Welche Intentionen und Ideale hinter den heiligen Klara und Franziskus stehen werden in dieser Arbeit analysiert. Was zeichnet Franziskus und Klara, bezogen auf ihre ‚Heiligkeit‘ und ihr ‚Mensch-sein‘ aus?
Wie gelingen Annäherungen zwischen großen Heiligen und Schülerinnen und Schülern des 21. Jahrhunderts?
Welches Potenzial bieten die zur Verfügung stehenden Materialien zu Franziskus und Klara für historisches und ethisches Lernen in der Grundschule?
Dazu werden Quellen untersucht, wie beispielsweise der Heiligsprechungsprozess von Klara und überlieferte Legenden, hauptsächlich zu Franziskus. Diese Legenden stehen in Verbindung mit der tatsächlichen individuellen Lebensgeschichte der Heiligen. Bei Heiligenlegenden geht es darum eine grundlegende religiöse Aussage zu treffen, die Leser in ihrem geistlichen Leben beeinflussen soll, beispielsweise Menschen zu einem barmherzigen und demütigen Leben hinzuführen. Das bedeutet, dass es bei Legenden nicht um eine genaue und wahrheitsgetreue Geschichtsschreibung geht, sondern vielmehr um deren Intention. Beschrieben werden wundersame Ereignisse, welche die Heiligen überhöht darstellen. Inwieweit die Legenden der Wahrheit entsprechen ist dabei ungewiss. Im zweiten Abschnitt des Theorieteils werden insbesondere didaktische Bezüge zur Thematik hergestellt. Es wird analysiert inwieweit das Vorbildlernen noch aktuell ist und wie Heilige auch heute noch im RU herangezogen werden können.
Im letzten Abschnitt der vorliegenden Arbeit, werden Materialien zum Thema: Die Heiligen Franziskus und Klara von Assisi untersucht. Hierbei werden mehrere Zugangsweisen zur Thematik verwendet. Insbesondere werden die Materialien dahingehend geprüft, welche Themen aufgegriffen werden. Das historische Lernen und das ethische Lernen stehen dabei im Fokus. Das Material sollte Möglichkeiten bieten sich mit kirchengeschichtlichen Themen auseinanderzusetzen. In erster Linie das Verhältnis zu Papst und Kirche und eigens verfasste Texte von Franziskus und Klara, wie beispielsweise die Ordensregeln, wären im RU erwähnenswert. Darüber hinaus wird das Material dahingehend untersucht, ob ethisches Lernen gefördert wird. Dazu werden die im Theorieteil beschriebenen Legenden herangezogen und untersucht, wie Legenden im Unterricht bearbeitet und vermittelt werden können. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffsbestimmung Heilige
