Das Thema Führung ist vielleicht eines der am meisten diskutierten Themen in den verschiedensten sozialwissenschaftlichen Feldern.
Zu diesem Thema entstanden bislang die verschiedensten Ansätze. Ging man anfangs noch davon aus, dass Führungsfähigkeit eine naturgegebene Eigenschaft bestimmter Menschen war, so ist man mittlerweile der Ansicht, dass Führen eine lernbare Eigenschaft ist.
Mit der Annahme, dass das Verhalten eines Vorgesetzten die Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter maßgeblich beeinflusst, beschäftigt sich die Verhaltenstheorie der Führung. Demnach müsste es einen besten Führungsstil geben. Diese Annahme führte in der Führungslehre zur Entwicklung verschiedener Führungsstiltheorien.
Doch gibt es denn einen besten Führungsstil?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein- und Zweidimensionale Führungsstile
2.1 Eindimensionale Führungsstile
2.1.1 Führungskontinuum
2.1.2 Kritik
2.2 Zweidimensionaler Führungsstil
2.2.1 Managerial Grid
2.2.2 Kritik
3. Kontigenzmodell
4. Konklusion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen verschiedener Führungsstilkonzepte mit dem Ziel, die wissenschaftliche Fragestellung zu beantworten, ob es einen universell besten Führungsstil gibt, der unabhängig von der jeweiligen Führungssituation Bestand hat.
- Analyse eindimensionaler Führungsstile anhand des Führungskontinuums von Tannenbaum/Schmidt.
- Untersuchung zweidimensionaler Ansätze mit Fokus auf das Managerial Grid nach Blake/Mouton.
- Einführung des situativen Ansatzes durch das Kontigenzmodell nach Fiedler.
- Kritische Würdigung der vorgestellten Theorien hinsichtlich ihrer praktischen Anwendbarkeit.
- Beantwortung der Frage nach der Abhängigkeit des Führungserfolgs von situativen Faktoren.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Führungskontinuum
Im Führungskontinuum nach Tannenbaum/ Schmidt lassen sich autoritärer und kooperativer Führungsstil als Extrempunkte auf einem Kontinuum darstellen. Je nach Grad der Partizipation am Entscheidungsprozess entfernt man sich von einem Extrempunkt. In diesem Führungskontinuum unterscheiden Tannenbaum/ Schmidt zwischen sieben verschiedenen Klassifikationen (vgl. Abbildung 1).
Es handelt sich um einen autoritären Führungsstil, wenn der Vorgesetzte ohne Konsultation der Mitarbeiter entscheidet. Ganz im Gegensatz zum kooperativen Führungsstil, wo die Gruppe entscheidet und der Vorgesetzte als Koordinator agiert. WUNDERER (2000: 209) charakterisiert die verschiedenen Stufen, indem er die Extrempunkte zwischen autoritär und teilautonom unterscheidet. Im Folgenden werden die fünf Zwischenstufen entlang der Achse vom autoritären in Richtung kooperativen Führungsstil erklärt.
Nimmt die Autorität ab, indem der Vorgesetzte zwar entscheidet, aber stets bestrebt ist, seine Untergebenen von seinen Entscheidungen zu überzeugen, so ist das patriarchalisch. Gestattet der Vorgesetzte Fragen zu seinen Entscheidungen, um durch deren Beantwortung die Akzeptanz bei seinen Untergebenen zu erreichen anstatt reine Überzeugungsarbeit zu leisten, so spricht Wunderer von informierend. Die Mitte der Achse ist die beratende Stufe. Der Vorgesetzte informiert seine Mitarbeiter über die Entscheidungen, die er beabsichtigt zu treffen. Die Mitarbeiter haben die Möglichkeit ihre Meinung frei zu äußern und damit gegebenenfalls die Entscheidung des Vorgesetzten zu beeinflussen. In der kooperativen Stufe entwickelt die Gruppe Vorschläge. Der Vorgesetzte entscheidet sich für eine der gemeinsam herausgearbeiteten Problemlösungen. Entscheidet die Gruppe nachdem der Vorgesetzte das Problem aufgezeigt und die Grenzen des Entscheidungsspielraums definiert hat, so handelt es sich um eine delegative Stufe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Führung ein, definiert zentrale Begriffe wie Führungsstil und Führungsverhalten und leitet die Forschungsfrage nach einem situativ unabhängigen, besten Führungsstil ab.
2. Ein- und Zweidimensionale Führungsstile: Hier werden klassische eindimensionale Modelle wie das Führungskontinuum sowie zweidimensionale Konzepte wie das Managerial Grid vorgestellt und kritisch auf ihre Erfolgsaussichten hin untersucht.
3. Kontigenzmodell: Dieses Kapitel widmet sich dem situativen Ansatz nach Fiedler, der den Führungserfolg durch das Zusammenspiel von Führer-Mitarbeiter-Beziehung, Aufgabenstruktur und Positionsmacht erklärt.
4. Konklusion: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass es keinen universell besten Führungsstil gibt, sondern der Erfolg maßgeblich von der jeweiligen Situation abhängt.
Schlüsselwörter
Führung, Führungsstil, Führungskontinuum, Tannenbaum, Schmidt, Managerial Grid, Blake, Mouton, Kontigenzmodell, Fiedler, Mitarbeiterorientierung, Aufgabenorientierung, Situation, Führungserfolg, Verhaltenstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit verschiedenen Theorien der Führungslehre auseinander, um zu prüfen, ob es einen optimalen, allgemeinen Führungsstil gibt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung zwischen eindimensionalen und zweidimensionalen Führungsstilen sowie auf der Einbindung situativer Faktoren durch das Kontigenzmodell.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Klärung der Forschungsfrage, ob ein Führungsstil existiert, der in seinen Grundzügen gleichbleibend und von der Führungssituation unabhängig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und dem Vergleich bekannter Führungsstilmodelle sowie der Einbeziehung empirischer Erkenntnisse der Führungsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Führungskontinuum von Tannenbaum/Schmidt, das Managerial Grid von Blake/Mouton sowie das Kontigenzmodell von Fiedler inklusive der jeweiligen Kritikpunkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Führung, Führungsstil, Mitarbeiterorientierung, Aufgabenorientierung, Kontigenzmodell und situatives Führungsverhalten.
Was unterscheidet das Managerial Grid von eindimensionalen Modellen?
Im Gegensatz zu eindimensionalen Modellen, die nur eine Einflussgröße betrachten, nutzt das Managerial Grid zwei Dimensionen – Mitarbeiterorientierung und Aufgabenorientierung – und bildet diese in einem Verhaltensgitter ab.
Welche Rolle spielt der LPC-Wert im Modell von Fiedler?
Der LPC-Wert (Least Preferred Co-worker) dient zur Bestimmung des Führungsstils; ein niedriger Wert deutet auf einen aufgabenorientierten, ein hoher Wert auf einen mitarbeiterorientierten Stil hin.
Warum wird der "beste Führungsstil" in der Konklusion verneint?
Die Analyse zeigt, dass sowohl die Theorie als auch die Praxis belegen, dass die Wirksamkeit eines Führungsstils stark von der individuellen Führungssituation abhängt.
- Quote paper
- Michael Gerhold (Author), 2009, Eindimensionale und zweidimensionale Führungsstile, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157524