Die Entwicklung des deutschen IuK-Sektors und seiner Rahmenbedingungen


Seminararbeit, 2003

44 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1 Einfuhrung in die Problemstellung

2 Der IuK-Sektor
2.1 Rolle des IuK-Sektors auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum
2.1.1 Zusammensetzung der IuK-Sektoren
2.1.2 Anteil des IuK-Sektors am gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum
2.1.3 Anteil und Auswirkungen des IuK-Sektors auf den Arbeitsmarkt
2.1.4 Zusammenfassung der Bedeutung des IuK-Sektors
2.2 Beeinflussende Rahmenbedingungen auf den IuK-Sektor
2.3 Reformen in Deutschland und deren Auswirkungen auf den IuK-Sektor

3 Uberblick der Grundungsaktivitaten in Deutschland
3.1 Definition und Abgrenzung des Begriffes Grundungsaktivitat
3.2 Die deutsche Grundungsaktivitat im internationalen Vergleich
3.3 Grundungsaktivitat im IuK-Sektor in Deutschland

4 Zusammenhang zwischen Grundungsaktivitat und Rahmenbedingungen in Deutschland

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Anteil der IuK-Wertschopfung an der gesamten Wertschopfung im Unternehmenssektor

Abb. 2: Prozentualer Anteil der unterschiedlichen IuK-Bereiche am Wertschopfungsbeitrag zum BIP

Abb. 3: IuK Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum

Abb. 4: Nascent Entrepreneurs 2002 im internationalen Vergleich

Abb. 5: Wachstumsstarke Grundungen 2002 im internationalen Vergleich

Abb. 6: Unternehmensgrundungen und Unternehmensinsolvenzen im IuK-Sektor

Abb. 7: Beitrag des IuK-Services zum gesamtwirtschaftlichen Beschaftigungswachstum

Abb. 8: PCs je 100 Einwohner

Abb. 9: Informations-Infrastruktur in Deutschland / USA

Abb. 10: Steigerung der Arbeitsproduktivitat und Abstand zu USA

Abb. 11: Gesamtumfang direkt finanzierter Gemeinschaftsprojekte nach Technologien

Abb. 12: Alternative Grundungsquoten 2002 im internationalen Vergleich

Abb. 13: Insolvenzen je 100 Grundungen im Jahr

Abb. 14: Mittelfristige Durchbruchsbereiche im IuK-Sektor

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Anteil der IuK-Teilbereiche und der restlichen Wirtschaftssektoren am Gesamt BIP und am Arbeitsmarkt

Tab. 2: Beitrag des IuK-Sektors zum Outputwachstum in Prozent

Tab. 3: Arbeitnehmerentgelt, Lohnkosten und Lohnstuckkosten des IuK-Sektors

Tab. 4: Merkmale der Portfoliounternehmen von Business Angels im Vergleich ...

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einfuhrung in die Problemstellung

Politik und Presse proklamieren seit einigen Jahren in Deutschland und anderen entwi- ckelten Industriestaaten den Umbruch von einer Industrie- zu einer Informationsgesell- schaft. Computer und international ausgebaute stationare (z. B. Internet) und mobile (z. B. Global System for Mobile Communication (GSM)) Netzwerke haben in den Ar- beits- und Freizeitalltag vieler Menschen Einzug gehalten.

Mit dieser Entwicklung einhergehend war ein globales wirtschaftliches Wachstum in den 90er Jahren in einigen dieser Industriestaaten zu beobachten, insbesondere im In­formations- und Kommunikationssektor (IuK-Sektor). Auffallend dabei ist, dass das pro Kopf Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) innerhalb der OECD Staaten teilwei- se stark voneinander abweicht. Vor diesem Hintergrund lieBe sich schlussfolgern, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Wachstum des IuK-Sektors und dem pro Kopf Wachstum in den einzelnen Landern gibt. Diesem Ansatz widerspricht aber die Tatsa- che, dass ein vergleichsweise sehr armes Land wie Irland, oder ein Land wie Australien, welches nahezu keinen IuK-Sektor aufweist, in den 90er Jahren hohere Wachstumsraten erwirtschafteten, als beispielsweise Lander wie Japan oder Deutschland, die eine sehr starke Durchdringung mit Informationstechnologie (IT) und entsprechender Infrastruk- tur haben. Demgegenuber konnten die USA ihre Spitzenstellung im international en Vergleich behaupten, ohne dass ein politischer Handlungszwang wahrend des angespro- chenen Zeitraumes bestanden hatte, Amerika besaB bereits eine herausragende Stellung [Vgl. OECD2001a, S.3].

