„Dass im Land der Apartheid1 eine liberale Demokratie etabliert werden konnte, gehört sicher zu den bedeutendsten Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Es ist ein Meilenstein in der Geschichte des Kampfes gegen Kolonialismus und Rassismus und für die Verbreitung von Demokratie auf der Welt.“ Südafrika ist von einer Art Aura umgeben und besitzt ein politisches System, welches als nachahmenswert und exemplarisch gilt. Trotzdem wurde das Land am Kap von dem südafrikanischen Intellektuellen Breyton Breytonbach einst als vergiftetes Paradies bezeichnet. Ein Widerspruch, der es erfordert, die Gesellschaft dieses Landes genauer zu betrachten.
Nach Meinung vieler Experten ist es unbestritten, dass die neuen Regierungen erhebliche Erfolge in der Außenpolitik und bei makroökonomischen Zielen wie einer niedrigen Inflation und einem geringen Haushaltsdefizit erzielen konnten. Die innere gesellschaftliche Stabilität dagegen ist gefährdet. Viele qualifizierte „weiße“ Fachkräfte verlassen das Land und wichtige Aufgaben in Wirtschaft und Verwaltung werden mit ungenügend ausgebildeten „Schwarzen“ besetzt. Die neuen Quotenregelungen haben dazu geführt, dass einzelne Aspiranten in den Kreis der Elite aufgenommen wurden und in der Verwaltung eine organisierte Beteiligung „schwarzer“ Südafrikaner durchgesetzt wurde.
Teile der Stadt- und Landbevölkerung, die damals viele Kilometer zurücklegen mussten, um an Wasser zu kommen, wurden mit fließendem Wasser versorgt. Menschen, die zur Zeit der Apartheid unter unvorstellbaren Bedingungen lebten, wurden schlichte Behausungen gebaut. Die Verbesserungen bei der Grundversorgung im dörflichen Gesundheitswesen, dem Bildungswesen, und dem Zugang zu sauberem Trinkwasser, Strom und Telefon sind in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch von negativen Entwicklungen überschattet worden.7 Die Errungenschaften der Post-Apartheid-Ära werden nur von denen, die auch von ihnen profitieren, als solche empfunden. Es ergibt sich die Frage danach, ob es sich bei den forcierten Besserungen um mehr als einen Versuch der neuen Regierung handelt, mit kurzfristigen Experimenten die gemachten Versprechungen zu erfüllen. Die sozialen Veränderungen in Südafrika im Laufe der vergangenen sechzehn Jahre können einen Aufschluss darüber geben, inwiefern die Gesellschaft von der Abwahl des totalitären Regimes und der Einführung von Demokratie profitieren konnte und sind daher von wissenschaftlicher Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Methodik und Forschungsstand
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Historischer Kontext
2.1 Geschichtlicher Überblick bis 1948
2.2 Das System der Apartheid in Südafrika
2.3 Das Ende der Apartheid in Südafrika
3 Einordnung Südafrikas im internationalen Vergleich
3.1 Human-Development-Index
3.2 Failed-State-Index
4 Die Regenbogennation Südafrika
4.1 Gesellschaftsstrukturen
4.1.1 Divergenz von Arm und Reich
4.1.2 Soziale Strukturen während der Apartheid und heute
4.1.3 Wirtschaftliche Entwicklungen
4.1.4 Zusammenfassung
4.2 Die Post-Apartheid-Gesellschaft
4.3 Rassismus im heutigen Südafrika
5 Aktuelle Entwicklungen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sozialen Veränderungen innerhalb der südafrikanischen Gesellschaft seit der Überwindung der Apartheid. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des sozialen Strukturwandels sowie der Frage, inwiefern die Transformation des Landes tatsächlich zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der breiten Bevölkerung geführt hat.
- Analyse sozialer Indikatoren wie Bildung, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmarkt.
- Vergleich der Lebensbedingungen vor und nach dem Ende der Apartheid.
- Untersuchung des Wandels von einer Rassen- zu einer Klassengesellschaft.
- Bewertung der staatlichen Bemühungen um soziale Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung.
- Einordnung der aktuellen gesellschaftlichen Instabilität und Fremdenfeindlichkeit.
