Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Nutzungspotentiale und Nutzungskonflikte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
2.1 Ziele des Nationalparks
2.2 Die ökologische Bedeutung des Wattenmeeres

3. Der Nationalpark heute im Spannungsfeld Ökologie-Ökonomie
3.1 Tourismus im Nationalpark
3.2 Fischerei im Nationalpark
3.3 Militär und Erdölförderung im Nationalpark

4. Zusammenfassung und Bewertung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Titel dieser Hausarbeit scheint auf den ersten Blick eindeutig den Gegenstand der Untersuchung darzustellen: den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Man könnte meinen, daß dies eine eindeutige Aufgabenstellung sei, muß aber bei genauerer Betrachtung feststellen, daß es sich hierbei um ein äußerst komplexes landschaftsökologisches Untersuchungsobjekt handelt. Die Komplexität des Untersuchungsobjekts macht es nötig, sich auf wichtige Aspekte des Themas zu konzentrieren, wobei es in dieser Arbeit nicht darum geht, eine chronologische Abfolge der Entstehungsgeschichte des Nationalparks zu liefern, sondern vielmehr anhand von ausgesuchten Aspekten deutlich zu machen, wie schwierig es ist in einem benachteilgten sozio-ökonomischen Umfeld ein Gebiet zu schützen, dem ökologisch eine globale Bedeutung zukommt.

Dabei wäre es falsch, den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer[1] isoliert von seinen Nachbarräumen zu betrachten, da eine Reihe von Interdependenzen bestehen, die den Nationalpark in den Raum der Westküste Schleswig-Holsteins integrieren. Wie diese Interdependenzen aussehen und welche Auswirkungen sie auf den Nationalpark einerseits, aber auch auf die benachbarten Räume und deren Bewohner andererseits, haben, versucht diese Arbeit zu untersuchen. Grundlage dafür ist das von MESSERLI, HABER und LEUSCHER entwickelte „Regionale Mensch-Umwelt-System des Wattenmeeeres“, welches von FEIGE und TRIEBSWETTER[2] geändert wurde. Dieses Modell trennt das Ökosystem des Nationalparks vom sozio-ökonomischen System. Diese Trennung kann nur als künstlich bewertet werden. Im folgenden wird versucht, diese Trennung aufzuheben und dabei die Rolle des Nationalparks und seine Entwicklung im Spannungsfeld der verschiedenen Interessenskonflikte darzustellen, zu bewerten und am Ende Lösungsvorschläge zu diskutieren.

2. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

2.1 Ziele des Nationalparks

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer besteht in seiner heutigen Form aufgrund der Verabschiedung des „Gesetzes zur Neufassung des Gesetzes zum Schutze des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres“[3] (Nationalparkgesetz), womit das „Gesetz zum Schutze des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres“ vom 22. Juli 1985 geändert wurde. Dieses macht deutlich, daß im Land Schleswig-Holstein Nationalparke per Gesetz eingerichtet werden müssen, was allerdings dem §14 BundesNaturschutzgesetz entspricht[4]. Paradoxerweise definiert das Landesnaturschutzgesetz Schleswig-Holsteins in der Fassung vom 16.6.1993 aber den Begriff „Nationalpark“ nicht in einem eigenen Artikel, wie es viele andere Länder bereits gemacht haben.

Die Ziele des Nationalparks werden durch §2 des Nationalparkgesetzes definiert und machen das Spannungsverhältnis zwischen Ökologie und Ökonomie bereits deutlich. Der Nationalpark soll zum einen „dem Schutz und der natürlichen Entwicklung des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres und der Bewahrung seiner besonderen Eigenart. Es ist ein möglichst ungestörter Ablauf der Naturvorgänge zu gewährleisten (...)“ garantieren, zum anderen sollen „unzumutbare Beeinträchtigungen der Interessen und herkömmlichen Nutzungen der einheimischen Bevölkerung“ vermieden werden und „der Erhalt der Natur durch den Nationalpark soll auch durch positive Rückwirkungen auf den Tourismus und das Ansehen der Region der nachhaltigen Entwicklung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der im Umfeld lebenden Menschen dienen“[5].

