Zur Lebenssituation von männlichen Prostituierten

Hintergründe, Perspektiven, sozialpädagogische Konsequenzen und Projekte


Diplomarbeit, 2003

120 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2. Hintergründe
2.1 Wer bzw. was ist ein Stricher ? – Der Versuch einer Definition
2.2. Ein kurzer Rückblick in die Geschichte der mann-männlichen Prostitution
2.3 Aus welchen Gründen gehen Jungen bzw. junge Männer heute anschaffen ? – Eine Kurzanalyse der unterschiedlichen Problemlagen
2.4 Überblick über die unterschiedlichen Orte und Szenen, in denen Strich stattfindet
2.5 Die Kunden der Stricher

3. Bestandsaufnahme der aktuellen Lebenssituation der Stricher in Deutschland
3.1 Altersstruktur
3.2 Anzahl
3.3 Soziokulturelle Herkunft
3.4 Sexuelle Identität
3.5 Lebens- und Wohnsituation
3.6 Reiseaktivitäten
3.7 Gewaltproblematik
3.8 Drogen- / Beschaffungsproblematik
3.9 Problemfeld Gesundheit
3.9.1 Umgang mit HIV und AIDS sowie anderen sexuell übertragbaren Krankheiten
3.9.2 Psychische Verfassung und Suchtkrankheiten
3.10 Die aktuelle rechtliche Situation
3.10.1 Das neue Prostitutionsgesetz unter Berücksichtigung der damit verbundenen vielfach veränderten rechtlichen Bestimmungen
3.10.2 Prostitutionsrelevante jugend- und sozialrechtliche Regelungen
3.10.3 Das neue Infektionsschutzgesetz
3.10.4 Die ausländerrechtliche Situation in der Prostitution
3.11 Die aktuelle gesellschaftliche Situation
3.11.1 Homosexualität
3.11.2 Stricher und deren Akzeptanz in der Gesellschaft
3.11.2.1 Doppelte Stigmatisierung der mann-männlichen Prostitution
3.11.3 Hilfsangebote durch staatliche bzw. soziale Institutionen an die Stricher

4. Perspektiven der Stricher
4.1 Lebensperspektiven der Stricher
4.1.1 Kurz- und mittelfristige Perspektiven für das Leben als Stricher
4.1.2 Langfristige Perspektiven für den Ausstieg und die Zeit danach
4.1.2.1 Soziale Zukunftsaussichten
4.1.2.2 Private Zukunftsaussichten
4.2 Rechtliche und politische Perspektiven

5. Sozialpädagogische Konsequenzen und Projekte
5.1 Soziale Arbeit mit Strichern
5.1.1 Leitlinien des Arbeitskreises der deutschsprachigen Stricherprojekte (AKSD)
5.1.1.1 Leitideen
5.1.1.2 Arbeitsbereiche und -methoden
5.1.1.3 Notwendige Rahmenbedingungen
5.1.2 Zukunftsperspektiven der sozialen Arbeit mit Strichern
5.1.2.1 Alles eine Frage des Geldes? – Sozialpädagogische Notwendig-keiten in der Stricherarbeit in Zeiten knapper öffentlicher Mittel
5.2 Vorstellung der bestehenden Stricherprojekte in Deutschland
5.2.1 Exemplarische Vorstellung des Stricherprojektes LOOKS e.V. in Köln
5.2.2 Der Aufbau des Stricherprojektes NACHTFALKE in Essen

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

Anmerkungen zu dieser Arbeit:

- Hervorhebungen des Autors sind in dieser Arbeit immer durch ein kursives Schriftbild gekennzeichnet.
- An den Stellen der Arbeit, an denen es keine besondere Rolle spielt, ist aus Gründen der Lesbarkeit auf den Gebrauch der weiblichen Wortform verzichtet worden.

1. Einleitung

„Wir praktizieren eine Scheinheiligkeit, die Ergebnis einer Konsumwelt ist, in der es alles zu kaufen gibt, die Politiker, die Geschäftsleute und die Gummipuppe von Beate Uhse. Denn, wo ein Bedürfnis besteht, wird es auch befriedigt. Nach dem Prinzip funktioniert nun mal unsere Gesellschaft.“[1]

Dieses Zitat beschreibt – zwar etwas überspitzt, aber durchaus zutreffend – das Grundprinzip der freien Marktwirtschaft, in der wir heute leben. Und es gilt sicherlich auch für den Bereich der mann-männlichen Prostitution, mit dem sich diese Arbeit beschäftigt. Es wird später in der Arbeit noch genauer darauf eingegangen und gezeigt, dass es sich bei diesem Grundprinzip um einen der wichtigsten Erklärungsansätze für das Phänomen der mann-männlichen Prostitution handelt.

1.1 Vorwort

Prostitution hat es schon immer gegeben. Die Geschichte der Prostitution reicht zurück bis weit vor unsere Zeitrechnung[2] und kann durchaus als gesamtgesellschaftliches Phänomen betrachtet werden. Selbst in der Bibel spielt sie an vielen Stellen eine Rolle. Im Blickpunkt des öffentlichen Interesses steht dabei aber fast immer die weiblich-heterosexuelle Prostitution. Das mag auch nicht weiter verwundern, denn ca. 90 % aller Männer sind heterosexuell veranlagt und suchen ihre sexuelle Befriedigung (vorwiegend) bei Frauen.[3] Die mann-männliche bzw. männlich-homosexuelle Prostitution dagegen spielt somit natürlich in den Medien, in der Wissenschaft und auch, was die Anzahl der mann-männlichen Prostituierten betrifft, nur eine marginale Rolle.

Doch auch wenn sie weniger wahrgenommen wird – sie existiert und floriert. Und die Szene ist nicht klein. Mann-männliche Prostituierte kann man in ganz Europa antreffen, die meisten in den großen städtischen Zentren wie Berlin, London, Paris oder Budapest, aber auch in kleineren Städten existiert oft eine entsprechende Szene.[4] Denn diese bildet sich dort, wo Bedarf besteht – und an sexuellen Dienstleistungen durch Jugendliche und junge Männer besteht seit jeher ein großer Bedarf.[5] Allerdings ist die Bereitstellung und Inanspruchnahme dieser Dienstleistungen gesellschaftlich tabuisiert, was vor allem für deren Anbieter oft zu großen Problemen führt. So führen viele der mann-männlichen Prostituierten ein Leben, welches durch finanzielle, psychische und gesundheitliche Problemlagen gekennzeichnet ist.

Lange Zeit wurden mann-männliche Prostituierte als Zielgruppe sozialer Arbeit überhaupt nicht oder nur in anderen Zusammenhängen (z.B. mit Drogenprojekten) berücksichtigt. Erst mit dem Auftreten von AIDS Anfang der 1980er Jahre änderte sich das ziemlich schnell: In Deutschland sowie in vielen anderen Ländern Europas wurde die Arbeit mit mann-männlichen Prostituierten als wichtiger Bestandteil gesundheitsfördernder Maßnahmen entdeckt und sogar finanziell gefördert – vor allem, weil die Gesellschaft sich vor der Ausbreitung der Krankheit über die mann-männlichen Prostituierten fürchtete. Daneben wurde dann aber auch – zumindest in den größten europäischen Städten – die Notwendigkeit erkannt, die psychosoziale Situation dieser Randgruppe zu verbessern. So wurden also die ersten Arbeitsgruppen bzw. Projekte gegründet, die ausschließlich mann-männliche Prostituierte als Zielgruppe hatten.[6] Daraus entwickelten sich dann mit der Zeit die in der heutigen Form existierenden Stricherprojekte.[7]

Trotz dieser Fortschritte ist die Situation für die meisten mann-männlichen Prostituierten heute immer noch unzureichend – an ihrer gesellschaftlichen Situation hat sich (noch) nichts zum Positiven geändert und einige der guten sozialarbeiterischen Ansätze und Ideen aus der Stricherarbeit sind vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Finanzmittel nicht zu verwirklichen. Der Ausbau der sozialen Arbeit mit mann-männlichen Prostituierten – und hier speziell der Stricherarbeit – wäre aber richtig und notwendig, denn durch mangelndes Selbstwertgefühl und die ausbeuterischen Strukturen in der Szene sind die meisten mann-männlichen Prostituierten alleine nicht in der Lage, für sich selbst positive und gesellschaftlich akzeptierte Lebensperspektiven zu entwickeln. Sie bedürfen daher dringend der gesellschaftlichen Unterstützung.

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die gesamte problematische Lebenssituation der mann-männlichen Prostituierten, die am Bahnhof, auf der Straße oder in Bars anschaffen gehen (im weiteren Verlauf auch vereinfacht Stricher genannt) zu beschreiben und sich kritisch mit deren Lebensperspektiven auseinander zu setzen. Ferner sollen die Hilfsmöglichkeiten, welche die Stricher von gesellschaftlicher bzw. staatlicher Seite bekommen können, näher beleuchtet und in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der Stricherprojekte vorgestellt werden. Am Ende dieser Arbeit soll dann der Versuch gemacht werden, einige Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebenssituation der Stricher aufzuzeigen.

Nur marginal wird hier auf die Callboys (mann-männliche Prostituierte, welche die Möglichkeit haben, sich in einem eigenen Zimmer bzw. eigener Wohnung zu prostituieren, und bei denen die Kontaktanbahnung in der Regel indirekt über Telefon oder Internet erfolgt[8]) eingegangen, da diese zwar auch zur Gruppe der mann-männlichen Prostituierten gehören, sich aber bezüglich ihrer Lebenssituation (z.B. durch ihre soziale Herkunft, Bildung, Beruf usw.) meistens erheblich von den Strichern unterscheiden.