Auszug aus dem Buch
2.1 Geschichtlicher Überblick bis 1948
Als erste Europäer drangen die Portugiesen mit Bartolomeu Diaz 1488 und Vasco da Gama 1498 bis zur Südspitze Afrikas vor. Sie besaßen jedoch nie die Absicht, am Kap der Guten Hoffnung eine ständige Niederlassung zu gründen. Mit diesem Ziel landete der Niederländer Jan van Riebeek im Jahr 1652 in der Nähe des heutigen Kapstadts. Niederländische Schiffe auf ihrem Weg nach Ostindien sollten hier mit frischen Lebensmitteln versorgt werden. Die Besiedlung der neuen Kapkolonie verlief anfangs noch friedlich und war lediglich auf den Austausch von Gütern zwischen Niederländern und Einheimischen ausgerichtet. Die Einstellung der „weißen“ Siedler, die zunächst darauf bedacht war, die fremde Kultur zu tolerieren und sich von den Stammesgebieten der Ureinwohner fern zu halten, veränderte sich bald. Zunehmender Handelsverkehr begünstigte die Niederlassung der ersten freien niederländischen Ackerbauern und Viehzüchter. Die sogenannten Buren („boeren“, niederländisch für Bauern) versuchten die Einheimischen als Arbeitskräfte auf Ihren Feldern zu instrumentalisieren. Da dies nur teilweise gelang, begann ab 1658 die Übersiedlung erster Sklaven aus Mosambik und Madagaskar.
Allmählich entwickelten die Buren ein Verständnis, demnach die „Schwarzen“ nicht zivilisiert und ihnen unterlegen waren. Der verfolgte Gedanke, die afrikanischen Ureinwohner zivilisieren zu müssen, legte den Grundstein für das spätere Gesellschaftssystem. Ab Ende des 18. Jahrhunderts schwand der Einfluss der Niederländischen Ostindien Kompanie und mit ihm der der niederländischen Siedler. Britische Einwanderer strömten in das Land und 1815 wurde die Kapregion zur britischen Kronkolonie ausgerufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Problemstellung und wissenschaftlichen Relevanz sowie Erläuterung der Methodik und des Aufbaus der Arbeit.
2 Historischer Kontext: Überblick über die Besiedlungsgeschichte, die Entstehung der Apartheid und die politischen Entwicklungen bis zu deren Ende.
3 Einordnung Südafrikas im internationalen Vergleich: Globale Analyse mittels Human-Development- und Failed-State-Indizes zur Bewertung der Entwicklung nach 1994.
4 Die Regenbogennation Südafrika: Untersuchung der heutigen Gesellschaftsstruktur, des Wandels vom Rassen- zum Klassensystem sowie der Rolle von Frau, Kriminalität und Wirtschaft.
5 Aktuelle Entwicklungen: Analyse jüngster gesellschaftlicher Ereignisse, der Zufriedenheit mit der Regierung sowie der Auswirkungen der Weltmeisterschaft.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der erreichten sozialen Fortschritte und der fortbestehenden strukturellen Probleme in Südafrika.
Schlüsselwörter
Südafrika, Apartheid, Post-Apartheid-Gesellschaft, Sozialstruktur, Armut, Ungleichheit, Bildung, Gesundheit, Arbeitslosigkeit, Black Economic Empowerment, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Transformation, Demokratie, Sozialpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den sozialen Veränderungen in Südafrika nach dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 und bewertet die gesellschaftliche Entwicklung im demokratischen System.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Im Fokus stehen die Lebensbedingungen der Bevölkerung, das Sozialwesen, der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern die südafrikanische Gesellschaft seit der Einführung der Demokratie tatsächlich von dem Systemwechsel profitieren konnte und ob Armut sowie Ungleichheit erfolgreich abgebaut wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Der Autor führt eine kritische Literaturanalyse durch und verwendet Vergleichskriterien wie den Human-Development-Index (HDI) und den Failed-State-Index (FSI), um Südafrika im internationalen Kontext einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle gesellschaftliche Struktur, die Entwicklung der Arm-Reich-Kluft, die Post-Apartheid-Gesellschaft, wirtschaftliche Entwicklungen und das Phänomen des heutigen Rassismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Transformation, soziale Ungleichheit, Apartheid-Erbe, Black Economic Empowerment und staatliche Sozialpolitik geprägt.
Warum schneidet Südafrika in den untersuchten Indizes oft schlecht ab?
Laut der Arbeit liegt dies an den massiven Einkommensunterschieden und der ungleichen Verteilung von Ressourcen, die trotz der politischen Demokratisierung fortbestehen.
Welche Rolle spielt die Fremdenfeindlichkeit in den heutigen Untersuchungen?
Die Arbeit zeigt, dass Fremdenfeindlichkeit ein wachsendes Problem darstellt, das aus Frustration über ausbleibende soziale Fortschritte und einer nationalistischen Rhetorik genährt wird.
- Arbeit zitieren
- Martin Hiebsch (Autor:in), 2010, Soziale Veränderungen in der südafrikanischen Gesellschaft seit der Überwindung der Apartheid, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157722