Der Brite Craig Ewert litt an einer Nerven- und Muskelkrankheit, die nicht heilbar war.
Er wählte aufgrund des zu erwartenden, langsamen Sterbeprozesses den Freitod und ließ sich dabei filmen. Die Dokumentation „Recht zu sterben“ wurde 2008 im britischen Fernsehen ausgestrahlt. Dieser Fall von begleitendem Selbstmord heizte den immer wiederkehrenden Diskurs um Sterbehilfe erneut an. In einem allgemeineren Kontext tangiert diese das Recht auf Leben. Entgegen verschiedener rigoroser Argumentationen mit theistischem Hintergrund, vertritt der australische Philosoph John L. Mackie eine Irrtumstheorie der Moral, die er in seinem Buch Die Erfindung des moralisch Richtigen und Falschen entwickelt. Ziel dieser Arbeit wird es sein, zu klären, inwiefern Mackies Irrtumstheorie zu einer moralischen Bewertung des Rechts auf Leben führen kann und ob mithilfe derselbigen Überlegungen vertretbare Entscheidungen in jenem Bereich getroffen werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Bemerkungen
2. Status moralischer Äußerungen
2.1 Konsequenzen
3. Inhalt moralischer Äußerungen
3.1 Recht auf Leben
4. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht John L. Mackies Irrtumstheorie des ethischen Skeptizismus, um zu klären, inwiefern diese auf die moralische Bewertung des Rechts auf Leben angewendet werden kann und welche handlungsleitenden Entscheidungen sich daraus ableiten lassen.
- Metaethische Grundlagen des moralischen Skeptizismus nach J. L. Mackie
- Die Ablehnung objektiver moralischer Werte und die Rolle des Subjektivismus
- Ethischer Egoismus als Basis für zwischenmenschliche Kooperation
- Analyse moralischer Dilemmata und das Prinzip der Doppelwirkung
- Die Anwendung der Theorie auf das Recht auf Leben (z.B. Sterbehilfe und Schwangerschaftsabbruch)
Auszug aus dem Buch
2. Status moralischer Äußerungen
„Es gibt keine objektiven Werte“ (vgl. Mackie 1983, S.11). Mit dieser provokanten These steigt Mackie in seine Überlegungen ein und beginnt im Anschluss diese Aussage zu spezifizieren. Mackie ist kein Skeptiker im Sinne eines Pyrrhonismus, sondern vielmehr bezieht er seine Skepsis lediglich auf die Objektivität sittlicher und ästhetischer Werte in einem metaethischen Sinn. Mackies These ist nicht als total ablehnende Haltung gegenüber Moral zu verstehen, denn die leitende Frage für Mackie ist vielmehr: „Wie hat man [sittliche Werte und das Wesen des Wertens] zu verstehen und wie einzuordnen?“ (S.13).
Zum Skeptizismus zugehörig ist der Subjektivismus. Dieser Subjektivismus ist eine „negative (...) Theorie, in der behauptet wird, „daß etwas nicht ist (...)“ und zwar die Existenz objektiver sittlicher Werte. Weiterhin wird derselbe ontologisch begründet, denn Mackie geht es, wie beim Skeptizismus, um das „Wesen und [den] Status sittlicher Güte und Richtigkeit (...)“ (S.17). Wie genau verhält es sich mit den einzelnen Aspekten des Skeptizismus und Subjektivismus Mackies?