Der Kernteil dieser Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation der Stricher heute. Hier wird in Form einer Bestandsaufnahme auf statistische (Altersstruktur, Anzahl) und auf – so weit das möglich ist – spezifische persönliche Merkmale (z.B. soziokulturelle Herkunft, Lebens- und Wohnsituation) sowie auf strichertypische Problematiken (z.B. bestimmte Krankheiten, Probleme mit Drogen) eingegangen, außerdem auf die aktuelle rechtliche Situation im Bereich der Prostitution sowie auf die aktuelle gesellschaftliche Situation der Stricher.

Um dies alles verständlich darstellen zu können, ist es notwendig, vorher die Hintergründe zu untersuchen und z.B. aufzuzeigen, aus welchen Gründen und an welchen Orten Jungen bzw. junge Männer anschaffen gehen oder auch genauer zu beleuchten, welche Menschen bereit sind, für durch Stricher erbrachte sexuelle Dienstleistungen zu bezahlen.

Im Anschluss an die Bestandsaufnahme sollen dann sowohl die kurz- und mittelfristigen als auch die langfristigen Perspektiven der Stricher untersucht werden. Dabei wird auch die Frage des Ausstiegs behandelt und hinterfragt, welche Lebensperspektiven und Zukunftsaussichten diese denn in ihrer Situation überhaupt haben bzw. entwickeln können.

Das letzte Kapitel handelt von der sozialen Arbeit mit Strichern. Es wird der Frage nach adäquaten Arbeitsansätzen in diesem schwierigen Arbeitsfeld nachgegangen und in diesem Zusammenhang werden auch die bestehenden Arbeits-Leitlinien der deutschsprachigen Stricherprojekte vorgestellt, welche die Grundlage für die soziale Arbeit mit Strichern in Deutschland bilden. Ferner sollen hier die Zukunftsperspektiven der sozialen Arbeit mit Strichern hinterfragt werden, welche besonders vor dem Hintergrund der leeren öffentlichen Kassen eher negativ erscheinen. Am Ende werden schließlich noch exemplarisch zwei von insgesamt sieben Stricherprojekten in Deutschland vorgestellt, zum einen ein bereits länger bestehendes Projekt und zum anderen eines, das sich gerade im Aufbau befindet. Auf diese Weise wird die die praktische Bedeutung der theoretischen Arbeitsansätze herausgestellt.

Ganz zum Schluss soll – wie oben schon angedeutet – der Versuch unternommen werden, so weit dies möglich ist, zu beschreiben, welche Veränderungen notwendig wären, um eine Lebenssituationsverbesserung für die Gruppe der Stricher zu erreichen.

Aufgrund der wenig speziellen, eher globalen Themenstellung der Arbeit wird diese wesentlich umfangreicher sein, als es in der Regel für Diplomarbeiten üblich ist. Um die komplette Thematik aber umfassend untersuchen und darstellen zu können, erscheint mir diese Überlänge aber zwingend notwendig

Diese Arbeit und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen beziehen sich nur auf Deutschland. Grundlage der Arbeit sind dementsprechend sich ausschließlich auf Deutschland beziehende Literatur sowie die in Deutschland bestehenden Verhältnisse, denn aufgrund der in vielen Fällen vorhandenen kulturellen, rechtlichen, gesellschaftlichen und moralischen Unterschiede zu anderen Ländern sind deren Ergebnisse und Erfahrungen im Bereich der mann-männlichen Prostitution nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragbar. Sollten im Einzelfall doch einmal zum Vergleich Ergebnisse und Erfahrungen aus anderen Ländern hinzu gezogen werden müssen, so wird dies gesondert erwähnt.

Bezugnehmend darauf soll allerdings an dieser Stelle erwähnt werden, wie außerordentlich schwierig die Literatur-Recherche zum Thema mann-männliche Prostitution in Deutschland war. Die letzte bundesweite empirische Untersuchung zu diesem Thema stammt von 1979[9], aktuelleres Material war nur vereinzelt in Form von Fachaufsätzen, internen Ausarbeitungen und Studien von nur regionaler Bedeutung verfügbar. Das bestätigt nochmals deutlich, wie selten dieses Thema bisher im Blickpunkt des öffentlichen Interesses gestanden hat, obwohl es – wie später in dieser Arbeit noch gezeigt werden wird – doch eine nicht zu unterschätzende gesellschaftliche Relevanz hat.

Die wenigen (und oft veralteten) verfügbaren Informationen zu diesem Thema sind übrigens auch ein Grund, weshalb ich für meine Arbeit die Thematik der mann-männlichen Prostitution ausgewählt habe, denn ich finde, dass diese dringend einer aktuellen Aufarbeitung bedarf. Ein weiterer Grund für meine Themenwahl liegt darin, dass ich mich derzeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stricherprojektes NACHTFALKE[10] praktisch mit der Thematik beschäftigen kann und sie hochinteressant finde.

2. Hintergründe

Fast jeder hat schon einmal etwas über Stricher gehört, gelesen oder im Fernsehen gesehen, aber nur die wenigsten Menschen wissen etwas Genaueres über sie oder kennen gar einen oder mehrere Stricher. Deshalb soll nun im Folgenden den Fragen nachgegangen werden, wer bzw. was denn überhaupt ein Stricher ist, warum Stricher anschaffen gehen, an welchen Orten sie das tun und wer eigentlich ihre Kunden sind. Außerdem erfolgt ein kurzer geschichtlicher Rückblick auf die mann-männliche Prostitution.

2.1 Wer bzw. was ist ein Stricher ? – Der Versuch einer Definition

Die Frage, wer bzw. was ein Stricher ist, ist nur scheinbar einfach zu beantworten. Stellvertretend für viele andere Untersuchungen zum Thema soll hier die Definition von EURO-KOPS[11] aufgegriffen werden: „Stricher sind männliche Jugendliche oder junge Männer, die sexuelle Dienstleistungen überwiegend für Männer gegen Geld und / oder materielle Werte anbieten.“[12] Diese Definition, die wohl auf fast alle mann-männlichen Prostituierten passt, mag auf den ersten Blick einleuchten, ist aber zu weit gefasst, denn sie gilt für ganz unterschiedliche männliche Jugendliche bzw. Männer, deren Tätigkeiten sich stark voneinander unterscheiden können. Der Junge, der aus dem Heim abgängig ist, und nur einen einzigen Sexualkontakt für einen Platz zum Schlafen anbietet, wird hier neben Männer gestellt, die z.B. jahrelang der Beschaffungsprostitution für ihren Drogengebrauch nachgehen oder als selbstständige, professionell arbeitende Callboys ihren Lebensunterhalt verdienen. Somit ist festzustellen, dass eine Verallgemeinerung der Definitionen von männlichen Jugendlichen und Männern in der Sexarbeit ohne nähere Berücksichtigung ihrer exakten prostitutiven Tätigkeit nicht angemessen ist.[13]

Bei genauerer Betrachtung sind allerdings nur zwei wesentliche übergeordnete Kategorien hervorzuheben, zwischen denen nun differenziert werden muss: Zum einen gibt es die Gruppe der professionellen männlichen Prostituierten (in Deutschland in der Regel als Callboys[14] bezeichnet) und zum anderen die Gruppe von Männern oder Jungen, die aus verschiedenen Gründen für kürzere oder längere Zeit anschaffen gehen (in Deutschland meist Stricher genannt).[15]

Obwohl beide Gruppen vom Prinzip her ähnliche Leistungen anbieten, gibt es doch einige gravierende Unterschiede. Callboys sind im Durchschnitt älter und sozial sowie finanziell etablierter als Stricher. Sie arbeiten eher selbstständig unter geregelten Arbeitsbedingungen, die sie selber organisieren. Stricher dagegen gehen meist auf der Straße oder an anderen öffentlichen Orten (z.B. am Bahnhof oder in Lokalen, die im Besitz anderer sind) anschaffen. Die Arbeit der Callboys hat eher den Charakter eines gewählten Berufs; Stricher hingegen sind meist auf die Sexarbeit angewiesen, da sich ihnen meistens keine anderen Arbeitsmöglichkeiten oder andere legale Tätigkeiten bieten. Der Lebensstil von Callboys entspricht deshalb oft den Verhältnissen der sozialen Mittelschicht und ist von einem gewissen Komfort und Zukunftsorientierung gekennzeichnet, während viele Stricher oft von der Hand in den Mund leben.[16] Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass zwar sowohl Callboys als auch Stricher zum großen Teil aus der Unter- bzw. Arbeiterschicht stammen[17], Callboys aber dennoch bessere biografische Voraussetzungen haben, da deren Familienverhältnisse im Allgemeinen eher stabiler sind als die der Stricher (oft haben Callboys z.B. eine abgeschlossene Schul- und in manchen Fällen sogar eine abgeschlossene Berufsausbildung). Demgegenüber haben viele Stricher schwierigere biografische Entwicklungen vollzogen und leiden häufig unter einer Vielzahl von sozialen und psychischen Problemen. Dies ist vor allem als Folge ihrer früheren Lebensverläufe und als Reaktion auf ihre gegenwärtigen Schwierigkeiten als Jugendliche bzw. junge Männer auf der Straße, die eine gesellschaftlich geächtete Arbeit ausüben, zu sehen.[18]

Eine weitere wichtige Erkenntnis sowohl aus der bearbeiteten Literatur als auch aus persönlichen Beobachtungen im Rahmen meiner Tätigkeit für das Stricherprojekt in Essen ist, dass Stricher keine homogene Zielgruppe darstellen. Den typischen Stricher gibt es nicht. Dies stellt auch Michael T. Wright in seiner Studie[19] deutlich heraus. Obwohl sich die persönlichen Hintergründe zwar oft gleichen, sind es doch ganz verschiedene Jungen bzw. junge Männer mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Persönlichkeiten, die meist ihr eigenes Ding machen und sich als Stricher auch nicht als Gesamtgruppe verstehen.