Wirtschaftswachstum kann durch den Mehreinsatz der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital oder durch die Steigerung der so genannten totalen Faktorproduktivitat (multi­factor productivity (MFP)) erzielt werden [Vgl. CoSc2001, S.4]. MFP beschreibt die Effektivitat des Einsatzes der beiden Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit, nicht aber deren spezifischen Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Des Weiteren spiegelt sich darin unter anderem der Einfluss von technischen Veranderungen, Effizienzsteigerungen, Skalenertragen und Realloaktion von Produktionsfaktoren wider [Vgl. USDL2002, S.1]. Dabei zeigt sich, dass die Arbeitsproduktivitat in nahezu allen betrachteten Landern angestiegen ist. Dieser Arbeitsproduktivitatsanstieg ist in Landern mit vergleichsweise geringem BIP-Wachstum vornehmlich auf Investitionen im Kapitalstock begrundet, was zu Entlassungen bzw. Nichtanstellung von wenig produktiven Arbeitskraften und zu einer Verringerung der Wochenarbeitszeit gefuhrt hat [Vgl. OECD2001a, S.18, Vgl. 18, S.22f]. Lander mit einem vergleichsweise hohen BIP-Wachstum verdanken den Anstieg der Arbeitsproduktivitat dagegen nur teilweise Neuinvestitionen in den Kapitalstock, insbesondere sind diese Produktivitatssteigerungen durch eine Steigerung des MFP be- grundet [Vgl. OECD2000, S.24]. Gerade in den Jahren 1995-1997, zu einer spaten Pha­se des abgelaufenen Konjunkturzyklus, war in den USA, Australien oder Irland das MFP-Wachstum vergleichsweise hoch. Es gibt unterschiedliche Auffassungen und Stu- dien daruber, wie der Beitrag des IuK-Sektors auf das MFP dabei zu bewerten ist.

Ein weiterer Einflussfaktor zur Erklarung der Wachstumsunterschiede ist die Verande- rung der Zusammenhange zwischen technischem Fortschritt, Innovation und wirtschaftlichem Wachstum. Technischer Fortschritt hat zu extremen Preissenkungen von IT-Gutern bei gleichzeitiger Kapazitats- und Leistungssteigerung gefuhrt. Diese Tatsache forderte die Entwicklung, dass Innovationen schneller, marktgetriebener und gleichzeitig enger an den wissenschaftlichen Fortschritt gebunden waren [Vgl. OECD2000, S.8]. Eine unabdingbare Konsequenz sind hohere Anspruche an die Volkswirtschaften, insbesondere in den Bereichen Bildung und nationale Marktoffenheit.

Vor diesem Hintergrund konnten Grunde fur die Unterschiede in den gesamtwirtschaft- lichen Wachstumsraten beispielsweise in der unterschiedlich teuren Entwicklung von IT-Gutern, in einer besseren Ausbildung von Arbeitskraften oder auch in einem innova- tionsfordernden Marktumfeld liegen. Demnach kann nicht nur ein einziger Faktor fur das divergierende Wachstumsniveau identifiziert werden. Diese und andere Tatsachen, wie der „dot.com“-Crash und der damit einhergehende Verfall der so genannten New Economy, werfen Fragen bezuglich der wirtschaftlichen Bedeutung des IuK-Sektors, der wichtigsten Antriebsfaktoren fur Wirtschaftswachstum und der PolitikmaBnahmen, die eine positive Wirkung auf das Wirtschaftswachstum im Allgemeinen, aber auch auf den IuK-Sektor im Speziellen implizieren, auf. Diese Arbeit soll einen Uberblick uber geeignete Rahmenbedingungen fur eine gunstige Entwicklung des IuK-Sektors in Deutschland liefern. Jungst angestoBene Reformen finden dabei genauso Berucksichti- gung wie aktuelle Trends. Weiterhin wird versucht, einen Zusammenhang zwischen den bestehenden Rahmenbedingungen und der Grundungsaktivitat in Deutschland zu identi- fizieren. Eine Zusammenfassung der zusammengetragenen Ergebnisse und ein kurzer Ausblick auf die weitere Entwicklung des IuK-Sektors runden diese Arbeit ab.