1.1 Begriffserklärung Heiligkeit/heilig
1.2 Heilige der katholischen Kirche
2. Historische und ethische Hintergründe im 12. Jahrhundert
2.1 Die Stadt Assisi
2.2 Kriegerische Auseinandersetzungen
2.3 Die Aussätzigen
2.4 Armutsbewegung
3. Franziskus von Assisi
3.1 Die Quellen
3.2 Franziskus und sein Wandel
3.2.1 Franziskus‘ früheres Leben
3.2.2 Die Lossagung vom Vater
3.3 Schlüsselmomente im Leben des heiligen Franziskus
3.3.1 Stille Orte
3.3.2 Das Kirchlein San Damiano
3.3.3 Begegnung mit einem Aussätzigen
3.3.4 Das Evangelium
3.4 Franziskus‘ Leben als ‚Heiliger‘
3.4.1 Weihnachtskrippe in Greccio
3.4.2 Der Berg Alverna
3.4.3 Franziskus verschenkt seinen Mantel
3.4.4 Tierlegenden
3.4.5 Vogelpredigt
3.4.6 Der Wolf von Gubbio
3.5 Historische Perspektive zu Franziskus
3.5.1 Die Ordensgründung
3.5.2 Brüderlichkeit
3.6 Ethische Perspektive
3.6.1 Franziskus und die Armut
3.6.2 Frieden schaffen und Brücken bauen
3.6.3 Liebe zur Schöpfung
3.6.4 Sonnengesang
3.6.5 Der Tod und das Testament
4. Klara von Assisi
4.1 Die Quellen
4.2 Klaras früheres Leben
4.2.1 Lebenswandel
4.2.2 Neuer Lebensabschnitt
4.2.3 Die Ordensgründung
4.2.4 Die Ordensregel für die Schwestern
4.2.5 Die Lebensweise im Kirchlein San Damiano
4.2.6 Wunder
4.2.7 Verhältnis zum Papst
4.2.8 Der Tod und das Testament
5. Verbindung zwischen Franziskus und Klara
5.1 Legenden über die Verbindung von Klara und Franziskus
5.1.1 Franziskus sucht Rat bei Klara
5.1.2 Franziskus und Klara speisen gemeinsam
5.2 Zwischenfazit
6. Religionspädagogische Perspektive
6.1 Ethische Relevanz im RU der Grundschule
6.1.1 Ethik im Allgemeinen
6.1.2 Tugenden
6.1.3 Dilemmasituationen
6.1.4 Ethischer Dreischritt
6.1.5 Stufen der Moral
6.1.6 Perspektivenübernahme
6.2 Historische Relevanz im Unterricht der Grundschule
6.2.1 Historisches Lernen
6.2.2 Stufen des Geschichtsbewusstseins
6.3 Debatte: Ist ethisches Lernen anhand von Vorbildern noch aktuell?
6.3.1 Vorbildlernen
6.3.2 Biografisches Lernen
6.3.3 Diskursethischer Ansatz
7. Bildungsplan 2016
7.1 Leitperspektiven
7.2 Kompetenzen im Bildungsplan 2016
8. Schöpfung früher und heute
8.1 Biblische Perspektive
8.1.1 Propheten
8.1.2 Genesis 1-2
8.1.3 Vorgehen im Unterricht
8.2 Aktualität
8.2.1 Klimakrise
8.2.2 Klimaziele
8.2.3 Papst Franziskus
8.3 Elementarisierungsmodell
8.4 Ethos einer religiösen Lehrkraft
9. Materialanalyse
9.1 Analyse ausgewählter Materialien
9.2 Franziskus und ethische Themen für den RU der Grundschule
9.2.1 Franziskus und die Schöpfung
9.2.2 Tierlegenden
9.2.3 Die Vogelpredigt
9.2.4 Thema Frieden bringen
9.3 Franziskus‘ Lebensstationen
9.3.1 Dilemmasituationen
9.3.2 Kirchlein San Damiano
9.4 Materialien mit historischen Bezügen
9.4.1 Arbeiten mit Quellen
9.4.2 Weihnachtskrippe in Greccio
9.4.3 Interview mit einem Mönch
9.4.4 Wallfahrtsort Assisi
9.5 Klaras Lebensstationen
9.6 Klara und Franziskus
9.6.1 Thema Freundschaft
9.6.2 Thema Armut
9.6.3 Feuer entfachen
10. Zusammenfassung und Diskussion
11. Fazit
11.1 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht das Potenzial der Heiligen Klara und Franziskus von Assisi für historisches und ethisches Lernen im Religionsunterricht der Grundschule. Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler auf Basis von Quellen und Legenden eine Auseinandersetzung mit christlicher Identität, Werten und Zeitgeschichte führen können.
- Analytische Untersuchung der Heiligenbiografien im historischen Kontext des 12. Jahrhunderts
- Ethische Reflexion von Vorbildern, Armutsidealen und Schöpfungsverantwortung
- Didaktische Anwendbarkeit von Heiligenlegenden im Religionsunterricht
- Integration von Bildungsplan-Vorgaben und kompetenzorientierten Lernwegen
- Materialanalyse für einen modernen, diskursethischen Religionsunterricht
Auszug aus dem Buch
Die Lossagung vom Vater
Eine der zentralsten Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus war die Abwendung vom Vater und der damit verbundene Wendepunkt seines Lebens. Die Lossagung beinhaltete sein weiteres Leben nicht mehr im Dienste seiner Familie, seines Vaters und dem verbundenen Kleidergeschäft zu führen. Damit verbunden war auch der Verzicht auf Hab und Gut, Prunk und Ansehen. Franziskus lebte ein gutes Leben, er genoss die Vorzüge und das Ansehen, welches das Leben seiner Familie mit sich brachte. Zunächst wollte Franziskus Ritter werden und sich an den kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligen (vgl. Kapitel 2.1). Doch in einer Auseinandersetzung in Perugia wurde Franziskus ein Jahr in Gefangenschaft gehalten. In dieser Zeit im Kerker während des Krieges entstand Franziskus tiefgehende Krise. Kuster macht auf die drei K’s: Krieg, Kerker, Krankheit aufmerksam, welche die Krise des Franziskus ausmachten.
Als Franziskus wieder Zuhause war, reichte es ihm nicht mehr, den Armen lediglich etwas abzugeben. Franziskus entschied sich für einen radikaleren Weg, er brach mit seinem Vater und dem Kleidergeschäft. Denn fortan wollte er sich gänzlich mit Jesus identifizieren (Imitatio). In einem symbolischen Akt der Lossagung vom Vater verzichtete er auf das väterliche Erbe und warf dem Vater die Kleider vor die Füße. Nackt und ohne Hüllen suchte er Schutz unter dem Mantel des Bischofs Guido von Assisi, (siehe Abbildung 5), und soll folgende Worte an seinen Vater gerichtet haben: „Bis heute habe ich dich auf Erden meinen Vater genannt, jetzt aber kann ich voll Vertrauen sprechen: Unser Vater, der du bist in den Himmeln […]“. Von nun an wollte er nur noch ein aus Lumpen zusammengenähtes Gewand tragen und sich ansonsten nicht mehr um Äußerlichkeiten kümmern. Er begann ein Leben in der Einsamkeit, in Armut, in der Natur und in der Stille. Lebte Franziskus zuvor im Überfluss, musste er sich fortan um Almosen betteln, wofür sich Franziskus überwinden musste. Dieser Wandel wird sehr gut in der Dreigefährtenlegende beschrieben, und zeugt von Standhaftigkeit und Gottvertrauen. All diese Aspekte weisen darauf hin, dass er Jesus Weg wählte. Er nahm Beschimpfungen in Kauf und ließ sich für verrückt erklären. Trotz aller Widerstände, ließ er sich nicht von seinem Weg abbringen. Das erinnert an die Propheten, welche sich ebenfalls gegen Widerstände durchsetzen mussten, um an ihrer Verkündung festzuhalten, (siehe Kapitel 8.1.1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsbestimmung Heilige: Diese Einleitung definiert das Verständnis von Heiligkeit und Heiligen, sowohl aus biblischer als auch aus katholisch-dogmatischer Sicht.