„Sie sind junge Menschen am Rande der Gesellschaft, die als ein[ziges, F.T.] gemeinsames Merkmal eine bestimmte Arbeitstätigkeit aufweisen, mit der sie ihren Lebensunterhalt verdienen“[20]. Die ganze Heterogenität dieser Gruppe zeigt sich u.a. durch ein großes Altersspektrum, unterschiedliche Charakteristika der Sexarbeit wie z.B. Dauer, Motivation oder Sexualpraktiken, unterschiedliche sexuelle Identitäten sowie verschiedene Nationalitäten.[21]

Beim Versuch, eine richtige und differenzierte Definition für den Begriff des Strichers zu finden, sollten diese vorgenannten Informationen mit berücksichtigt werden. Mir selbst erscheint die folgende Definition am zutreffendsten zu sein:

Unter einem Stricher versteht man „das gelegentliche oder regelmäßige Angebot und der Verkauf sexueller Dienstleistungen durch einen Jugendlichen oder erwachsenen Mann, der dafür Geld und / oder materielle Werte (Nahrungsmittel, Unterkunft, Kleidung) von einem anderen Mann erhält, die zu seinem Lebensunterhalt beitragen. Das Angebot erfolgt direkt / (halb)öffentlich an verschiedenen Orten.“[22]

Mit dem Begriff Stricher lassen sich übrigens die meisten dieser Jungen bzw. jungen Männer nicht so gern bezeichnen, da dieser in der Gesellschaft überwiegend negativ besetzt ist und oft abwertend gebraucht wird. Außerdem reden viele von ihnen sich selbst und / oder ihren Kunden (im weiteren Verlauf Freier genannt) ein, dass sie sich ja nur gelegentlich, eigentlich nur ganz selten, prostituieren (auch wenn das in manchen Fällen objektiv nicht so ist) und der Begriff deshalb nicht auf sie zutrifft.[23]

2.2 Ein kurzer Rückblick in die Geschichte der mann-männlichen Prostitution

Mann-männliche Prostitution ist kein Phänomen unserer Zeit, sondern lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen – sogar bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. Zu dieser Zeit gab es im damals patriarchalischen Griechenland vor dem Hintergrund der herrschenden Klassengesellschaft auch ein großes Angebot an käuflichem Sex mit Männern, vor allem in den großen Städten wie Athen und Theben. Nur in Sparta konnte man aufgrund der dort herrschenden anderen gesellschaftlichen Verhältnisse gar keine Prostitution finden. Die mann-männlichen Prostituierten rekrutierten sich in dieser Zeit ausschließlich aus Soldaten, Kriegsgefangenen, Ortsfremden – und natürlich Sklaven, welche eindeutig die Mehrheit stellten. Grundsätzlich war die mann-männliche Prostitution damals legal, nur wenn freigeborene Männer dieser in ihrem eigenen Stadtstaat nachgingen, wurden sie mit harten Strafen belegt.[24] Auch damals waren schon – wie heute – die männlichen Jugendlichen am begehrtesten, die am jüngsten waren.[25] Hatten diese Lustknaben das kritische Alter von 18 Jahren überschritten, so waren sie gezwungen – wenn sie auch weiterhin nicht auf eine zahlungskräftige Klientel verzichten wollten – durch künstliche Maßnahmen, wie z.B. das Entfernen der Bart-, Achsel- und Schamhaare, ein jugendliches Alter vorzutäuschen.[26] Auch das wird heute noch sehr häufig praktiziert. Als Orte der mann-männlichen Prostitution galten damals hauptsächlich Barbierstuben, Spielbuden, Bäder, Schulen, Gymnasien, Theater und Tempel – und natürlich Knaben-Bordelle, vor denen die Lustknaben in der Regel nackt hin- und hergingen und sich auf Wunsch auch ungeniert untersuchen ließen. Die Klientel der Lustknaben bestand aus Männern aller Gesellschaftsklassen.[27]

Auch im antiken Rom – etwa ab dem zweiten Jahrhundert v. Chr. – gab es viele mann-männliche Prostituierte. Diese waren ausschließlich – meist ausländische – Sklaven, denn auch den freigeborenen Römern war es bei höchster Strafe verboten, ihren Körper der käuflichen Liebe zur Verfügung zu stellen. Ihre größte Verbreitung erreichte die mann-männliche Prostitution dort während der Regierungszeit des Heliogabal (217 – 222 n. Chr.), unter dessen Herrschaft sie gesellschaftsfähig wurde wie nie zuvor oder danach. Aber auch andere wichtige römische Staatsmänner wie Cato, Cicero oder Seneca akzeptierten sie in ihren Regierungszeiten als notwendiges Übel, welches vor allem die für die dort herrschende Klassengesellschaft so eminent wichtige Institution der Ehe schützen sollte.[28]

Durch das Aufkommen des sexualfeindlichen Christentums im Mittelmeerraum, jedoch vor allem wegen des Übergangs zur Feudalwirtschaft durch die Aufhebung der Sklaverei – diese war die Grundlage des gesamten antiken Prostitutionswesens – geriet die mann- männliche Prostitution derart in Verruf, dass der römische Kaiser Justinian im Jahre 541 sogar mit der Todesstrafe für die Ausübung von prostitutiven mann-männlichen Sexualkontakten drohte.

Danach machte das Thema lange Zeit nicht mehr von sich Reden; wahrscheinlich gab es mann-männliche Prostitution nur noch vereinzelt und äußerst versteckt.

Erst im Mittelalter und später, in der Renaissance, gab es wieder mann-männliche Prostitution in nennenswertem Umfang. Venedig, Rom, Paris und Köln entwickelten sich etwa im 15. Jahrhundert zu Hochburgen mann-männlicher Prostitution, die dort vollkommen organisiert war und sogar mit der weiblich-heterosexuellen Prostitution scharf konkurrierte.[29]

Mit dem Aufkommen des Kapitalismus dehnte sich schließlich die Prostitution in Europa generell „so ziemlich über alle Gesellschaftskreise aus, wie das kapitalistische Genießertum für alles einen Preis zu setzen wusste“[30] und wurde zu einer ernsthaften Gefahr für die gesamtgesellschaftliche Moral dieser Zeit. Im 19. Jahrhundert sollen die gesellschaftlichen Zustände bezüglich der Prostitution sogar wieder mit denen in der römischen Kaiserzeit – bevor sie verboten wurde – vergleichbar gewesen sein.[31] Das ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass eine breite Bevölkerungsschicht sehr arm und dringend auf jedes mögliche Arbeitseinkommen angewiesen war. An der Wende zum 20. Jahrhundert fand man beispielsweise auch Soldaten in Deutschland, die der mann-männlichen Prostitution nachgingen, um ihren kargen Sold aufzubessern.[32]

Die 1920er Jahre waren eine Zeit, die durch äußerst schwierige wirtschaftliche Verhältnisse und eine sehr hohe Arbeitslosigkeit, vor allem in den unteren gesellschaftlichen Klassen, gekennzeichnet war. So breitete sich nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland die Prostitution generell, auch die mann-männliche, schnell wieder aus. Der bekannte Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld schätzte die Zahl der sich zeitweilig prostituierenden männlichen Personen alleine in Berlin zu dieser Zeit auf ca. 20.000 – und das, obwohl Homosexualität allgemein und mann-männliche Prostitution im Besonderen zu diesem Zeitpunkt (schon seit der Zeit des römischen Kaisers Justinian, s.o.) überall in Europa zumindest offiziell verboten waren.[33] Mann-männliche Prostitution war dann auch ein Thema bei der Schaffung eines allgemeinen deutschen Strafgesetzbuches im Jahre 1927. Sie wurde dort aufgenommen (§ 175) und das begründete man damit, dass sie „als Brutstätte des Verbrechertums, eine Quelle schwersten Ärgernisses und eine besondere Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“[34] dargestellt hätte. Namhafte Wissenschaftler wie Magnus Hirschfeld und Richard Linsert bemühten sich daraufhin, die Diskussion zu versachlichen und veröffentlichten erste Studien zur mann-männlichen Prostitution (1929).[35]

Dann übernahmen in Deutschland die Nationalsozialisten die Macht und es folgte der zweite Weltkrieg. Die bestehenden Gesetze – gerade bezüglich der Homosexualität – wurden 1935 noch einmal verschärft und mann-männliche Prostitution wurde als „schwere Unzucht zwischen Männern“ bewertet und mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren, bei mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft.[36] Auch die gesellschaftliche Stimmung in Deutschland änderte sich und Homosexualität im Allgemeinen und mann-männliche Prostitution im Besonderen wurden unterdrückt und waren streng verpönt; Betroffene wurden schikaniert, wo es nur ging.[37] Entsprechend selten wagten sich diese an die Öffentlichkeit. Das änderte sich auch nach dem Ende der Nazi-Diktatur nur langsam wieder.