2 Der IuK-Sektor

1998 stimmten die OECD Mitgliedsstaaten einer gemeinsamen Definition des IuK- Sektors im Rahmen der Internationalen Systematik der Wirtschaftszweige der Vereinten Nationen (International Standard Industrial Classification of all Economic Activities, ISIC) zu. Dadurch konnten erste aussagekraftige Messungen durchgefuhrt und (inter-) nationale Vergleiche angestoBen werden. Der IuK-Sektor besteht dabei aus einer Kom- bination von einem IuK-Subsektor im Verarbeitenden Gewerbe und einem IuK- Subsektor in den Dienstleistungsbereichen1, die sich mit der Erfassung, Ubermittlung und Darstellung elektronischer Daten auseinandersetzen [Vgl. OECD2002a, S.81; StBu2002, S.19].

2.1 Rolle des IuK-Sektors auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum

Im Folgenden werden Ergebnisse solcher internationalen Messungen zusammengefasst, um die Bedeutung des IuK-Sektors in Deutschland und im Vergleich zu anderen OECD Mitgliedstaaten aufzuzeigen. Der IuK-Sektor teilt sich dabei in die Zweige IT- Ausstattung sowie Ausstattung mit Kommunikationstechnologie und Software auf, wo- bei IT-Ausstattung und Ausstattung mit Kommunikationstechnologie zu einem Teil- zweig IuK-Ausstattung zusammengefasst werden. Jeder dieser Zweige kann nach der ISIC-Definition IuK-Produktions- und IuK-Service-Elemente beinhalten und entspre- chend zugeordnet werden, beispielsweise wird die Produktion von Softwarepaketen dem IuK-Produzierenden Bereich zugerechnet, die Instandhaltungsarbeiten und Pflege dieser Software dem IuK-Service. Beide Vorgange finden aber im Zweig IT- Ausstattung Berucksichtigung.

Der Einfluss des IuK-Sektors auf die nationale Bruttowertschopfung hat in allen be- trachteten Volkswirtschaften teilweise sehr stark zugenommen. Vor allem in den nord- europaischen Landern wie Finnland, Schweden oder Norwegen konnte die Bedeutung des IuK-Sektors deutlich gesteigert werden. Abbildung 1 gibt diesen Sachverhalt wie- der. Der Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschopfung (auBer Landwirtschaft) in den OECD Landern im Jahr 2000 liegt zwischen 5% und 16,5%, stellt aber immer noch einen relativ moderaten Teil dar. Deutschland befindet sich hierbei mit einem Anteil von knapp uber 6% im unteren Drittel der betrachteten Lander. Der OECD Durch- schnittsanteil der IuK-Sektoren am jeweiligen BIP liegt bei 9,7%, der europaische Durchschnitt bei 8,5% [Vgl. OECD2002a, S.20].[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anteil der IuK-Wertschopfung an der gesamten Wertschopfung im Unternehmenssektor [OECD2002b, S.23]

