Russkij Mat anhand von V. Sorokins "Led"


Seminararbeit, 2008

12 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des “russkij mat” und seine Herkunft

3. "Mat" in der russischen Gesellschaft

4. Wissenschaftliche Forschung über den russischen Mat

5. Allgemeine Unterteilung

6. Untersuchung der Textstellen in Sorokins „Led“
6.1. Gespräch zwischen Parvaz und Alla
6.2. Chatsprache (im russ. S. 45ff, im Deutschen S. 48ff)
6.3. Borenbojm und Savva
6.4. Dritter Teil des Buches

7. Schluß

8. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der russischen obszönen Sprache in Sorokins „Led“. Zuerst soll ein Überblick über die Geschichte und die Herkunft des „russkij mat“ gegeben werden. Dann wird über den „mat“ in russischer Gesellschaft und seine Verwendung gesprochen. Die Forschung dieser Lexik im Westen und in Russland wird vorgestellt. Danach versucht der Autor eine allgemeine Unterteilung der obszönen Lexik.

Schließlich kommt man auf den wichtigsten Punkt, wo der Unterschied zwischen der russischen und der deutschen obszönen Lexik, somit zwischen der russischen und der deutschen Sprachkultur veranschaulicht wird. Dazu werden konkrete Textstellen aus Vladimir Sorokins „Led“ im Original und in deutscher Übersetzung im Ausdruck verglichen.

Es soll untersucht werden, ob es Unterschiede im Ausdruck gibt und wenn ja, wie groß fallen diese aus. Gibt die deutsche Übersetzung die ganze Bedeutung des Originals wieder oder werden ‚schlimme Wörter’ verschönert beziehungsweise gemildert?

2. Geschichte des “russkij mat” und seine Herkunft

Russische Obszönitäten waren schon immer eine "verbotene Frucht". Das betrifft besonders jene Menschen, die auf Russisch geschrieben haben. Im zaristischen Russland und in der UdSSR war die Zensur sehr verbreitet, sowohl politisch als auch moralisch. In Wörterbüchern konnte man keine Vokabeln finden, die sich auf Sexuelles beziehen. Ein Beispiel hierfür ist das "Russische Etymologische Wörterbuch" Vasmers, aus dem die gängigsten sexuellen Vokabeln entfernt wurden. Viele Wörter wurden durch "mnogotočie" ersetzt.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Zensur aufgehoben. Es werden viele Werke veröffentlicht, die früher als 'undruckbar' galten.

Es existiert ein Vorurteil, dass der Ursprung des "russischen Mat" aus der Zeit der Besetzung Russlands durch Tataren stammt. Besonders im Volk hält man sich an diese Meinung. Doch die Wissenschaftler haben das erfolgreich widerlegt. Anhand des obengenannten Wörterbuchs von M. Vasmer kann man beweisen, dass die meistbenutzten Wörter der russischen obszönen Sprache komplett slavischer Herkunft sind oder noch aus der indoeuropäischen Zeit stammen.1

Die slavische Herkunft zeigen die drei Grundsäulen im russischen Mat „ebat’ “, „xuj“ und „pisda“, die man auf folgende Weise herleiten kann: im Altkirchenslavischen *jebti hat ursprünglich “schlagen” bedeutet, *huj (ähnlich dem Wort "chvoja") "igla chvojnogo dereva, nechto kolkoe", *pisda "mocheispuskatelnyj organ".2

3. "Mat" in der russischen Gesellschaft

Russische Werke und Publikationen zu diesem Thema erschienen über lange Zeit fast ausschließlich im Westen: I. Barkows "Luka Mudischew", "Russkie zavetnye skazki" A.N. Afanas'evs, Sammlung russischer unzensierter Sprichworte W. I. Dal's, Volkssagen, Lieder usw. Nicht zu vergessen das Schaffen von verbotenen Schriftstellern - Dissidenten wie Solzhenizyn, Kopelev, Limonov, Aksenov, Dovlatov, Aleschkovskij. Trotz aller offiziellen Verbote hat man in allen Schichten der russischen Gesellschaft in bestimmten Situationen viel geflucht. Die "starken Wörter und Ausdrücke" waren eins der besten Mittel seine Emotionen zu äußern, denn die russische Realität gab genug Anlass dazu.3 Die obszöne Sprache hat viele Funktionen. Der Sprecher erreicht eine höhere Emotionalität der Rede, er kann seine psychologische Spannung entladen. Oder er beleidigt den Adressaten der Rede, demonstriert seine Zügellosigkeit, seine Unabhängigkeit. Durch Fluchen zeigt man ein vernachlässigendes Verhalten gegenüber dem existierenden Tabusystem. Manche Personen wollen die Zugehörigkeit zu einer Clique, zu einer bestimmten Gruppe demonstrieren.