Auch in den 1950er und 1960er Jahren dominierte in Deutschland die kriminalistische Sichtweise der Dinge und erst Ende 1973 änderten sich die gesetzlichen Bedingungen im Rahmen einer allgemeinen Strafrechtsreform dahingehend, dass man die Strafbarkeit für Homosexualität unter Erwachsenen aufhob und in diesem Zusammenhang nur noch den Jugendschutzgedanken verfolgte, indem man das Jugendschutzalter von 21 auf 18 Jahre herabsetzte. Für männliche Jugendliche blieb Homosexualität also nach wie vor verboten. Auf die explizite Strafverfolgung von mann-männlichen Prostituierten durch einen eigenen Gesetzesparagrafen wurde von diesem Zeitpunkt an verzichtet, aber die Möglichkeit einer Strafverfolgung wurde durch Verstöße gegen das o.g. Jugendschutzalter sowie gegen mögliche Sperrbezirksverordnungen[38] natürlich aufrecht erhalten.[39] Aufgrund der bestehenden Gesetzeslage sowie des gesellschaftlichen Ansehens der Homosexualität und der mann-männlichen Prostitution vor diesem Zeitpunkt nahm sich diesbezüglich auch die Wissenschaft nicht aus: Die wenigen deutschen Untersuchungen zum Thema mann-männliche Prostitution hatten alle das Ziel, die Gefährlichkeit der männlichen Prostitution nachzuweisen.[40] Das – und die Erkenntnis, dass es aus diesem Zeitabschnitt kein brauchbares Material zu dieser Thematik (bezogen auf Deutschland) gibt – bestätigten auch die Autoren der beiden bisher einzigen bundesweiten soziologischen bzw. empirischen Untersuchungen[41] zum Thema.[42]

Anfang der 1970er Jahre entwickelte sich aber im Zuge der sexuellen Revolution der 1968er-Generation sowie der Anfänge der Homosexuellen-Bewegung in Deutschland auch wieder eine rasch wachsende Szene der mann-männlichen Prostitution. Zunächst in den großen Zentren wie Berlin, Hamburg und Köln, später dann aber auch in kleineren Städten, wurden Stricherbars und -clubs eröffnet und es bildete sich manchenorts auch ein entsprechender Straßenstrich. Der bekannteste in Deutschland ist damals wie heute immer noch in Berlin zu finden: Der Bahnhof Zoo mit seinen Nebenstraßen. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte er durch das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“[43] und den gleichnamigen Film, welche damals bundesweit für Aufmerksamkeit sorgten und das Thema mann-männliche Prostitution zusammen mit dem Thema Drogen (Buch und Film beschreiben reale Erlebnisberichte von drogensüchtigen Teenagern, die am Bahnhof Zoo der Beschaffungsprostitution nachgingen) in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses rückten. Auch Callboy-Agenturen und freischaffende Callboys etablierten sich in diesen Zeiten schnell und stießen auf große Nachfrage.

Anfang der 1980er Jahre kamen dann die ersten HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen auf; das tat aber der mittlerweile florierenden Szene der mann-männlichen Prostitution keinen langfristigen Abbruch. Lediglich die Preise für ungeschützte sexuelle Dienstleistungen stiegen und für aus der Szene ausgestiegene jugendliche bzw. junge Männer rückten wieder neue – meist ausländische Jugendliche – nach.[44] Durch HIV / AIDS wurden dann aber auch die sozialarbeiterisch tätigen Organisationen und Projekte auf diese Zielgruppe aufmerksam und erste zielgruppenspezifische Arbeitsansätze wurden geschaffen, die ersten Stricherprojekte und sogar eine Stricher-Selbsthilfegruppe[45] gründeten sich.

Mit dem Fall der Mauer in Berlin bzw. dem Ende des eisernen Vorhangs Anfang der 1990er Jahre änderte sich die Szene in Deutschland dann aber schlagartig und nachhaltig: Sehr viele osteuropäische junge Männer kamen nach Deutschland, vor allem nach Berlin, und drängten mangels anderer Möglichkeiten eines legalen Erwerbseinkommens auf den Prostitutionsmarkt. Das führte schnell dazu, dass aufgrund der großen Konkurrenz-Situation die Preise für alle Arten von sexuellen Dienstleistungen ins Bodenlose fielen, da die meisten Osteuropäer schon mit einem Bruchteil der Summe zufrieden waren, die früher die deutschen bzw. westeuropäischen Stricher bzw. Callboys verlangen konnten. Für die osteuropäischen jungen Männer stellten aber auch diese vergleichsweise niedrigen Preise, welche in harter D-Mark gezahlt wurden, in ihrer Heimat meist einen hohen Wert dar. Das Klima zwischen diesen Billigstrichern aus Polen, Rumänien, Tschechien und anfangs auch der ehemaligen DDR auf der einen, sowie den ehemals etablierten deutschen und westeuropäischen Strichern und Callboys auf der anderen Seite war dadurch natürlich ziemlich schlecht.[46] Durch diese Faktoren änderte sich das Preisniveau für sexuelle Dienstleistungen im Bereich der mann-männlichen Prostitution in Deutschland, und obwohl es sich einige Zeit später auf ein für alle Beteiligten akzeptables Niveau einpendelte (bzw. einpendeln musste), herrscht noch heute ein tiefes Misstrauen zwischen diesen Gruppen. Aber es kehrte danach auch wieder ein Stück weit Normalität in die Szene ein.

Auch auf rechtlicher Basis gab es in dieser Zeit Veränderungen: 1994 wurde nach jahrelangem zähem Ringen der politischen Parteien auch in Deutschland die Homosexualität komplett straffrei. Der Paragraf 175 wurde ersatzlos aus dem Strafgesetzbuch gestrichen und die Jugendschutzaltersgrenze änderte sich erneut und wurde vereinheitlicht: Homo- wie heterosexuelle Kontakte wurden nur noch mit Kindern unter 14 Jahren sowie unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Ausnutzen der fehlenden sexuellen Selbstbestimmungsmöglichkeit) mit Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren strafbar.[47] Für die Prostitution – auch für die mann-männliche – blieb die Schutzaltersgrenze aber bei 18 Jahren bestehen und dies ist auch zurzeit noch aktuell.[48]

Wie die Gesamtsituation der mann-männlichen Prostituierten heute aussieht, ist ein weiterer Gegenstand dieser Arbeit und wird noch entsprechend untersucht.[49]

2.3 Aus welchen Gründen gehen Jungen bzw. junge Männer heute anschaffen ? – Eine Kurzanalyse der unterschiedlichen Problemlagen

Die Gründe dafür, auf den Strich zu gehen, sind – und da ist sich die Fachwelt einig – so unterschiedlich wie die Stricher selbst. Jeder Junge bzw. junge Mann, der anschaffen geht, hat seine eigene Biografie, seine eigene Geschichte – und die besteht meist aus einer Vielzahl von sozialen und psychischen Problemen. Trotzdem gleichen sich diese Problemlagen oft und wenn man versucht, in den unterschiedlichen Lebensverläufen Gemeinsamkeiten zu finden, so stößt man immer wieder auf typische Problemkonstellationen.[50] Hier soll nun versucht werden, die davon am häufigsten vorkommenden kurz zu erläutern.

Zunächst einmal lässt sich sagen, dass es nur für eine bestimmte Gruppe von Jungen und jungen Männern in Frage kommt, sich zu prostituieren. Ausschlaggebend dafür sind ganz bestimmte psychosoziale Faktoren. Sie kommen fast alle aus unterprivilegierten und / oder unvollständigen bzw. zerrütteten Familien und haben vielfach Heimaufenthalte hinter sich.[51] Dort haben die Jungen in vielen Fällen häufige Beziehungsabbrüche erlebt und sind auch vielfach bereits Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch geworden[52], letzteres auch oft als Folge des Bekennens von eigenen homosexuellen Gefühlen.[53] Ein Teil dieser Jungen bzw. jungen Männer lebt auf der Straße, weil sie zu Hause hinaus geworfen wurden oder dort nicht bleiben wollten. Fast keiner von ihnen geht regelmäßig (bzw. überhaupt) zur Schule und demzufolge haben auch nur ganz wenige einen Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung, stattdessen sind die meisten schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Fast alle Stricher weisen psychische und soziale Defizite auf. Diese versuchen sie zum Teil – und häufig unbewusst – auf dem Strich zu kompensieren, was ihnen aber nur zeitweise gelingt.[54] Lutz VOLKWEIN und Wolfgang WERNER, beides Sozialpädagogen vom Stricherprojekt SUB / WAY in Berlin, beschreiben die Herkunftsproblematik so: „Für einige Jungen bedeutet das Anschaffen nichts weiter als das, was sie zuvor schon in der Familie machen mussten. Für etwas Geborgenheit, Aufmerksamkeit oder Zuneigung mussten sie sich `gut verkaufen´ können. Jungen, die anschaffen, sind auf der Suche nach dem, was sie in der Familie nie selbstverständlich bekommen haben und setzen das ein, was sie beispielsweise in den Herkunftsfamilien gelernt haben. Dazu gehört auch, dass in einigen Familien der Mutter oder dem Vater sexuelle Gegenleistungen zu erbringen waren. Jungen erleben dabei vielfältige Rollenkonflikte (...), die sich in der Stricherszene wiederholen.“[55] Diese Suche nach Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Zuneigung suchen viele Stricher auch bei den Freiern (z.B. als Vaterersatz), die ihrerseits – wenn sie sich als Homosexuelle oder Päderasten[56] verstehen – neben dem Wunsch nach gelegentlichen Sexualkontakten oft auch Beziehungswünsche an die Stricher haben. Da beide Seiten aber über die Sexualkontakte hinaus in der Regel nur wenige Gemeinsamkeiten haben, beinhalten diese Beziehungen meist keine längerfristige Perspektive.[57]

Neben dieser positiven Zuwendung sind – zumindest am Anfang – weitere Leitmotive für die Entscheidung, auf den Strich zu gehen, das Erleben von sexueller Lust ohne emotionale Verbindlichkeit, Abenteuer und Risiko, sowie das Gefühl von Macht (über die Freier) und der Wunsch nach dem Ausleben von Omnipotenzphantasien.