Ein weiterer Hinweis zur Bedeutung des IuK-Sektors ist die Umsatzsteuerstatistik. Der Anteil der Unternehmen, die dem IuK-Sektor zugerechnet werden konnen, betragt im Jahr 2000 8,4% der gesamten Unternehmen[2] in Deutschland. Allerdings erwirtschafte- ten die IuK-Unternehmen einen Umsatz von 12,8% der gesamten Umsatze in der Volks- wirtschaft und durchliefen in den Jahren 1994 bis 2000 eine Umsatzsteigerung von 81%, wogegen die Unternehmen der anderen Branchen die Umsatze im gleichen Zeitraum lediglich um 19% steigern konnten. Daraus lasst sich erkennen, dass die rela­tive Bedeutung des IuK-Sektors zwar zugenommen hat, dessen absolute Bedeutung aber weiterhin verhaltnismaBig gering ausfallt. Die Produktivitat und Effizienz der IuK- Unternehmen in Deutschland ist dabei hoher einzuschatzen, als bei Unternehmen ande- rer Wirtschaftszweige [Vgl. StBu2002, S.26-28].

2.1.1 Zusammensetzung der IuK-Sektoren

Ebenso bedeutsam in diesem Zusammenhang ist die Betrachtung der Zusammensetzung der einzelnen nationalen IuK-Sektoren, was Gegenstand von Abbildung 2 ist. Dabei kann in den verschiedenen Volkswirtschaften klare Unterschiede in der Zusammenset­zung der IuK-Sektoren herausgelesen werden, einige der betrachteten Lander haben sich auf bestimmte Teilbereiche spezialisiert. So haben beispielsweise Finnland oder Schwe- den ihren Fokus auf die Produktion und Ausstattung mit Kommunikationstechnologien gelegt, dagegen konzentrieren sich Frankreich und England auf IT-Dienstleistungen, deren Anteil am gesamten nationalen IuK-Sektor uber 30% betragt [OECD2002b, S.20].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Prozentualer Anteil der unterschiedlichen IuK-Bereiche am Wertschopfungsbeitrag zum BIP [OECD2002b, S.21]

Durch Spezialisierung und einhergehenden komparativen Vorteil konnen demnach auch im IuK-Sektor GroBenvorteile erwirtschaftet werden. Diese schlagen sich hauptsachlich im auBenwirtschaftlichen Handelsvolumen nieder. Die Exporte von IuK-Gutern belau- fen sich in einigen dieser OECD-Lander auf uber 5% des nationalen BIP. Betrachtet man die Wachstumsraten der auBenwirtschaftlichen Handelsbeziehungen im IuK- Sektor, so ist erkennbar, dass der Handel mit IT-Dienstleistungen immer bedeutender wird [Vgl. OECD2002d, S. 4]. Ein weiterer Grund fur die Spezialisierung der Lander auf Teilbereiche des IuK-Sektors sind die steigenden Forschungs- und Entwicklungs- kosten in den verschiedenen IT-Bereichen aufgrund hoher technischer Anspruche an Kapitalstock und Know-how. Fur Deutschland kann kein Spezialisierungsgebiet eindeu- tig identifiziert werden. Der Anteil von 6% des IuK-Sektors an der gesamtwirtschaftli- chen Wertschopfung teilt sich fast zu gleichen Teilen auf die beiden Subsektoren IT- Produktion und IT-Dienste/Dienstleistungen auf, wobei der IT-Dienstleistungsbereich zwischen 1995 und 2000 deutlich hohere Wachstumsraten aufzeigt. Insgesamt legte die Bruttowertschopfung im IuK-Sektor im betrachteten Zeitraum funfmal so stark zu wie die Bruttowertschopfung in der Gesamtwirtschaft [Vgl. StBu2002, S.19].

2.1.2 Anteil des IuK-Sektors am gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum

Der Anteil des IuK-Sektors am gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum betrug von 1980 bis 1995, abhangig vom betrachteten Land, zwischen 20 und 50% pro Jahr. In den Jahren 1995 bis 2000 stieg dieser Anteil auf 30 bis nahezu 90% (USA) an. Deutschland erreichte wie Japan und ein GroBteil der anderen europaischen Industriestaaten lediglich einen Beitrag des IuK-Sektors zum gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum von knapp uber 30%, wohingegen Australien, Kanada oder Finnland deutlich uber 50% erzielen konnten. Diese enormen Steigerungsquoten in den genannten Landern sind insbesonde- re auf einen starken Anstieg der Nachfrage nach IuK-Ausstattungsgutern zuruckzufuh- ren. Weiterhin ist in diesen Landern gleichzeitig auch ein deutlich hoherer Beitrag des