Hier ist ein Überblick, darüber, was die Russen heute über den „russischen mat“ denken: Die Mehrheit der Bevölkerung Russlands denkt, dass man unter keinen Umständen fluchen darf. Diese Meinung vertreten 64% der Russen. Vor allem Frauen (72%) und Personen älter als 50 Jahre (76%) gehören dazu.

Ein Drittel der Bürger Russlands ist jedoch sicher, dass man manchmal obszöne Ausdrücke verwenden darf. 17% der Befragten begründen diese Position vor allem durch Stress, wenn man starke Emotionen äußern möchte und sich entladen muss. Man kann anmerken, dass fast ein Drittel der Russen (29%) nach ihrer eigenen Aussage niemals obszöne Worte in ihrer Sprache verwendet. Gleichzeitig haben 70% der Befragten Bekannte, die obszöne Ausdrücke in ihrer Rede verwenden. Diese Informationen stützen sich auf die Daten einer Umfrage in ganz Russland des Fonds „Oбщественное мнение“.4

4. Wissenschaftliche Forschung über den russischen Mat

Da die Zensur nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr so stark ist und viel Literatur, die "mat" enthält, gedruckt wird, könnte man annehmen, dass auch die Philologie diese Entwicklung aufnimmt. Doch es ist nicht so. In der russischen Philologie existiert immer noch ein Tabu in Bezug auf die obszöne Sprache. Es gibt immer noch kein richtiges "Tolkovyj slovar' russkoj brannoj leksiki".5 Man findet meist nur kleine Wörterbücher, die zu kommerziellen Zwecken gedruckt werden. In Russland kann man für eine verhältnismäßig große Summe eine 'inoffizielle' Ausgabe von Flegons "Za predelami russkich slovarej"6 kaufen. 'Inoffiziell' im Sinne von illegal, denn die Ausgabe trägt auf dem Titelblatt keine Angaben über die Herausgeber, die demnach das Urheberrecht verletzen.7

Die ausländischen Studenten der Slavistik äußern dagegen seit langem ein Interesse für die russische obszöne Sprache. Die Wissenschaft dort orientiert sich an der russischen Literatursprache, der Standardsprache. Die Lehrbücher für Ausländer enthalten dementsprechend keine Informationen zum "russischen mat". So kommt das, dass Studenten die perfekt Russisch gelernt haben, diese Lexik im Studium nicht berührt haben. Dementsprechend groß ist ihr Eindruck, wenn sie zum ersten Mal nach Russland kommen, die obszöne Sprache dort hören und nichts verstehen. Nach Mokienko, erleben sie eine Art „Kulturschock“.8

Es gibt viele Schriften im Westen zur russischen obszönen Sprache. Den Anfang haben zwei deutsche Arbeiten Anfang des 20. Jahrhunderts gemacht: E. Spinkler "Grossrussische erotische Volksdichtung" und eine große Studie von W. Christiani "Über die persönlichen Schimpfwörter im Russischen". Nach dem Krieg schrieb A. Isačenko 1964 einen wichtigen Aufsatz, in dem er ein grundlegendes russisches Schimpfwort analysierte.9

[...]


1 Ermen, Ilse: Der obszöne Wortschatz im Russischen. München 1993. S. 12.

2 Mokienko, V.M.: Russkaja brannaja leksika: cenzurnoe i necenzurnoe. Berlin 1994. S. 8. http://www.philology.ru/linguistics2/mokiyenko-94.htm (07.03.2008)

3 Mokienko, S. 1.

4 http://www.gilbo.ru/index.php?page=psy&art=1904 (26.6.2007)

5 Mokienko, S. 2.

6 Flegon, A.: Za predelami russkich slovarej. London 1973.

7 Mokienko, S. 3.

8 Ebd., 4.

9 Ebd., 3.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Russkij Mat anhand von V. Sorokins "Led"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Slavistik)
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V157564
ISBN (eBook)
9783640762682
ISBN (Buch)
9783640762750
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russkij, Sorokins
Arbeit zitieren
Nikita Iagniatinski (Autor:in), 2008, Russkij Mat anhand von V. Sorokins "Led", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157564

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