Sehr wichtig ist für die meisten männlichen Jugendlichen und jungen Männer auf dem Strich – bewusst oder unbewusst – auch die Akzeptanz und Anerkennung in der Szene, da sie diese größtenteils zu Hause oder im Heim nicht bekommen haben, ebenso wichtig ist ihnen das Begehrtwerden durch die Freier. So wird ihr – meist nur sehr schwach vorhandenes – Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl gestärkt bzw. wieder aufgebaut.[58]

Für viele Stricher ist die Prostitution auch ein Mittel, frühere sexuelle Missbrauchserfahrungen zu verarbeiten. Dies gilt aber für alle Prostituierten, männliche wie weibliche.[59]

Aber auch die Suche nach der eigenen sexuellen Identität kann für manchen Stricher unbewusst ein Grund sein, anschaffen zu gehen. Viele der Jungen haben noch keine stabile bzw. klare Sexualität für sich gefunden. Sie stehen unter dem gesellschaftlichen Zwang, sich nach außen heterosexuell geben zu müssen, haben aber gleichgeschlechtlichen Sex mit Freiern und manchmal auch mit anderen Strichern – und vielleicht als Kompensation oder als Rechtfertigung dafür auch heterosexuellen Verkehr mit Mädchen ihrer Altersgruppe. Das verwirrt und verunsichert sie. Aber es bietet ihnen auch die Chance, zu experimentieren: „Für manche Jungen ist die Stricherszene eine Möglichkeit, ihre homosexuellen Anteile auszuprobieren, ohne sich vor sich selbst oder anderen als `schwul´ zu outen (Wer Geld dafür nimmt, braucht nicht zuzugeben, vielleicht doch schwul zu sein).“[60] Auf dieses Thema wird im Verlauf der Arbeit noch näher eingegangen.[61]

Für die allermeisten Stricher sind allerdings das Geld und die materiellen Werte – zumindest vordergründig – die wichtigsten Gründe, sich zu prostituieren.[62]

Da gibt es z.B. Jungen, die sich nur gelegentlich in ihrer Freizeit prostituieren, um ihr Taschengeld etwas aufzubessern oder die jugendlichen Ausreißer (oft auch aus Heimen), die zunächst einmal überleben und irgendwo bleiben müssen. Sie nutzen den Strich manchmal nur kurzfristig, um sich etwas Geld oder ein Nachtlager zu verschaffen und gehen danach oft wieder zurück nach Hause bzw. ins Heim. Ein Teil von ihnen bleibt aber im Strichermilieu hängen, prostituiert sich dann regelmäßig oder findet andere, meist illegale Möglichkeiten für einen Einkommenserwerb (z.B. Drogenhandel, Diebstähle).[63]

Eine weitere Gruppe stellen die Beschaffungsprostituierten dar. Alkohol- und Drogensucht, aber nicht selten auch Spielsucht, treiben viele Jungen bzw. junge Männer auf den Strich. Für diese Gruppe ist die Prostitution oft die einzige Möglichkeit, halbwegs legal an Geld zu kommen – mit welchem sie dann ihre verschiedenen Süchte finanziert. Allerdings verfestigen sich so die Problemsituationen, denn ihre psychosozialen und körperlichen Defizite bleiben bestehen. So entwickelt sich ein Kreislauf, aus dem es mit der Zeit immer schwerer wird, wieder auszubrechen.[64] Auch auf dieses Thema wird im Verlaufe der Arbeit noch intensiver eingegangen.[65]

Die Beschaffungsprostituierten gehören sicherlich zu der größten Gruppe von Strichern, die hier einmal mit dem Begriff Notlagenprostituierte benannt werden soll. Damit sind all die Jungen bzw. jungen Männer gemeint, die aus den unterschiedlichsten Gründen keine andere für sie akzeptable Möglichkeit finden, als sich zu prostituieren. Der Strich stellt für sie eine gewisse Zeit ihre Lebensgrundlage dar, da sie aus den unterschiedlichsten Gründen keiner anderen Erwerbstätigkeit nachgehen können, dürfen oder wollen. Dazu zu zählen ist z.B. die Gruppe der Migranten.[66] Viele von ihnen stehen in der Pflicht, eine komplette Familie ernähren zu müssen. Oder auch junge deutsche Stricher, die arbeitslos (und oft auch obdachlos) sind, und aufgrund ihrer mangelnden Qualifikationen keinen Job bekommen und deren (oft gekürzte) Sozialhilfe oder Arbeitslosenhilfe – falls sie diese überhaupt bekommen – nicht ausreicht, um ein Leben auf einem für sie akzeptablen Niveau zu führen.

Welche Problemkonstellationen auch immer vorliegen, eines haben beinahe alle Stricher gemeinsam: Sie brauchen bzw. wollen Geld, entweder zur Sicherung der Lebensgrundlage oder zusätzlich zu anderen Einkünften, um sich besondere Wünsche erfüllen zu können.[67] Und der Strich bietet die Möglichkeit, dies relativ unkompliziert und oft mit nur wenig zeitlichem und körperlichem Aufwand zu bekommen. Das macht den Strich als Einkommensquelle so attraktiv und ist sicherlich einer der wichtigsten Erklärungsansätze dafür, dass Jungen bzw. junge Männer auf den Strich gehen.[68]

Der zentralste Erklärungsansatz ist aber der, dass überhaupt eine entsprechende Nachfrage besteht – denn diese bestimmt das Angebot. Wenn Jungen bzw. junge Männer als käufliche Sexualpartner nicht nachgefragt würden, hätten diese wenig Erfolg, wenn sie sich dazu anbieten würden. Aber da seit jeher eine starke entsprechende Nachfrage besteht[69], zieht diese auch die o.g. Jungen bzw. jungen Männer an, für die es aus den unterschiedlichsten Gründen in Frage kommen kann, sich zu prostituieren. Wie im Eingangszitat schon erwähnt, funktioniert nämlich auch der Strich nach den Prinzipien der freien Marktwirtschaft.[70]

2.4 Überblick über die unterschiedlichen Orte und Szenen, in denen Strich stattfindet

Mit dem Begriff Strich werden jene Orte bezeichnet, an denen der Stricher seine sexuellen Dienstleistungen öffentlich – oder auch halböffentlich – anbietet.[71] Dies können der Bahnhof, der Straßenstrich, einschlägige Bars, Clubs, Kneipen, Discotheken und private Räumlichkeiten (z.B. Bordelle, Appartements oder auch Privatclubs, in denen angeschafft wird) sein, aber auch Spielhallen und manche Orte, von denen bekannt ist, dass sie öfter von Homosexuellen aufgesucht werden, die auf der Suche nach einem Sexualpartner sind, wie z.B. Parks, schwule Saunen[72] oder Klappen.[73]

An diesen Orten stellt der Stricher zunächst einmal den Kontakt zu dem interessierten Freier her (oder umgekehrt). Dies geschieht meist durch bestimmte typische Rituale, wie z.B. durch die Aufnahme von intensiven Blickkontakten oder durch eine offensive Anmache, wie der Frage nach Feuer, nach einer Zigarette oder nach der Uhrzeit. Diese Signale werden aber in der Regel meist sehr vorsichtig, indirekt und abwartend eingesetzt, denn es besteht ja immer noch das Risiko, dass man sich irrt, und der andere gar kein Freier bzw. Stricher ist. Findet die Kontaktaufnahme in der Öffentlichkeit statt, wird das ungeübte und unbeteiligte Auge (z.B. ein Reisender, der am Bahnhof auf seinen Zug wartet) diese Interaktionen in der Regel gar nicht erkennen.[74] Wurde der Kontakt zwischen Stricher und Freier aufgenommen und sind diese sich einig, dass ein Sexualkontakt stattfinden soll, wird nun vorab der Preis ausgehandelt. Wenn auch darüber Einigkeit herrscht, begibt man sich an den Ort, an dem der Sexualkontakt stattfinden soll. Dies kann direkt vor Ort erfolgen (z.B. auf einer Bahnhofstoilette), oft begibt man sich aber auch in die Wohnung des Freiers oder dieser mietet kurzfristig ein Zimmer in einem Stundenhotel an. Aber es kommt ebenfalls häufig vor, dass der Sexualkontakt im Auto des Freiers (der dann zunächst einmal eine einsame Gegend ansteuert) oder auf öffentlichem Gelände (z.B. in einem Park oder auf einem Autobahnrastplatz) stattfindet.

Auf dem Strich bestehen generell – vor allem aber dort, wo sexuelle Dienstleistungen in der Öffentlichkeit angeboten werden, wie z.B. auf der Straße oder am Bahnhof – einige informelle Normen und Regeln, welche die Kontaktaufnahme bezüglich sexueller Dienstleistungen für Freier und Stricher unproblematischer machen. Diese laufen in einem außergesetzlichen Rahmen ab, denn das Handeln im Bereich der männlichen Prostitution ist ja ohnehin nur zu einem sehr geringen Teil durch offizielle Gesetze und Verordnungen geregelt.[75] Diese beziehen sich vor allem auf die Konkurrenz (ein Stricher versucht beispielsweise in der Regel nicht, einem anderen einen Kontakt kaputt zu machen, wenn dieser bereits in der Anbahnung begriffen ist), auf den Preis (innerhalb einer bestimmten Szene einer Stadt (wie z.B. am Bahnhof) gleichen sich die Preise für eine bestimmte sexuelle Dienstleistung bei einem vergleichbaren äußeren Erscheinungsbild des Stricher üblicherweise, zumindest weichen diese nicht sehr stark voneinander ab) und auf das Verhalten untereinander (man akzeptiert sich in aller Regel so, wie man ist).[76]

Obwohl das Grundprinzip der Kontaktanbahnung auf dem Strich im Bereich der mann-männlichen Prostitution fast immer gleich und meist so ist, wie es oben bereits dargestellt wurde, unterscheiden sich die meisten der o.g. Orte, an denen Stricher anzutreffen sind, doch ein wenig voneinander. Daher sollen nun die unterschiedlichen Orte und Szenen untersucht und die Unterschiede aufgezeigt werden.