Software-Bereiches am gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum zu beobachten [Anhang 1]. Amerika hat mit Abstand den groBten Anstieg bei der IuK-Ausstattung, was vornehmlich mit dem Preisverfall von Computern von knapp 28% pro Jahr von 1995-1998 und gleichzeitig mit dem Preisverfall von Halbleitern zu begrunden ist [Vgl. JoSt2000, S.2]. Das Gesetz von Moore, welches die exponentielle Entwicklung in der Halbleitertechnologie beschreibt [Vgl. Moor1965, et al], besitzt nach momentanen Schatzungen noch fur ein Jahrzehnt Gultigkeit [Vgl. Heis2003]. Ceteris paribus ist ein weiterer Preisverfall der aktuellen IT-Produkte zu erwarten. Auf Grund der dadurch relativ niedrigen Anschaffungskosten und des andauernden Preisverfalles wuchsen die IT-Investitionen von Unternehmen und Haushalten gleichermaBen stark an und dieser Trend scheint sich demnach fortzusetzen. Abbildung 3 stellt den angesprochenen Bei- trag des IuK-Sektors auf das gesamtwirtschaftliche Outputwachstum grafisch dar. Es wird dabei die Entwicklung in den USA als international starkste Nation, Finnland als ein nordeuropaischer Vertreter und Frankreich als groBter zentraleuropaischer Kon- kurrent dem gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum in Deutschland gegenubergestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: IuK Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum [Vgl. CoSc2001, S.18].

Es wird deutlich, dass bei allen berucksichtigten Landern ein Gleichlauf zwischen den Wachstumsbeitragen IT-unabhangiger und IT-abhangiger Wirtschaftszweige zum ge­samtwirtschaftlichen Outputwachstum zu erkennen ist. Dieser Zusammenhang wird in Kapitel 2.2 noch einmal aufgegriffen. Betrachtet man sich das Schaubild von Finnland genauer, so konnen an dieser Stelle die Schwierigkeiten eines internationalen Ver- gleichs der verwendeten Zahlen kurz dargelegt werden. Bei jeder Betrachtung sind ne- ben bestehender nationaler Messunterschiede auch unterschiedliche nationale Konjunk- turzyklen zu berucksichtigen, um eine Vergleichbarkeit annahernd aufrecht zu erhalten. Finnland durchlief beispielsweise in den fruhen 90er Jahren eine tiefe Depression, Deutschland erlebte die Wiedervereinigung und Japan hatte mit der Asienkrise zu kampfen. Nichtsdestotrotz besteht metaphorisch gesprochen eine „Schere“ hinsichtlich der Entwicklung des okonomischen Wachstums zwischen den USA und den restlichen

OECD Staaten. Die USA haben mit 87% in den Jahren 1995 bis 2000 den bedeutends- ten IuK-Anteil zum gesamtwirtschaftlichen Outputwachstum [Vgl. CoSc2001, S.15] und in diesen Jahren auch das mit Abstand groBte BIP pro Kopf im Vergleich zu den restlichen OECD Staaten (Vgl. Kap.1).

2.1.3 Anteil und Auswirkungen des IuK-Sektors auf den Arbeitsmarkt

Die Interpretation der Auswirkungen des IuK-Sektors auf den Arbeitmarkt unterliegt nationalen Messunterschieden in Bezug auf die Zuordnung der Unternehmen zu Teilbe- reichen des IuK-Sektors. Die Definition ist zwar klar abgegrenzt, aber insbesondere im IuK-Service Bereich sind international identische Zuordnungen nicht moglich[3]. Den- noch lassen sich interessante Schlussfolgerungen bei der Betrachtung der Auswirkung des IuK-Sektors auf die Beschaftigungsmuster der einzelnen Lander ziehen. Die Be­trachtung schlieBt die Bereiche IuK-Produzierende Industrien, Industrien die diese Technologien aktiv in die Geschaftsprozesse einbeziehen und Industrien die diese Technologien nicht verwenden (hier als „Non-ICT“ sector bezeichnet) ein. Tabelle 1 zeigt die Ergebnisse der berucksichtigten OECD-Staaten im Zeitraum 1990 bis 1998.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Anteil der IuK-Teilbereiche und der restlichen Wirtschaftssektoren am Gesamt BIP und am Arbeitsmarkt [Ark2001, S.3]

