Die 50er Jahre also die Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland waren eine ereignisreiche Zeit. Die Gesellschaft durchlief bis dahin einen Wandel von totalitärer Unterdrückung und Unselbstständigkeit, zu einer an Konsum orientierten Wirtschaftsmacht. Im Zentrum dieser Entwicklung stand, wie in den meisten Gesellschaften, die Familie. Gerade in den 50er Jahren war die Diskrepanz zwischen dem Wirtschaftswunder (der neuen Technik und dem neu erworbenen Luxus) und dem Zurücktasten zu Altvertrauten in der Familie (autoritäre Wertmuster in Ehe und Familie) enorm. Meine Hausarbeit hebt in diesem Zusammenhang die Situation der Frau in diesem Gefüge hervor. Sie stand im Zwiespalt zwischen der sich reformierenden Wirtschaftsmacht und den traditionellen Verhaltensmustern und Denkweisen der Gesellschaft, als Zentrum der Kleinfamilie und war somit im höchsten Maße betroffen.
Meinen Schwerpunkt lege ich jedoch auf die negative Veränderung der Situation der Frau in der Erwerbstätigkeit in der Zeit vom Dritten Reich bis zur Gründungszeit der Bundesrepublik. Ich werde hierbei verdeutlichen, dass sich gerade durch die weibliche Erwerbstätigkeit die Rolle der Frau in der Gesellschaft und deren Wandel verkörpern lässt. Denn die Veränderungen in der weiblichen Erwerbstätigkeit spiegeln immer auch den Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft wieder. Die Frauen stehen hierbei zwischen eigener Selbstverwirklichung und dem Druck der Gesellschaft. Dieses werde ich im Verlauf meiner Hausarbeit anhand von Belegen verschiedener Autoren verdeutlichen.
Um die Veränderung der Situation der Frau erfassen zu können, werde ich im ersten Teil meiner Hausarbeit kurz auf die Rolle der Frau im Dritten Reich eingehen und mich dann mit der tief greifenden Nachkriegszeit, mit ihren lebensmutigen ,,Trümmerfrauen’’ befassen. Im Zentrum meiner Hausarbeit steht jedoch die erwerbstätige Frau der 50er Jahre. Die Ansicht der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Gesetzeslage jener Zeit spielt hierbei eine nicht unwesentliche Rolle. Am Ende meiner Hausarbeit werde ich dann einen kleinen Einblick in die Situation der Frau in den 50er Jahren in Braunschweig geben, die eigentlich im Zentrum meiner Hausarbeit stehen sollte, aufgrund des Mangels an Literatur, nicht weiter hervorgehoben werden konnte, um dann durch mein Fazit zum Schluss zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Veränderung der Situation der Frau vom Dritten Reich bis zur Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland anhand der Erwerbstätigkeit
2.1 Die Situation der Frau im Dritten Reich
2.2 Leben der Frau in der Nachkriegszeit
3. Die 1950er Jahre
3.1 Die Veränderung der Situation der Frau im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit in den 1950er Jahren
3.1.1 Die Männer kehren zurück
3.1.2 Das Wirtschaftwunder und die neue Situation für die erwerbstätige Frau
3.1.3 Die Erwerbstätigkeit der Frau in Politik, Wirtschaft und dem Gesetz
4. Erwerbstätigkeit der Frau im Wandel in Braunschweig
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den negativen Wandel der Situation der Frau in der Erwerbstätigkeit vom Dritten Reich bis zur Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen individueller Selbstverwirklichung und gesellschaftlichem Anpassungsdruck liegt.
- Analyse der Rolle der Frau im Dritten Reich als Ehefrau und Mutter
- Untersuchung der erzwungenen Erwerbstätigkeit in der Nachkriegszeit
- Betrachtung der 1950er Jahre unter dem Aspekt des Wirtschaftswunders
- Darstellung der Gesetzeslage und gesellschaftlicher Normen zur Rolle der Frau
- Regionale Fallbetrachtung der Situation in Braunschweig
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Männer kehren zurück
In den Nachkriegsjahren und zu Beginn der 50er Jahre schienen die familiären Binnenbeziehungen gespannt und das Geschlechterverhältnis gestört. Frauen die in der Erwerbstätigkeit standen, waren weitestgehend eigenständig und versorgten oftmals ihre Familien alleine. Im Dritten Reich und auch noch Anfang der 50er Jahre war in den Köpfen der Leute und der Gesellschaft, der Gedanke des Vaters als Oberhaupt und Ernährer der Familie nicht verebbt. Die Selbstständigkeit der Frau in Beruf und Familie wurde somit als Übergangslösung bis zur Rückkehr der männlichen Mitbürger gesehen.
