Risikogesellschaft und individualisierte Gesellschaft


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition

3. Kennzeichen einer Risikogesellschaft
3.1. Universalität und Unumkehrbarkeit
3.2. Internationale Disparitäten
3.3. Bumerang-Effekt
3.4. Politische und wirtschaftliche Machtlosigkeit

4. Individualisierte Gesellschaft als Bestandteil der Risikogesellschaft
4.1. Veränderung von Familienverhältnissen
4.2. Geflickte Lebensläufe

5. Risiken durch Modernisierungen
5.1. Gentechnik
5.2. Treibhausemissionen
5.3. Kernkraft und Alternativen

6. Schluss

7. Verwendete Literatur:

1. Einleitung

Der Zustand des Risikos ist ein ständiger Begleiter der Menschheit, nicht erst seit Ulrich Beck den Begriff 1986 mit geprägt hatte und uns Rezipienten die Vorstellung und Idee einer Risikogesellschaft umrahmte. Die Gefahr war sicherlich schon immer Teil der menschlichen Existenz, doch mit gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen entstanden neue moderne Gefahren, die nicht unbedingt große gesellschaftliche Anerkennung fanden. Ulrich Beck initialisierte mit seiner Arbeit über das Thema erste gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Heute ist mit Verbreitung der modernen Medien mit ihren quasi im Minutentakt vorherrschenden Berichterstattungen das Risiko der modernen Gesellschaften immer mehr in das Bewusstsein der Menschen gerückt. Der Begriff des Soziologen ist sehr populär geworden und wird immer häufiger in Zusammenhang mit Krisen verwendet.

Diese Arbeit versucht auf die Begriffsdefinition der Risikogesellschaft einzugehen und das Thema dem Rezipienten verständlicher zu machen. Daher werden einige Kennzeichen der Risikogesellschaft erläutert. Anschließend wird die Individualisierung, die einen nicht unerheblichen Faktor zum Risiko der westlichen Gesellschaft beiträgt, näher beschrieben. Gegen Ende der Arbeit wird auf moderne und technische Errungenschaften, welche weitere Einflüsse auf das Risiko einer Gesellschaft haben, eingegangen.

2. Begriffsdefinition

Das Wort „Risiko“ stammt aus dem Italienischen und bedeutet so viel wie Wagnis bzw. Gefahr. Im Jahre 1986 veröffentlichte der Soziologe Ulrich Beck das Sachbuch „Risikogesellschaft“ und prägte damit weitgehend den Begriff und die Idee dieses Ausdrucks. So wird heute der Begriff in einem Politiklexikon folgendermaßen beschrieben:

Risikogesellschaft ist ein politisch-soziologischer Begriff, der darauf verweist, dass in hoch entwickelten Industriegesellschaften inzwischen mehr (soziale, ökologische, individuelle und politische) Risiken entstanden sind und laufend entstehen, als die bestehenden Sicherungsmechanismen und Kontrolleinrichtungen des Staates bewältigen können.[1]

Da heutzutage das tragende Risiko einer Gesellschaft nicht als nationale oder regionale Gefahr und auch nicht einen lediglich von Industriegesellschaften zu verantwortenden Prozess darstellt, sondern als globales Risiko zu verstehen sei, war Ulrich Beck hierdurch veranlasst, im Jahre 2007 eine weiteres Sachbuch mit dem Titel „Weltrisikogesellschaft“ zu publizieren. In dieser Publikation unterscheidet Beck drei Ausmaße des heutigen Risikos: das ökologische -den Klimawandel betreffend-, das ökonomische -im Bezug auf die Finanzmärkte- und das Risikos des internationalen Terrors.[2] Mit der Entwicklung der Zivilisation in der Moderne geht auch eine veränderte Semantik des Risikos einher, die Beck mit der Weiterentwicklung seines Begriffes gerecht zu werden versucht.

Das Verständnis von Risiko hat sich im Laufe der Geschichte geändert. Frühere Risikodenotationen gingen von objektivistischen Ansätzen aus:

„Risk was perceived to be a natural event such as a storm, flood or epidemic rather than a humanmade one. As such, humans could do little but attempt to estimate roughly the likelihood of such events happening and take steps to reduce their impact.“[3]

Risiken waren Naturgewalten, von Gott oder einer anderen Instanz verursacht. Man konnte lediglich reagieren und musste Erdrutsche, Hochwasser und Klimaveränderungen nehmen, wie sie kommen. Beck hat den Risikobegriff um eine Konnotation erweitert: das konstruktivistische Risiko. Die Ursache mancher Risiken ist nicht mehr eine Übermacht, sondern der Mensch allein. Er verursacht durch Waldrodung, Bau von Flusskanälen oder Treibgasemissionen die oben genannten Folgen. Aus diesem Aspekt heraus könnten wichtige handlungstheoretische Konzepte entstehen, die potentielle in der Zukunft stattfindende Risiken eindämmen oder verhindern.

Der Begriff „Risiken der Gesellschaft“ entsteht aus Entwicklungen von technischen, chemischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen kurzum allen Entwicklungen der Moderne, die der einzelne Staat mit seinen vorherrschenden Institutionen und Apparaten nicht mehr in der Lage ist, zu kontrollieren. Im späteren Verlauf der Arbeit wird versucht an Beispielen, den Begriff näher zu erläutern, dabei wird auch eingegangen auf das Risikokalkül der heutigen Gesellschaft, die mit diesen teilweise

von Menschen verursachten Risiken aufwächst und versucht, mit dieser Alltäglichkeit zu leben.