- Bahnhof: Die Bahnhofsprostitution spielt sich in der Anonymität ab und ist in aller Regel für den Unwissenden nicht sichtbar. Sie zeichnet sich durch eine schnelle Kontaktabwicklung aus. Stricher und Freier, die hier Kontakte suchen, wollen das so, denn auf diese Weise müssen sie keine Konsequenzen fürchten.[77] Hier findet man vermehrt Minderjährige, Gebraucher harter Drogen (wie z.B. Heroin) und andere Stricher mit geringen Marktchancen an anderen Szeneorten . Am Bahnhof ist das Preisniveau am niedrigsten und die Szene unterliegt ständig einer großen Fluktuation. Sie ist dort auch am unsaubersten .[78]
- Auto- oder Straßenstrich: Auch der Auto- bzw. Straßenstrich zeichnet sich eher durch Anonymität aus. Der Freier fährt in der Regel mit dem Auto vor und dreht meistens zunächst ein paar Runden, um die verschiedenen Stricher zu begutachten. Hält er dann an, setzt das oben beschriebene Ritual der Kontaktaufnahme ein. Auch hier ist eine ähnliche Stricherklientel anzutreffen wie am Bahnhof: Viele Minderjährige, Beschaffungsprostituierte, Migranten und andere Stricher, die woanders keinen Zugang bzw. keine großen Chancen hätten, schaffen dort an. Das Preisniveau ist etwas höher als am Bahnhof und auch diese Szene zeichnet sich durch eine große Fluktuation aus.[79]
- einschlägige Bars, Kneipen und Discos: Hier sind die Präsentation und das Aussehen der Stricher das Wichtigste. Konsumenten harter Drogen kommen hier seltener vor, wohl aber der Gebrauch von weicheren Drogen und Rauschmitteln wie Alkohol, Kokain, Speed, Ecstasy und andere Amphetamine verschiedener Art. Die Kontaktaufnahme ist hier einfacher, ist man doch unter sich, denn diese Bars, Kneipen und Discos werden überwiegend von Szeneangehörigen geführt und besucht. Gegenüber dem Bahnhof und dem Straßenstrich kann man diese Szene als etwas gehobener einstufen, auch das Preisniveau ist höher. Hier spielen auch die Wirte eine wichtige Rolle, denn diese haben das Hausrecht und sind oft wichtige Ansprechpartner sowohl für die Stricher als auch für die Freier und greifen auch schon mal vermittelnd ein (z.B. bei Unstimmigkeiten – allerdings selten bei der direkten Vermittlung von Sexualkontakten).[80]
- private Räumlichkeiten wie Bordelle, Appartements oder Privatclubs: In solchen Räumlichkeiten sind vorwiegend männliche Prostituierte mit einem höheren professionellen Bewusstsein anzutreffen (sog. Edelstricher, also oft junge Männer, die ihre Dienste exklusiv für einen solchen Club anbieten – selten die Stricher im klassischen Sinne, welche auch an anderen Szeneorten anschaffen gehen). Materielle und finanzielle Grundlagen, eine Schlafstelle und eine regelmäßige hygienische Versorgung sind zumeist gesichert. Auch findet man hier ein größeres gesundheitliches Bewusstsein vor. Im Gegensatz zu den anderen Szeneorten wird man in solchen Räumlichkeiten beispielsweise nur selten einen jungen Mann finden, der bereit ist, ungeschützten Sexualverkehr zu praktizieren. Dafür ist das Preisniveau aber auch höher als an den anderen Orten der Szene. Oft arbeiten die männlichen Prostituierten dort auch über einen längeren Zeitraum.

Im Unterschied zu den anderen Szeneorten definieren sich die hier anschaffenden männlichen Prostituierten fast ausschließlich als homosexuell.[81] Die vorherrschenden Probleme dieser jungen Männer drehen sich meist um eine manchmal bestehende Abhängigkeit vom Betreiber des Etablissements, den Umgang mit den Behörden, die Professionalisierung im Bereich der Prostitution und die Entwicklung der weiteren Lebensperspektive.[82]

- Informelle Treffpunkte für Homosexuelle wie Parks und Klappen sowie andere Orte, an denen Stricher zu finden sind (wie z.B. schwule Saunen und Spielhallen): Grundsätzlich gibt es natürlich auch noch andere als die oben beschriebenen Haupt- bzw. institutionalisierten Treffpunkte, an denen Stricher zu finden sind, denn für diese ist es natürlich die Hauptsache, an solchen Orten präsent zu sein, die Erfolg versprechen und an denen sie höchstwahrscheinlich auf potentielle Freier treffen können. Und dies ist überall dort sehr wahrscheinlich, wo sie auf homosexuelle Männer treffen, die auf der Suche nach einem Sexualpartner sind. Diese suchen zwar in der Regel den einvernehmlichen Sex, ohne dafür bezahlen zu müssen, aber wenn die Suche lange erfolglos verläuft oder ein Stricher ihnen sehr gut gefällt, dann kommt es auch manchmal auf der Basis Sex gegen Entgelt zu einer Einigung. Es gibt viele Orte, die in der Homosexuellen-Szene für eine Anbahnung von (in der Regel unentgeltlichen) Sexualkontakten bekannt sind – und das spricht sich natürlich auch bis zu den Strichern herum. Über männliche Prostituierte, die an diesen Orten anschaffen gehen, kann keine pauschale Aussage getroffen werden. Das Alter (vom minderjährigen Schuljungen bis zum fünfunddreißigjährigen Lederfetischisten), die soziale Lage (vom Beschaffungsprostituierten bis hin zum gut situierten Ehemann) sowie die Motivation (vom Taschengeldaufbessern bis zur Sicherung der Lebensgrundlage oder einfach auch die Möglichkeit, mal an einem Ort anzuschaffen, an dem man noch nicht bekannt ist und demzufolge man sich oft noch mehr Erfolg verspricht) variieren stark. Von einer Szene im eigentlichen Sinne kann man hier nicht sprechen, da die Stricher an diesen Orten selten regelmäßig, sondern meist nur punktuell anschaffen gehen.[83]

Eine Besonderheit der mann-männlichen Prostitution ist, dass im Gegensatz zur weiblich-heterosexuellen Prostitution offene Zuhälterei kaum eine Rolle spielt. Im Einzelfall kommt es sicherlich manchmal zu verdeckten Formen[84], aber das könnte noch nicht als organisierte Zuhälterei bezeichnet werden.[85]

Ein Grund dafür ist gewiss die körperliche Konstitution der Jungen bzw. jungen Männer. Sie lernen im Gegensatz zu den Mädchen oder jungen Frauen meistens recht früh, ihre körperliche Kraft einzusetzen und sind so eher in der Lage, sich gegen Übergriffe durch Freier selber zu schützen. Sie brauchen dafür keine Zuhälter und könnten sich ggf. auch gegen diese zur Wehr setzen. Zudem wird Jungen durch ihre geschlechtsspezifische Sozialisation in den allermeisten Fällen vermittelt, in Beziehungen nicht der schwächere Partner zu sein. Einen Zuhälter zu haben, würde für die meisten Jungen bedeuten, sich in eine unterlegene, als weiblich definierte Position zu begeben. Außerdem wechseln viele der männlichen Prostituierten häufig die Orte bzw. die Städte, an bzw. in denen sie sich prostituieren und entziehen sich schon auf diese Weise dem Zugriff von potentiellen Zuhältern.[86]

Dadurch, dass sie keine Zuhälter haben, können sie ihrem Leben als Prostituierte auch selbstbestimmter nachgehen, haben ihre Einkünfte für sich und können außerdem selbstbestimmter als Mädchen und Frauen aus der Prostitution aussteigen. Ein zentrales Gewaltmoment der Mädchenprostitution fällt dadurch größtenteils weg.[87]

2.5 Die Kunden der Stricher

Die Kunden der Stricher werden – wie oben schon erwähnt – umgangssprachlich Freier genannt. Einige Studien über den Bereich der mann-männlichen Prostitution in Deutschland widmen ihnen ein kurzes Kapitel[88], aber eine ernsthafte Untersuchung über die Gruppe(n) der Freier steht noch aus – so bleiben diese bis auf wenige Hinweise in der Literatur (oft einzelne und subjektive Beispiele in Form von Interviews) größtenteils unbekannt.

Aus diesem Grund wurden bisher nur wenige allgemeingültige Informationen über Freier bekannt. Die meisten Studien waren sich aber zum einen darüber einig, dass es sich so gut wie ausnahmslos um Männer handelt, deren Mehrzahl zur Altersgruppe der 30–50jährigen gehört, und zum anderen darüber, dass es den typischen Freier ebenso wenig gibt wie den typischen Stricher.[89] Unklar und ebenfalls ohne empirische Basis ist auch die sexuelle Identität der Freier.[90] Sie kommen vermutlich aus allen gesellschaftlichen Schichten[91] und haben die unterschiedlichsten Motive und Motivationen für ihre Suche nach käuflichem Sex.