Um eine wissenschaftliche Begründung für die Einrichtung des Nationalparks zu liefern, wurden Wissenschaftler verschiedener Disziplinen beauftragt, das Ökosystem Wattenmeer zu untersuchen. Ihre Forschung dauerte fast 12 Jahre und lieferte wertvolle Erkenntnisse, die 1996 im 800 Seiten straken Synthesebericht der Ökosystemforschung Wattenmeer veröffentlicht wurden. Der Synthesebericht lieferte wichtige Vorschläge, um den Naturschutz im Nationalpark zu verbessern. Diese Vorschläge trafen v.a. bei den Gruppen auf Widerstand, die das Wattenmeer wirtschaftlich nutzen. Ein dreijähriger, teilweise sehr kontrovers verlaufender Diskussionsprozeß setzte ein, an dessen Ende das neue Nationalparkgesetz stand. Ein großes Problem stellte die Tatsache dar, daß die Bevölkerung befürchtete, zu wenig in die Gesetzgebung einbezogen zu werden, was die Atmosphäre zwischen Landesregierung und Vertretern der Westküstenregion zusätzlich belastete[6]. Daß dieses Nationalparkgesetz von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt wurde, machen die zahlreichen Proteste deutlich[7].

2.2 Die ökologische Bedeutung des Wattenmeeres

Bedingt durch die Gezeitenströmung und den Seegang, ist das Wattenmeer ein äußerst produktives Ökosystem, gemessen an der jährlich produzierten Biomasse, dem nicht nur eine regionale, sondern auch eine globale Bedeutung zukommt. So ist das Wattenmeer nicht nur ein wichtiges Gebiet für viele Fische, die ihre Jugendstadien im Wattenmeer verbringen, sondern auch größtes Gebiet für Seehundpopulationen der Nordsee, die hier ihre Wurf-und Aufzuchtgebiete im Sommer finden. Globale ökologische Bedeutung erlangt das Wattenmeer durch die Tatsache, daß in ihm jährlich hunderttausende von Vögeln ihre Rast-, Brut-, Mauser-, und Nahrungsgebiete finden. „Nirgendwo auch in Europa wird ein Ökosystem-Komplex dieser Größenordnung von mehr Vögeln pro Flächeneinheit im Ablauf eines Jahres zur Nahrungsaufnahme aufgesucht als das Wattenmeer“[8].

3. Der Nationalpark heute im Spannungsfeld Ökologie - Ökonomie

Der heutige Nationalpark umfaßt eine Fläche von ca. 441.500 ha Fläche und ist damit um fast 170.000 ha größer als der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, wie er 1985 eingerichtet worden ist. Das entspricht einer flächenmäßigen Zunahme von über 60 %. Im Norden bildet die deutsch-dänische Grenze die Grenze des Nationalparks, im Süden die nördliche Wattkante des Elbe-Ästuars. Im Westen bildet jetzt die 12 Seemeilen-Grenze die äußere Begrenzung, früher war es die 3 Seemeilen-Grenze. Diese Ausdehnung des Gebiets nach Westen ist Hauptursache für die Flächenzunahme des Nationalparks. Im Osten bildet eine von der Deichkrone 150 m entfernte, parallel zur Deichkrone verlaufende Linie, die Grenze.

Damit gehören, wie auch im Nationalpark von 1985, die Deiche, Dünen und Salzwiesen des Küstenstreifens nicht zum Gebiet des Nationalparks, obwohl dies von Naturschützern und Wissenschaftlern gefordert wurde[9]. Besonders die Salzwiesen und Dünen im Supralitoral nehmen eine besondere ökologische Stellung im Ökosystem Wattenmeer ein. Aufgrund ihrer Filter- und Sedimentationswirkung sind die Salzwiesen besonders reich an Nährstoffen, so daß sie sich durch eine äußerst hohe Primärproduktion auszeichnen.