Im Herbst 1955 hieß Bundespräsident Theodor Heuss dann die sehnsüchtig erwarteten, letzten Kriegsgefangenen Männer willkommen. Sie sollten ihren für sie vorgesehenen Platz in der Familie und Gesellschaft wieder einnehmen. Die männlichen Rückkehrer wurden von der Politik und den Medien als bewundernswerte Menschen angepriesen, da sie in Würde gegen Hunger und totale Unterdrückung ausgeharrt hatten. So wurden sie als Ehemänner und Väter dargestellt, die den jahrelangen Leidensweg der „unvollständigen“ Familien und „allein stehenden“ Frauen nun endlich beenden würden.
Das männliche Leitbild war nun nicht mehr soldatisch geprägt, sondern betonte die Rolle des schützenden, verantwortungsvollen Vaters. Das Frauenbild hingegen beinhaltete Momente der Schuld. Die Gesellschaft zeigte ihre allgemeine „Dankbarkeitsschuld“ für die Arbeit der Mütter aber das größere Gewicht wurde auf die eigene Schuld der schwachen und hilfebedürftigen Mütter gelegt. Lediglich in den ausländischen Medien, wie z. B. in Großbritannien, wurde die Frau als hart arbeitend, und federführend, beim Trümmerräumen und Wiederaufbau gesehen. Diese Leistung wurde als beeindruckend gewürdigt, denn sie arbeiteten hart und kümmerten sich trotz alledem als allein erziehende Mütter aufopferungsvoll um ihre Kinder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Frauen in den 50er Jahren zwischen dem gesellschaftlichen Druck der traditionellen Mutterrolle und den Notwendigkeiten der sich wandelnden Wirtschaft standen.
2. Die Veränderung der Situation der Frau vom Dritten Reich bis zur Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland anhand der Erwerbstätigkeit: Dieses Kapitel analysiert die ideologische Unterordnung der Frau im Dritten Reich sowie die prekären Lebensumstände und die notwendige Erwerbsarbeit der Frauen in der direkten Nachkriegszeit.
3. Die 1950er Jahre: Der Autor beschreibt hier die wirtschaftliche Liberalisierung und den Konsumwandel der 50er Jahre sowie die ambivalenten Auswirkungen auf die erwerbstätige Frau, die zwischen "Zuverdienerin" und Hausfrau positioniert wurde.
4. Erwerbstätigkeit der Frau im Wandel in Braunschweig: Dieses Kapitel überträgt die allgemeine gesellschaftliche Analyse auf die Stadt Braunschweig und beleuchtet die Rolle der Frauen beim dortigen Wiederaufbau und in der lokalen Industrie.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst den negativen Wandel der Frauenrolle zusammen und verdeutlicht, dass erst gegen Ende der 70er Jahre eine echte Wahlfreiheit zwischen Beruf und Familie erreicht wurde.
Schlüsselwörter
Frauenerwerbstätigkeit, 50er Jahre, Bundesrepublik Deutschland, Drittes Reich, Nachkriegszeit, Wirtschaftswunder, Trümmerfrauen, Rollenbild, Emanzipation, Hausfrau, Mutterrolle, Braunschweig, Geschlechterverhältnis, Sozialpolitik, Gleichberechtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und den gesellschaftlichen Stellenwert der weiblichen Erwerbstätigkeit in Deutschland im Zeitraum vom Dritten Reich bis zur Gründungszeit der Bundesrepublik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern zählen die Auswirkungen politischer Ideologien auf das Frauenbild, die Zwangs-Erwerbstätigkeit in der Nachkriegszeit, die Rolle der Frau während des Wirtschaftswunders und die rechtliche Stellung im bürgerlichen Gesetzbuch.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Situation der Frau in der Erwerbstätigkeit negativ veränderte und wie die Frauen dabei zwischen individuellem Wunsch nach Selbstverwirklichung und dem Druck der Gesellschaft standen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die historische Belege verschiedener Autoren nutzt, um die soziokulturellen und ökonomischen Veränderungen der Frauenrolle nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Rolle der Frau in verschiedenen historischen Phasen, von der Zeit des Nationalsozialismus über die Nachkriegszeit bis hin zu den 1950er Jahren, ergänzt durch eine Fallstudie zu Braunschweig.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Frauenerwerbstätigkeit, Rollenbilder der 50er Jahre, Wirtschaftswunder und der historische Wandel der rechtlichen sowie gesellschaftlichen Stellung der Frau.
Warum spielt Braunschweig in dieser Arbeit eine Rolle?
Braunschweig dient als regionales Fallbeispiel, um die allgemeinen bundesweiten Entwicklungen und den Wiederaufbau in der Metall- und Konservenindustrie exemplarisch zu verdeutlichen.
Was besagt die Arbeit über die Rückkehr der Männer in die Familien?
Die Arbeit beschreibt diesen Prozess als schwierig, da die Männer in ihre alte Rolle als Ernährer zurückkehrten und die zuvor eigenständigen Frauen wieder in die private Hausfrauenrolle gedrängt wurden.
- Arbeit zitieren
- Nina Falke (Autor:in), 2009, Die negative Veränderung der Situation der Frau in der Erwerbstätigkeit vom dritten Reich bis zur Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157721