Bei genauerer Betrachtung der Gruppe(n) der Freier zeichnen sich allerdings trotz der Vielschichtigkeit und Komplexität ihrer Lebensumstände zwei Grundmuster ab, nach denen die meisten Freier kategorisiert werden könnten.[92]

In der ersten Kategorie findet man Männer, die schnellen, unkomplizierten Sex möchten, ohne die Rituale der kommerziellen und unentgeltlichen schwulen Szene (z.B. schwule Discoveranstaltungen besuchen oder einen kompletten Abend in einer schwulen Bar verbringen) durchlaufen zu müssen. Der Kontakt zu einem Stricher wird dabei überwiegend als Geschäftsbeziehung gesehen, als Austausch von Sex und Geld. Zu dieser Kategorie gehören z.B. Männer, die beruflich stark eingebunden sind und ihre sexuellen Bedürfnisse schon aus Zeitgründen nur durch Besuche bei Prostituierten befriedigen können oder Männer in homosexuellen Partnerbeziehungen, die sexuelle Abwechselung oder spezielle Sexualpraktiken suchen, die in ihrer Beziehung nicht gelebt werden (können). Daneben ist dieser Kategorie die große Gruppe der Männer zuzurechnen, die bisexuell oder nicht offen homosexuell leben, zum Teil verheiratet sind und ihre sexuellen Bedürfnisse vor ihrer Umwelt verstecken (müssen).[93] Dieser Typus trennt meist – für sich selbst und auch für andere – klar zwischen Sex auf der einen und Liebe bzw. Beziehung auf der anderen Seite. Dabei ist es manchmal schwierig, die gelegentlich stattfindenden Stricherlebnisse von der restlichen Alltagsrealität getrennt zu halten. Unabhängig davon, ob diese Alltagsrealität hetero- oder homosexuell aussieht, ist es sicherlich anstrengend, sich auf Dauer zwei verschiedene Lebenswirklichkeiten merken und diese nach außen darstellen zu müssen, denn die wenigsten Freier können oder wollen mit Freunden oder Partnern bzw. Partnerinnen über den bezahlten Sex reden. Dieser Freiertypus bekommt meist dann Probleme, wenn z.B. durch eine ungewollte Entdeckung die mühsam aufgerichtete Konstruktion des Versteckens dieser geheimen zweiten Wirklichkeit ins Wanken gerät oder wenn bei Männern mit heterosexuellem Umfeld die psychische Kraft nicht mehr ausreicht, die eigene homosexuelle Identitätsentwicklung mit Hilfe des Strichs in Schach zu halten.[94]

Die zweite Kategorie besteht aus Männern, die auf der Suche nach einer Beziehung sind. Sie nutzen Kontakte zu Strichern als Übergangslösung bis zur nächsten Partnerschaft. Diese Kontakte werden oft als Ausgangspunkt oder Versuch betrachtet, eine kurz- oder mittelfristige Beziehung aufzubauen, häufig mit der Absicht, die finanzielle Seite des Kontaktes so bald wie möglich zu beenden und sie durch eine emotionale Bindung zu ersetzen. Die geschäftliche Komponente des Kontaktes wird dabei in der Regel als unangenehm empfunden.[95] In diese Kategorie gehören z.B. Männer, die sich sexuell vor allem von den oft kindlichen oder jugendlichen Strichjungen angezogen fühlen (Päderasten) und sich einen solchen Partner wünschen, den sie in der Regel auf anderer Basis nicht bekommen können. Oder auch Männer, die in irgendeiner Weise einen Helferkomplex haben und den Strichern durch ein Beziehungsangebot helfen möchten, ihre Lebenssituation zu verbessern oder zu ändern. Daneben gehören in diese Kategorie auch schwule Männer, welche die oft oberflächliche kommerzielle schwule Szene als Ausgangspunkt für die Suche nach einer festen Beziehung ablehnen, sich aber trotzdem einen festen Partner wünschen.[96] Im Gegensatz zum ersten Freiertypus, bei dem mögliche Konflikte aus der Trennung von Sex auf der einen und Liebe / Beziehung auf der anderen Seite entstehen können, ist bei diesem zweiten Typus das genaue Gegenteil der Fall – hier können Konflikte nämlich aus der Unfähigkeit zu dieser Trennung entstehen. Ein Freier aus dieser Kategorie lässt sich nur scheinbar auf den geschäftlichen Charakter der Stricher-Freier-Beziehung ein. Darin ist für ihn aber viel mehr enthalten, nämlich auch Liebe, Zuwendung, Vertrauen und Freundschaft. Er möchte die Illusion, dass die Bindung nicht nur über das Geld vorhanden ist, möglichst lange aufrechterhalten. Dieser Freiertypus möchte gerne mehr für den Stricher sein – ein väterlicher Freund und Gönner oder ein wohlmeinender Erzieher. Das ist aber in der Realität selten der Fall und neben Konflikten mit dem Sexualstrafrecht (Jugendschutzaltersgrenze) entstehen für diese Männer auch häufig Probleme aus der illusionären Verkennung der realen Beziehungsgrundlage und der tatsächlichen Bedürfnisse der Stricher. Enttäuschungen dieser Beziehungswünsche sind so vorprogrammiert. Dadurch, dass oft starke Gefühle in diese vermeintliche Beziehung investiert werden, machen sich diese Freier auch verwundbarer für Diebstahlsdelikte, Erpressungsversuche oder andere gewaltsame Reaktionen ihrer Liebes-Objekte als die Männer des ersten Freiertypus.[97]

[...]


[1] Zitat von Stefan (Callboy aus Berlin), QUER/STRICH, 1992, S. 9

[2] Homepage von MEDICINE-WORLDWIDE zum Thema PROSTITUTION: www.m-ww.de/ sexualitaet_fortpflanzung/lexikon/prostitution.html. Stand: 14.03.2003.

[3] Homepage von GAYSTATION Berlin: http://gaystation.in-berlin.de/out/. Stand: 14.03.2003. Diverse Studien haben ergeben, dass ca. 10 % der Weltbevölkerung homosexuell veranlagt sind. Diese Zahl muss aber als Schätzung verstanden werden, da viele Menschen aus Angst vor Ablehnung und Vorurteilen ihre Neigung geheim halten und somit genauere Ergebnisse nicht zu bekommen sind.

[4] BRÖRING / PIERPONT, 1998, S. 7

[5] vgl. Pkt. 2.2 dieser Arbeit

[6] Das erste Projekt in Deutschland wurde 1986 in Hamburg gegründet: Das BASIS-Projekt ist ein Ableger des schwul-lesbischen Krisenhilfevereins INTERVENTION e.V.

[7] Ein Stricherprojekt hat als Klientel – wie der Name schon sagt – in erster Linie die Gruppe der Stricher unter den mann-männlichen Prostituierten. Hauptaufgaben eines solchen Projektes sind Präventionsarbeit in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten sowie Sexualaufklärung allgemein; psychosoziale Beratung und Betreuung; offene, lebenspraktische Angebote an die Stricher wie Wasch-, Dusch- und Essensgelegenheiten sowie die Organisation bzw. Vermittlung von medizinischer Betreuung (vgl. dazu auch Kapitel 5 dieser Arbeit).

[8] K.,Felix, 2000, S. 31. Auf die Unterschiede zwischen Strichern und Callboys wird im Verlauf dieser Arbeit im Rahmen der Definitionsfrage noch genauer eingegangen (vgl. Pkt. 2.1).

[9] SCHICKEDANZ, 1979

[10] Stricherprojekt der AIDS-Hilfe Essen e.V., ich arbeite dort seit September 2002 mit.

[11] Dies ist die Europäische Kooperation der Organisationen für männliche Prostituierte und Straßenkinder.

[12] EURO-KOPS, 1999, S. 4

[13] LOOKS e.V., 2001, S. 7

[14] Kurzdefinition von Callboy vgl. Pkt. 1.2 dieser Arbeit

[15] LOOKS e.V., 2001, S. 8

[16] ebd.

[17] SCHICKEDANZ, 1979, S. 98 ff.

[18] LOOKS e.V., 2001, S. 9

[19] ebd.

[20] LOOKS e.V., 2001, S. 9

[21] ebd.

[22] Diese Definition ist angelehnt an die allgemeine Definitionen für mann-männliche Prostituierte von SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 5 bzw. aus den Leitlinien für die soziale Arbeit mit Strichern vom AKSD, S. 6 (DEUTSCHE AIDS-HILFE e.V., 2000). Beide Definitionen sind dort noch um den Zusatz „oder durch Werbung in Zeitungen und Zeitschriften“ ergänzt, was auf die Callboys abzielt und bei der Stricher-Definition nicht zutreffend wäre. Im Umkehrschluss erhält man so aber auch die exakte Definition für Callboys.

[23] K., Felix, 2000, S. 11, 41. Quelle sind außerdem persönliche Gespräche mit einigen Strichern. Das Ablehnen des Stricherbegriffes dient u.a. dazu, bei sich selbst das oft vorhandene schlechte Gewissen bezüglich der homosexuellen Praktiken sowie des allgemein unsteten Lebenswandels als Stricher zu beruhigen und bei den Freiern den Preis hochzutreiben, da diese oft Frischfleisch, also Jugendliche bzw. junge Männer bevorzugen, die neu bzw. noch nicht lange oder nur gelegentlich in der Szene verkehren. Dafür sind die Freier auch oft bereit, mehr zu bezahlen.

[24] SCHICKEDANZ, 1979, S. 2

[25] vgl. Pkt. 3.1 dieser Arbeit. Zum damaligen Zeitpunkt waren Jungen zwischen 12 und 18 Jahren am begehrtesten. In der heutigen Zeit gelten allerdings andere gesellschaftliche Normen und Werte und das ist sicherlich mitentscheidend dafür, dass das begehrteste Alter heute zwischen 16 und 23 Jahren liegt.