Durch Küstenschutzmaßnahmen, wie z.B. Eindeichungen, sind in den letzten Jahrzehnten viele Salzwiesenflächen vernichtet worden. So ist es auch der Küstenschutz, der das Hauptargument gegen eine Einbeziehung des Küstenstreifens lieferte. Daneben findet auf den Salzwiesen Landwirtschaft in Form von Weidewirtschaft statt. Durch die Beweidung wird die natürliche Vegetation fast vollständig zerstört, so daß die Artenvielfalt und Diversität des Lebensraumes Salzwiese fast kaum noch vorhanden ist. Allerdings darf nicht vergessen werden, daß die Landwirtschaft in diesem strukturschwachen Raum immer noch eine gewisse Bedeutung zukommt, die durch ihre lange Tradition eine sozio-kulturelle Bedeutung erhält. So empfindet ein großer Teil der Bevölkerung die Bemühungen, die Landwirtschaft auf den Salzwiesen einzustellen, als nicht hinnehmbaren Eingriff in die Wirtschaftsstruktur und das Landschaftsbild der Region[10], obgleich die Erträge der Salzwiesenbeweidung aufgrund der geringen Größe der Gesamtfläche vernachlässigbar klein sind und die Umsätze 1990 weniger als 0,5% der Umsätze in der Landwirtschaft der Region ausmachten[11].

[...]


[1] Im folgenden bezeichnet als „Nationalpark“

[2] vgl. dazu: Mathias Feige und Ursula Triebswetter (1998): Teil A: Projektbericht Sozioökonomie. Theoretisches Konzept und Methodologie. In: Umweltbundesamt (Hrsg.): Ökosystemforschung Wattenmeer. Teilvorhaben Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Texte 79/97. Berlin, S.38.

[3] Www.wattenmeer-nationalpark.de/archiv/gesetz.htm. 20.09.00.

[4] Ursula Diepolder (1997): Zustand der deutschen Nationalparke im Hinblick auf Anforderungen der IUCN. Diss. München, S.46. Im folgenden zitiert als: Diepolder (1997): Nationalparke.

[5] Www. wattenmeer-nationalpark.de/archiv/gesetz.htm. 20.09.00

[6] TAZ-Hamburg vom 21.12.1998: Streit um Nationalpark. Wattenmeer: Kuratorien fühlen sich von Kieler Umweltministerium mißachtet. Nr.5717:25.

[7] FAZ vom 5.10.1996: `Uns wird die Heimat stückweise genommen´. Nordfriesen über Vorschläge zur Zukunft des Nationalparks Wattenmeer erzürnt. Nr.230:5.

[8] Berndt Heydemann (1981): Ökologie und Schutz des Wattenmeeres. In: Schriftenreihe des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Heft 255. Münster-Hiltrup, S. 76. Im folgenden zitiert als: Heydemann (1981): Ökologie.

[9] Martin Stock et.al. (1996): Ökosystemforschung Wattenmeer. Synthesebericht: Grundlagen für einen Nationalparkplan. In: Schriftenreihe des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Heft 8, Heide,

S. 196

[10] Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5.10.1999: „Man gräbt uns das Wasser ab“. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer treibt Bewohner der Westküste zum Widerstand. Nr.231:3.

[11] Stock et.al. (1996): Synthesebericht, S.42.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Nutzungspotentiale und Nutzungskonflikte
Hochschule
Universität Augsburg  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Regionale Geographie Norddeutschlands
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V15773
ISBN (eBook)
9783638207942
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalpark, Schleswig-Holsteinisches, Wattenmeer, Nutzungspotentiale, Nutzungskonflikte, Regionale, Geographie, Norddeutschlands
Arbeit zitieren
Falko Gosdzinski (Autor), 2003, Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Nutzungspotentiale und Nutzungskonflikte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15773

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