Es wird ersichtlich, dass der IuK-Produzierende Bereich im angegebenen Zeitraum in­ternational einen relativ geringen Anteil am gesamtwirtschaftlichen BIP hat und in Deutschland als einzigem hier aufgelistetem Land zudem noch gefallen ist. Vergleicht man diese Zahlen mit dem Anteil der IuK-Produktion an der gesamtwirtschaftlichen Beschaftigung, fallt hier die nationale Bedeutung deutlich niedriger aus, ein Zeichen fur das gleichzeitig hohe Produktivitatslevel dieses Subsektors. Dennoch hatte der Produk- tivitatsanstieg von 1990 bis 1998 unterschiedliche Auswirkungen auf die nationalen Beschaftigungsmuster. In einigen Landern kam es auf Arbeitnehmerseite zu Freiset- zung, Nichtanstellung und Arbeitszeitverkurzung (Vgl. Kapitel 1), wohingegen in Finn- land oder Amerika der Zuwachs an Produktivitat in Relation mehr Arbeitsplatze ge- schaffen hat. Diese auf den ersten Blick widerspruchliche Tatsache kann mit der bereits mehrfach angedeuteten hohen Nachfrage nach IT-Gutern in den Landern selbst, aber auch in anderen Landern, hervorgerufen durch Spezialisierungs- und den damit verbun- denen Kostenvorteilen begrundet werden. Wahrend der IuK-Produzierende Subsektor ein hohes Produktivitatslevel besitzt, weist der IuK-Service wesentlich hohere Wachs- tumsraten auf, was die angesprochenen Freisetzungseffekte in der IuK-Produktion teil- weise kompensiert hat. Im Zeitraum von 1995 bis 2000 konnte dieser Subsektor durch- schnittlich 6,3 % der gesamtwirtschaftlichen Beschaftigungssteigerung verbuchen, wo- bei auf den gesamten IuK-Sektor durchschnittlich 4,1 % und auf die gesamten Wirt- schaftsbereiche 1,4 % zuruckzufuhren sind (Vgl. Anhang 2). Lander, die eine positive Entwicklung in der IuK-Produktion erlebt haben, profitierten zudem noch von der inter­national Bedeutungszunahme des IuK-Service, was ein weiterer Erklarungsansatz der divergierenden gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen ist.

Liegt der Fokus auf Deutschland, so ist der zuvor auf internationaler Ebene festgestellte Trend der Produktivitatssteigerung in der IuK-Produktion und die Kompensationseffek- te des IuK-Service-Bereichs ebenfalls zu erkennen. Insgesamt sind damit im deutschen IuK-Sektor die Erwerbstatigenzahlen von 1995 bis 2000 weniger angestiegen als in den restlichen Wirtschaftsbereichen [Vgl. StBu2002, S.19]. Die zunehmende Bedeutung des IuK-Service zeigt auch die positive Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte auf, welche um 19 % angestiegen sind, wohingegen die Arbeitnehmerentgelte in der IuK- Produktion um 5,6 % fielen (Vgl. Anhang 3). Bemerkenswert ist auch die Betrachtung der Entwicklung der Lohnkosten. Im gesamten IuK-Sektor sind die Lohnkosten im Ver- gleich zu den restlichen Wirtschaftbereichen uberdurchschnittlich angestiegen, was Ruckschlusse auf ein geringes Angebot hochqualifizierter Fachkrafte in Deutschland zulasst. Die Unternehmen fahren bei der Besetzung wichtiger Unternehmenspositionen mit IT-Fachkraften eine Einkaufsstrategie, worauf in Kapitel 2.3 noch naher eingegan- gen wird.