Zunächst muss geklärt werden, welche gesellschaftliche Rolle Ethik nach Mackie einnimmt: Das menschliche Zusammenleben benötigt Einschränkungen sittlicher Art, die einem jeden Menschen gewisse Sicherheit gewährleisten, da wir egoistische Wesen sind. Im Laufe der Geschichte haben sich bestimmte Verhaltensweisen dazu entwickelt; entwickeln sich ständig. Auf jedes Mitglied einer Gesellschaft wird ein sozialer „Druck“ (S.50) ausgeübt, diese einschränkenden Normen anzunehmen. Aufgrund dieser Gegebenheit war und ist in der Philosophie und im alltäglichen Leben dazu geneigt, sittliche Werte zu objektivieren, d.h. moralische Wertaussagen bekommen den Status eines objektiven Wertes. Mackie lehnt die Existenz objektiv sittlicher Werte ab, was jedoch zwangsläufig nicht dazu führt, dass es keine vermeintlich wahren Wertaussagen innerhalb moralischer Fragen der ersten Ordnung gibt, womit der Bereich der normativen Ethik gemeint ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Bemerkungen: Einführung in die metaethischen Positionen von John L. Mackie und die Relevanz der Irrtumstheorie für den Diskurs über das Recht auf Leben.
2. Status moralischer Äußerungen: Erörterung von Mackies Ablehnung objektiver moralischer Werte und die Verknüpfung von ethischem Skeptizismus mit Subjektivismus.
2.1 Konsequenzen: Diskussion der Implikationen der Irrtumstheorie für das Verständnis von moralischen Aussagen und die Notwendigkeit einer vom Menschen geschaffenen Moral.
3. Inhalt moralischer Äußerungen: Untersuchung der handlungsleitenden Prinzipien und der Bedeutung des ethischen Egoismus für soziale Strukturen.
3.1 Recht auf Leben: Exemplarische Anwendung der Theorie auf schwierige moralische Themen wie Sterbehilfe, Abtreibung und den Umgang mit dem Recht auf Leben.
4. Abschließende Bemerkungen: Kritische Reflexion der Arbeit und des Potenzials von Mackies Ansatz zur Begründung einer auf Realität ausgerichteten Ethik.
Schlüsselwörter
John L. Mackie, Irrtumstheorie, Ethischer Skeptizismus, Metaethik, Objektivität, Subjektivismus, Recht auf Leben, Normative Ethik, Ethischer Egoismus, Moralische Dilemmata, Doppelwirkung, Sterbehilfe, Schwangerschaftsabbruch, Soziale Normen, Interessen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die philosophische Position des ethischen Skeptizismus von John L. Mackie und untersucht deren Anwendbarkeit auf konkrete ethische Fragestellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Fokus stehen die metaethische Verleugnung objektiver moralischer Werte, die Bedeutung des Subjektivismus und die Frage, wie menschliche Moral trotz des Fehlens objektiver Wahrheiten konstruiert werden kann.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, wie Mackies Irrtumstheorie eine moralische Bewertung des Rechts auf Leben stützen kann und ob dies zu vertretbaren praktischen Entscheidungen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine philosophische Analyse, die Mackies metaethische Thesen systematisch darstellt und sie auf Fallbeispiele anwendet.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Struktur moralischer Äußerungen, den Argumenten für den Skeptizismus, der Rolle des Egoismus als soziales Bindemittel und der Anwendung dieser Prinzipien auf Lebensschutzthemen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Irrtumstheorie, Metaethik, ethischer Skeptizismus, Recht auf Leben und moralischer Subjektivismus.
Inwiefern beeinflusst Mackies Sicht auf den Egoismus die soziale Ordnung?
Mackie betrachtet den Egoismus nicht als rein zerstörerisch, sondern als eine notwendige Bedingung für die Entstehung von Verträgen und Verhaltensregeln, die das Zusammenleben in Gemeinschaften sichern.
Wie geht Mackie mit dem Prinzip der Doppelwirkung bei moralischen Dilemmata um?
Er modifiziert das klassische Prinzip, indem er betont, dass Handelnde eine höhere Verantwortung für die absehbaren indirekten Wirkungen ihrer Handlungen tragen müssen, anstatt sich hinter starren Verboten zu verstecken.
- Quote paper
- Martin Küpper (Author), 2010, Der ethische Skeptizismus John l. Mackies und das Recht auf Leben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157705