2. Historische und ethische Hintergründe im 12. Jahrhundert: Das Kapitel analysiert die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Mittelalters, darunter das Ständesystem, Armut und das Aufkommen der Geldwirtschaft.
3. Franziskus von Assisi: Eine detaillierte Betrachtung des Lebensweges von Franziskus, von seiner Bekehrung und dem Bruch mit dem Vater bis hin zu seinem Wirken und Tod.
4. Klara von Assisi: Darstellung von Klaras Lebenslauf, ihrer Ordensgründung und der speziellen Form des klösterlichen Lebens im Kirchlein San Damiano.
5. Verbindung zwischen Franziskus und Klara: Analyse der engen spirituellen Gefährtenschaft und der gegenseitigen Unterstützung der beiden Heiligen.
6. Religionspädagogische Perspektive: Untersuchung theoretischer Grundlagen für den Religionsunterricht, wie Ethik, historisches Lernen und Vorbilddidaktik.
7. Bildungsplan 2016: Einordnung der Thematik in die curricularen Vorgaben und die spezifischen Kompetenzbereiche für den Grundschulunterricht.
8. Schöpfung früher und heute: Gegenüberstellung biblischer Schöpfungsthematik mit aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit.
9. Materialanalyse: Evaluierung existierender Publikationen und Lehrmittel für den Einsatz im Unterricht sowie Entwicklung eines Kriterienkatalogs.
10. Zusammenfassung und Diskussion: Synthese der Forschungsergebnisse zur Heiligkeit und Menschlichkeit von Franziskus und Klara.
11. Fazit: Abschließende Reflexion über didaktische Möglichkeiten zur Annäherung der Heiligen an die Lebenswelt von Grundschulkindern.
Schlüsselwörter
Franziskus von Assisi, Klara von Assisi, Religionsunterricht, Grundschule, Historisches Lernen, Ethisches Lernen, Heilige, Vorbildlernen, Schöpfung, Nachhaltigkeit, Armutsideal, Ordensgründung, Didaktik, Bildungsplan, Biografiearbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wirken des Heiligen Franziskus und der Heiligen Klara von Assisi und erörtert, wie diese Figuren didaktisch aufbereitet werden können, um religionspädagogische Lernprozesse in der Grundschule zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Einbettung des franziskanischen Lebens im 12. Jahrhundert, ethische Konzepte wie Armut und Schöpfungsverantwortung sowie die didaktische Vermittlung von Heiligenlegenden im heutigen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, welches Potenzial die zur Verfügung stehenden Materialien zu Franziskus und Klara für historisches und ethisches Lernen bieten und wie eine kompetenzorientierte Annäherung an diese Heiligen für Kinder des 21. Jahrhunderts gelingen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, einer Materialanalyse anhand eines selbst erstellten Kriterienkatalogs sowie der theoretischen Reflexion religionspädagogischer Didaktikkonzepte.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Biografien von Klara und Franziskus, eine bildungstheoretische Fundierung (Didaktik) sowie eine praktische Evaluation und methodische Aufarbeitung verschiedener Unterrichtsmaterialien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Biografisches Lernen, Vorbilddidaktik, Schöpfungsethik, Armut, Historisches Bewusstsein, Religionsunterricht und Kompetenzorientierung stehen im Zentrum der Arbeit.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem historischen Franziskus und der Legende im Unterricht wichtig?
Sie ist wichtig, weil Heiligenlegenden nicht als wahrheitsgetreue Geschichtsschreibung, sondern als intentionale religiöse Verkündigung zu verstehen sind, die dazu dient, Werte und religiöse Aussagen für die Leserschaft erlebbar zu machen.
Wie soll nach Auffassung der Autorin die Thematisierung der „Radikalität“ von Klara und Franziskus im Unterricht erfolgen?
Die Radikalität soll nicht normativ als Regelvorgabe für die Kinder vermittelt werden, sondern als Reflexionsgegenstand dienen, um über heutige Lebensstile und Konsumentscheidungen offen zu diskutieren.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2023, Die Heiligen Franziskus und Klara von Assisi. Historisches und ethisches Lernen im Religionsunterricht der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1576134