[26] SCHICKEDANZ, 1979, S. 3

[27] ebd., S. 4

[28] SCHICKEDANZ, 1979, S. 7 f. Die mann-männliche Prostitution hatte immer schon eine Art Ventilfunktion. Auf diese Weise konnten die (latent) homosexuellen Männer ihre sexuellen Bedürfnisse ausleben, gleichzeitig aber offiziell eine heterosexuelle Beziehung führen. Diese Konstellation kommt auch in der heutigen Zeit noch oft vor (vgl. dazu auch Pkt. 3.11 und 3.11.2 dieser Arbeit).

[29] SCHICKEDANZ, 1979, S. 7 f.

[30] ebd., S. 9, zitiert nach: HESSE, P.: Über die Prostitution. In: Giese, H. (Hrsg.): Mensch, Geschlecht, Gesellschaft. Baden-Baden, 1961, S. 902

[31] SCHICKEDANZ, 1979, S. 9

[32] LAUTMANN, 1990, S. 8

[33] SCHICKEDANZ, 1979, S. 10, 14

[34] SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 3, zitiert nach der Begründung im Entwurf des allgemeinen deutschen Strafgesetzbuches von 1927, S. 148

[35] SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 3

[36] SCHICKEDANZ, 1979, S. 15, zitiert nach § 175a des zu dieser Zeit geltenden Strafgesetzbuches

[37] Homepage vom GAYFORUM: www.gayforum.de/comeout/02222.shtml: Die Geschichte der Homosexualität, Teil I – III. Stand: 17.03.2003.

[38] Durch Rechtsverordnung erlassene Verbote, der Prostitution an bestimmten Orten überhaupt bzw. zu bestimmten Tageszeiten nachzugehen.

[39] SCHICKEDANZ, 1979, S. 15

[40] KLEMENS, 1967; KUHN, 1957; REDHARDT, 1968

[41] SCHICKEDANZ, 1979; SCHMIDT-RELENBERG et al., 1975

[42] SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 3

[43] F., Christiane: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, Hamburg, 1981

[44] BADER / LANG, 1991, S. 31 ff., 96 ff.

[45] QUER / STRICH, wurde 1992 in Berlin gegründet.

[46] WERNER, 1993, S. 144 f.

[47] Homepage von MEDICINE WORLDWIDE zum Thema HOMOSEXUALITÄT: www.medicine-worldwide.de/sexualitaet_fortpflanzung/lexikon/homosexualitaet.html. Stand: 17.03.2003.

[48] Das ergibt sich aus § 180 (2) StGB.

[49] vgl. Kapitel 3 dieser Arbeit

[50] DEUTSCHE AIDS-HILFE e.V., 2000: AKSD-Leitlinen, S. 6

[51] BADER / LANG, 1991, S. 12; SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 8

[52] BANGE, 1990, S. 34; DEUTSCHE AIDS-HILFE e.V., 2000: AKSD-Leitlinen, S. 6, 10; SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 8

[53] DEUTSCHE AIDS-HILFE e.V., 2000: AKSD-Leitlinen, S. 10

[54] BADER / LANG, 1991, S. 12

[55] VOLKWEIN / WERNER, 1998, S. 115

[56] BANGE, 1990, S. 35: „Das sind Menschen, deren sexuelles Interesse überwiegend oder ausschließlich Kindern und Jugendlichen gilt.“

[57] BADER / LANG, 1991, S. 13 f.

[58] EURO-KOPS, 1999, S. 9 f.

[59] EURO-KOPS, 1999, S. 13; SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 10 f.

[60] VOLKWEIN / WERNER, 1998, S. 116 f.

[61] vgl. Pkt. 3.4 dieser Arbeit

[62] EURO-KOPS, 1999, S. 9

[63] Das ergibt sich aus: MÖBIUS, 1990, S. 31; Quelle sind hier außerdem persönliche Erfahrungen und Gespräche im Rahmen meiner Arbeit (Job in der Jugendschutzstelle in Witten und ehrenamtliche Tätigkeit beim Stricherprojekt NACHTFALKE in Essen).

[64] BADER / LANG, 1991, S. 12

[65] vgl. Pkt. 3.8 dieser Arbeit

[66] Darunter sind in diesem Zusammenhang ausländische Jungen bzw. junge Männer zu verstehen, die sich häufig geduldet oder illegal in Deutschland aufhalten und in aller Regel keine Arbeitserlaubnis besitzen.

[67] Quelle sind hier persönliche Erfahrungen und Gespräche im Rahmen meiner Arbeit (Job in der Jugendschutzstelle in Witten und ehrenamtliche Tätigkeit beim Stricherprojekt NACHTFALKE in Essen).

[68] Viele Interviews mit Strichern zeigen das auf, z.B. BADER / LANG, 1991, S. 15 ff. oder K.,Felix, 2000, S.89 ff.

[69] vgl. Pkt. 1.1 und 2.2 dieser Arbeit

[70] In vielen Interviews mit Strichern wird deutlich, dass oft der Anfang ihrer Stricherkarriere darin bestand, ein finanzielles Angebot für sexuelle Dienstleistungen bekommen zu haben, ohne dass dies in ihrer Absicht lag, also eher zufällig passierte. Nachdem sie dann aber einmal auf diese Weise Geld verdient hatten und merkten, dass dies auch künftig möglich wäre, versuchten sie es immer wieder und prostituierten sich dann oft regelmäßig. Quellen sind z.B. BADER / LANG, 1991, S. 115 ff. oder K., Felix, 2000, S.89 ff.

[71] BENNING, 1999, S. 11

[72] Das sind Saunaeinrichtungen für schwule Männer, in denen diese auch häufig miteinander Sexualverkehr praktizieren.

[73] Das ist in der schwulen Szene ein umgangssprachlicher Begriff für die öffentlichen Bedürfnisanstalten für Männer.

[74] BENNING, 1999, S. 11 ff.; SCHICKEDANZ, 1979, S. 167 ff., SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 20

[75] BENNING, 1999, S. 11

[76] Quelle sind hier persönliche Erfahrungen und Gespräche im Rahmen meiner Arbeit (ehrenamtliche Tätigkeit beim Stricherprojekt NACHTFALKE in Essen).

[77] Ihnen kann dann nur schwerlich nachgewiesen werden, an einer Kontaktaufnahme interessiert gewesen zu sein; das ist gerade für die vielen sich eigentlich als heterosexuell definierenden und oftmals verheirateten Freier sehr wichtig.

[78] FINK, 1995, S. 218 f.; Homepage von LOOKS e.V.: www.looks-e.v.de/pdf/informationen.pdf. Stand: 10.02.2003.

[79] BENNING, 1999, S. 14 ff.

[80] BADER / LANG, 1991, S. 31 ff.; DEUTSCHE AIDS-HILFE e.V., 2000: AKSD-Leitlinen, S. 27; Homepage von LOOKS e.V.: www.looks-e.v.de/pdf/informationen.pdf. Stand: 10.02.2003.

[81] FINK, 1995, S. 221; SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 12

[82] DEUTSCHE AIDS-HILFE e.V., 2000: AKSD-Leitlinen, S. 28; Homepage von LOOKS e.V.: www.looks-e.v.de/pdf/informationen.pdf. Stand: 10.02.2003.

[83] Quelle sind hier persönliche Erfahrungen und Gespräche im Rahmen meiner Arbeit (ehrenamtliche Tätigkeit beim Stricherprojekt NACHTFALKE in Essen).

[84] z.B. der Wirt einer Bar, der dem Stricher Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und dafür von diesem einen bestimmten Betrag pro Freier fordert oder der Bekannte, der einem interessierten Freier gegen einen bestimmten Betrag Kontakte zu besonders jungen Strichern vermittelt.

[85] BADER / LANG, 1991, S. 14

[86] BANGE, 1990, S. 34

[87] BANGE, 1990, S. 34

[88] z.B. SCHICKEDANZ, 1979, S. 90; SCHMIDT-RELENBERG et al., 1975, S. 161

[89] ebd.

[90] SCHROTT-BEN REDJEB, 1990, S. 18 f.

[91] Dies bestätigen z.B. BANGE (1990, S. 35 f.) und die Stricher-Selbsthilfegruppe QUER/STRICH (1992, S. 18). Dagegen vermutete SCHICKEDANZ (1979, S. 90) nach den Informationen der von ihm interviewten Stricher und Callboys die Kunden der Stricher fast ausschließlich im Mittelstand.

[92] QUER/STRICH, 1992, S. 18

[93] QUER/STRICH, 1992, S. 18; BADER / LANG, 1991, S. 14

[94] QUER/STRICH, 1992, S. 21

[95] ebd., S. 20

[96] Quelle sind hier persönliche Erfahrungen und Gespräche im Rahmen meiner Arbeit (ehrenamtliche Tätigkeit beim Stricherprojekt NACHTFALKE in Essen und frühere ehrenamtliche Tätigkeit als Leiter einer schwul-lesbischen Jugendgruppe in Gelsenkirchen).

[97] QUER/STRICH, 1992, S. 21

Ende der Leseprobe aus 120 Seiten

Details

Titel
Zur Lebenssituation von männlichen Prostituierten
Untertitel
Hintergründe, Perspektiven, sozialpädagogische Konsequenzen und Projekte
Hochschule
Fachhochschule Dortmund  (FB Sozialpädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
120
Katalognummer
V15765
ISBN (eBook)
9783638207867
ISBN (Buch)
9783638699372
Dateigröße
865 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebenssituation, Prostituierten, Hintergründe, Perspektiven, Konsequenzen, Projekte
Arbeit zitieren
Frank Teuerkauf (Autor), 2003, Zur Lebenssituation von männlichen Prostituierten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15765

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