateigröße
2594 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußreflexzonentherapie, Mehrfachbehinderung, Pädiatrie
Arbeit zitieren
Dana Loudovici (Autor), 2009, Die Fußreflexzonentherapie nach Hanne Marquardt als Therapieansatz bei schwerstmehrfachbehinderten Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157475

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