3. Kennzeichen einer Risikogesellschaft

3.1. Universalität und Unumkehrbarkeit

Die heutige Gesellschaft setzt sich derartigen Risiken aus, die irreversibel sind und auch auf nationalstaatliche Begrenzungen keine Rücksicht nehmen. Das hat zur Folge, dass Entscheidungen einzelner Nationen in ihren Auswirkungen nicht mehr an ihren Entstehungsort gebunden sind, sondern Effekte für die globale Gemeinschaft bewirken können.

Ein nachvollziehendes Beispiel ist das Waldsterben in Schweden. Die schwedische Industrie verursacht vergleichsweise geringe Emissionen von CO2-Äquivalente ist aber, da es mit einer Waldfläche von über 50 % zu den waldreichsten Ländern der Erde zählt, stärker vom Waldsterben betroffen wie andere Nationen, die weitaus höhere Emissionswerte in die Umwelt abgeben.

Aber auch von Industrienationen festgelegte Grenzwerte der Chemieindustrie bilden ein hohes Risikopotential, weil diese Werte in Lebensmittel, Textilien oder Düngemittel letzten Endes als Höchstmaße festgesetzt werden und das Potential auf immunschwächere Bevölkerungsgruppen (Alte, Kinder) dabei weniger berücksichtigt wird. So bleibt die Nahrungsaufnahme mehrerer behandelter Lebensmittel oder die langfristige Auswirkung von Nitraten in Düngemittel, die letztendlich über das Grundwasser wieder in den für Menschen lebenswichtigen Wasserzyklus eintreten, oft vernachlässigt. Diese Folgen sind auf langfristige Sicht die ganze Menschheit betreffend und stellen die nationalstaatlichen Regierungen vor immensen Problemen, da sie oft nur schwer oder überhaupt nicht mehr unumkehrbar sind und auch nur in einer zusammen arbeitenden Weltgemeinschaft effektiv lösbar wären.

3.2. Internationale Disparitäten

Verschiedene Nationen setzen sich aufgrund ihrer differierenden Möglichkeiten und Mittel auf andere Weise oder überhaupt nicht mit der Bewältigung des Risikos auseinander. Das liegt mitunter an den unterschiedlichen Wertevorstellungen der vielfältigen Nationen oder an den für einen Wandel benötigten Mittel, die in Entwicklungs- oder Schwellenländer nicht zur Verfügung stehen. Während einige Industrieländer versuchen beispielsweise mit durch Steuern geförderte Programme regenerative Energien der Allgemeinheit zugänglich zu machen und in der Bevölkerung zu verbreiten, werden von einigen Schwellen- oder Entwicklungsländer, da ihnen die finanzielle, technische und strukturelle Mittel nicht zur Verfügung stehen, weiterhin veraltete Anlagen verwendet. Man denke dabei an die Verschmutzung der Atmosphäre durch veraltete Kohlekraftwerke in China oder den aufgrund schlechter Kontrolleinrichtungen verursachte Chemieunfall in Nordostchina Ende 2005, der die Trinkwasserversorgung von Millionen von Menschen gefährdete.[4] Das Missverhältnis der Nationalstaaten in sowohl technischen wie auch kulturellen Maßstäben ist daher oft fördernd für das Entstehen unterschiedlicher Risikofaktoren für Mensch und Umwelt.

[...]


[1] Schubert, Klaus/ Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn 2006.

[2] Beck, Ulrich: Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit. Frankfurt. 2007. S. 37 ff.

[3] Lupton, Deborah: Risk. Routledge. 1999. S. 5 f.

[4] http://www.epochtimes.de/china-flussverseuchung-in-nordostchina.html

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Risikogesellschaft und individualisierte Gesellschaft
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Humangeographie)
Veranstaltung
Sozialgeographie
Note
2,0
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V157625
ISBN (eBook)
9783640711833
ISBN (Buch)
9783640712861
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Zustand des Risikos ist ein ständiger Begleiter der Menschheit, nicht erst seit Ulrich Beck den Begriff 1986 mit geprägt hatte[...]. Diese Arbeit geht auf die Begriffsdefinition der Risikogesellschaft ein und stellt Kennzeichen der Risikogesellschaft dar. Anschließend wird die Individualisierung, die einen nicht unerheblichen Faktor zum Risiko der westlichen Gesellschaft beiträgt, näher beschrieben. Gegen Ende der Arbeit wird auf moderne und technische Errungenschaften, welche weitere Einflüsse auf das Risiko einer Gesellschaft haben, eingegangen.
Schlagworte
Sozialgeographie, Humangeographie, Risikogesellschaft, Indiviualisierung, Universalität, Internationale Disparitäten, Bumerang Effekt, Bastelexistenz, Hotspots, Atomkraft, Treibhausemissionen, Kyoto Protokoll;, Individualisierte Gesellschaft, Parsons'sche Normalfamilie, Shell Studie, World Disaster Report 2005, Human Development Index (HDI), Patchworkfamilie, Gentechnik, Kernkraft, AKW, Atomstrom, Thema Kernkraft
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Risikogesellschaft und individualisierte Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157625

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