Kulturelle Mythen im 19. Jahrhundert: Friedrich Schiller und Johann W. Goethe


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009

9 Seiten


Leseprobe

Kulturelle Mythen im 19. Jahrhundert: Friedrich Schiller und Johann W. Goethe

Einleitung

Durch die Verwissenschaftlichung des Faches Geschichte bildete sich während des 19. Jahrhunderts eine Art der Geschichtsschreibung heraus, die wir als Nationalgeschichte kennen. Diese Form der Geschichtsschreibung befasst sich mit der Entstehung von Nationen und sieht es dabei als Aufgabe, den Staat politisch sowie kulturell zu legitimieren. Von Bedeutung ist hierbei, dass jeder Staat seine eigene Nationalgeschichte entwickelt, diese im Innern durch jedes Individuum konstituiert wird und zugleich eine Abgrenzung von außerstaatlichen Institutionen oder Menschen erfolgt. Dementsprechend kann die Geschichtsschreibung zur Förderung und Ausbildung von kollektiven Identitäten beitragen. Diese kurze Abhandlung illustriert, wie kulturelle Persönlichkeiten im Zuge der Geschichtsschreibung hochstilisiert und den Bedürfnissen der jeweiligen Gegenwart angepasst werden. Dabei kann sich jedoch eine kulturelle Sinngebung ebenso durch Feste, Denkmäler oder Symbolen herausbilden. Die Arbeit zeigt aber auch die stete Änderung von Geschichte mit dem einhergehenden Wandel des kollektiven Bewusstseins. So bedienen sich Historiker vergangener Ereignisse respektive Personen und interpretieren diese für sich selbst und ihre Gegenwart jeweils neu.[1] Andererseits beeinflussen Historiker durch das Schreiben von Geschichte künftige Ereignisse und versuchen (bewusst oder unbewusst) diese in ein kollektives Bewusstsein zu manifestieren. Gerade in den ausgesuchten Beispielen mit Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe wird ersichtlich, wie kulturelle Geistesgrößen zur Legitimierung politischer Ziele und Vorstellungen verwendet werden. So ist besonders in der Entstehung von Nationen zu beobachten, dass Vergangenheit durch die gegenwärtige Geschichtsschreibung in eine „ersehnte Zukunft“ transformiert wird.

Mythenbildung im Nation-building

Nach Langewiesche bildet eine Nation ein nach außen abgeschlossenes Konstrukt, welches im Innern nach höchster Integration strebt. Die dahinter stehenden Ziele bedingen Eigenverantwortung des Individuums und darüber hinaus die Souveränität als Kollektiv. Dies bedeutet, dass sich der Einzelne mit der Nation identifizieren muss, zugleich jedoch seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse darin realisieren kann.[2]

Hierbei sind Mythen, auch bezüglich kultureller Sinnstiftung, bei der Entstehung von Nationen von Bedeutung. Das Wort Mythos stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt Wort, Rede oder Erzählung.[3] In einer Mythisierung werden verstorbene Personen, vergangene Ereignisse oder Ideen von bestimmten Personen oder Gruppen in bestimmten Zeiten wieder vereinnahmt. Ein Mythos ist folglich von Dauer und durch Erinnerung soll politisches oder gesellschaftliches Handeln legitimiert werden. Meist wird dem Mythos auch eine nationale Bedeutung zugemessen, d.h. er wird von politischen oder religiösen Lagern vereinnahmt, womit seine individuelle Interpretation einhergeht.

Auf der anderen Seite ist noch der ‚Kult’ zu definieren. Das Wort ‚Kult’ kommt aus dem Lateinischen und wird mit Pflege, Bildung oder Verehrung übersetzt. Gleichsam einer Vergötterung bzw. übertriebenen Verehrung einer Person. Diese Verehrung ist mit einer Breitenwirkung verbunden.[4] In diesem Punkt, der Beanspruchung von Massen, ist eine Überschneidung in den beiden Definitionen zu finden. Ein Mythos kann wie erwähnt in Form einer popularisierenden Wirkung auftauchen und in gleichem Maße der Kult breite Verehrung aufzeigen. In Anlehnung an diese beiden Definitionen werden Schiller und Goethe bezüglich einer Mythisierung in meiner kurzen Arbeit genauer erforscht.

Mythos: Friedrich Schiller

Schon zu seinen Lebzeiten begeisterte Schiller mit seinen Dramen das Publikum. Er galt als angesehener Dichter und zugleich als Rebell. Seine Werke handelten vom Kampf gegen den Absolutismus, von Befreiungskämpfen oder Gedankenfreiheit. Doch proklamierte Schiller die Ausbildung zu freiem Menschentum als oberstes Ziel. Die Bildung eines deutschen Nationalstaates hielt er um 1800 für unmöglich und verdeutlichte dies in folgendem Xenion:

[...]


[1] Vgl. Hölscher, Neue Annalistik, 68.

[2] Vgl. Langenwiesche, Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa, 39/40.

[3] Wahrig, Brockhaus Deutsches Wörterbuch, 761.

[4] Ebd., 343.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Kulturelle Mythen im 19. Jahrhundert: Friedrich Schiller und Johann W. Goethe
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Veranstaltung
Historiografie Kurs
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V157657
ISBN (eBook)
9783640728268
ISBN (Buch)
9783640728367
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller, Goethe, Nation, Historiographie
Arbeit zitieren
Heiko Hoffmann (Autor), 2009, Kulturelle Mythen im 19. Jahrhundert: Friedrich Schiller und Johann W. Goethe , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157657

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