2.1.4 Zusammenfassung der Bedeutung des IuK-Sektors

Die kurze Darstellung des deutschen IuK-Sektors im internationalen Vergleich liefert folgende Kernaussagen: Auf der einen Seite hat der Einfluss des IuK-Sektors in Deutschland zugenommen, diese Entwicklung befindet sich aber noch im Anfangsstadi- um. Gerade bezuglich der Spezialisierung hinken Deutschland und die zentraleuropai- schen Industriestaaten den USA, aber auch den nordeuropaischen Landern deutlich hin- terher. Diese Tatsache hat weit reichende Folgen. Lander mit einer hoheren Spezialisie- rungsrate weisen auch einen groBeren Preisverfall in diesem Bereich in Folge technolo- gischer, empirischer und produktiver Vorteile. Der Preisverfall begunstigt eine hohere Nachfrage und fuhrt zu einer besseren IT-Durchdringung und zu einer gestiegenen wirt- schaftlichen Bedeutung der IuK-Sektoren. Die geringere Verteilungsquote von Informa­tions- und Kommunikationstechnologie (IKT) in Deutschland, vornehmlich im privaten Bereich, kann aber auch in einem fehlenden Angebot hochqualifizierter Fachkrafte, dem fehlenden Zugang zu Finanzierungsmoglichkeiten oder ineffizienten Guter- bzw. Kapi- talmarkten seine Wurzeln haben. Hinsichtlich der Arbeitsproduktivitat im IuK-Sektor und in den IT-abhangigen Wirtschaftszweigen besteht international durchaus Konkur- renzfahigkeit. Allerdings weisen stark spezialisierte Lander hohere Beschaftigungsquo- ten auf, wohingegen in Deutschland die Steigerung der Arbeitsproduktivitat negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte, insbesondere in der IuK-Produktion waren Freisetzungseffekte erkennbar. Daraus lassen sich Schlussfolgerungen auf unterschied- liche Marktzusammensetzung und herrschende Rahmenbedingungen ziehen. Betrachtet man neben der Beschaftigungsentwicklung auch die Investitionsraten im IuK-Sektor, ist auch hier eine Verlagerung von der Industrie zum Dienstleistungssektor auszumachen, in Deutschland wie in anderen OECD-Staaten. Gerade der Softwarebereich hat sehr dynamische Wachstumsraten und ist in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen und damit auch des politischen Interesses geruckt. Das nachste Kapitel zeigt in diesem Zusam- menhang Rahmenbedingungen auf, die den IuK-Sektor und seine beschriebene Zusam- mensetzung (positiv) beeinflussen.

2.2 Beeinflussende Rahmenbedingungen auf den IuK-Sektor

In diesem Kapitel werden veranderte Rahmenbedingungen und deren empirische Aus- wirkung auf die Volkswirtschaft in den Vordergrund gestellt. Wie in den vorherigen Kapiteln hergeleitet ist das Vorhandensein eines groBen IuK-Sektors dabei keine not- wendige Voraussetzung fur positive Impulse auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes.

[...]


[1] IuK-Bereich im Verarbeitenden Gewerbe wird im weiteren Verlauf der Arbeit mit IuK-Produktion, der IuK-Bereich in den Dienstleistungsbereichen mit IuK-Service beschrieben.

[2] Hier sind nur Unternehmen berucksichtigt, deren Jahresumsatz 16617 Euro ubersteigt.

[3] Der Grund liegt in der klaren Abgrenzung der Schnittstelle. Die Definition, ab welchem Zeitpunkt die Unternehmen die wenig IT einsetzen oder produzieren einem bestimmten Subsektor des IuK-Sektors zugerechnet werden, ist nicht einheitlich definiert.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des deutschen IuK-Sektors und seiner Rahmenbedingungen
Hochschule
Universität Augsburg  (VWL)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
44
Katalognummer
V15751
ISBN (eBook)
9783638207751
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, IuK-Sektors, Rahmenbedingungen
Arbeit zitieren
Andreas Eberhardt (Autor), 2003, Die Entwicklung des deutschen IuK-Sektors und seiner Rahmenbedingungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15751

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